Anthem war 2019 die Hoffnung von MMO-Fans auf einen guten Loot-Shooter. Der Traum ist rasch geplatzt. Aber statt das Spiel fallen zu lassen, wollen EA und BioWare es offenbar retten. Die Frage ist: Warum eigentlich?
Das ist die Situation: Im Februar 2019 erschien Anthem mit viel Getöse. Der SF-Shooter, in dem jeder Iron Man ist, sollte 10 Jahre lang neue Inhalte bringen, hieß es. Rasch stellte sich heraus, dass Anthem unter hartnäckigen Problemen litt, die BioWare nicht einfach wegpatchen konnte.
Anthem war offenbar auf den letzten Drücker fertig geworden und es hatten sich gravierende Fehler in seiner DNA eingenistet: Ein Loot-Spiel ohne guten Loot und ohne ein starkes Progression-System kann noch so gut aussehen und cooles Gameplay bieten, letztlich wird es Spieler nicht halten können. Das sah man bei BioWare schnell ein.
Der Content-Nachschub für Anthem brach nach wenigen Wochen zusammen. Das ursprüngliche Team zog sich trotzdem schon im Mai plangemäß von Anthem zurück und ein zweites Team übernahm. Das hatte bis dahin Star Wars: The Old Republic gemacht, ein erfolgreiches, aber langsam auslaufendes MMORPG aus dem Jahr 2011.
BioWare und EA sagten zwar, sie wollten Anthem auf jeden Fall weiter entwickeln, doch ein halbes Jahr war Stille. Letzte Woche kam dann die Erkenntnis, dass BioWare tatsächlich weiter an Anthem arbeitet und eine große „Neuerfindung“ plant.
Mass Effect stößt man ab, aber Anthem wird gerettet
Darum ist das ungewöhnlich: Es ist zumindest ein wenig überraschend, dass diese Ankündigung wirklich kam. Denn 2017 waren BioWare und EA in fast derselben Situation. Damals war „Mass Effect: Andromeda“ erschienen. Einige mochten Andromeda zwar, darunter unsere Autorin Cortyn, aber letztlich war Andromeda zu erfolglos, um gerettet zu werden.
Dabei war „Mass Effect“ eigentlich eine große, etablierte Marke, während Anthem noch neu ist.
Es wäre durchaus naheliegend für EA und BioWare gewesen, Anthem abzuschreiben, zumal das Haupt-Team von BioWare schon am neuen Dragon Age arbeitet.

Das macht die Rettung schwierig: Anthem hat keine Möglichkeit, die Arbeit, die das Team jetzt reinsteckt, irgendwie gegen zu finanzieren:
- Denn EA hat versprochen, keine kostenpflichtigen DLCs zu veröffentlichen.
- Zudem ist die Stimmung bei den Anthem-Käufern so, dass sie „erst mal was für das ursprüngliche Geld sehen wollen“. Sollte EA die Anthem-Käufer für eine Neuerfindung zu Kasse bitten, wäre das höchst problematisch.
Warum retten sie es dann? EA scheint sich der Marke „Anthem“ und dem Studio BioWare verpflichtet zu fühlen, weil man das Spiel so groß beworben hatte und es als „großer Hit“ geplant war.
Das Spiel jetzt als gescheitert abzuschreiben, würde EA als Publisher und BioWare als Studio beschädigen.
Ein erfolgreiches Anthem wäre für EA zudem ein wichtiges Argument, um die Deals und Pässe rund um „Origin Access“ weiter zu versüßen. EA will eindeutig „so ein Spiel wie Destiny oder The Division“ im Portfolio haben, immerhin haben die anderen großen Publisher ebenfalls solche Dauerbrenner-Spiele.
Außerdem gibt’s wohl einen simplen, pragmatischen Grund: BioWare hat eben das SWTOR-Team in Austin, das offenbar von Beginn an für die Weiterentwicklung von Anthem vorgesehen war. Augenscheinlich hat EA keine Pläne, was die sonst tun sollten. Eine große Weiterentwicklung des Star-Wars-MMORPG ist offensichtlich nicht mehr geplant.
Anthem 2.0 – Viele Käufer würden es wohl probieren
Darum ist das gut für uns: Bei der Rettung von Anthem geht es wohl vor allem um den Ruf von EA und BioWare. Für die Anthem-Käufer sind das gute Nachrichten, denn sie können eigentlich nur gewinnen.
Auch wenn Anthem so harsch kritisiert wurde, hat vielen die Welt, die Ästhetik und das Kern-Gameplay gefallen. Ein besseres Anthem 2.0, ohne dafür nochmal zahlen zu müssen, bringt letztlich nur Vorteile. Viele, die Anthem vor einem Jahr gekauft haben, würden wohl wieder in die Welt von Anthem eintauchen, wenn sich abzeichnet, dass sich der erneute Download lohnt.
Der Hype um Anthem und die strategische Bedeutung des Spiels für EA waren so groß, dass sie jetzt zumindest versuchen müssen, das Spiel noch mal umzubiegen.
Ob es ihnen gelingt, steht auf einem anderen Blatt.
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