Der neue Dungeon „Dämmerung des Ewigen“ muss der neue Standard in World of Warcraft werden. Das findet zumindest MeinMMO-Dämon Cortyn.
Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass der Launch von Patch 10.1.5: Risse in der Zeit eher „so mittel“ funktioniert hat. Das neuste Update von World of Warcraft sorgte für Lags und Bugs, die letztlich nur mit einer Notfallwartung behoben werden konnten, die fast den ganzen Nachmittag andauerte.
Dennoch hat meine Gilde sich am Abend in den neuen Mega-Dungeon „Dämmerung des Ewigen“ gewagt und jede Menge Spaß gehabt. Das lag aber auch daran, dass wir bei Mega-Dungeons immer eine besondere Regel einhalten.
Wenn ein neuer Mega-Dungeon in World of Warcraft ansteht, dann hat eine Gruppe meiner Gilde eine klare Abmachung: Niemand informiert sich im Vorfeld über die Bosse des Dungeons. Wir gehen alle „blind“ hinein, ohne zu wissen, was die Bosse können.
Und ganz ehrlich: Das sind jedes Mal die lustigsten und interessantesten Stunden in World of Warcraft.
Die Bosse – Das klare Highlight des Dungeons
Auch wenn World of Warcraft in Sachen Boss-Design das Rad nach schier unzähligen Obermotzen nicht mehr neu erfinden kann und Mechaniken sich zwangsweise ähneln müssen, war das in der Dämmerung des Ewigen nicht der Fall.
Ausnahmslos jeder der Bosse fühlte sich cool und interessant an und verlangte von allen Spielern, dass sie die Mechaniken spielen und begreifen. Die Mechaniken fühlten sich dabei zum großen Teil frisch und unverbraucht an. Ein paar kleine Beispiele:
Der Boss „Manifestierte Zeitwege“ hat zwei verschiedene Flächen, die sich permanent um ihn herumbewegen. Eine davon beschleunigt und macht viel Schaden, die andere verlangsamt und verursacht nur wenig Schaden. Alle anderen Mechaniken des Bosses interagieren damit. So schleudert er immer mal wieder Kugeln in Wellen aus, denen man ausweichen muss. In der langsamen Fläche sind auch die Kugeln verlangsamt, was das Ausweichen simpel macht.
Gleichzeitig werden Spieler mit einem Debuff belegt, der innerhalb der richtigen Zone dispellt werden muss, denn: In der „schnellen“ Zone triggert das eine Explosion, die sofort verraucht. In der langsamen Zone jedoch ergibt der Dispell eine sich ganz langsam ausbreitende Explosion, die mehrfach Schaden erzeugt.
Ähnlich spannend ist auch der Kampf gegen Morchie (die „böse“ Chromie). Sie ruft immer wieder mehrere Morchies aus anderen Zeitlinien herbei, die alle gleichzeitig einen verheerenden Zauber beginnen. Diesen Schaden kann man nur vermeiden, wenn man hinter der wahren Morchie steht – die man wiederum an ihrer Kleidung erkennt. Es bleiben also nur wenige Sekunden, um die wahre Morchie zu finden und sich zu verstecken.
Bei einem anderen Boss muss man einen Debuff wie eine „heiße Kartoffel“ immer schnell an andere Spieler weiterreichen, damit man nicht von Gedankenkontrolle betroffen wird. Wer hier pennt, tötet rasch die eigene Gruppe.
Auch beim Endboss wird es chaotisch. Immer wieder fallen 2 Bomben vom Himmel, die zeitverzögert explodieren müssen, da der stapelbare Debuff sonst den Tod der Gruppe bedeutet. Das Verzögern der Explosion gelingt, indem man sich in die Bombe stellt, die dann langsamer zu Boden fällt. In der Theorie einfach, muss man aber rasch ansagen, welche Bombe denn zuerst ausgelöst wird. Das wird umso schwieriger, sobald der Boss auch noch anfängt, alles mit Flächeneffekten vollzukleistern, wodurch man die Bombe nur noch wenige Sekunden verzögern kann.
Blizzard wollte, dass man den Dungeon wie einen „kleinen Raid“ sieht – und so fühlt er sich auch an. Jeder Bosskampf ist ein kleiner Raid-Boss, zumeist mit mehreren Phasen und Mechaniken, die rasch zum Tod der ganzen Gruppe führen können.
Ganz davon abgesehen, ist auch die Geschichte des Dungeons ziemlich interessant, da sie Chromie vor ein nahezu unlösbares Zeit-Problem stellt, bei dem schlicht nicht alle Schwierigkeiten bewältigt werden können. Etwas, das ziemlich sicher in den nächsten Patches noch zum Tragen kommen wird.
All diese Mechaniken machen den Mega-Dungeon Dämmerung der Ewigen aber auch zu einem Horror für Random-Gruppen. Ohne Kommunikation scheint es, zumindest auf den ersten Blick, nahezu unmöglich zu sein, diesen Dungeon zu bewältigen. Egal ob die Ansage der „echten“ Morchie, das Verzögern von Explosionen oder das korrekte Dispellen innerhalb einer bestimmten Zone ist. Absprachen im Discord, im Chat oder zumindest mit dem bald kommenden “Ping-System” sind absolut notwendig.
Belohnungen, die sich einfach gut anfühlen
Mit einem Itemlevel von 438 war meine Priesterin zwar schon ziemlich gut ausgerüstet, aber dennoch fühlte sich der Dungeon lohnenswert an.
Das liegt zum einen daran, dass jeder Boss satte 5 Fragmente für ein Schattenflammenwappen des Aspekts droppt – ihr also ganze 40 Fragmente aus einem Dungeon-Besuch erhaltet. Das entspricht 3-4 Dungeons der Stufe „Mythisch+16“ oder höher.
Aber auch die tatsächliche Beute ist interessant. Egal ob Waffen oder Schmuckstücke, der Dungeon hat für wohl jede Klasse noch 1-2 Items, die schlicht spannend sind und das Gameplay ein bisschen unterhaltsamer gestalten. Ich habe zum Beispiel nun ein Trinket, das mir jede Minute einen mächtigen Buff von über 2.000 Tempo verleiht, aber mich zur Strafe 5 Sekunden betäubt, wenn ich im Anschluss nicht genügend Feinde oder Dungeon-Bosse bezwinge.
Für den letzten Boss winkt sogar für alle Spieler die „wahre“ Belohnung – Transmog. Denn jeder Charakter bekommt ein Transmog-Item, das noch nicht in der Sammlung vorhanden ist – zumindest in der Theorie. Ich hab mit meiner Priesterin leider einen Schild bekommen und da sie keine Schilde tragen kann … nun ja. Das war ein bisschen enttäuschend.
Aber es trübt die Erfahrung des Mega-Dungeon nicht. Wenn ihr eine Gruppe bestehend aus 5 Freunden oder Gilden-Kollegen habt, dann stürzt euch in die Dämmerung des Ewigen. Ich weiß, dass meine Gruppe das jetzt jede Woche tun wird.
Es ist der beste „5-Spieler-Content“, den World of Warcraft in sehr langer Zeit hatte. Alle anderen Dungeons verblassen dahinter.
Wart ihr schon in der Dämmerung der Ewigen unterwegs? Wie hat euch der Mega-Dungeon gefallen?
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