Das Rollenspiel Baldur’s Gate 3 ist jetzt ein voller Erfolg und löst sogar eine Diskussion aus, dass es den Standard für neue Rollenspiele so hoch ansetzen könnte, dass Studios daran zerbrechen würden. Aber warum ist das Spiel schon zum Release so perfekt poliert?
Was ist das für eine Diskussion?
- Ein Indie-Entwickler hat auf Twitter ausgeführt, dass Baldur’s Gate 3 nur so gut ist, weil es eine Reihe von Vorteilen genießt, die kein anderes Spiel so einfach imitieren kann. Beim Versuch, diesen Qualitäts-Stand zu erreichen, könnten Studios sterben.
- Daraufhin hat die Seite IGN ein Video veröffentlicht, das behauptet: Baldur’s Gate 3 sei so gut, dass Spiele-Entwickler in Panik verfallen. Man fragt: Warum kommen nicht mehr Spiele so perfekt poliert raus wie Baldur’s Gate 3? Entwickler sollten sich nicht gegen die neuen Standards wehren, sondern sie akzeptieren.
- Ein Blogpost von Brandon Sheffield hat dieses Video wiederum kritisiert: Baldur’s Gate 3 sei drei Jahre als unfertiges Spiel zum Vollpreis verkauft worden. Nur dadurch konnten sich die Entwickler diesen „perfekt polierten“ Launch nun leisten.
Baldur’s Gate 3 setzt neue Standards, weil das Team einzigartige Vorteile nutzt
Warum ist denn Baldur’s Gate 3 so gut? Der Indie-Entwickler Xalavier Nelson Jr. erklärt auf Twitter, dass Baldur’s Gate 3 während der Entwicklung einige Vorteile genossen habe, die es in eine spezielle Situation versetzen (via Twitter):
- Das Spiel werde seit 2017 entwickelt
- 2 massive Games und deren Defintive Editions dienten als Vorläufer, um die Technik und das Wissen zu entwickeln – Gemeint sind Divinity Orginal Sin I und II (2014 und 2017)
- Der Early Access von Baldur’s Gate 3 lief über 3 Jahre und brachte eine Menge Feedback
- Das Studio beschäftige 400 Entwickler an 7 Standorten
- Das Spiel habe mit Dungeons and Dragons eine riesige Lizenz im Rücken, die am Gipfel ihrer Relevanz sei, etwa durch den Film
Baldur’s Gate 3 sei kein neuer Standard für Rollenspiele – Es sei eine Anomalie. Der Versuch dieses „Mega-Game“ nachzuahmen, könnte eine Reihe von den Studios in den Ruin führen, vor allem wenn man nicht dieselben Vorteile genieße wie Larian bei Baldur’s Gate 3.
Diesen Punkt erhebt das IGN-Video: In dem 9-minütigen Video von IGN wird vor allem die Frage aufgeworfen, warum nicht jedes neue Spiel so poliert und gut an den Start geht, wie Baldur’s Gate 3.
Der IGN-Journalist fordert, die Studios sollten sich nicht dagegen wehren, dass Baldur’s Gate 3 einen neuen Standard setzt, sondern das akzeptieren und selbst ihren Standard erhöhen.
Als Beispiel für die aktuell niedrigen Standards der Studios werden Destiny 2 und Diablo 4 angeführt, denen vorgeworfen wird, zu viel Loot, den man eigentlich im Spiel finden sollte, über den Cash-Shop zu verkaufen.
Studios müssen ihr Spiel verkaufen, um ihr Spiel fertigzustellen
Was sagt der Blogpost? Der Blogpost von Sheffield macht deutlich, woran es liegt, dass Spiele mit Bugs in den Release gehen: Die Entwickler stehen wegen äußeren Umständen unter Geld- und Zeitdruck und müssen das Spiel herausbringen, um damit die Fertigstellung des Spiels zu bezahlen. Sie haben in den meisten Fällen keine Kontrolle über ihr Budget.
Die Fertigstellung des Spiels werde durch DLCs, Patches, Early-Access und sogar Mikrotransaktionen erreicht, weil Studios sich an Finanzpläne halten und sich den Erwartungen ihrer Investoren anpassen müssen. Sheffield sagt: Entwickler würden durch ihre Lebenskraft brennen, um das hinzubekommen.
Sheffield erklärt, dass Baldur’s Gate 3 bereits vor 3 Jahren in einen Early-Access-Release startete und die Entwickler 3 Jahre lang ein „unfertiges Spiel“ zum Vollpreis verkauft haben:
Baldur’s Gate 3, von dem er [das IGN-Video] sagt, es sei in einem polierten Zustand erschienen, wurde tatsächlich im Early-Acess veröffentlicht, was er anmerkt, aber kein bisschen hinterfragt. Das Spiel war 3 Jahre im Early Access, bekam Politur und Bugfixes. Drei Jahre! Jetzt, als jemand, der die meiste Zeit im Video darüber meckert, dass Leute unfertige Produkte verkaufen: Warum ärgert ihn das nicht? Sie haben ein Spiel für 3 Jahre für 60 $ verkauft, dabei war es unpoliert und unfertig. Jeder konnte es kaufen.
Die Firma war in der Lage, das fertige, Nicht-Early-Access-Spiel in einem polierten Zustand zu verkaufen, weil sie das Spiel für 3 Jahre zum Vollpreis verkauft haben, und das in einem unfertigen Zustand. Daher ist die ganze Voraussetzung des Videos, dass Baldur’s Gate 3 perfekt poliert erschienen sei, nicht mal richtig.
Sheffield erklärt auch, andere „Vorzeigespiele“ seien nur wegen einzigartigen Situationen in der Lage gewesen, so perfekt poliert zu erscheinen:
- Hinter Tears of The Kingdom steht etwa Nintendo, die so viele Milliarden von US-Dollars in der Reserve haben, dass sie sich für die Fertigstellung eines Spiels beliebig viel Zeit lassen können
- Elden Ring habe durch die vorherigen Erfolge von FromSoftware einen Blanko-Check für eine „Es ist fertig, wenn’s fertig ist“-Attitüde. Die meisten Studios hätten solche Blanko-Checks nicht, der komme erst nach mehreren riesigen Erfolgen.
Die Argumentation von Sheffield deckt sich etwa mit der Erklärung des MMO-Entwicklers Stephan Frost, der Jahre nach dem Scheitern von WildStar erklärt hat, warum das Onlinerollenspiel 2014 unfertig auf den Markt gekommen war.
Auch Frost erklärte, dass die wirtschaftlichen Zwänge umso größer werden, je länger ein Spiel in der Entwicklung hängt und kein Geld verdient. Daher würde jedes Spiel der Welt praktisch „zu früh“ erscheinen, aber die Entwickler hätten keine andere Wahl.
Offenbar konnte Larian, indem man ein Tabu brach und das Spiel unfertig zum Vollpreis verkaufte, diese Zwänge abfedern:
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