Nadine Dorries ist die Ministerin für Digitales, Kultur, Medien und Sport in Großbritannien. In einer Stellungnahme äußerte sie sich am 17. Juli zum Thema Lootboxen im Gaming. Die Regierung fordert besonders den Schutz von Kindern. Sollte die Spiele-Industrie nicht reagieren, soll über Gesetzesänderungen nachgedacht werden.
Was sagt Dorries genau? In ihrer Stellungnahme reagierte sie auf einen Antrag vom House of Lords, der 2020 eingereicht wurde. Der Antrag forderte die Regulierung von Lootboxen und wollte diese sogar als Glücksspiel klassifizieren.
Dorries geht jedoch vorerst nicht so weit. Sie fordert erstmal nur mehr Schutz für Kinder und Jugendliche:
Wir wollen verhindern, dass Kinder ohne elterliche Erlaubnis im Internet auf Einkaufstour gehen und sich durch Ingame-Käufe wie Lootboxen anregen lassen.
Spieleunternehmen und -plattformen müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass Kontrollen und Altersbeschränkungen angewandt werden, damit die Spieler vor dem Risiko von Glücksspielschäden geschützt sind. Kinder sollten die Freiheit haben, Spiele sicher zu genießen, während Eltern und Erziehungsberechtigte die nötige Gewissheit haben.
Dabei setzt die britische Regierung auf die Selbstregulierung der Spielefirmen. Sollten die Maßnahmen der Unternehmen jedoch nicht ausreichen, zögere sie nicht, “Gesetze in Betracht zu ziehen”.
Die Regierung hat eine neue Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Spieleunternehmen, Plattformen und die Regulierungsbehörden zusammenbringt.
Lootboxen sind vor allem in Spielen wie Genshin Impact oder Lost Ark enthalten. Aber auch das beliebte FIFA setzt auf zufällige Packs im Modus Ultimate Team. Einen großen Aufschrei gab es 2019 bei Star Wars: Battlefront 2. Dort wurden Lootboxen mit Pay2Win-Items eingeführt, was zu einem riesigen Shitstorm führte.

Regierung bekommt im reddit Zuspruch für härtere Regulierung
Wie kommen die angekündigten Änderungen an? Sehr positiv. Viele Gamer halten nicht viel von der Lootbox-Mechanik und wünschen sich andere Wege der Monetarisierung. Zudem hoffen viele, dass wenn Lootboxen Teil eines Spiels sind, sie künftig als Glücksspiel angesehen und entsprechend reguliert werden.
So heißt es etwa im Games-reddit:
- “Es ist eine große Erleichterung, dass der Trend zur Lootbox in größeren Titeln endlich abflaut. Niemals in einer Million Jahren hätte ich erwartet, dass Overwatch sie abschaffen würde. Das verdanken wir der Gesetzgebung auf der ganzen Welt, die es immer schwieriger macht, die Gewinnchancen zu verschleiern. Hämmert weiter auf sie ein und nehmt das Glücksspiel aus den Käufen.”
- “Es ist ein Anfang, das muss ich zugeben. Es fällt mir nur schwer, mir Hoffnungen zu machen, dass räuberische Praktiken wirklich ausgemerzt werden, wenn ich immer wieder sehe, wie Menschenleben dadurch zerstört werden.”
- “Ich wäre sogar dafür, dass nicht nur Lootboxen, sondern jede Form von räuberischer Monetarisierung gesperrt wird. Ich bin froh, dass es mehr Anerkennung als Problem bekommt.”
Allerdings gibt es auch Kritik. Einige fordern, dass sofort mit Gesetzen reagiert wird, statt auf die Selbstkontrolle der Firmen zu setzen. Das sei immer eine schlechte Idee. Der Nutzer KopazSolidus sagt etwa:
Willkommen in unserer Regierung, in der es einfacher ist, den Menschen vorzuschlagen, etwas zu tun oder zu unterlassen, als die erforderlichen Rechtsvorschriften durchzusetzen. Was für ein Haufen nutzloser, fauler Tories [Name für die konservative Partei].
Bann von Lootboxen in Belgien und wohl bald in den Niederlanden
Wie sieht es in anderen Ländern aus? In Belgien gibt es seit dem 26. April 2018 ein Gesetz, das Lootboxen als Glücksspiel klassifiziert. Mit Folgen:
- Immer wieder werden Spiele in Belgien nicht veröffentlicht. Prominente Beispiele waren zuletzt Bless Unleashed, das in Belgien und den Niederlanden verboten wurde, Diablo Immortal und Lost Ark, das erst seit Juli in den Niederlanden spielbar ist.
- In Belgien werden keine FIFA Points mehr zum Kauf angeboten. Dort können sich die Spieler ihre Teams nur über die Turniere oder über den Handel zusammenstellen.
Auch in den Niederlanden wird seit Jahren über Lootboxen diskutiert. Eine Einstufung zum Glücksspiel liegt derzeit als Antrag vor, ist aber noch nicht offiziell verabschiedet. Das führte jedoch zu einer ganz kuriosen Situation.
Denn 2020 verhängte das Bezirksgericht Den Haag ein Urteil gegen die Packs in Ultimate Team und stufte sie als Glücksspiel ein. EA ging jedoch in Berufung und bekam im März 2022 Recht:
Trotzdem wird über das Verbot oder die Klassifizierung von Lootboxen als Glücksspiel in vielen Ländern diskutiert. Der Twitch-Streamer Asmongold etwa setzte sich mit einem Politiker in den USA zusammen, um über ein Verbot zu diskutieren:
Wie steht ihr zu dem Thema Lootboxen? Sollten sie als Glücksspiel klassifiziert und Spiele damit eine Altersfreigabe ab 18 bekommen oder sollten sie sogar ganz verboten werden? Oder seid ihr mit Lootboxen gar nicht so unzufrieden?
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