Mit den Änderungen an den Fern-Raids verärgerte Pokémon GO zahlreiche Spieler. Nun meldete sich Director Michael Steranka im umfassenden Interview dazu.
Was ist das Problem mit den Fern-Raids? Seit Wochen wird in Pokémon GO über das Thema Fern-Raids diskutiert. Hier wurden einige Änderungen vorgenommen, die Teilen der Community sauer aufstoßen.
- So wurden die Fern-Raid-Pässe an sich teurer
- Es wurde ein 5-Fern-Raids-pro-Tag-Limit eingeführt
Darüber hinaus kamen nun auch Features ins Spiel, wie die Crypto-Raids, die vor allem auf Spieler abzielen, die vor Ort aktiv werden müssen. Diese schwierigen Raids lassen sich nicht mit Fern-Raid-Pässen bestreiten, genau wie die Top-Raids.
Der Weg von Niantic ist klar: Spieler sollen dazu bewegt werden, Pokémon GO eher in lokalen Communitys, draußen, vor Ort zu spielen, als von zu Hause aus. Doch einige Spieler sind nicht einverstanden mit – unter anderem auch, weil lokale Communitys teilweise schwer zu finden sind, insbesondere in ländlichen Gegenden.
In einem umfangreichen Interview mit YouTuberin ZoëTwoDots äußerte sich Pokémon-GO-Director Michael Steranka zu unterschiedlichen Themen rund um das Spiel – unter anderem auch dazu, warum Entscheidungen hinsichtlich der Fern-Raids so getroffen wurden, wie es der Fall war.
Das fast anderthalbstündige, komplette Interview binden wir hier ein. Die wichtigsten Punkte zum Thema Fern-Raids fassen wir darunter zusammen.
Michael Steranka äußert sich zu Limits und Preiserhöhung
Im Interview mit Michael Steranka stellte ZoëTwoDots unter anderem Fragen zu der Kritik aus der Pokémon-GO-Community. Einer davon seien die Preiserhöhung und das Limit bei den Fern-Raids.
Warum Pokémon GO ein Limit eingeführt hat: Laut Steranka haben Fern-Raids teilweise ein wirklich ungesundes Spielverhalten eingeführt
, erklärt der Director: Einige unserer engagiertesten Spieler konnten einfach Dutzende, manchmal Hunderte legendäre Raids von zu Hause aus spammen. Da mussten wir ein Limit drauf setzen, weil das nicht wirklich das ist, was wir uns für das Spiel vorgestellt haben.
Warum hat Pokémon GO den Preis erhöht? Steranka erklärt, dass man den Preis so anpassen wollte, dass er eher dem Wert für die Spieler entspricht: Wir können vermutlich debattieren, was der wahre Wert eines Remote-Raid-Passes ist. Insgesamt bekommt man Zugang zu legendären Pokémon, Tonnen von XP, Tonnen vom Sternenstaub, mehr Sonderbonbons als man weiß, was man damit machen soll
, fasst Steranka zusammen.
Mit dem Fern-Raid-Pass bekäme man dies ohne großen Aufwand. Das sei so aber eigentlich nicht gedacht: Die Art, wie wir jedes andere Premium-Item im Spiel designt haben, ist so gebaut, dass du nicht einfach ein Whale [Spieler, die viel investieren] in Pokémon GO sein kannst und Geld drauf wirfst, um die Dinge zu kriegen, die du willst
, meint Steranka und gibt Beispiele.
Wenn du Premium-Kampf-Pässe kaufen möchtest, musst du eine Gruppe Spieler organisieren und rausgehen und raiden. Mit Brutmaschinen musst du tatsächlich rausgehen und Eier ausbrüten. Alles, was wir tun, ist nicht einfach darauf ausgelegt, dass du bezahlst und etwas kriegst, doch das ist, was Fernraid-Pässe letztlich wurden. Deshalb hatten wir den Eindruck, wir mussten den Preis an den Wert anpassen, den Spieler damit bekommen.
Michael Steranka im Interview mit ZoëTwoDots
Er verweist aber auch darauf, dass die Anpassung es nun auch möglich mache, Fern-Raid-Pässe in Bundles anzubieten, in denen sie günstiger werden. Das habe man bei der ersten Ankündigung vielleicht nicht gut kommuniziert: Ähnlich wie alle anderen Premium-Items haben wir auch die Möglichkeit, stärkere Discounts durch Bundles und ähnliche Dinge anzubieten. Ich denke, damit können Spieler in Zukunft rechnen: Bundles, die Fernraid-Pässe beinhalten, die man für sehr gute Discounts kriegen kann, im Vergleich zum individuellen Item.
Oft kritisieren Trainer, dass man die Vor-Ort-Raids schlicht besser machen müsste, statt Fern-Raids zu nerfen. Dazu sagt Steranka: Wir haben solche Boni beispielsweise an Raid-Tagen versucht, aber am Ende des Tages geht es dem Großteil von Spielern darum, das legendäre Pokémon zu fangen. Der Unterschied ist für viele Spieler nicht da. Du hast Leute am Rande, die besonders interessiert sind an Extra-Sonderbonbons, aber der Großteil ist nicht an diesem Punkt.
So etwas hätte Spieler schlicht nicht überzeugt, vom Fern-Raid abzusehen und nach draußen zu gehen.
Warum hat sich Niantic entschieden, dies so umzusetzen?
Warum sollen Spieler überhaupt raus? Das Erkunden sei letztlich das, was Pokémon GO auch im Hinblick auf andere Spiele ausmacht:
Im Universum von Pokémon-Spielen ist GOs Säule darin verankert, dass man rausgeht und entdeckt. Es gibt Tonnen von anderen Pokémon-Spielen, Anime, Filme, die man zu Hause schauen, spielen und genießen kann. Der Markt ist damit besser bedient, mit Spielen, die auf der Switch oder Mobile dafür gebaut sind, auf der Couch genossen zu werden. Mit denen wollen wir nicht konkurrieren.
Michael Steranka im Interview mit ZoëTwoDots
Leider sei es bei einem Spiel wie Pokémon GO nötig, eine Art Handel
einzugehen, bei dem die eine Seite bedient wird, während die andere generft
wird: Wir haben keine Möglichkeit, Leute zu motivieren, rauszugehen und zu spielen, wenn du die komplette Erfahrung von zu Hause aus genießen kannst
so Steranka.
Er räumt allerdings ein, dass dies für Spieler schwierig sein kann, die je nach Ort oder persönlicher Situation nicht so gute Möglichkeiten haben, draußen oder mit anderen zu spielen.
Steranka erklärt aber auch, dass man schon viel eingeführt habe, um da zu unterstützen: Wir haben tägliche Spawns eingeführt, wir haben die Gesamtzahl Spawns – egal wo du bist – über die Jahre erhöht, wir haben die Team GO Rocket Ballons eingeführt, haben die Laufdistanz für die GBL entfernt, haben den täglichen Abenteuerrauch eingeführt. Es ist eine breite Auswahl von Wegen, mit denen man Pokémon GO spielen kann, egal wo man ist. Aber man kann nicht einfach alles zu Hause im Spiel verfügbar machen, denn die menschliche Natur diktiert, dass man dann zu Hause bleibt. Das ist viel einfacher und gemütlicher.
Wie geht Niantic mit dem Problem um? Steranka betont, dass man alle Orte gleich wichtig einschätzt und Spielern die Werkzeuge geben möchte, ihre lokalen Communitys zu verbessern.
Man wollte nicht, dass sich ländliche Gegenden viel verlassener anfühlen als Stadtzentren, erklärt Steranka. Gleichzeitig sehe man bei Niantic, dass es berechtigte Kritik an einigen der Lücken gibt, die durch die Änderungen an den Fernraid-Pässen entstanden sind.
Deshalb denke man über weitere Lösungen nach, um beim Wiederbeleben von lokalen Communitys zu helfen. Auch die App Campfire gehört dazu: Wenn wir schließlich Campfire für alle verfügbar haben, wollen wir, dass es sinnvolle Werkzeuge gibt, um genau das zu tun. Ich kann nicht wirklich sagen, wann das passieren wird, aber es hat für uns oberste Priorität, weil wir wissen, dass lokale Gemeinschaften auf der ganzen Welt diese zusätzliche Hilfe brauchen, um die Motoren wieder zum Laufen zu bringen.
Wieso hat Niantic nicht zuerst neue Features gebracht?
Im Interview stellt ZoëTwoDots die Frage, wieso Niantic erst die Fern-Raid-Änderungen durchgeführt hat, anstatt erst weitere Features einzuführen, die das Spielen vor Ort oder lokale Communitys begünstigen.
Steranka sagt dazu: Um ganz offen zu sein, die Diskussion über den Remote Raid Pass ist etwas, das wir intern bei Niantic schon seit eineinhalb Jahren führen. Es ist nichts, bei dem wir eines Morgens aufgewacht sind und gesagt haben: ‘Hey, wir müssen diese Änderung vornehmen und wir werden es jetzt sofort tun.’
Man habe die Entscheidung nicht auf die leichte Schulter genommen, aber: Als wir uns die Roadmap mit den aufregenden Dingen angesehen haben, die wir für den Rest des Jahres geplant hatten, gab es oft zwei Gedankengänge, wie wir die Dinge richtig angehen sollten
, so Steranka.
Der eine ist, das Pflaster abzureißen, also all die schlechten Dinge aus dem Weg zu räumen, damit man den Weg für neue aufregende, coole Dinge freimachen kann, von denen sich die Leute einen ungehinderten Eindruck machen können, und der andere ist, vielleicht ein bisschen Zucker zu nehmen, damit die Medizin besser runtergeht
Am Ende entschied man sich für eine der beiden Optionen:
Ich glaube nicht, dass es dafür eine richtige Antwort gibt, und letztendlich wussten wir, dass dies eine so schmerzhafte Änderung sein wird, dass wir uns entschieden haben, das Pflaster abzureißen. Ich weiß, dass das bedeutet, dass wir noch härter arbeiten müssen, um das Vertrauen und die Liebe zu Pokémon GO zurückzugewinnen, die wir mit dieser Änderung bei vielen Spielern verloren haben, aber ich hoffe, dass die Leute dabeibleiben werden, um viele der coolen Dinge zu sehen, an denen wir arbeiten. Denn ich freue mich wirklich darauf und ich denke, dass Pokémon GO am Ende dieses Jahres ein ganz anderes Spiel sein wird als zu Beginn des Jahres, und zwar auf gute Weise.
Zudem betont der Director, dass er zuversichtlich nach vorne schaut: Ich bin hoffnungsvoll. Das ist definitiv eines der spannendsten Jahre seit Langem, wenn es um Feature-Entwicklung für Pokémon GO geht. Aber ich weiß, dass wir viel Vertrauen und Liebe von der Community zurückgewinnen müssen, und wir werden unser Bestes tun, um das zu tun. Wir sind keine perfekte Firma, aber wir versuchen immer, Spielern Freude zu bereiten, wie es kein anderes Spiel kann.
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Als nächstes steht in Pokémon GO jedenfalls eine neue Season an, für die es auch schon Infos gibt.
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