Deutscher Twitch-Streamer spricht über die Folgen von OnlyFans: „Das Problem ist der Mann“

Deutscher Twitch-Streamer spricht über die Folgen von OnlyFans: „Das Problem ist der Mann“

Der Wahl-Schweizer “Staiy” (36) ist ein erfolgreicher Meinungs-Streamer auf Twitch. In einem aktuellen Stream sprach er über die Bezahl-Plattform OnlyFans und die Problematiken, die durch sie entstehen.

Was ist OnlyFans eigentlich? Im Kern ist OnlyFans ein soziales Netzwerk. User können ein Profil erstellen und es nach Belieben mit Informationen, Fotos und Videos füllen. Der Clou ist, dass die Inhalte monetarisiert werden können.

Die “Fans” müssen dann zahlen, um Aufnahmen sehen zu können. Gegen zusätzliches Geld können sie den Darstellern und Darstellerinnen auch private Nachrichten schreiben und darin weitere Inhalte anfordern. Das macht OnlyFans zu einer beliebten Website, um erotische und pornografische Inhalte anzubieten.

Zwischen den Plattformen Twitch und OnlyFans ergibt sich eine interessante Schnittstelle: Streamerinnen wie Kaitlyn “Amouranth” Siragusa nutzen die Streaming-Plattform, um Zuschauer in zahlende Kunden umzuwandeln.

29-Jährige erklärt, wie sie Twitch eiskalt ausnutzt und 1,7 Millionen $ im Monat verdient

Andere nutzen Twitch auch für völlig andere Zwecke. Die deutsche Twitch-Streamerin Sandra Friedrichs etwa möchte mit ihrer Plattform dazu beitragen, psychische Gesundheit im Gaming-Bereich zu thematisieren. Seht hier unser Interview mit der Streamerin:

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Trägt OnlyFans zur Sexualisierung von Streamerinnen bei?

Wie kommt Staiy auf das Thema? Der Twitch-Streamer äußert in einem kurzen Segment eines längeren Streams seine Bedenken bezüglich der Bezahl-Plattform. Am Ende, startet Staiy provokant, sei das Problem der Mann. Er bittet seine Zuschauer jedoch, ihn erstmal ausreden zu lassen.

Was ist das Problem? Staiy betont, dass es Frauen frei steht, sich leicht bekleidet zu präsentieren, da solle ihnen niemand dazwischen funken. Probleme entstünden jedoch dadurch, dass bei den Konsumenten dieser Inhalte eine Erwartungshaltung geschaffen werde:

Was sind die Konsequenzen? Manche Konsumenten würden dann davon ausgehen, dass alle Frauen in einem Bereich – wie etwa dem Streaming – so ticken. Dadurch würden Streamerinnen in ihren Chats oft Fragen erhalten, ob sie OnlyFans anbieten, wo man erotische Inhalte von ihnen finden könne – auch, wenn sie sich gar nicht sexualisiert präsentieren.

Für Staiy entspricht die Frage nach OnlyFans einer mehr oder weniger indirekten Frage nach Nacktbildern, das sei grenzüberschreitend und hätte mit Feminismus und Selbstbestimmung wohl auch eher weniger zu tun.

[Die Zielgruppe] ist nicht daran interessiert, Menschen als Menschen wahrzunehmen, sondern nur noch als fleischliche Lustobjekte.

Fragen nach OnlyFans oder auch direkte Bitten um Nacktbilder seien erschreckend normal, so der Twitch-Streamer. Er gibt aber auch zu, als Mann eher eine Außensicht auf das Thema zu haben: Damit müssten sich betroffene Streamerinnen und YouTuberinnen auseinandersetzen.

Als Beispiel führt er das Video der erfolgreichen YouTuberin Gnu an:

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Staiy: “OnlyFans hat Sexarbeit normalisiert”

Gibt es noch andere Probleme? Staiy kritisiert nicht nur die eher indirekten Auswirkungen von Plattformen wie OnlyFans. Seiner Meinung nach habe OnlyFans es geschafft, Sexarbeit zu normalisieren und als “Female Empowerment”, quasi als Frauenpower zu verkaufen.

[OnlyFans] hat es geschafft, Sexarbeit zu normalisieren, obwohl Sexarbeit in ihrer Realität verbunden ist mit Menschenhandel, Sklaverei, Kriminalität, Gewalt und viel schlimmeren Dingen. Only Fans vermittelt den Eindruck, dass Sexarbeit was vollkommen Normales ist: “You go, girl” [zu Deutsch etwa: “Weiter so, Mädchen!”].

Plattformen wie OnlyFans haben gemäß Staiy also dazu beigetragen, das ehemalige Tabu-Thema der Prostitution annähernd gesellschaftsfähig zu machen. Doch während die Models auf OnlyFans recht geschützt sind, geht es in der “realen Welt” oft anders zu. Die teilweise fürchterlichen Umstände würden dadurch relativiert werden.

Da muss ich sagen, das ist ein Effekt, der so lächerlich ist: Da sitzen also Menschen in ihrem “safe space” rund um das Internet, in dem sie kontrolliert Rahmenbedingungen für sich selber schaffen können, was sie zeigen und was sie nicht zeigen. Und relativieren damit die kriminellen Umstände und die absolute Absurdität und das ekelhafte Äußere rund um Sex Work, ja, good Job.

Sexarbeit ist ein Sammelbegriff für sexuelle Dienstleistungen. Neben Geschlechtsverkehr gegen Bezahlung können darunter auch Striptease, Pornos, Telefonsex-Hotlines und eben das Verkaufen von expliziten Aufnahmen auf Plattformen wie OnlyFans fallen.
Sexarbeiterinnen sind oft zufrieden mit ihrer Arbeit, empfinden sie teilweise sogar wichtigen Teil ihrer sexuellen Selbstbestimmung.
Doch nicht immer werden solche Dienstleistungen aus freien Stücken erbracht: dahinter können Not, Zwang und sogar Menschenhandel stecken. Die Zeit hat das komplexe Thema in einem Artikel aufgegriffen.

Das komplette Video findet ihr auf dem YouTube-Kanal von Staiy, wir haben es euch hier verlinkt. Der relevante Teil startet etwa ab Minute 7.

Die Plattform OnlyFans übt eine gewisse Faszination aus, insbesondere, weil einige Frauen damit unfassbar viel Geld verdienen. Ein deutscher YouTuber wagte deshalb ein Experiment und begleitete einen Twitch-Streamer bei seinem OnlyFans-Versuch:

Deutscher Twitch-Streamer testet, wie leicht man auf OnlyFans Geld verdienen kann – Macht fast 1.000 $ in 7 Tagen

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