Nach fast zwei Jahren im Early Access startete das Survival-Spiel Soulmask nun in die Vollversion. Mit einer Mischung aus Sandbox, Survival-Crafting und Kolonie-Aufbau-Simulation lockte das Spiel zum Start über 44.000 Spieler auf Steam an. Auch MeinMMO-Autorin und Genre-Liebhaberin Linda Baumgartl wurde von den magischen Masken in den Bann gezogen und fühlte sich dabei merkwürdigerweise an Pokémon erinnert.
Als Soulmask zum ersten Mal auf meiner Bildfläche auftauchte, wurde ich direkt hellhörig. Die aztekischen Masken und das Dschungel-Setting sahen einfach cool aus. Trotzdem zögerte ich zunächst noch. Das Spiel befand sich zu dieser Zeit noch im Early Access, und musste sich mit meiner stetig wachsenden Steam-Bibliothek messen. Gerade an Survival-Titeln mangelte es die letzten Jahre nicht. Da überlegt man sich natürlich zweimal, welchem man eine Chance gibt.
Irgendwann siegte dann aber doch die Neugier und ich tauchte ein in die Welt von riesigen Säbelzahntigern und antiken Ruinen. Und was soll ich sagen? Das Spiel hat bei mir einen Nerv getroffen, wie schon lange kein Survival-Game mehr. Denn Soulmask ist nicht nur sehr umfangreich. Es traut sich auch endlich an neue Ideen, die es von der Survival-Masse abhebt.
Plötzlich bin ich der Anführer eines Stammes
Der Anfang von Soulmask verläuft recht klassisch. Ich erfahre ein bisschen was über die Hintergrundgeschichte und werde dann im Dschungel ausgesetzt, wo ich mich erstmal um die Basics kümmern muss: Ressourcen sammeln, Ausrüstung herstellen, einen Schlafplatz errichten. So weit, so bekannt.
Da ich ein echter Liebhaber von Basenbau bin, suche ich mir früh ein nettes Plätzchen, um eine langfristigere Behausung zu errichten. Doch das gestaltet sich schwieriger, als anfangs gedacht. Man benötigt nicht nur unheimlich viel Material, sondern muss es auch an diversen Werkbänken weiterverarbeiten. Damit der Timer läuft, muss mein Charakter aktiv an der Werkbank stehen. Und das kann gerade bei größeren Projekten echt lange dauern.
Ich will schon den unnötigen Grind des Spiels verfluchen – da verstehe ich, dass das Spiel gar nicht will, dass ich alles selbst mache.
In Soulmask könnt ihr nämlich einen Clan gründen. Damit ist nicht der Stamm gemeint, den ihr mit euren Freunden im Multiplayer bildet, sondern eure persönliche Gefolgschaft an NPCs. Fast jeder menschliche Gegner im Spiel kann von euch rekrutiert werden.
Dafür müsst ihr ihm nur ordentlich eins auf die Rübe geben, eure magischen Masken-Kräfte einsetzen und schon habt ihr einen hörigen Sklaven … ich meine natürlich neuen Mitbewohner. Zumindest, nachdem ihr ihn wieder mit etwas schmackhafter Brühe aufgepäppelt habt.
Mit der Zeit entsteht so ein wuselnder Ameisenhaufen an NPCs, die nicht nur für euch an Werkbänken stehen, sondern auch Ressourcen abbauen oder euer Lager verteidigen können. Besonders cool: Mit Seilbahnen könnt ihr Transportrouten einrichten, um völlig automatisiert Ressourcen zu eurer Basis zu befördern.



Sagt auf Wiedersehen zu eurem Charakter
Die neu angeworbenen Dorfbewohner sind jedoch mehr als billige Arbeitskräfte. Hinter ihnen verbirgt sich die größte Besonderheit von Soulmask, die am Anfang gar nicht mal so offensichtlich ist. Das liegt vor allem daran, dass man Genre-typisch mit einem selbst erstellten Charakter startet. Das impliziert irgendwie, dass man auch mit diesem Charakter spielen soll. Doch dem ist nicht unbedingt so.
In Soulmask könnt ihr jeden eurer Stammesmitglieder selbst steuern und damit zu einem vollwertigen Spieler-Charakter machen. Ihr spielt keine einzelne Figur, sondern ein Bewusstsein, das von Körper zu Körper springt.
Wirklich relevant wird das vor allem auf den höheren Leveln. Jeder Charakter im Spiel hat eine Reihe an Fähigkeiten, die er levelt, sobald er sie verwendet. Darunter fallen auch Kampf-Fähigkeiten. Jede Fähigkeit hat wiederum ein Maximal-Level, das sich von Charakter zu Charakter unterscheidet.
- Einen guten Charakter erkennt ihr also daran, dass die gewünschte Fähigkeit einen möglichst hohen Maximal-Wert hat.
Hier liegt auch das Problem mit eurem Start-Charakter. Er ist zwar in allem solide, aber in nichts wirklich gut. Langfristig solltet ihr ihn also ersetzen.


Zugegeben, dieses Konzept fühlt sich erstmal etwas fremdartig an. Auch ich hing am Anfang an meinem Start-Charakter, den ich doch mit so viel Liebe erstellt und gelevelt hatte. Doch je weiter ich im Spiel voranschritt, umso mehr gefiel mir diese neue Freiheit:
- Ich kann Charaktere mit verschiedenen Builds auf Lager haben und sie je nach Situation passend verwenden. Das ist besonders praktisch, wenn Gegner gegen gewisse Schadensarten anfällig sind.
- Schaffe ich es, einen Gegner mit höherem Level zu unterwerfen, bringt mich das tatsächlich weiter. Ich übernehme einfach seinen Körper und überspringe so ein paar Level.
- „Ausrangierte“ Charaktere können trotzdem nützlich bleiben. Zum Beispiel als Handwerker in der Base oder als NPC-Begleiter im Kampf.
Für alle, die trotzdem an ihrem Start-Charakter hängen, kann ich zumindest ein bisschen Entwarnung geben. Der Entwickler hat inzwischen die Möglichkeit hinzugefügt, das Aussehen von einem Stammesmitglied auf einen anderen zu übertragen. Selbst wenn ihr also irgendwann zu einem anderen Charakter wechseln wollt, könnt ihr zumindest euer gewünschtes Aussehen behalten.
Mein Dorf ist wie ein Pokédex
Die Jagd nach den besten Stammesmitgliedern entpuppt sich schnell als wildes Grind-Fest. Zusätzlich zu den verschiedenen Level-Werten hat jeder Charakter eine spezielle Klassenfähigkeit – je nach Herkunft – sowie einige angeborene Talente und Vorlieben. Diese bringen unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich, zum Beispiel mehr Schaden mit gewissen Waffen oder eine besondere Abneigung gegen Fäkalien. Die Auswahl hier ist wirklich riesig und umfasst laut Entwickler über 800 Möglichkeiten.
Trotzdem möchte ich natürlich für jeden Job das perfekte Stammesmitglied finden. Also ziehe ich los und fange Dorfbewohner wie Pokémon. Mein Dorf ist das Pokédex, das es zu füllen gilt. Jeden brauche ich mindestens einmal. Am besten in der super perfekten Shiny-Variante.
Natürlich ist diese Art Grind nicht jedermanns Sache. Für mich persönlich schließt genau das aber eine Lücke, die damals Conan Exiles hinterlassen hat. Auch hier gab es die Möglichkeit, „Thralls“ zu farmen und als Arbeiter einzusetzen. Soulmask nimmt dieses Konzept und hebt es auf das nächste Level. Vor allem, weil ich jetzt nicht nur Arbeiter farme, sondern auch meinen eigenen Charakter.

Soulmask bietet viel Inhalt – Vielleicht zu viel?
Was fehlt bei einem Spiel mit dem Namen „Soulmask“ noch? Na klar, die Masken! Im Laufe des Spiels schaltet ihr verschiedene Masken frei, die sich auf unterschiedliche Gebiete spezialisieren und jederzeit gewechselt werden können. In einem extra Level-Baum könnt ihr dann passende Fähigkeiten freischalten, zum Beispiel um ein besserer Tank zu werden oder coole neue Angriffe zu lernen.
Außerdem gibt es natürlich noch den klassischen Technologie-Baum, mit dem ihr neue Bau-Rezepte erlernen könnt. In einem anderen Fenster findet ihr den „Jagdfortschritt“, mit dem ihr allgemeine Boni durch das Besiegen von Bestien freischalten könnt. Darüber hinaus können jede Menge Tiere gezähmt, Bosse besiegt und Dungeons erkundet werden.
Ihr merkt schon – Soulmask mangelt es nicht an Inhalt. Ganz im Gegenteil. Gerade am Anfang können die ganzen Menüs und Systeme eher ein bisschen überfordernd sein. Daher mein Rat: Folgt zu Beginn den Quests und lest euch Tutorials auch tatsächlich durch. Das Spiel macht eigentlich einen guten Job dabei, euch alles nach und nach beizubringen. Ihr müsst ihm nur genug Zeit geben.
Fazit? Soulmask ist vielleicht nicht das zugänglichste Survival-Game auf dem Markt. Wer jedoch Lust hat, sich auf ein umfangreiches und etwas komplexeres Spiel einzulassen, bekommt ein solides Survival-Abenteuer mit einigen interessanten Ideen geboten. Besonders punkten kann es mit dem Siedlungs-Management und den voll steuerbaren NPCs. Wer diese Punkte interessant findet, sollte definitiv einen Blick (durch die Maske) wagen.
Schon im Early Access hatte ich das Gefühl, nach 150 Stunden Spielzeit gerade mal an der Oberfläche von Soulmask gekratzt zu haben. Seitdem haben die Entwickler das Spiel nicht nur stetig verbessert, sondern sogar noch mehr erweitert. Mit dem Release der Vollversion erschien bereits das erste DLC, das ihr aktuell noch kostenlos erhalten könnt. Auf einer komplett neuen Karte im Ägypten-Stil könnt ihr jetzt sogar Luftschiffe bauen: Eines der besten Survival-Games auf Steam verschenkt seinen bisher größten DLC, doch habt ihr nicht ewig Zeit
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Habe auch schon echt vieles an Survival/Crafting Games durch (Ark, Conan, 7D2D, Valheim, Palworld, Dune, V-Rising, Forest… und noch einiges mehr), aber Soulmask hat mich ebenfalls abgeholt. Dieser Twist mit Tribesman und passenden Spezialisierungen finden und alles noch zu automatisieren ist eine richtig coole Mechanik.
Auch wenn’s am Anfang wirklich bisschen überladen ist, aber mir gefällt vor allem, dass man nicht nur sein Level und einen Techtree hat, sondern noch andere Progressionsysteme nebenher. Verleiht der Sache langfristig (hoffentlich) mehr Tiefe.
Hab’s im EA nicht gezockt, aber wenn ich es richtig verstanden habe, sollte es doch inzwischen sogar die Möglichkeit geben die Stats eines Tribesman auf seinen Main-Charakter zu kopieren?