Mit Wild Hearts erscheint ein neuer Konkurrent zum beliebten Monster-Hunter-Franchise. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus konnte das neue Action-Spiel aus dem Hause Koei Tecmo (Nioh, Dynasty Warriors) im Rahmen von Find Your Next Game 12 Stunden lang vor Release anspielen und ist begeistert. Und das, obwohl er mit Monster Hunter nie viel anfangen konnte und immer mehr auf Soulslike stand.
Schon im Oktober 2022 habe ich Wild Hearts zum ersten Mal gespielt– damals noch mit wenig Elan. Monster jagen, auf die Glocke kriegen und bauen wie in Fortnite klang für mich wie eine Horror-Kombination.
Ich habe Dauntless zwar genossen, aber Monster Hunter war mir immer ein wenig zu verspielt und zu übertrieben. Die riesigen Waffen, die opulenten Festmähler – alles etwas „zu Anime“.
Nach 4 Stunden in Wild Hearts war ich aber in die Spielweise verliebt und hatte richtig Spaß am Spiel, sodass ich mich ziemlich auf den neuen Test jetzt gefreut habe. Die Entwickler haben mich eingeladen, eine Woche vor Release bereits eine Vorab-Version zu spielen.
Jetzt habe ich weitere 12 Stunden Wild Hearts gespielt, mir die vorläufig fertige Version angesehen und bin tiefer in die Story eingetaucht. Und verdammt: das Spiel ist richtig cool, auch wenn es bisher nur ein erster Eindruck ist. Nur ein paar wenige Kritikpunkte gibt es.
Im Video erklären wir euch, was genau Wild Hearts alles ausmacht. Im weiteren Verlauf findet ihr meine Eindrücke zu den ersten Stunden im Spiel:
Ich jage riesige Monster im japanischen Setting – Aber aus tragischen Gründen
Also, worum geht es in Wild Hearts überhaupt? Ich habe die Story selbst noch nicht durch, will auch nichts spoilern. Die Ausgangslage ist, dass Menschen in der Welt Azuma vom Aussterben bedroht sind.
Durch eine besondere Macht sind einige Kreaturen der Wildnis zu riesigen Monstern mutiert, den „Kemono“. Insgesamt 21 dieser Kemono gibt es zu Release. Zum Vergleich: Monster Hunter World hatte am Anfang 30.
Die größten unter den Kemono haben die Fähigkeit, ihre Umgebung so zu verändern, dass sie sich dort wohlfühlen. Das geht jedoch meist damit einher, dass andere Lebewesen dort kaum noch überleben können. Das beinhaltet auch Menschen.
Einer der besonders fiesen Gegner ist ein Bär, so groß wie ein Berg. Ein Bärg, quasi, den ich beim Spielen aber gar nicht so hart fand:
Als einer der wenigen Jäger, die es noch gibt, jagen wir die Kemono und sorgen dafür, dass wir selbst nicht ausgelöscht werden. Die erhaltene Beute nutzen wir, um neue Rüstungen und Waffen zu bauen – die uns wiederum im Kampf gegen stärkere Kemono helfen.
Wir sind aber nicht irgendwelche Jäger, sondern haben die Fähigkeit, „Karakuri“ zu beschwören. Das sind Konstrukte aus Holz, die uns im Kampf und bei der Jagd helfen können. Wir bauen mit ihnen Lager oder nutzen sie für Luftangriffe und mehr.
Dark Souls hat mich gestählt, Wild Hearts ist meine Spielwiese
Die Kombination aus Kämpfen und Bauen klingt erst einmal seltsam. Tatsächlich erinnert mich das Gameplay von Wild Hearts aber sehr an die Soulsborne-Spiele.
Mit verschiedenen Waffen – darunter schnelle Katanas, übergroße, träge Schwerter oder mächtige Hämmer – geht es riesigen Bossen und kleineren Gegnern an den Kragen. Ausweichen, Timing und das Lernen der Movesets der Feinde sind für den Sieg essentiell.
Alles genau so, wie ich es in den berühmten Souls-Spielen gelernt habe. Nur nicht ganz so strafend. Bosse haben immer noch Fähigkeiten, die mich mit einem Schlag nahezu vollständig töten. Aber zumindest bedeutet nicht jeder Fehler gleich den Beinahe-Tod.
Zudem ist Wild Hearts bunter, freundlicher. Wer nach Dark Souls oder Elden Ring ein Spiel mit einem ähnlichen Ansatz sucht, aber keine Lust auf bedrückende Stimmung hat, sollte sich in der Welt von Azuma unbedingt einmal umsehen.
Ihr müsst euch allerdings darauf einstellen, euch mit ganz neuen und ungewohnten Mechaniken vertraut zu machen. Wer, wie ich, bei Fortnite nur die Nase rümpft, für den kostet das vermutlich etwas Überwindung. Aber es lohnt sich.
„Bauen wie in Fortnite“? Nein, das ist viel natürlicher
Ich will euch nicht zu viel von dem erklären, was ich im ersten Anspiel-Test schon ausführlich erläutert habe, aber zumindest kurz nochmal auf die Besonderheit von Wild Hearts eingehen.
Karakuri, also das „Bau-System“ von Wild Hearts, hat zwei Funktionen:
- Drachen-Karakuri sind dazu da, dass ihr euch Lager in der Welt bauen könnt
- Mit Basis-Karakuri verändert ihr die Dynamik im Kampf und wendet Kämpfe zu euren Gunsten
In meinem Lager kann ich etwa Zelte als Respawn-Punkt bauen, verschiedene Konstrukte, um Nahrung zu verarbeiten oder eine Feld-Schmiede, um überall meine Ausrüstung zu verbessern. Außerdem spürt ein Jagd-Turm mein aktuelles Ziel auf und Sammel-Gebäude versorgen mich mit Bau-Ressourcen oder Fischen. Eine nette Erweiterung, die den Grind aufs Wesentliche konzentriert: Monster metzeln.
Hier kommen Basis-Karakuri zum Einsatz. Damit gemeint sind einfache Formen wie Kisten, Sprungfedern oder Fackeln, mit denen ich im Kampf mächtige (und coole) Luft-Angriffe ausführen, besser ausweichen oder meine Waffen anzünden kann.
Was hier aber erst richtig cool ist, sind „Fusion-Karakuri“. Durch die Kombination verschiedener Basis-Karakuri lassen sich diese verbinden und erschaffen neue Konstrukte, die den Kampf vollkommen ändern können, etwa:
- eine Wand, die anstürmende Gegner betäubt
- ein riesiger Hammer, der Kemono zu Boden schlägt
- ein Feuerwerk, das fliegende Gegner zurück auf den Boden holt
Diese Kombinationen findet man erst im Kampf gegen bestimmte Gegner, aber sie sind danach überall nutzbar. Für mich ein Ansporn, denn: Je besser ich lerne, das Bauen zu beherrschen, desto besser werde ich als Jäger.
Außerdem gibt es weitere Karakuri wie Seilschleudern, Windgebläse und Werfer, mit denen ich leichter über Abgründe komme oder sogar Feinde angreifen kann. Dabei habe ich vermutlich noch nicht einmal alles entdeckt.
Koop ist nicht leichter – nur anders
Anders als beim ersten Test, habe ich diesmal viel Zeit im Koop verbracht und mir die Welt sowie einige Jagden mit André Baumgartner von der GameStar angesehen.
Wild Hearts lässt sich im Koop spielen mit bis zu 3 Jägern in der Gruppe. Was mir dabei aufgefallen ist, sind die deutlich härteren Kämpfe. Mit einem Freund zusammen seid ihr nicht einfach nur eine Übermacht, die Kemono sind auch schwieriger. Zumindest war das mein Eindruck.
Wir haben deutlich härter auf die Mütze bekommen, als wenn ich alleine gespielt habe – obwohl André eigentlich der bessere Spieler ist. Schon einer der ersten Bosse hat uns ordentlich eingeschenkt und mehrmals KO geschlagen.
Glücklicherweise können sich Jäger im Koop gegenseitig wiederbeleben und verhindern so, dass die Jagd irgendwann abgebrochen werden muss. Das heißt: solange einer überlebt und es schafft, seine Freunde rechtzeitig zurückzuholen …
Werden Kemono verwundet, fliehen sie. Das ist im Koop häufiger passiert – offenbar halten die Gegner auch ein Stück mehr aus. Versucht also besser nicht, Gegner einfach zu überrennen. Teilt am besten Aufgaben ein, denn auch das geht in Wild Hearts.
Hier seht ihr Gameplay aus einer unserer gemeinsamen Jagden – dort hört ihr auch den lästigen Sound-Bug, auf den ich am Ende nochmal eingehe:
Rüstungen und Waffen sorgen für Rollen wie in einem RPG
In Wild Hearts lassen sich Waffen und Rüstungen nicht nur herstellen, sondern auch verbessern und modifizieren. Den Waffen liegt dabei ein riesiges Skill-Gitter zugrunde, mit dem sie etwa auf ein bestimmtes Element und damit für einen bestimmten Gegner spezialisiert werden können.
Rüstungen und Talismane finde ich aber noch ein Stück interessanter. Die haben ohnehin schon bestimmte Perks, die etwa Angriffswerte erhöhen oder stärkeren Schutz bei Nacht bieten. Dazu kommen einige Eigenschaften mit besonderen Effekten.
Es gibt etwa die Möglichkeit, voll auf „Provokation“ zu gehen. Das heißt: Gegner greifen euch wahrscheinlicher an, wenn ihr diese Rüstung tragt. Ihr werdet zum Tank. Zusammen mit einem großen Hammer seid ihr dann etwa dazu da, Monster auf euch zu ziehen und abzufangen.
Außerdem kann fast jede Rüstung per Mods noch auf „Zivilisation“ oder „Wildnis“ ausgerichtet werden. Das macht sie zum einen stärker, zum anderen schaltet man so noch mehr Effekte frei, je nach Rüstung.



Ich bin selbst noch ziemlich am Anfang vom Crafting, aber schon jetzt so begeistert davon, dass ich gezielt Materialien sammle, um mir einen Build zusammenzustellen. Und das, obwohl ich nicht mal im Endgame angelangt bin.
Übrigens: Ihr seid auch solo nie ganz alleine. Die kleine Maschine Tsukumo begleitet euch, wenn ihr wollt, und kann euch mit seinen Fähigkeiten heilen, Schaden austeilen oder sogar tanken.
Es gibt noch einige Bugs, aber die sind höchstens nervig
Zum Abschluss muss ich noch eine Kleinigkeit erwähnen, die mich beim Spielen ziemlich genervt hat: Bugs und Performance. Das war schon beim ersten Test ein Problem und hat sich zwar deutlich gebessert, stört aber nach wie vor ein wenig.
Die Leistung kommt mit einer RTX 3090 auf maximalen Einstellungen (2 Monitore, 1440p) bei mir kaum über 100 FPS – liegt dafür aber auch nur selten unter 60. Annehmbar, finde ich, zumal die Welt an sich schon wirklich hübsch ist und ich gerne einfach mal die Landschaft genieße.
Wenn sie denn nicht flackert … denn das ist auch an einigen Stellen vorgekommen. Dazu gibt es einen ziemlich ätzenden Sound-Bug, durch den sich Töne zunehmend stärker verzögern, bis sie fast eine halbe Minute später erst zu hören sind.
Im Kampf einen Gegner zu orten, der hinter mich gesprintet ist, wird so unmöglich. Außerdem werden ab und an Dialoge einfach übersprungen und die Voice-Lines kommen alle auf einmal. Das Problem legt sich zwar von selbst nach einer Weile, nimmt aber ein wenig vom Spielspaß.
„Game-breaking“ ist das alles allerdings nicht und schon heute, zum Erscheinen dieser Preview, gibt es einen Patch. Es kann also sein, dass all das schon gar nicht mehr der Fall ist. Denn es handelt sich wirklich nur um kleine Probleme, für die schnelle Fixes möglich sind.
Wild Hearts erscheint am 16. Februar für den PC und am 17. Februar 2023 PS5 und Xbox Series X|S als Buy2Play-Titel. Nach dem Release sollen weitere, kostenlose Updates neue Monster, Karakuri und mehr bringen. Das Spiel erscheint außerdem als 10-stündige Demo über EA Play und im Xbox Game Pass Ultimate. Auf EA Play ist die Demo sogar schon ab heute, den 13. Februar spielbar. Weitere Monetarisierung ist nicht geplant.
Das Spiel bietet vollständiges Crossplay, allerdings keine Cross-Progression. Für mich trotzdem definitiv etwas, das ich auch mit unserem PS-Konsolero Max Handwerk zusammen zocken kann – und genau das haben wir in Kürze vor.
Mein erster Eindruck von Wild Hearts ist, abgesehen von den kleineren Kritikpunkten, durchweg positiv. Vor allem aus Sicht von jemandem, der mehr Begeisterung an Dark Souls findet als an Monster Hunter, machen die Jagden unheimlich viel Spaß – was mich selbst überrascht.
Ein Monster zu jagen dauert im Regelfall nur ein paar Minuten bis eine halbe Stunde, was mich immer wieder dazu bringt, doch nochmal kurz reinzuschauen und nach der einen Verbesserung zu suchen. Ich hoffe, dass das Endgame ähnlich spannend bleibt.
Im Interview hat MeinMMO-Chefredakteurin Leya Jankowski bereits mit den Entwicklern darüber gesprochen, was Wild Hearts eigentlich auszeichnet:
Wie unterscheidet sich das neue Wild Hearts von Monster Hunter? „Wir verbinden Bauen mit Jagen“
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