Der deutsche LoL-Profi Amazing spricht über Online-Hass auf Social Media und wie ihn das als Person so veränderte, wie er es nicht sein wollte.
Um wen geht es? Der 26-jährige Maurice “Amazing” Stückenschneider spielte über Jahre als Profi in League of Legends (LoL). Aktuell ist er Coach beim Team Misfits. In einem Interview mit Invenglobal spricht er über seine Erfahrungen mit Online-Hass und welche Probleme so eine öffentliche Profi-Karriere mit sich bringt.
“Das machte mich zu einem rachsüchtigen, zornigen Menschen […]”
Darum spricht er jetzt darüber: Kürzlich veröffentlichte Amazing einen Tweet, in dem er schreibt, dass viele nicht verstehen, was E-Sport-Spieler Tag für Tag durchmachen. Online wird oft vergessen, dass hinter den Nicknames auf dem Bildschirmen auch echte Menschen stecken.
Die Tweets kamen im Rahmen einer Aktion von Schalke 04. Der Club setzte das Thema “Mentale Gesundheit” auf die Tagesordnung und sammelte Spenden für die “Robert-Enke”-Stiftung, die widmet sich unter anderem der Erforschung von Depression.
Im Interview mit Invenglobal erklärt Amazing, dass gerade allgemein oft Dinge angesprochen werden, die hinter dem Vorhang stattfinden. Jetzt, nachdem er als Coach auch einen anderen Blickwinkel auf solche Ereignisse bekommen hatte, sei der richtige Zeitpunkt, sowas anzusprechen.
Diese Leute, die hinter mir her sind
So veränderte ihn das: Im Jahr 2014 wechselte Amazing vom europäischen Team “Copenhagen Wolves” zum Nord-amerikanischen Team “TSM”. Dort hatte sich gerade der Jungler TheOddOne verabschiedet – der war Gründungsmitglied seit 2011 – und Amazing nahm seinen Spot ein. In League of Legends ist TSM ein wichtiger Name mit einer riesigen Fan-Base. Alle Augen richteten sich also auf den neuen, deutschen Jungler und was er wohl in diesem Team abliefern wird.
Als ein neuer Spieler in Nordamerika, der nicht gleich stark performte, hatte er es schwer. “Ich war zu der Zeit ein leichtes Ziel”. Online musste er sich viel Kritik und Kommentare durchlesen. Das war damals komplett neu für ihn, als er seine Social-Media-Präsenz aufbaute.
“[…] es war etwas überwältigend für mich. Besonders die Kritik, die in dieser Härte eintrat.” Er wurde teilweise zynisch, vielleicht sogar aggressiver, erklärt Amazing. Er hatte den Gedanken: “Ich habe all diese Leute, die hinter mir her sind und mir gegenüber total negativ eingestellt sind und ich muss ihnen jeden Tag beweisen, dass sie sich irren.”
Das war über Jahre das, was sein Leben prägt. Erst 2016 verlor Amazing diesen Gedanken, als er endlich das Gefühl hatte, er wäre der beste Jungler im Westen. Endlich hat er es allen bewiesen, dachte er.
Später kamen diese Gedanken jedoch wieder, als er in Teams wie Origen oder Fnatic spielte. “Dann musste ich plötzlich wieder jedem beweisen, wer ich bin und wie gut ich bin. Die Kritiken waren wieder laut und deutlich.”
Das machte mich zu einem rachsüchtigen Menschen, einem zornigen Menschen, ehrlich gesagt, zu einem zu einem gewissen Grad verachtenswerten Menschen. Das möchte ich gar nicht sein.
Und ich denke mit Online-Kritik geht man nicht ganz so um, als wären das fremde Personen, sondern tatsächlich Leute, die mit dir sprechen.
Wenn man ein Twitter-Profil von jemanden sieht und er dich kritisiert, dann denkt man nicht “Oh, der Typ ist nur ein Twitter-Profil”. Vielleicht macht man das anfangs. Vielleicht ein, zwei oder dreimal. Aber wenn Leute dir Direktnachrichten senden und schreiben “Du bist furchtbar, du bist eklig, bring dich um”, an diesem Punkt kann man nicht mehr so damit umgehen, als würde ein Fremder mit dir sprechen.-
Es wird wirklich persönlich und darum wirkt sich das auf dich aus
Amazing im Interview mit Invenglobal.com
Warum vermeiden Profis nicht einfach Twitter? Nun denkt man sich als Außenstehender vielleicht: Ja warum machst du dir denn einen öffentlichen Twitter-Account, wenn das mit der Kritik so doof ist?
Amazing sagt, dass er selbst nie wirklich Social Media mochte. Selbst als er seine Karriere startete, nutzte er das nicht. Bis er 2014 von Organisationen wie den Copenhagen Wolves oder TSM dazu gezwungen wurde. Er musste Twitter nutzen.
Für viele Teams gehört es dazu, dass sich die Spieler eine Online-Präsenz aufbauen sollen. Die Spieler sollen erreichbar sein, etwas von sich preisgeben, wie das auf Twitter oder anderen Plattformen der Fall ist.
Eine Lösung wäre ein Social-Media-Manager, der sich um diese Accounts kümmert. “Wir sind nicht reich genug, um jemanden einzustellen, der sich um unser Social Media kümmert. Das wird nicht passieren. Besonders Rookies werden das nicht tun. Sie werden auf einer sehr persönlichen Ebene mit den Fans interagieren.” Ein LoL-Team stellte mal Satan als Profi-Tweeter ein, der dann von Twitter gebannt wurde.
Zwar würde das nicht immer nur negativ sein, doch die negativen Kommentare seien immer lauter als die positiven. Gerade, wenn man selbst nicht gut spielt, sei das nochmal härter.
Das gesamte Interview mit Amazing könnt ihr hier auf YouTube ansehen.

Der ehemalige Profi-Spieler Wolf beendete seine Karriere wegen Angststörungen. Regelmäßig musste er sich vor und nach den Profi-Matches übergeben. Er kämpfte zu dem Zeitpunkt mit verschiedenen Problemen wie Depressionen oder Anpassungsstörungen.
Einen Teil der Schuld sprach er auch den Hatern zu. Zwar gab es berichtigte Punkte zur Kritik, doch häufig war diese einfach desktrutiv.
LoL-Profi Wolf beendete seine Karriere mit 24 Jahren wegen Anststörungen.
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