Eine interne E-Mail des Blizzard-Chefs J. Allen Brack wurde heute publik. In der E-Mail wendet sich Brack an die Tausenden von Mitarbeitern bei Blizzard (WoW, Hearthstone, Diablo 3, Overwatch). Er nimmt Stellung zur Klage einer kalifornischen Behörde, die tiefe Miss-Stände bei Activision Blizzard aufzeigt.
Das ist die Situation:
- Eine kalifornische Behörde hat eine Klage gegen Activision Blizzard eingereicht. Man wirft der Firma vor, weibliche Angestellte zu diskriminieren. Die würden schlechter bezahlt werden und Activision Blizzard verweigere ihnen Aufstiegs-Möglichkeiten. In der Klage wurden zudem Beispiele für sexuelle Belästigung genannt, die viele schockierten.
- Activision Blizzard zeigte sich in einem ersten öffentlichen Statement geradezu angeekelt von der Klage. Man warf den Beamten vor, sie würden unverantwortlich und beschämend handeln. Activision Blizzard drohte zwischen den Zeilen sogar, den Staat Kalifornien zu verlassen. Vor allem, dass ein Selbstmord einer Mitarbeiterin zum Teil der Klageschrift wurde, wies man empört zurück. Es hieß, die Kultur bei Blizzard habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.
- Nun wurde eine Mail öffentlich, in der sich J. Allen Brack an die Mitarbeiter von Blizzard wendet: Dabei wird deutlich, wie tief die Verunsicherung bei Blizzard reicht.
Interne E-Mail an Blizzard-Mitarbeiter leakt nach außen
Woher kommt die Mail? Die hat der Journalist Jason Schreier veröffentlicht. Sie wurde ihm offenbar von einer Quelle bei Blizzard zugespielt.
Ist die E-Mail echt? Davon kann man ausgehen. Es ist bekannt, dass Jason Schreier viele Kontakte in großen Studios hat und dadurch immer wieder frühen Zugang zu Insider-Informationen, die sich später als wahr herausstellen.
Er hat sich in den letzten Jahren öffentlich immer wieder als die Person präsentiert, die man als zorniger oder enttäuschter Mitarbeiter einer Gaming-Firma anschreiben kann, wenn man ein Problem hat und sichergehen will, dass der Journalist die Vertraulichkeit der Quelle wahrt.
Das steht in der internen Mail: Brack beginnt die Mail mit:
„Bei mir selbst kamen gestern eine Menge Gefühle hoch und ich weiß: Bei euch auch. Die Vorwürfe und der Schmerz von aktuellen und früheren Angestellten sind extrem besorgniserregend.
Ich weiß, dass sich viele von euch mehr Klarheit wünschen. Doch wir können auf die Einzelheiten eines laufenden Verfahrens nicht eingehen. Was ich aber sagen kann: Das Verhalten, das in den Anschuldigungen beschrieben wird, ist absolut nicht zu akzeptieren.“
J. Allen Brack
Brack betont, dass man Dinge wie Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung oder Belästigung ablehnt. Jeder solle sich bei Blizzard sicher fühlen. Er bewundere den Mut, den es brauche, um solche Vorwürfe öffentlich zu machen. Brack verspricht, interne und – wenn nötig – externe Untersuchungen einzuleiten.
Es sei wichtig, dass Blizzard genauso an seiner Kultur arbeitet, wie an seinen Spielen. Die Werte müssten der leitende Nordstern sein.
Es heißt, dass Führungs-Team und Brack selbst würden nun Meetings mit vielen Angestellten führen, um Fragen zu beantworten und zu besprechen, wie man von hier aus weitermachen kann. Die Leute könnten jeden Manager, jeden Partner der Personal-Abteilung und jeden aus dem Rechts-Team ansprechen und auch jeden der Bosse. Zudem könnten sie sich auch anonym an Leute außerhalb von Blizzard wenden, wenn ihnen dabei wohler ist.
Am Ende der Mail sagt Brack, er selbst empfinde „Ärger und Zorn“, aber er sei auch dankbar dafür, dass er mit so tollen Führungspersonen und tausenden von Mitarbeitern zusammen daran arbeiten kann, ständige Verbesserungen zu erreichen.
Auf Twitter weinen Ex-Angestellte vor Freude und in WoW schlachten Spieler einen NPC ab
Das war der Mail vorausgegangen: Die nähere Beschäftigung mit der Klageschrift und die ersten Reaktionen sorgten im Laufe des gestrigen Tages, am 22.7, für immer mehr Zorn gegen Blizzard, der sogar zu Protesten in den Spielen führte:
- In WoW gab es Sit-Ins aus Protest. Spieler schlachteten zudem einen NPC ab, der für einen Entwickler steht, welcher in der Klageschrift namentlich als sexueller Belästiger genannt wurde
- In Hearthstone sagten Influencerinnen aus Protest ihre Karten-Enthüllungen für die nächste Erweiterung ab
- in den öffentlichen Foren ist die Stimmung gedrückt bis feindselig gegen Blizzard
Nachdem die Klage gegen Blizzard öffentlich wurde, haben sich auf Twitter einige frühere Mitarbeiterinnen gemeldet und die Anschuldigungen, die in der Klage vorgebracht wurden, weiter bestätigt und sogar verstärkt. Plötzlich war die Rede von Sex in Game-Lounges und Kokain in den Toiletten (via twitter).
In den Tweets zeigten sich die Frauen wie traumatisiert von ihrer Zeit bei Blizzard. Eine ehemalige Mitarbeiterin sagte, sie hätte sich in den letzten Jahren geekelt, als sie las, dass ihre früheren Peiniger nun so erfolgreich bei Blizzard waren. Es war eine große Erleichterung zu spüren, dass die Vorwürfe nun öffentlich sind (via twitter).
Die ursprüngliche Antwort von Blizzard wurde harsch kritisiert. In ihrer ersten Antwort hatte die Firma betont, dass viele der Anschuldigungen “In der Vergangenheit” liegen würden und man seitdem große Fortschritte gemacht habe.
Mit dem Inhalt der Klage haben wir uns auf MeinMMO in einem Artikel ausführlich beschäftigt:
Staatliche Behörde verklagt Activision Blizzard – Üble Vorwürfe gegen WoW-Entwickler
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