MMORPGs – zumindest auf dem PC – gelten seit Jahren als eher rückläufiges Genre. Sie gehören zu den schwierigsten und teuersten Spielen überhaupt und verlangen gleichzeitig viel Zeit und Einsatz von den Spielern. Doch wenn man in die Zukunft schaut, sieht es überraschend rosig aus, findet MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch.
Die Jahre 2014 bis 2021 waren für MMORPG-Fans schwierig:
- Zum einen musste man sich von einigen Lieblingen für immer verabschieden, etwa Vanguard: Saga of Heroes, Warhammer Online oder Wildstar.
- Zum anderen kamen nur wenig neue und wirklich gute Spiele auf den Markt. Die Highlights waren asiatische Spiele, etwa Black Desert, oder die Remakes alter Spiele, wie etwa WoW Classic.
Es wirkte so, als sei die glorreiche Zeit der MMORPGs, die von WoW 2004 eingeleitet wurde, endgültig vorbei. Das lag wohl auch daran, dass WoW selbst mit Erweiterungen wie Battle for Azeroth, Legion und Shadowlands die Fans nicht mehr richtig begeistern konnte.
Eine leichte Trendwende gab es 2021/22 mit den Releases von New World und Lost Ark. Doch beides waren keine typischen Games für Fans von WoW, sondern begeisterten mit ihren speziellen Kampfsystemen und düsteren Welten eher eine andere Zielgruppe.
Schaue ich aber etwas weiter in die Zukunft, dann habe ich große Hoffnung für das Genre. Denn die viele der zuletzt angekündigten MMORPGs haben wahlweise innovative Ideen oder aber große Namen hinter sich – und genau das fehlte.
Tatsächlich glaube ich, dass die Zukunft nie besser aussah, als jetzt.
Viele Asia-Games, viel PvP und keine große Namen
Von 2014 bis 2021 gab es etliche neue MMORPGs, doch sie alle kämpften mit ähnlichen Problemen. Denn den meisten Spielen fehlte einfach eine Besonderheit, ein Alleinstellungsmerkmal. Das können innovative Ideen, besonders schöne Grafiken oder zumindest ein großer Name sein.
Meist waren es jedoch Asia-Games, die zwar – wie Bless und Revelation Online – im Vorfeld Hype erlebten, aber später dann die Masse enttäuschten. Das immer gleiche Spielprinzip und dazu oftmals austauschbare Grafik und PvP im Endgame. So lassen sich viele der – aus westlicher Sicht – Fehlschläge beschreiben.
Doch für die kommenden 5 bis 7 Jahre sieht es deutlich rosiger aus. Denn es gibt sowohl große Namen als auch innovative Ideen.
Zwei große Franchises bekommen jetzt MMORPGs
Die wohl größte Hoffnung ist in meinen Augen das MMORPG zu League of Legends von Riot Games. Die Firma hat mit Runeterra eine spannende Welt kreiert, jahrelange Erfahrung im Betreuen von Live-Games und einfach genug Geld, dass sie in das Projekt stecken können.
Mit Ghostcrawler haben sie außerdem einen hervorragenden Chef, der selbst ein aktiver MMORPG-Spieler ist und gerade das Thema Endgame sehr ernst nimmt. Wir können also mit vielen PvE-Inhalten und knackigen Instanzen rechnen.
Allein weil der Name League of Legends mit im Spiel ist, muss man den Titel ernst nehmen. Doch er ist nicht der einzige, der mit einem großen Franchise in Verbindung steht.
Denn derzeit arbeitet NCSoft wohl an einem neuen MMORPG zur Welt von Horizon: Zero Dawn. Offiziell bestätigt wurde das Spiel noch nicht, doch Sony soll schon lange an einem Multiplayer-Titel zur Reihe interessiert sein. Mit dem koreanischen Studio NCSoft (Lineage, Aion, Blade & Soul) hätte man einen soliden Partner für das Projekt.
Hier muss man die genauen Details abwarten, doch das Potential ist riesig, denn Horizon punktet mit einer tollen Welt und unterschiedlichsten Fortbewegungsmöglichkeiten, die auch in ein MMORPG passen könnten.
Ein weiterer kleiner Lichtblick ist das kommende MMO von Zenimax, das eine komplett neue IP bekommen soll. Zenimax hat mit ESO bereits bewiesen, dass sie ein solides MMORPG bauen können. Allerdings gibt es bisher zu wenig Informationen, abseits davon, dass es schon einige Jahre in Entwicklung sein soll. Deshalb nehme ich den Titel nur als Bonus auf.
Als Bonus könnte man zudem das kommende MMO zu Dune nennen, das jedoch eher ein Survival-Spiel als ein klassisches MMORPG wird.
Zwei neue MMORPGs punkten mit Innovationen
Große Namen sind das eine, Innovationen das andere. Und hier freue ich mich am meisten auf Palia. Palia ist ein MMORPG, bei dem der Fokus auf den Dingen liegt, die ihr sonst eher als Nebenbeschäftigung wahrnehmt.
Ihr baut euch ein Haus, knüpft soziale Kontakte, angelt und kocht. Denn in Palia spielt das Kämpfen eine untergeordnete Rolle. Lediglich bei der Jagd nach Fleisch und kleinere Abenteuerreisen sollt ihr mal auf Feinde einprügeln müssen. Sonst erinnert vieles eher an Animal Crossing, was aber eine sehr erfolgreiche Spiele-Reihe ist.
Außerdem wirbt es damit, dass es das fairste Free2Play-Spiel werden möchte.
Palia wird zwar nicht die Hardcore-Raider oder PvP-Spieler ansprechen, doch auch unter den MMORPG-Spielern befinden sich Fans von gemütlichen Zockerrunden und Rollenspiel. Zudem kann Palia eine komplett neue Zielgruppe in das Genre holen. Das allein macht es interessant.
In die komplett andere Richtung geht Ashes of Creation. Hier stehen die Kämpfe gegen riesige Weltbosse und gegen andere Spieler im Vordergrund. Neu ist hier das Node-System, bei dem die Spieler Gebiete leveln und damit Städte verbessern können. Gleichzeitig gibt es Kriege um diese Städte.
Ashes of Creation ist der Traum eines Gamers, der früher gerne ArcheAge gespielt hat, dort aber zu viele Elemente vorfand, die ihm nicht gefallen haben. Steven Sharif ist jedoch Millionär und begann deshalb, sich sein Wunsch-MMORPG zu finanzieren.
Inzwischen arbeiten dutzende Entwickler an dem Spiel und es gehört zu den meisterwarteten MMORPGs überhaupt.
Für Sandbox-Fans gibt es zudem ein weiteres MMORPG, das sehr interessant klingt: ArcheAge 2. Gerade das erste gezeigte Gameplay macht einen starken Eindruck.
Der größte Unsicherheitsfaktor ist jedoch das Bezahlmodell, denn schon ArcheAge 1 hatte damit riesige Probleme im Westen. Darum ist auch das wieder nur ein “Bonus-Titel” in dieser Liste.
Zwei MMORPGs erscheinen schon 2023 und könnten unterschiedlicher kaum sein
Wer nicht bis 2025 oder noch länger warten möchte, kann sich schon auf das Jahr 2023 freuen. Denn dort erwarten euch gleich zwei kleine Highlights.
Throne and Liberty wird ein Action-MMORPG und legt seinen Fokus auf große Bosskämpfe und Schlachten um Festungen. Es überzeugt bisher vor allem mit der Idee eines dynamischen Wetter-Systems, vielen Fortbewegungsmöglichkeiten wie Fliegen, Schwimmen und einem Kletterhaken, sowie großen Schlachten um Festungen.
Das erste Gameplay macht grafisch einen guten Eindruck. Allerdings ist bisher nicht so ganz klar, wie stark der Einfluss vom PvP ist. Es könnte die Reihe von Fehlschlägen aus Asien (Bless, Bless Unleashed, Elyon etc.) durchbrechen, allein weil mit NCSoft eine große Firma dahintersteht, die endlich wieder Erfolg im Westen haben möchte.
Der andere Titel, der 2023 zumindest in Japan erscheinen wird, ist Blue Protocol. Dabei handelt es sich um ein Anime-MMORPG mit dem Fokus auf Story und PvE.
Ihr habt die Wahl aus 5 Klassen, sollt einer mitreißenden Geschichte folgen und im Endgame Dungeons und Raids erledigen. Dazu gibt es ein Crafting-System, das wichtig werden soll, um eure Ausrüstung aufzuwerten. Denn klassische Rüstungs-Drops wird es nicht geben.
Ebenso verzichtet Blue Protocol auf PvP. Es wird weder Kämpfe in der offenen Welt, noch Arenen geben. Wer sich trotzdem mit anderen vergleichen möchte, bekommt eine Rangliste für die schnellsten Dungeon-Runs.
Bei diesem MMORPG ist allerdings unklar, wann und wie das Spiel im Westen erscheint. Derzeit ist nur von “Frühjahr 2023” für Japan die Rede. Allerdings soll es bei den Game Awards am 8. Dezember neue Informationen dazu geben.
So viel Potential wie seit 13 Jahren nicht mehr
Seit 2014 sah es für MMORPGs irgendwie mager aus. Man hatte das Gefühl, dass die Entwickler das Genre meiden, weil die Chance auf einen Fehlschlag zu groß ist. Dafür gab es auch prominente Beispiele, etwa ESO, das komplett umgebaut werden musste, oder Wildstar, das abgeschaltet wurde.
Alles, was blieb, war die Hoffnung auf ein gutes Asia-Game. Hier konnte langfristig aber nur Black Desert überzeugen.
Zwar werden viele der hier aufgezählten Titel noch einige Jahre in Entwicklung sein, doch trotzdem klingt es zum ersten Mal seit Jahren so, als hätten die MMORPGs nochmal die Chance auf einen zweiten Frühling.
Denn Potential haben alle der hier genannten Titel, vorausgesetzt sie werden gut umgesetzt. Zuletzt war ich so gespannt auf die Zukunft im Jahr 2009, als Guild Wars 2, SWTOR und ESO gleichzeitig in Entwicklung waren.
Obendrauf kommen noch ein paar Indie-Spiele, die zumindest auf dem Papier spannend klingen, wie etwa War of Dragnorox, bei dem das Gameplay von Game-Mastern dynamisch verändert wird oder Corepunk, die in die Richtung eines LoL-MMORPGs gehen.
Hätte mir jemand 2016 diese Liste mit neuen MMORPGs gegeben, ich hätte sie mit Freuden so angenommen.
Wie seht ihr die Zukunft des Genres? Von welchen Titeln versprecht ihr euch das meiste und welche klingen eher uninteressant?
In dieser Liste findet ihr einen Überblick über alle MMORPGs, die 2023 erscheinen sollen:
5 neue MMORPGs, die 2023 definitiv erscheinen sollen
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