Am 28. September um 8:00 Uhr gingen die Server von New World endlich online. MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch war mittendrin und hat sich stundenlang in Warteschlangen gestellt. Mit Problemen hat er gerechnet, doch die Art und Weise, wie die Warteschlangen aufgebaut sind, hat ihn frustriert und wütend gemacht.
Wie lief der Release von New World? Der Start von Amazon lief für einige sehr gut, für andere furchtbar, wie ihr in unserem Live-Ticker nachlesen könnt.
Wer es geschafft hat, direkt morgens um 8:00 Uhr auf einen der wenigen EU-Server zu kommen, der wird einen interessanten und vielleicht sogar sehr spaßigen Release erlebt haben. Denn die Server liefen sehr stabil.
Nur zwischen 10:20 Uhr und 10:45 Uhr kam es zu einer Wartung auf fast allen Servern. Einzelne Server hatten zudem mal Abstürze, jedoch wurden die Plätze für die Spieler reserviert, die bereits drauf waren. So konnten sie problemlos die Warteschlangen umgehen.
Wer dieses Glück jedoch nicht hatte, der stand in Warteschlangen. Und das mitunter 10 Stunden oder länger. Denn Amazon ließ nur eine bestimmte Zahl von Spielern auf jeden Server. Und genau das hat mich extrem frustriert.
Manche Spieler hatten den Tag ihres Lebens, andere starrten nur auf Warteschlangen
Was war und ist das Problem von New World? Wenn ein neues MMORPG erscheint, dann rechnet jeder mit Server-Abstürzen oder Warteschlangen. Das ist vollkommen normal und genau das habe ich bei New World auch erwartet. Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich nur wenige Stunden – wenn überhaupt – spielen würde.
Doch Amazon nutzt ein eher untypisches System für ihre Server.
Während die meisten Online-Spiele die Warteschlange “künstlich” erzeugen, damit nicht zu viele Spieler auf einmal in die Startgebiete strömen und die Server zum Absturz bringen, waren die Server von New World tatsächlich voll. Wer in der Warteschlange stand, musste warten, bis ein Spieler wirklich den Server verließ.
Zwar gibt es keine genaue Spielerzahl pro Server, aber anhand von Personen in Kompanien geht man von etwa 2.000 Spielern pro Server aus. Damit boten die 63 EU-Servern zum Start nur etwa 126.000 Spielern Platz.
Angesichts der Tatsache, dass schon früh morgens über 250.000 Spieler online waren, waren die langen Warteschlangen quasi vorprogrammiert. Und es war ebenfalls zu erwarten, dass die Spieler, die früh auf einem Server waren, diesen den ganzen Tag nicht mehr verlassen würden.

“Ich war neidisch auf die, die schon zocken könnten”
Was hat mich so frustriert? Im Grunde waren es zwei Dinge:
- Zum einen hatte ich die Hoffnung, dass es Amazon besser machen würde, als andere MMORPGs. Immerhin haben sie den Release extra um 4 Wochen verzögert, um Probleme mit Servern und Warteschlangen anzugehen.
- Zum anderen konnte ich Streamern und Freunden dabei zusehen und zuhören, wie sie den Tag ihres Lebens in New World hatten. Gleichzeitig hatte ich KEINE CHANCE, jemals einen der Server zu betreten. Denn um auf Warteschlangenplatz 5.000 einen Zugang zu bekommen, hätten alle diese 5.000 Spieler vor mir auch offline gehen müssen.
Spieler, die einmal online waren, konnten quasi den ganzen Tag zocken, ohne größere Downtime oder Probleme. Das fühlte sich für mich schlimmer an, als wenn die Server den ganzen Tag offline gewesen wären.
Nennt es an dieser Stelle ruhig Neid, weil nichts anderes ist es. Ich war und bin neidisch auf die, die zocken konnten. Sie konnten endlich das MMO erleben, auf das ich seit Jahren warte und das ich schon in der Beta so sehr gesuchtet habe. Doch mir blieb dieser Spaß verwehrt.
Auch von einigen Kollegen, die sogar den Plan hatten, mit ihrer Kompanie eine Siedlung zu kontrollieren, hab ich viel Wut mitbekommen. Ihnen war der Server eigentlich egal, doch sie konnten nirgendwo zusammen spielen. Wenn sie jetzt gemeinsam starten, werden auf allen Servern die Siedlungen schon vergeben sein.
Am Ende haben die Server auch dazu geführt, dass New World auf Steam miese Reviews bekommen hat:
Server-Probleme okay, aber dann bitte mit Ansage
Musste das so laufen? Im Grunde möchte ich Amazon keinen Vorwurf machen, denn ein so riesiger Ansturm, wie ihn New World zu Release erlebt hat, ist nur schwer zu verkraften.
Ich habe fest mit Problemen und Downtime gerechnet, doch nicht damit, dass einige den ganzen Tag spielen können, während über die Hälfte der Interessierten den ganzen Tag in einer Warteschlange waren.
Ich hätte mir eine offenere Kommunikation der Entwickler gewünscht, um genau darauf vorbereitet zu sein. Amazon hätte:
- Schon zum Start erklären können, wie ihre Pläne sind, auch bezüglich neuer Server-Öffnungen
- Direkt die Deckelung erklären können, damit sich Spieler gar nicht erst auf Platz 10.000 in die Warteschlange stellen
- Die jetzt angekündigten kostenlosen Server-Wechsel schon vor dem Start ankündigen können. So hätte man sich auf kleinen Servern in die Warteschlange gestellt und wäre später dann auf die großen Server gewechselt. Auch die “nachträgliche Erhöhung der Server-Kapazität” ist eine wichtige Info, die viel zu spät kam.
Diese drei Aspekte hätten meinen Start deutlich angenehmer gemacht, auch wenn ein bisschen Neid wahrscheinlich geblieben wäre.
Was gibt es sonst zu kritisieren? Ich hätte mir direkt zum Start mehr Server gewünscht. Der Hype, der um New World existiert, war weithin bekannt. Ich selbst habe auf MeinMMO darüber berichtet, dass aufgrund dieses Hypes Lost Ark gegen New World untergegangen wäre.
Natürlich stecken hinter der Entscheidung, mit wie vielen Servern man startet, viele technische Aspekte, in die wir keinen Einblick haben und die man so nur schwer kritisieren kann. Aber Amazon hat mit Statements zu den Warteschlangen und neuen Servern einfach zu lange gebraucht, was ebenfalls zu Frust geführt hat.
Aus meiner Sicht hätte Amazon sich zudem Ärger erspart, wenn sie die Namensvergabe gar nicht erst global gemacht hätten. Das führte dazu, dass Spieler anderer Regionen zum Start in Europa Charaktere erstellt haben, einfach, um sich ihren Namen zu sichern.
Wie steht es um New World selbst? Inzwischen kam ich in der Nacht und heute Morgen bereits dazu, einige Stunden New World zu spielen. Und ich bin weiterhin von dem MMO überzeugt. Der Einstieg ist gelungen und erstes Endgame ist vorhanden. Einiges hängt aber auch davon ab, wie Amazon weitere Inhalte nach dem Release liefert.
Die Kritik in diesem Artikel richtet sich also überhaupt nicht gegen das Spiel, sondern gegen die Art und Weise, wie die Server zu Release funktioniert haben.
Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, über New World ein geeignetes Spiel ist, findet hier unseren Quick-Check:
New World zu Release: Warum sollte man das spielen? Der kurze Check
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