Hellena Taylor war die Stimme des Charakters Bayonetta in der gleichnamigen Spielreihe im ersten und zweiten Teil. Für die komplette Synchronisation des dritten Spiels bot der Entwickler Platinum Games der Sprecherin nach ihrer Aussage nur 4.000 Dollar. Viel zu wenig, findet Taylor, und ruft nun über Twitter zum Boycott des Spiels auf.
Was genau sagt Taylor?
- In insgesamt drei kurzen Videos meldete sich die Sprecherin auf Twitter zu Wort. Dort sitzt sie an einer Wand und spricht ernst, aber stellenweise auch etwas verzweifelt in die Kamera.
- Sie erklärt, dass das Franchise rund um Bayonetta bisher etwa 450 Millionen Dollar Umsatz gemacht habe. Sie selbst habe mehr als sieben Jahre Ausbildung aus Schauspielerin hinter sich und hatte ihren ersten Fernsehauftritt 1992 in der Serie Bookmark. Und genau deshalb sei das Angebot von 4.000 Dollar, das Platinum Games ihr gemacht habe, ein Schock und eine Beleidigung gewesen.
- Seitdem sie das Angebot abgelehnt hatte, sorgt sich Taylor um ihre Zukunft, hat Angst auf der Straße zu landen und auch suizidale Gedanken. Vor einer Strafe durch die Entwickler fürchte sie sich nicht, denn sie habe nicht mal genug Geld, um ihr Auto zu bezahlen.
- Taylor bittet nun die Spieler darum, den dritten Teil zu boykottieren und das Geld stattdessen lieber für wohltätige Zwecke zu spenden.
- Der Chef von Platinum Games, Hideki Kamiya, hat sich auf Twitter zu Wort gemeldet. Er klagt über eine “Haltung der Unwahrheit”.
Taylor ruft zum Boykott auf, hat Angst um ihre Zukunft
Wieso sollen Spieler Bayonetta 3 boykottieren? Im ersten Video erklärt Taylor, dass sie sieben Jahre an der London Academy of Music and Dramatic Art mit zwei verschiedenen Sprachcoachs trainiert habe:
Und was dachten sie, ist das Wert? Was boten sie mir als Bezahlung? Das finale Angebot, um Bayonetta im gesamten Spiel zu sprechen, war 4.000 US-Dollar. Das ist eine Beleidigung für mich. Die Zeit, die ich in die Entwicklung meines Talents und in das Spiel und die Fans gesteckt habe.
Ich bitte euch, das Spiel zu boykottieren und das Geld, dass ihr in das Spiel investiert hättet, an eine wohltätige Organisation zu spenden.
Im zweiten Video erläutert sie weiter, warum die Spieler diesen Boykott durchziehen sollten. Sie wendet sich nach eigener Aussage an solidarische Menschen, die bei Ungerechtigkeiten nicht wegschauen.
Sie selbst habe aufgrund der Situation um Bayonetta mit Depressionen und Ängsten um die Zukunft zu kämpfen gehabt:
Ich fürchtete, dass ich auf der Straße landen würde. Das ängstigte mich so sehr, dass ich selbstmordgefährdet war.
Weiter sagt sie, dass sie keine Angst vor einem Non-Disclosure Agreement habe, also einem Abkommen, laut dem alle Beteiligten Stillschweigen etwa über Verdienste oder Inhalte bewahren müssen. Sie könne es sich nicht mal leisten, ein Auto zu bezahlen. Was solle ihr schon passieren.
Taylor kontaktierte den Chef-Entwickler Hideki Kamiya und wurde enttäuscht
Wie liefen die Verhandlungen um die Sprecherrolle ab? Hellena Taylor erklärt im dritten Video, dass sie anfangs zu einem Vorsprechen für Bayonetta gehen musste. Das sei jedoch nicht unüblich. Nach dem Vorsprechen soll ihr die Rolle angeboten worden sein – wohl für noch weniger Geld als die 4.000 Dollar.
Daraufhin wandte sich Taylor an den Chef von Platinum Games, Hideki Kamiya. Ein Freund von ihr übersetzte ihre Anfrage auf Japanisch.
Ich bekam eine Antwort, die aussagte, dass er meinen Beitrag zur Spielreihe schätze und dass die Fans unbedingt möchten, dass ich sie nochmal spreche und dass er die Erinnerung daran, wie wir uns zum ersten Mal trafen, noch gut im Gedächtnis hat.
Das war der Punkt, an dem sie mir die 4.000 Dollar boten.
Enttäuscht sei Taylor auch davon, wie Platinum Games die Umbesetzung der Sprecherrolle kommunizierte. Game Director Yusuke Miyata sagte damals in einem offiziellen Statement: “Verschiedene sich überschneidende Umstände machten es für Hellena Taylor schwierig, ihre Rolle wieder zu spielen” (via Gameinformer).
Taylor selbst sagt, es gab keine zeitlichen Umstände, die gegen die Synchronisation sprachen. Sie hatte nichts in ihrem Kalender außer freie Zeit.
Zum Ende äußert sie sich auch zu ihrer Nachbesetzung Jennifer Hale. Sie habe nicht das Recht, sich als die Stimme von Bayonetta zu bezeichnen.
Sind 4.000 Dollar wirklich zu wenig? Darüber wird derzeit im Internet diskutiert. Für Laien klingen die 4.000 Dollar erstmal nach ziemlich viel Geld. Samantha A Morrison, Casting Director für Sprecherrollen in Spielen wie Vindictus oder Wasteland 3, erklärt:
Es gibt wahrscheinlich zwischen 8.000 und 10.000 Dialogzeilen im Spiel. Wenn man von einem Durchschnitt von 55 Zeilen pro Stunde ausgeht (großzügig), sind das fast 165 Stunden Aufnahme. Teilt man das durch 4000 $, erhält man 25 $/Stunde. Für den Haupt-Voice-Actor, ohne Rücklagen oder Buyout. Absolut beleidigend für ein Franchise, das über 450 Millionen Dollar wert ist.
Via Twitter
Der Chef Hideki Kamiya meldet sich auf Twitter – Sorgt für Verwirrung
Was sagt der Chef zu den Vorwürfen? Bisher gibt es nur ein kurzes Statement auf Twitter, das für weitere Diskussionen sorgt:
Ich finde die Haltung der Unwahrheit traurig und beklagenswert. Das ist alles, was ich jetzt sagen kann. Übrigens: HÜTET EUCH VOR MEINEN REGELN!
Vor allem das Ende lässt einige irritiert zurück. Im reddit wird jedoch vermutet, dass es hier zu einem Übersetzungsfehler vom Japanischen ins Englische kam.
Bayonetta 3 soll am 28. Oktober für die Nintendo Switch erscheinen. Ob der Aufruf von Hellena Taylor etwas bewirkt, wird sich spätestens dann zeigen.
Für viele Spieler sind die Synchronsprecher ihrer Charaktere sehr wichtig. In Genshin Impact wurde eine Sprecherin sogar für etwas angefeindet, für das sie gar nichts konnte:
Sprecherin von Genshin Impact wird belästigt, nachdem ihre Stimme angepasst wurde
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