World of Warcraft steckt in einer Krise, die viele Spieler mit Frust erfüllt. WoW-Dämon Cortyn erklärt, warum das Endgame gerade riesige Probleme hat.
World of Warcraft macht mit Dragonflight eine Menge richtig. Viele Features kommen gut an, die reduzierte Notwendigkeit für Grind und allgemeine „Twinkfreundlichkeit“ sind klare Pluspunkte. Denn obwohl WoW weniger Spieler hat, ist es besser geworden. Doch je mehr Zeit seit dem Release verstreicht, desto stärker fällt auf, dass das Endgame des einstigen MMORPG-Giganten schwächelt. Denn gerade der Bereich „Mythisch+“ hat sich von einer spaßigen Unternehmung mehr und mehr zu einer Tortur gewandelt, die jede Woche andere Rollen nervt.
Also wird es mal wieder Zeit, um mich ein bisschen über die Probleme aufzuregen, die sich über Monate und Jahre angestaut haben.
Mythisch+, oder: Jede Woche hasst es ein anderer Spieler
Wer sich mit WoW gar nicht auskennt, für den hier eine kurze Zusammenfassung: „Mythisch+“ ist ein System, bei dem man einige Dungeons immer wieder auf steigender Schwierigkeit bewältigen muss. Eine „Mythisch+12“ ist also härter als eine „Mythisch+6“. Dabei steigt mit höherer Stufe nicht nur die Schwierigkeit durch Lebenspunkte und Schaden, sondern es kommen noch weitere Effekte hinzu, die sogenannten Affixe.
Und genau diese Affixe sind ein Quell der Ärgers, denn Dungeons stehen in der Kritik.
Affixe rotieren jede Woche, sodass man im Grunde jede Woche eine andere Kombination hat. Das soll Dungeons „frisch“ und „interessant“ halten.
Tatsächlich sorgen sie aber dafür, dass in wechselnder Reihenfolge Fernkämpfer, Nahkämpfer oder Heiler kollektiv keine Lust haben, in der entsprechenden Woche zu spielen.
Es gab in der Vergangenheit sogar den Affix „Nekrotisch“, der die Heilung verringert hat, die Tanks erhielten. Das zwang Tanks dazu, dauerhaft zu „kiten“ und nur noch panisch Hin- und Her zu rennen. Der Affix war so unbeliebt, dass Tanks sich in den entsprechenden Wochen komplett weigerten, überhaupt noch zu spielen – und er daraufhin entfernt wurde.
Dieser Frust, den „Nekrotisch“ damals bei Tanks ausgelöst hat, ist inzwischen auf alle anderen Spielergruppen übergeschlagen.

„Bebend“, „Vulkanisch“ und „Donnernd“ sorgen dafür, dass Fernkämpfer im Grunde permanent in Bewegung sein müssen und jeden zweiten bis dritten Zauber abbrechen müssen – von kanalisierten Zaubern ganz zu schweigen.
In der aktuellen Woche „Platzend“, „Schrecklich“, „Tyrannisch“ haben plötzlich alle Heiler akute Internetprobleme, die wohl erst am kommenden Mittwoch gelöst werden.
Affixe sind schon lange keine Bereicherung mehr, sondern sie ruinieren den Spielspaß einer Klasse. Eine Schattenpriesterin, die jeden zweiten Zauber wegen irgendeiner supernervigen Affix-Mechanik abbrechen muss, macht einfach keinen Spaß. Ein Heiler, der die ganze Zeit irgendwelche Feuerkugeln anklicken muss, ist auch weit von der Fantasie weg, die man eigentlich so mag.
Warum regen sich die Leute jetzt erst auf?
Die erste Frage, die unweigerlich aufkommt: Warum ist das jetzt ein Thema? Immerhin hat World of Warcraft schon seit vielen Jahren Affixe und das „Mythisch+“-System. Warum fällt jetzt „plötzlich“ der Community auf, dass das System nervt?
Das liegt wohl in erster Linie daran, dass WoW in den vergangenen Jahren ganz andere, größere Probleme hatte. Die Überladung mit unterschiedlichen Systemen, die erzählerischen Schwierigkeiten und die twink-unfreundlichen Mechaniken besonders in Shadowlands führten dazu, dass die Kritik auf ganz andere Aspekte fokussiert wurde.
Mythisch+ stach zu dieser Zeit noch als „solide“ hervor. Es war nie überragend gut, aber auch nie besonders schlecht. Es war ein akzeptabler Zeitvertreib. Eine Konstante, die immer gute Beute und immer einen klaren Anreiz, sich weiter zu verbessern, mit sich brachte.
Mit Dragonflight hat sich viel gewandelt. WoW ist so twinkfreundlich wie schon lange nicht mehr. Drachenfliegen hat das Reisen endlich wieder interaktiver gemacht. Die Spielwelt ist offener und die Ziele sind zielstrebiger zu erreichen. Die Ruf-Fraktionen mit kleineren Abstufungen fühlen sich belohnender und nicht mehr so erdrückend an.
Oder anders ausgedrückt: Der Großteil von World of Warcraft ist von „schlecht“ auf „gut“ gewechselt. Doch Mythisch+ ist im Bereich „mittel“ verblieben – und sticht damit nun als negatives Beispiel heraus.
Ein Blick ins Subreddit oder die Foren von World of Warcraft offenbart jeden Tag einen oder mehrere Threads, die zunehmend immer mehr Zustimmung erhalten. Es ist ein Problem, das lange geschwelt hat und nun auflodert.
Wie kann Blizzard das Problem beheben?
Weil „nur meckern“ ja jeder kann und das selten zielführend (aber oft spaßig) ist, will ich auch ein paar mögliche Lösungsansätze aufzeigen.
Möglichkeit 1: Positive Affixe für mehr Spielspaß
In der Community von WoW geistert seit einigen Wochen die Idee herum, doch alle Affixe grundlegend zu überarbeiten. Anstatt dass es sich bei den Affixen nur um negative Aspekte handelt, die man vermeiden muss, könnten Affixe positive Auswirkungen für die Gruppe haben, wenn man sie korrekt spielt. Der Reddit-Nutzer „MrKny“ hat folgende Ideen für alle Affixe gehabt:
- Blutig: Heilt nun alle, die in der Blutlache stehen.
- Anstachelnd: Verstärkt auch die Spieler, wenn auch nur sehr kurz.
- Explosiv: Das Zerstören der Kugeln gibt 1 % Tempo pro Kugel, der Buff hält 30 Sekunden und ist 20-mal stapelbar.
- Schrecklich: Wenn der Effekt entfernt wird, gibt dem Dispeller oder dem letzten Heiler einen zufälligen 10 %-Buff auf Tempo, Krit, Meisterschaft oder Vielseitigkeit für einige Sekunden.
- Platzend: Fügt auch Feinden in der Nähe reduzierten Schaden zu.
- Wütend: Gilt auch für Spieler unter 30 % Lebenspunkte und bleibt danach für 10 Sekunden bestehen.
- Bebend: Schlägt alle Feinde in der Nähe nieder, wenn der Effekt endet.
- Stürmisch: Gibt Spielern und Feinden 5 % Tempo pro Wirbelsturm in der Nähe.
- Vulkanisch: Kann nun auch Feinde treffen und gibt ihnen einen Debuff, wodurch sie zusätzlichen Schaden erleiden.
Sicher würde diese Änderung ein Rebalancing der Dungeons nach sich ziehen und einige Kämpfe könnten dann durchaus härter sein. Aber das ist okay. Zumindest ich will in einem Dungeon gegen die Fähigkeiten der Mobs und Bosse kämpfen und nicht gegen den „wöchentlichen Bullshit“, den man mir diesmal in den Weg wirft.
Möglichkeit 2: Abschaffung aller Affixe außer dem Saisonalen
Eine zweite Möglichkeit, die man einfach mal ausprobieren könnte, wäre die Abschaffung aller Affixe mit Ausnahme eines saisonalen Affixes. So würde man den „Flair“ einer jeweiligen Saison beibehalten und kleine Akzente setzen können. Egal ob das nun „Donnerns“ oder „Erweckt“ oder etwas ganz anderes ist. Mit einer Limitierung von nur einem Affix, könnte Blizzard hier auch deutlich kreativer und größer denken – oder es eben nur bei einem kleinen „Nebeneffekt“ belassen.
Möglichkeit 3: Mehr Fähigkeiten auf höheren Stufen
Eine weitere Option wäre es, anstelle von Affixen den Bossen (und vielleicht auch Trash) ab einer bestimmten Stufe (etwa „Mythisch+10“) neue Mechaniken zu verleihen. Das könnte etwa eine neue Bossfähigkeit in jedem Kampf sein. In Teilen ist das sogar schon in WoW vorhanden, wenn auch eher unbeabsichtigt.
Dabei rede ich, und das ausdrücklich positiv, von der Akademie von Algeth’ar, zumindest zwei Bosse. Denn sowohl Crawth als auch das Echo von Doragosa haben Mechaniken, die erst bei längeren Kämpfen wirklich relevant werden.
Der Vogel Crawth ist zu Beginn ein simpler Kampf. Man weicht einem kegelförmigen Angriff aus und heilt den Flächenschaden gegen, der alle paar Sekunden eintrudelt. Gerade auf niedrigen Stufen kann man diesen Boss umpusten, bevor irgendetwas anderes passiert.
Doch auf höheren Schlüsselsteinstufen muss man zusätzlich noch Tore schießen. Das setzt einen Debuff auf den Spieler zurück, wodurch der Flächenschaden des Bosses wieder geringer ausfällt. Gleichzeitig belegt es das ganze Kampffeld aber für den Rest des Kampfes mit negativen Effekten. Dauerhaft herabregnende Feuerflächen, Wirbelstürme und Winde, die den Charakter langsam verschieben, sind hier die Folgen. Im Grunde eine Mechanik, die erst auf höheren Stufen relevant wird.
Noch drastischer ist das bei Doragosa. Als wir zum ersten Mal gegen das Echo von Doragosa auf „M0“ gekämpft haben, waren wir sichtlich verwirrt. Der Kampf war sehr schnell vorbei und abgesehen von „Alle werden rangezogen“ und „Der Drache atmet in Richtung eines Ziels“ ist gar nichts passiert. Für einen Endboss war das erstaunlich langweilig und ereignislos.
Das ändert sich jedoch drastisch auf höheren Stufen. Denn jedes Mal, wenn man von Doragosas Fähigkeiten getroffen wird, erhält man einen Debuff. Sobald man 3 Stapel dieses Debuffs hat, hinterlässt man eine schädliche Fläche auf dem Boden, die nicht nur Platz einnimmt, sondern auch alle paar Sekunden arkane Kugeln durch den Raum feuert, die den Debuff ebenfalls verteilen. Was am Anfang noch gut handhabbar ist, wird mit länger dauerndem Kampf zu einer Kettenreaktion, die immer mehr Flächen erschafft.
Diese Fähigkeit ist im Grunde eine „neue“ Fähigkeit, die erst auf hohen Schlüsselsteinstufen wirklich auftritt. Solche Mechaniken, die zunehmend immer härter werden, lassen sich wunderbar für M+ instrumentalisieren.
Für mich ist relativ klar, dass Affixe in ihrer aktuellen Form nicht mehr lange tragbar sind und zumindest meine Gilde hat auch schon Konsequenzen gezogen. Aus zwei Abenden „Mythisch+“ pro Woche wurde nun einer – und da wird auch gerade so viel wie „zwingend nötig“ für eine gute Belohnung gespielt.
Und das ist ungeheuer schade, denn die Dungeons an sich machen mir so viel Spaß, dass ich sie noch viele Dutzende Male besuchen will.
Aber immerhin habe ich Hoffnung – denn in den letzten Monaten bemüht Blizzard sich sehr, den Wünschen der Spielerschaft zu entsprechen.
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