Unsere Redakteurin Leya Jankowski schilderte schon vor Monaten in einer Kolumne, warum New World sie begeistern könnte – wenn da nicht dieses Zwangs-PvP wäre. Nun, ein Jahr später, erfüllt das neue MMO diesen Wunsch – Was ist passiert?
Es ist nun etwa ein Jahr her, dass ich zufällig auf dem offiziellen Twitter von New World Bilder von mystischen Kreaturen aus dem Spiel fand. Diese Kreaturen hatten es mir so angetan, dass ich mir wünschte die Welt erkunden und sie entdecken zu können.
Damals sollte New World einen Fokus auf PvP und riesigen Massenschlachten gegen andere Spieler bekommen.
2018 hatte New World diese Ausrichtung:
- New World war ursprünglich als Sandbox-MMO geplant mit hartem PvP-Fokus
- es hätte mit PvP-Zwang in der offenen Welt kommen sollen
- leichte Survival-Elemente waren geplant
- PvE-Content hätte kaum im Spiel sein sollen
- es schien ein historisches MMO zur amerikanischen Kolonisierung zu werden
Damals fand ich die mystischen Kreaturen und Lore schon so faszinierend und schön, dass mich der PvP-Zwang richtig traurig machte.
Jetzt, im Jahr 2019, stellte sich heraus, dass New World sich nochmal komplett umgekrempelt hat.
So ist die neue Ausrichtung von New World:
- das Zwangs-PvP wurde entfernt, dafür gibt es Opt-In-PvP
- die Survival-Elemente sind komplett raus
- es gibt drei Fraktionen im Spiel, der sich Spieler anschließen können
- die Sandbox ist stärker eingeschränkt
- New World ist jetzt ein Open-World-MMO
- es wird mehr PvE-Content geben als ursprünglich geplant
- die Story spielt jetzt in einer komplett fiktiven Welt und bewegt sich weiter vom Realismus weg
Massenschlachten und das gemeinsame Aufbauen einer Siedlung bleiben wie geplant.
Das erfuhren wir alles, als wir ein Interview mit dem Game Director Scot Lane führten, der uns genauer erklärte wie sich das Spiel seit den ersten Alpha-Tests veränderte.
Las Amazon etwa meine Kolumne?!
Ich staunte nicht schlecht. Das alles klang für mich so, als hätte da jemand bei Amazon Game Studios eine Übersetzung meines alten Artikels von damals bekommen und das Spiel exakt meinen Wünschen entsprechend angepasst.
Denn genau diese Punkte sprach ich in der Kolumne an! Ich wünschte mir, dass es mehr PvE-Inhalte geben würde und dass Zwangs-PvP nicht im Spiel wäre. Genauso wünschte ich mir, die Welt zu erkunden, was hoffentlich mit den geplanten PvE-Inhalten auch reizvoll wird.
Das es an meiner Kolumne lag, ist natürlich Quatsch.
Es fühlte sich für einen kurzen Moment einfach so an … und man wird ja noch ein bisschen träumen dürfen. Der gewählte Titel dieser Kolumne darf gerne mit einem großen Augenzwinkern verstanden werden.
In Wahrheit sieht die Lage anders aus.
In unserem Interview erklärte Scot Lane, dass wohl noch mehr Spieler, so wie ich, keine Lust auf Zwangs-PvP hatten:
Wir haben in unseren frühen Alpha-Tests gelernt, dass viele der MMO-Spieler zum einen mehr Inhalte wollten und zum anderen, dass sie das “Open-World-Gang-Fest” nicht mochten. Dadurch verloren sie den Spaß an New World.
Was wir also getan haben, war mehr direkten Content einzubauen. Wir haben Quests, Objectives, Missionen und Community-Ziele hinzugefügt. Wir sind jetzt mehr ein Open-World-MMO, anstelle einer Sandbox wie es vorher war.
Die Masse an Spielern, die sich an der “Hardcore-Ausrichtung” störten, muss wohl groß genug gewesen sein, dass Amazon hier nochmal schraubte.
Darum freue ich mich auf das “neue” New World
Als ich New World 2018 auf der gamescom hinter verschlossenen Türen für eine halbe Stunde spielte, erinnerte mich alles an einen riesigen Abenteuerspielplatz. Vom Mystischen war damals noch nichts zu erkennen. Das Entdecken und Erkunden der Welt machte aber schon damals Spaß.
Ich kann jetzt schon aus meiner Erfahrung sagen, dass New World ein grafisch schickes Spiel wird. Vorausgesetzt, die Test-Version damals war nicht über alle Maßen aufpoliert. Aber auch erste Tester der Alpha sagten ähnliches. Seit ich noch mehr über die mystische Lore weiß und Bilder der alten Ruinen gesehen habe, möchte ich diese Welt nur noch mehr erkunden.
Gerade beim Erkunden oder Ressourcen abbauen, möchte ich nicht von einem Hardcore-PvPler überraschend auf die Mütze bekommen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich da nicht mithalten könnte.
So spiele ich heute: 2020 werde ich im April 30 Jahre alt und wie viele andere in meinem Alter, habe ich einen Vollzeit-Job und noch so andere Erwachsen-sein-Verpflichtungen. Ich liebe meinen Job und mag alle Aspekte meines Lebens – nur fällt das Hardcore-Spielen, wie damals noch im Studium möglich war, oft flach.
Ich habe nicht mehr die Muße, meine Stats und Builds so zu perfektionieren und optimieren, dass ich in einer Open-World immer parat bin auf einen Gegner reagieren zu können. Hingegen mein Haus zu bauen, Geheimnisse zu entdecken, gegen KI anzutreten – ja, das gefällt mir gut.
Ich kann mir auch gut vorstellen, im Koop in KI-Massenschlachten anzutreten oder auch hier und da mal PvP auszuprobieren. Es freut mich aber, dass mir eine Wahl gelassen wird.
Das sind die Warnzeichen bei New World
So sehr ich mich auch über die neue Ausrichtung freue, gibt es durchaus ein paar Dinge, bei denen Obacht geboten ist. Wir wissen noch nicht, wie die “Opt-In-Funktion” letztendlich in der Realität aussieht.
Gerade für PvP-Spieler wäre es ziemlich frustrierend, wenn sie einen Gegner erledigen, ein PvEler mit göttlichem Schutz vorbeischaut und das Loot klaut. Wir wissen bereits, dass sich hinter PvP Belohnungen verbergen, um einen Anreiz zu bieten. Fallen diese ziemlich gut aus, fühlen sie die PvEler indirekt doch wieder gezwungen PvP zu spielen – heikel in der Balance. Es wäre sicher eine Überlegung wert, hier getrennte Server zu bieten.
New World hat diesen Umbruch, zumindest wie es klingt, in den letzten Monaten hinter sich gebracht. Es ist von daher auch noch fraglich, wie umfangreich die neuen geplanten PvE-Inhalte zum Release ausfallen und wie einwandfrei sie aus technischer Sicht laufen werden.
Das bleibt alles noch abzuwarten.
Warum ich trotzdem glaube, dass die neue Ausrichtung gut ist: An dieser Stelle möchte ich mich selbst rausnehmen. Auf persönlicher Ebene freue ich mich einfach über den Wandel. Ich würde mir aber nicht anmaßen, die kreative Arbeit eines anderen für seine Ausrichtung zu kritisieren.
Hätten die Entwickler sich entschieden, ein Hardcore-Sandbox-Survival-MMO zu machen, dann wäre es halt so – es wäre eben nur nichts für mich. Die Alpha-Test-Ergebnisse der Entwickler zeigen aber, dass ich nicht so alleine damit bin.
New World ist nun sicher mit der Open-World-PvE-Ausrichtung mehr auf Mainstream ausgelegt. Wir wissen auch schon aus anderen Gesprächen mit MMORPG-Entwicklern, dass es nicht so einfach ist eine Antwort auf den heutigen Zeitmangel der modernen Spieler zu finden.
Ob New World nun objektiv ein besseres Spiel wird mit der neuen Ausrichtung, ist schwer zu sagen. Ich ordne der neuen Ausrichtung aber mehr (kommerziellen) Erfolg und somit auch eine größere Chance auf Überleben zu. Denn es ist wahrlich nicht einfach, auf diesem hart umkämpften Markt einen Hit zu landen und ein Spiel zu finanzieren.
Und ja, ganz nebenbei freue ich mich, dass genau dies zu meinem Geschmack und meinen Lebensumständen passt.
Ihr wollt mehr über New World erfahren? Wir haben einen Sammelartikel mit den wichtigsten Fakten zusammengestellt:
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