Nachdem sich Shadowlands doch ziemlich gezogen und viele Leute enttäuscht hat, hoffen Fans mit Dragonflight wieder auf eine bessere World of Warcraft. Bringt die neue Erweiterung die ersehnten Verbesserungen? MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus meint: ja, aber der Kurs braucht noch ein paar Korrekturen.
Ich spiele seit dem Ende von Classic World of Warcraft und meine längste Pause ohne Abo waren ein paar Wochen am Stück. Sämtliche Hochs und Tiefs des Spiels habe ich selbst erlebt und finde, wie viele andere, dass Shadowlands definitiv ein Tief war.
Zu sehr will ich darauf nicht eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Aber der Grind … dieser verdammte Grind nach Legendarys, Artefaktmacht und Ruhm war so ermüdend. Mir blieb bei all den Pflichten gar keine Zeit mehr, um Spaß zu haben. So ging es vielen.
Entsprechend viel Hoffnung setzen Fans von World of Warcraft, zu denen ich mich zähle, nun in Dragonflight. Mich hat Dragonflight schon in der Alpha enorm begeistert, vor allem, weil es mehr von dem bringt, was WoW früher so gut gemacht hat.
Jetzt ist Dragonflight erschienen und seit einigen Tagen spielbar. Ich habe Stufe 70 erreicht, mich mit dem Endgame-Content befasst und mir die Welt auf den Live-Servern angesehen. Mein Fazit nach den ersten Tagen: Blizzard kann immer noch gute MMORPGs machen. Hoffentlich vergessen sie nur nicht noch einmal, wie das geht.
Die neue Erweiterung erschien am 29. November. Ihr findet in unserem Special alle Infos zu Dragonflight, im Video seht ihr noch einmal die wichtigsten Features:
WoW macht Rückschritte und das ist gut so
Was macht Dragonflight nun eigentlich so anders als vorige Addons? Nun, das klingt abgedroschen, aber: es geht „back to the roots“, nur diesmal wirklich. Anstatt neue Systeme zu bringen, werden erst einmal alte und teilweise längst überfällige Inhalte überholt:
- jede Klasse hat wieder Talente, mit denen sich richtig coole Builds bauen lassen
- das UI wurde komplett überarbeitet und hat nun Optionen, die es schon seit Jahren haben sollte
- Berufe wurden von Grund auf überholt und sind nun tatsächlich so wichtig, wie sie schon zu Shadowlands hätten sein sollen
Sogar bei der Story ist Dragonflight bereits jetzt besser als Shadowlands. Der große Bösewicht aus den Schattenlanden hat niemanden so wirklich vom Hocker gerissen. Der fiese Blitzdrache aus Dragonflight dagegen hat jetzt schon mehr Tiefe:
Dafür verzichtet Dragonflight zumindest bislang auf sogenannte „Borrowed Power“, wie wir sie etwa aus Legion (Artefaktwaffe), BfA (Herz von Azeroth) und Shadowlands (Legendarys und Pakte) kennen. Bisher gibt es nichts in Dragonflight, das uns „nur in dieser Erweiterung“ stärker macht.
In gewisser Weise macht Blizzard also nun einen Schritt zurück zur der Zeit, bevor es solche Systeme hab und widmet sich den Features, die schon da waren. Und das nicht nur, um sie in dieser Erweiterung zu nutzen.
Wie uns die Entwickler bereits im Interview verrieten, soll Dragonflight die Grundlage für die Zukunft von WoW schaffen. Und so, wie es aktuell aussieht, geht der Plan voll auf:
- Talentbäume können später einfach erweitert werden und durch eingebaute „Starter Builds“ ist niemand überfordert, wenn er sich damit nicht auseinandersetzen will
- das UI wird immer weiter mit neuen Funktionen erweitert, wie uns schon versprochen wurde. Was noch alles möglich ist, steht vollkommen offen
- Drachenreiten ist jetzt schon das beliebteste Feature aus Dragonflight und einige Spieler hoffen sogar, dass es das normale Fliegen vollständig ablösen wird
Obwohl Dragonflight einen ziemlich rumpligen Start mit Server-Probleme und Bugs hatte und noch hat, ist die Stimmung in der Community zum allergrößten Teil positiv. Zwar gibt es Memes und Spott zu den Problemen, aber das wird dem Addon bisher verziehen.
Dragonflight gefällt den Leuten zu gut, um ihm böse zu sein.
Selbst Experten, die wie ich schon die Beta gespielt haben, teilen diese Meinung und Einschätzung. Einer der größten deutschen WoW-Streamer sagte mir im Interview: „Dragonflight ist langfristig gedacht und das ist gut so.“ Nun komme ich mit einem ABER …
Wie es zu Release aussah, haben wir in einem Video festgehalten:
Wie viel Freiheit ist zu viel?
Einer er größten Vorteile, den Dragonflight bisher hat, ist die Freiheit, wie man sich entwickeln möchte. Wer auf Stufe 70 angekommen ist, hat viele Möglichkeiten, um seinen Charakter zu verbessern.
Shadowlands gab vor: Sammle Ruhm. Farme 2 Legendarys. Schließe die aktuelle Story ab. Das alles war mit teilweise langwierigem und vor allem immer gleichem Grind verbunden. Selbst das Wechseln zwischen den Spezialisierungen ging nicht einfach mal so.
Dragonflight lässt euch die Wahl, zumindest noch, ob ihr euch durch Berufe Ausrüstung holen wollt, mythische Dungeons grindet, raidet oder PvP betreibt. Selbst in der offenen Welt gibt es direkt zu Release teilweise stärkere Ausrüstung als in Dungeons.
Hier liegt aber auch ein gewisses Problem. Wer neu ist, wird unter Umständen damit überfordert, was er alles tun kann oder fühlt sich vielleicht verpflichtet, einen bestimmten Weg zu gehen. Ich selbst habe noch absolut keine Ahnung, ob die Art, wie ich meinen Beruf nutze, die beste ist. Und ich habe mich stundenlang damit befasst …
Dagegen bedeutet das auch: egal, was ihr macht, alles bringt euch irgendwie weiter. Das ist durchaus gut und mit ein wenig Anpassung und Feedback aus der Community, kann das alles eigentlich nur funktionieren.

Blizzard ist auf dem richtigen Weg, aber der ist steinig
Um zur anfänglichen Frage zurückzukommen: ja, Blizzard ist aktuell auf dem richtigen Weg. Der ist aber lang und wird nicht leicht, weder für die Entwickler, noch für die Spieler.
Die letzten Jahre haben WoW ziemlich zugesetzt – und zugleich nicht stark genug. WoW siechte lange Zeit einfach vor sich hin und wurde am Laufen gehalten, um Systeme erweitert, die nicht wirklich Spaß gemacht haben, bot sonst aber immer mehr vom Gleichen.
Bei Blizzard findet aber ganz offensichtlich ein Umdenken statt. Woher das kommt? Keine Ahnung. Vielleicht liegt es an der anstehenden Fusion mit Microsoft, vielleicht hat der Sexismus-Skandal die ganze Belegschaft durchgerüttelt, oder vielleicht haben die Spieler nun wirklich laut und ausdauernd genug gemeckert. Aber Dragonflight zeigt: WoW ändert sich gerade.
Ich begrüße diese Änderungen vollumfänglich, aber trotzdem achte ich darauf, nicht zu sehr in Euphorie zu verfallen. Vor allem deswegen, weil hier ein 2 Jahre lang live weiterentwickeltes Addon im Vergleich mit einem steht, das nicht einmal eine Woche alt ist. Wie gut Dragonflight wirklich war, lässt sich erst endgültig sagen, wenn die nächste Erweiterung erscheint.
Blizzard muss nun zeigen, dass sie den Kurs beibehalten können und wollen. Ich werde den Entwicklern sicherlich nicht sagen, wie sie zu arbeiten haben – aber ich hoffe, dass sie erkannt haben, was World of Warcraft gut tut. Denn so gut wie jetzt war WoW seit vielen Jahren nicht mehr:
Seit 12 Jahren stirbt WoW vor sich hin, aber jetzt macht Blizzard wieder (fast) alles richtig
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