Der berühmte Spiele-Komponist Martin O’Donnell spricht über die Verhandlungen zwischen Bungie und Activision Blizzard, als es um die Partnerschaft zu Destiny und Destiny 2 ging. Er erzählt sogar eine Horror-Story von einem Treffen mit den Managern des riesigen Publishers.
Wer spricht da? Martin O’Donnell (65) gilt als einer der berühmtesten Komponisten für Videospiele. Der war einer der großen Macher bei Bungie zu Halo-Zeiten. Er ist eine Legende im Studio und in der Gaming-Industrie.
Doch O’Donnell wurde im April 2014 von Bungie entlassen. Später verklagte er die Firma. Im Zuge dieser Klage kamen auch die Details des Vertrags zwischen Activision und Bungie zu Destiny ans Licht: Wir nannten das damals den “größenwahnsinnigen Masterplan” von Activision.
Als einer der „7 Directors“ war O’Donnell an den Deals beteiligt, die Bungie damals mit Activision Blizzard zu Destiny schloss. In einem Interview mit dem YouTuber HiddenXperia sprach O’Donnel nun über die Details.
Bungie wäre fast zu Microsoft zurückgegangen
Darum ist man zu Activision Blizzard: Bungie kam von einer langen Zusammenarbeit mit Microsoft an Halo. Im Jahr 2000 hatte man das Studio Bungie und die Rechte an der Marke „Halo“ an Microsoft verkauft. Daher gab es keine Option mehr, die Marke „Halo“ mitzunehmen, als man sich später wieder von Microsoft löste.
Diese Situation, die Rechte an einem Spiel zu verlieren, wollte man bei Destiny unbedingt vermeiden. O’Donnell sagte, das größte Ziel war es, dass man die Rechte an der Marke Destiny behielt und einem Partner nicht erlaubte, auf die Marke Einfluss zu nehmen.
Auf diesen Deal wollte sich damals keiner der großen Publisher einlassen. Jeder wollte die Rechte an der neuen Marke besitzen – außer Activision. Bungie sei kurz davor gewesen, wieder zu Microsoft zu gehen, aber die wollten dann auch die Marke, darum klappte das nicht.
Letztlich war Activision Blizzard dadurch die einzige Option, aber es war kein “Deal, der im Himmel geschlossen wurde.” O’Donnell sagte, er hatte von Anfang an kein gutes Gefühl, aber er war einer der Sieben von Bungie, die den Deal mit Activision Blizzard eingingen. Er war Teil dieser Entscheidung.
Deal mit Activision war von Anfang an schlecht
So sieht O’Donnell den Deal mit Activision:
„Wir wussten von Beginn an, dass es ein Risiko war. Und es stellte sich heraus, dass es genau so schlecht war, wie wir es am Anfang dachten. Jeder, der heute nicht mehr bei Bungie arbeitet, wird sagen: Ja, das war von Anfang an schlecht.
Aber wenn man immer noch für Bungie arbeitet, muss man politisch sein und irgendeine Phrase dreschen wie: Oh, es war eine gute Partnerschaft und blabla wir waren in der Lage, diese wunderbare Sache zu bauen. Doch dann kam die Zeit, um getrennte Wege zu gehen. Aber wir sind glücklich und wir lieben einander. Das ist Bullshit. Es sind so viele geskriptete Antworten da draußen, die ich höre.“
Martin O’Donnell
“Kalt den Rücken runtergelaufen”
Das ist die Horror-Story, die O’Donnell erzählt: Der Komponist erzählt von einem Meeting mit den Oberen von Activision Blizzard, mit CEO Bobby Kotick und einem „österreichischen Finanz-Chef“. Das muss wohl Thomas Tippl gewesen sein, wie die US-Seite Gamespot folgert.
Tippl sprach O’Donnel auf die Redewendung an, „man müsse nett zu der Gans sein.“ Er wollte wissen, wo das herkomme.
O’Donnell erklärte ihm, damit sei gemeint, dass man die „Gans, die goldene Eier“ legt, gut behandeln müsse. Damit ist gemeint, dass man ein lukratives Unternehme, wie Bungie, nett und mit Respekt behandeln müsste, damit es funktioniert und Profite macht.
Tippl habe dann gesagt, das sei eine nette Geschichte. Aber manchmal sei eine „foie gras“ das Beste – eine Stopfgans. Also ein Tier, das man schlecht behandelt, mästet und dann früh schlachtet.
O’Donnell sagt, ihm sei es kalt den Rücken runtergelaufen. Im Rückblick hätte er den Tisch umwerfen und zu den anderen Bungie-Mitarbeitern rufen sollen: „Wir müssen von hier weg – Jetzt sofort!“ Er habe sich wie in einer Episode von Twilight Zone gefühlt.
Das störte O’Donnell besonders an dem Deal: Wie der Komponist sagt, war es für ihn das Allerwichtigste, dass Activision keinen Einfluss auf die Marke „Destiny“ hat. Dafür habe man lange Jahre gekämpft.
Und die hätten auch keinen Einfluss auf die Marke bekommen, wenn alle 7 Directors von Bungie zusammen gestanden hätten und das verhindert hätten. Doch das sei nicht das, was passiert sei. Stattdessen habe man ihn rausgeschmissen. Darüber scheint O’Donnell heute noch verstimmt zu sein.
Das Segment beginnt bei 1:39:24.
Das steckt dahinter: Man weiß, dass O’Donnell tatsächlich ein Problem mit der Einflussnahme von Activision Blizzard hatte. Denn die bestanden darauf, für einen Trailer zur E3 2013 bei Destiny nicht die Musik von O’Donnell zu nehmen, sondern eigene Musik.
Diese Einmischung von Activision Blizzard war für O’Donnell ein großes Problem, über das er sich mit seinen alten Freunden zerstritt. Da ging’s später vor Gericht.
Doch auch als O’Donnell weg war, kam es offenbar intern zu Zoff zwischen Bungie und Activision, öffentlich wurde darüber aber immer geschwiegen, wie O’Donnell richtig sagt.
Doch man vermutet, dass es hinter den Kulissen einige Konflikte zwischen Activision Blizzard und Bungie gab, die letztlich zur Auflösung des Partnerschafts-Vertrags im Januar 2019 geführt haben.
Man munkelt etwa, Activision Blizzard hätte darauf bestanden, dass ein Destiny 3 zum Release der PlayStation 5 und Xbox Series X fertig wird, während Bungie lieber Destiny 2 weiter entwickelt, so wie im Moment.

Der Deal zwischen Activision Blizzard und Bungie ist seit Januar 2019 Geschichte. Seitdem betreibt Bungie die Marke “Destiny” in eigener Regie. Doch die Bilanz ist anderthalb Jahre nach der Trennung noch durchwachsen:
Destiny 2 ohne Activision Blizzard sollte toll werden, ist bislang enttäuschend
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