Bis 2019 hat MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch The Elder Scrolls Online weitestgehend ignoriert. Doch für seine Arbeit ist er knapp fünf Jahre nach Release eingestiegen. Welche Hindernisse lauern bei so einem Quereinstieg – und warum lohnt er sich trotzdem?
In ein neues MMORPG zu starten, ist immer wieder ein Highlight. Man taucht in eine neue, bisher unbekannte Welt ab und hat plötzlich tausende neue Quests, Aufgaben und Story-Inhalte vor sich. Das macht vor allem dann Spaß, wenn das Spiel selbst noch neu und unverbraucht ist. Doch ESO und ich haben eine etwas andere Vergangenheit.
Zwar liebe ich MMORPGs über alles, aber zum Release 2014 konnte mich ESO überhaupt nicht begeistern. Die Mischung aus einem MMO mit verschiedenen Phasen, in denen ich teilweise meine Freunde nicht sehen kann, und dann doch wieder dem Zwang, mit anderen Spielern zusammenzuarbeiten, gefiel mir gar nicht. Außerdem war zum Release noch vieles verbuggt.

Alexander Leitsch schreibt seit 2018 für Mein-MMO.de und ist dort vor allem für MMORPGs zuständig. Seine ersten Schritte in dem Genre hat er 2006 mit Guild Wars gemacht. Im Laufe der Jahre kamen WoW, Rift, SWTOR, Guild Wars 2, Final Fantasy XIV, Black Desert dazu – und eben ESO. Außerhalb von MMOs zieht es Alex immer wieder zu League of Legends und Strategiespielen wie Anno oder Age of Empires zurück.
Ja, ich war von ESO 2014 regelrecht abgeschreckt. Mein Desinteresse hat fünf Jahre angehalten, bis ich dann 2019 doch versuche, voll in das Spiel einzusteigen. Der Grund dafür ist unspektakulär: ESO ist schlicht eines der größten MMORPGs auf dem Markt – und als MMORPG-Autor kommt man nicht drumherum, es zu spielen. Doch so ein Quereinstieg hält etliche Hürden bereit, die ich damals erstmal meistern muss.

2019: Veraltetes Tutorial, überwältigende Story
Bei ESO hieß das konkret, dass ich erstmal durch das sehr alte Tutorial spielen musste, das einen in die Hauptgeschichte und die grundlegenden Mechaniken einführte. Schon da merkte man, dass die Story in ESO großgeschrieben wird. Und genau das ist bei einem verspäteten Einstieg in ein MMORPG ein großes Problem.
Denn je länger ein Spiel draußen ist, desto mehr Story-Inhalte gibt es. Und bis ich dann endlich mal zu meinen Freunden oder eine gerade neu gefunden Gilde aufschließen kann, vergehen Wochen, Monate oder sogar Jahre. Doch gerade ESO kommt hier jedem Spielertypen entgegen. Durch das dynamische Leveln kann ich jedes Gebiet auf der Welt bereisen. In einer Reihenfolge, die ich selbst auswähle.
Gleichzeitig darf ich direkt nach dem Tutorial in die damals brandneue Erweiterung Elsweyr starten und mich dort den gefährlichen Drachen stellen. Ein deutliches Plus für ESO, weshalb es nicht ohne Grund eines der anfängerfreundlichsten MMORPGs überhaupt ist.

Trotzdem ist die Story in der neuen Erweiterung schon etwas kurios für mich. Ich treffe immer wieder Charaktere, die eine tiefe Hintergrundgeschichte haben. Einer davon ist Abnur Tharn, ein Kaiserlicher, der mir in Elsweyr meine Aufgaben zuteilt. Gesehen habe ich ihn aber zuvor nicht, logisch, wenn ich direkt mit einer neuen Erweiterung einsteige. Erst viel später habe ich seine Hintergrundgeschichte kennengelernt.
Trotzdem komme ich gut durch Elsweyr und später auch durch die Grundgeschichte und die anderen Erweiterungen. Doch selbst jetzt, im Jahr 2021, gibt es noch einige DLCs und die Grundstory vom Dolchsturzbündnis, die ich bis heute nicht nachgeholt habe.
“Der Content erschlägt mich – aber ich habe einen Plan”
Apropos nicht nachgeholt: ESO hat schon 2019 unglaublich viel Content, der gar nicht so schnell gespielt werden kann. Jedes einzelne Gebiet im Spiel bietet eine zusammenhängende Story, die etliche Stunden an Anspruch nimmt. Dazu gibt es haufenweise Nebenquests, die ebenfalls voll vertont sind. Allein schon mit Quests und der Geschichte kann ich also wunderbar Monate verbringen. Dazu kommen Dungeons in der offenen Welt, instanziierte Dungeons für vier Spieler, Trials für zwölf Spieler, PvP-Inhalte, Handwerk und und und. Jedes Jahr kommen außerdem neue Inhalte in Form von DLCs und einer großen Erweiterung dazu – 2021 eben Blackwood.
Von diesem ganzen Content war ich Anfang 2019 erschlagen. Wo fange ich an und wo möchte ich hin? Geholfen hat mir ein System, ein klares Ziel, das ich vor Augen hatte: Möglichst schnell Level 50 erreichen, die Hauptgeschichte von ESO erleben und natürlich die neuste Erweiterung Elsweyr spielen. Darüber will ich zukünftig schließlich umfangreichere Artikel und den ein oder anderen Guide verfassen.

So einen Plan kann ich übrigens allen empfehlen, die nachträglich in ein MMORPG einsteigen. Durch feste Ziele bekommt ihr Struktur in euer Abenteuer. Erst nach dem Abschluss der Story-Inhalte habe ich dann mit PvP und den Handwerks-Inhalten angefangen.
Auch hier kommt mir als Neueinsteiger zugute, dass ich gerade die Story sehr leicht erleben kann, ohne mir Gedanken um den besten Build zu machen. Erst 2020, kurz vor dem Release der Erweiterung Greymoor, bin ich tiefer in die komplexe Welt der Ausrüstungen und Sets eingestiegen.
“Ignoriert die Spieler, die im Reddit oder Forum meckern”
Eine wichtige Lektion, die ich auch erst mit ESO so richtig gelernt habe, ist das Ignorieren von frustrierten Hardcore-Fans. Wer beispielsweise im Forum oder reddit fragt, ob man jetzt noch mit dem MMORPG einsteigen sollte, bekommt oftmals sehr gemischte Reaktionen. Einige loben das Spiel über den Klee, andere kritisieren es in Grund und Boden.
Erfahrungsgemäß liegt die Wahrheit immer irgendwo in der Mitte.
Hilfreich sind oftmals YouTuber, die verschiedene MMORPGs spielen und Eindrücke vermitteln, Gaming-Webseiten, die oft etwas neutraler an die Sache herangehen – oder einfach selbst ausprobieren. Denn meist gibt es einfach gute Gründe, warum die meisten MMORPGs auch so viele Jahre nach Release noch gut laufen.
“Ein später Einstieg lohnt sich fast immer”
Bereut habe ich den nachträglichen Einstieg in ESO nie, im Gegenteil. Seit 2019 spiele ich regelmäßig, habe mir eine Gilde gesucht und die wichtigsten Inhalte nachgeholt. Inzwischen habe ich in ESO hunderte Stunden verbracht und es ist zu meinem zweitliebsten MMORPG auf dem Markt geworden, gleich nach Guild Wars 2. Aktuell levele ich meinen vierten ESO-Charakter und versuche ihn wie die anderen für Blackwood vorzubereiten. Wie viele wunderbare Geschichten und was für eine wunderbare Welt ich sonst verpasst hätte!
Sonderheft und Extras sichernAber nicht nur in ESO bin ich nachträglich eingestiegen. Auch andere MMORPGs wie WoW oder Tera habe ich erst Jahre nach dem Release ausprobiert. Bei beiden war es sogar anstrengender, denn auch hier gab es eine Fülle an Content und eine Story, auf die man sich neu einlassen muss. Gerade WoW hat über die Jahre auch etliche neue Funktionen und Mechaniken eingebaut, die für Quereinsteiger nicht immer logisch oder sofort verständlich sind. Doch auch diese beiden MMORPGs haben mich eine lange Zeit fesseln können. Wer also ein neues Abenteuer sucht, sollte auch 2021 immer nach »Klassikern« schauen!
“Als Spätzünder nach Tamriel? Ja klar!”
2021 ist ein besonderes Jahr für Neueinsteiger in ESO. Denn es gibt nicht nur ein brandneues Tutorial, das den Einstieg kürzer und einfacher macht. Sondern für Blackwood-Besitzer die neuen KI-Gefährten, die vor allem für Solo-Spieler eine gute Unterstützung in der offenen Welt sind. Viel mehr dazu erfahrt ihr in unserem Sonderheft zu ESO Blackwood.
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