Die britische Marktaufsicht-Behörde CMA blockiert die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft für den wichtigen Markt in Großbritannien. Urteile aus der EU und den USA stehen noch aus. Welche Chancen hat der Deal noch? MeinMMO schaut sich Reaktionen von Experten an.
Bereits im Januar 2022 gab der Tech-Gigant Microsoft bekannt, man wolle den Gaming-Konzern Activision Blizzard (WoW, CoD, Diablo) vollständig übernehmen. Man bot 95 US-Dollar pro Aktie, das entspricht einem Kaufwert von rund 69 Milliarden US-Dollar. Ein Mammut-Deal.
Die Größenordnung der Fusion rief die Kartellbehörden dieser Welt auf den Plan. Beamte prüfen den Deal seitdem gründlich und im Mittelpunkt stehen dabei die Behörden der wichtigen Märkte USA, EU und Großbritannien.
In einer Mitteilung vom 26. April 2023 erklärte die Behörde in Großbritannien, die CMA (Competition and Markets Authority), dass man die Übernahme blockieren werde. Activision Blizzard verlor daraufhin in wenigen Minuten rund 7 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.
Grund dafür war aber nicht das Shooter-Franchise Call of Duty, das Konkurrent Sony gern als Argument gegen die Übernahme anbringt, sondern Cloud-Gaming. Hat der Deal jetzt überhaupt noch eine Chance?
Warum wird der Deal blockiert?
Die CMA nennt den Markt des Cloud-Gamings als Grund, dazu zählt auch der Xbox Game Pass. Das kam durchaus überraschend für Beobachter des Deals. Lange galt tatsächlich eher Call of Duty und der Konsolenmarkt als Knackpunkt, wie Sony schon seit Monaten argumentiert.
Doch die britische Behörde sieht eher die Gefahr, dass kein anderer Wettbewerber in Zukunft eine Chance gegen Microsoft hätte, wenn der Markt des Cloud-Gamings ins Rollen kommt. Die CMA sagt:
- Cloud-Gaming ist ein schnell wachsender Markt mit hoher Dynamik
- Microsoft sei hier schon stark durch den Game Pass, könnte durch die Spiele von Activision Blizzard noch stärker werden – man erwarte Preissteigerungen, die den Nutzen der Übernahme für Verbraucher übersteigen
- Man sehe im Cloud-Gaming einen starken Zukunfts-Markt, weil Spieler dann keine teuren PCs oder Konsolen mehr kaufen müssten
- Die Argumente von Microsoft konnten die Wettbewerbshüter nicht überzeugen
Rückschlag für Microsoft – Aber noch nicht das Ende
Wie stehen jetzt die Chancen für den Deal? Microsoft kündigte an, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Auch Activision Blizzard stehe weiter zum Deal und wolle „aggressiv“ mit Microsoft darum kämpfen, die Entscheidung rückgängig zu machen.
Als erste Reaktion möchte man also die Entscheidung der britischen CMA anfechten. Laut der leitenden Analystin für Kartellrechtsstreitigkeiten bei der US-Seite Bloomberg, Jennifer Rie, könnte das jedoch Jahre dauern (via bloomberg.com). Die aktuelle Entscheidung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Rie führt aus, dass der Deal damit tatsächlich am Ende sein könnte. In Verträgen zur Übernahme hieß es, die Fusion müsste bis zum Juli 2023 abgeschlossen werden. Rie denkt, diese Frist müsste man auf jeden Fall verlängern. Und immerhin laufen die Verhandlungen schon seit über 15 Monaten.
Optimistischer gibt sich Analyst Piers Harding-Rolls, Research Director of Games bei Ampere Analysis. Er teilte mit der US-Seite VGC seine Ansichten (via videogameschronicle.com). Harding-Rolls meint, dass kleinere Einsprüche gegen Entscheidungen der CMA durchaus in wenigen Monaten abgehandelt werden könnten, wenn Microsoft korrekt auf die Schlussfolgerungen der Wettbewerbshüter reagiert.
Beispiele dafür bekommt VGC von Michael Pachter, Managing Director of Equity Research bei Wedbush Securities. Microsoft könnte Zugeständnisse anbieten oder auch Preisgarantien.
Letztendlich hängt das Urteil von der Überzeugung der CMA ab, dass Microsoft aufgrund seiner marktbeherrschenden Stellung beim Cloud-Gaming Preissetzungsmacht haben wird.
Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass Microsoft bereit ist, die Preisgestaltung bei 15 US-Dollar pro Monat zuzüglich Inflation beizubehalten und wir glauben, dass die CMA ihre Position ändern wird, wenn Microsoft dieses Angebot macht.
Sollte der Einspruch erfolglos sein, bringt Pachter zudem eine Trennung von Geschäftsfeldern ins Spiel. Man könne etwa das Geschäft mit dem Game Pass vom Rest der Welt trennen und dann direkt von der CMA oder festgelegten Dritten überwachen lassen.
Pachter sagte: „Wir gehen davon aus, dass dies für die CMA ausreichen wird, um die Fusion für akzeptabel zu erklären, unter der Bedingung, dass Activision-Titel nicht auf Game Pass verfügbar sind“.
Ihr merkt – nach der Entscheidung der CMA ist der Markt verunsichert. Das Problem für Microsoft ist, dass die Entscheidung der Behörde jetzt erst einmal steht. Es dauert jetzt wahrscheinlich mindestens einige Monate, um am Urteil der CMA etwas zu ändern.
Eigentlich hatte man sogar die Hoffnung, eine positive Entscheidung der CMA zu nutzen, um bei den Behörden der USA und der EU besser dazustehen.
Es war ein Rückschlag für Microsoft, doch der Deal ist noch nicht gestorben. Jetzt bleibt abzuwarten, wie lange die CMA für die Bearbeitung des Einspruchs braucht und welche Entscheidungen die EU (Ende Mai) und die Behörden der USA treffen werden (Anfang August).
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