LoL zeigt mit perfekter Inszenierung um Twitch-Streamer, warum sie allen E-Sport-Games um Jahre voraus sind

LoL zeigt mit perfekter Inszenierung um Twitch-Streamer, warum sie allen E-Sport-Games um Jahre voraus sind

In League of Legends fand in den USA das Finale der US-Liga LCS statt. Es ist beeindruckend, wie Riot Games so einen Wettkampf als E-Sport-Event inszeniert, glaubt MeinMMO-Autor Schuhmann. Vor allem, dass Riot ausgerechnet aus dem Twitch-Streamer Tyler1, der als Einsiedler bekannt ist, so eine Rampensau macht, beeindruckt ihn.

Welches Event wurde das inszeniert? Es war die Final-Serie der LCS Spring Playoffs 2022.

Es standen sich 2 Teams gegenüber:

  • 100 Thieves um den Deutschen Felix „Abbedagge“ Braun. Die waren letztes Jahr überraschend Meister geworden und hatten sich wieder ins Finale gekämpft. In dem Team spielt kein einziger Nordamerikaner: Nur Legionäre, wie der Südkoreaner Ssumday oder der etwas großmäulige türkische Jungler Closer.
  • Evil Geniuses waren die Außenseiter im Finale. Auch die haben sich kräftig in Europa und Asien verstärkt: Der polnische Junger Inspired war bereits bärenstark in Europa, der Südkoreaner Impact spielt seit Ewigkeiten eine solide Toplane in den USA. Aber die anderen 3 Positionen waren tatsächlich mit jungen Nordamerikanern besetzt, eine Seltenheit in LoL. Im Publikum waren denn auch viele Plakate zu sehen: „Man glaube an Nordamerika“, setze auf „heimisches Talent.“

Auch wenn die Inszenierung episch war und eine „fantastische Serie über 5 Spiele“ herbeigeredet wurde, war die eigentlich Serie nicht sonderlich spannend. Das Match lief einseitig ab. Evil Geniuses waren drückend überlegen und gewannen die Serie 3-0. Ein junger US-Botlaner machte das Spiel seines Lebens:

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1. Live-Event seit März 2020 wird gigantisch inszeniert

Was war das Beeindruckende? Das Tolle an dem Event war die Inszenierung.

Das LoL-Finale war nach 2 Jahren mit Covid das erste Live-Event seit März 2020: Es fand im NRG Stadium in Houston, Texas, statt: Das ist ein Football-Stadion mit schließbarem Dach, offiziell fasst es bis zu 80.000 Menschen. Während des Events herrschten allerdings Corona-Bedingungen.

Noch bevor die eigentliche Show begann, zeigte man eine Opening-Ceremony:

Hier stellte der Twitch-Streamer Tyler1 die Spieler der beiden Teams einzeln vor. Er inszenierte sich selbst als klassischen Boxkampf-Announcer wie Michael Buffer, allerdings mit noch mehr Wrestling-Flair, und die Spieler als globale Sport-Stars.

  • da wurde aus dem Deutschen Felix Braun plötzlich „DER KARMA-KING“, weil Braun dafür bekannt ist, die Heldin „Karma“ bevorzugt zu spielen
  • ein eher glanzloser Spieler wie Victor „FBI“ Huan wurde zum „AD-CARRY FROM DOWN UNDER“, der „Kids“ wie „Amateure“ aussehen lässt
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Tyler1 inszeniert die Teilnehmer des Finals: Hier den Toplaner von 100 Thieves, Ssumday.
  • der südkoreanische Veteran Impact spielte 2013 in Korea in einem starken Team an der Seite von Faker. Seit fast 10 Jahren lässt er sich seitdem den Ruhm von einst in den USA fürstlich bezahlen. Er wird zu dem „siegreichsten Toplaner“ der Geschichte der LCS
  • der polnische Jungler Inspired wird gleich zum „RIESEN“ aufgewertet

Die eigentliche Show begann dann mit einem bombastischen Live-Auftritte von Tyler1, der auf die Bühne schritt und brüllte: „Houston, wir haben ein bisschen ein Problem“, bevor er klang, als wolle er The Rock zu einem Match bei Wrestlemania auffordern.

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Die Spieler scheinen das gerne mitzumachen: Während sie im Vorstellungs-Video zum Teil noch etwas schüchtern dreinschauen oder klare „Power-Posen“ einnehmen, mit gekreuzten Armen, die man ihnen nicht so richtig glaubt, zeigen sie auf der Bühne live Gesten, als sie sich gegenüberstehen, so als wollten sie ihren „Duell-Gegner“ jetzt aber mal so richtig einschüchtern.

Twitch-Streamer lebt das ganze Jahr isoliert, wird auf der Bühne zur Rampensau

Wer ist der Ansager? Der Präsentator, der das meisterhaft macht, ist der Twitch-Streamer Tyler1. Der wirkt so, als tue er jeden Tag nichts anderes, als sich vor zehntausend Menschen auf die Bühne zu stellen, rumzuschreien, zu posieren und das Event zu hypen.

Dabei lebt Tyler1 das ganze Jahr über zurückgezogen mit seiner Freundin auf dem Land, empfängt praktisch nie Besuch und geht auch nur selten weg. Sein Haupt-Kontakt zur Realität ist die Kamera, wenn er jeden Tag zig Stunden LoL spielt und sich aufplustert. So ein Live-Auftritt müsste für ihn eigentlich was ganz anderes und ungewohnt sein.

Aber auf der Bühne ist ihm davon nichts anzumerken.

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8:38 Minuten lang eine perfekte Inszenierung

„Bad Boy“-Image für schüchterne Teenager

Das steckt dahinter: LoL ist im E-Sport allen anderen Titel um Jahre voraus.

Sie inszenieren Teenager und Gamer in ihren 20ern wie Superstars, etablieren ein „Bad Boy“-Image und lassen sie in Power-Posen verharren, während die Fans sie in Sprechchören und mit Bannern feiern.

Dabei ist zu beachten, dass in den 8 Minuten der Inszenierung fast kein Spieler spricht, die ganze Last liegt auf dem Twitch-Streamer Tyler1.

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Tyler1 wirkt ein wenig so, als habe man ihn „aus dem Käfig“ gelassen.

Die Inszenierung als „harte Macho-Stars“ mutet manchmal unpassend haben, denn die Spieler haben nicht gerade die Statur von Spitzensportlern.

Gerade der spätere Star der Serie, Danny, wirkte bei der Vorstellung eher wie ein eingeschüchterter Teenager, dem die Sprech-Chöre furchtbar peinlich waren und weniger wie ein eiskalter Killer. Er verbeugte sich rasch vor seinem Gegner und schien froh zu sein, wieder aus dem Rampenlicht zu verschwinden.

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Danny sah nicht so wirklich wie ein eiskalter Killer aus.

Aber die Inszenierung ist äußerst effektiv. Zudem wird sie auch immer wieder ironisch gebrochen: Die Spieler nehmen sich selbst nicht so ernst und wissen, dass sie da Rollen spielen, die eigentlich nicht zu ihnen passen (via twitter).

Zu dem neuen „Bad Boy“-Image von LoL passt es auch, dass die Anzahl der „markigen Sprüche“ in letzter Zeit zugenommen hat.

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Impact (rechts) scheint sich in dem Bild nicht wirklich ernst zu nehmen.

Nach dem Sieg gegen 100 Thieves gab’s kräftig Trash-Talk. Supporter Vulcan drückte dem Jungler von 100 Thieves erstmal einen Spruch rein: Dafür, dass er so schlecht sei, riskiere er eine zu große Klappe. Die musste ihm jetzt mal gestopft werden.

Auch das hat man sich offenbar beim Wrestling abgeschaut: Auch dort muss es immer einen Bösewicht geben, der den Mund zu voll nimmt und es am Ende bereut.

Ohnehin hat der Trash-Talk in letzter Zeit zugenommen:

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ScarPe

Der Artikel von jemandem der noch nie ein Dota2 International verfolgt hat. Daher auch die unsinnige Superlative.

MeisterSchildkröte

erinnert mich ein wenig an dave franco in der Madden Werbung 😀

find ich gut. so events sollen mich in erster linie unterhalten. zu ernst sollt man sich da nicht nehmen

Anik

Von Tyler kann man halten was man möchte. Aber er ist ein geborener Entertainer. Auch das ganze rumschreihen und die Sprüche die er sonnst in seinem stream bringt, sind einfach ein Charakter die er spielt. Er ist einfach 10 Stunden online und gibt eine dauervorstellung. Das riot ihn mehr einbindet ist das beste was sie machen kann, er bringt einfach so viel Charakter in die Pro Scene. Ich könnte mir nie die reguläre show geben, wäre für mich viel zu langsam und zu trocken. Tyler ist die pure unterhaltung. Er hat ja schon öfter mal angeteasert das er evtl mit dem streaming aufhört. Man kann nur hoffen das wenn es soweit ist, er als voll zeit caster eingestellt wird. Ohne ihn wird es düster auf twitch, wenn es um League geht.

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