Sammler von Pokémon-Karten freuen sich, wenn sie seltene Karten in ihren Boostern haben. Allerdings artet das Öffnen von Packs in letzter Zeit aus und der eigentliche Spaß am Sammeln steht dabei immer weniger im Vordergrund. Vor allem auf Plattformen wie Twitch sind solche Trends zu sehen. Das macht MeinMMO-Redakteurin Jasmin Beverungen traurig.
Mich macht es schon traurig, wenn ich daran denke, dass ich meine Sammelmappe mit Pokémon-Karten aus der Kindheit irgendwann weggeschmissen habe. Der Schritt zum Jugendlichen hat bei mir dazu geführt, dass ich mein Kinderzimmer radikal ausgemistet habe. Statt Barbiepuppen und Pokémon-Karten waren bei mir plötzlich Poster aus der Bravo und CDs von Britney Spears ganz oben im Trend.
Bis heute bereue ich es, dass ich im Zuge dessen auch meine Sammelmappe mit meinen Karten weggeworfen habe. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich sogar Exemplare aus den ersten Editionen besaß – leider haben meine Eltern die Mappe nicht, wie bei anderen Kindern, auf dem Dachboden aufbewahrt, damit ich das jetzt überprüfen und mich darüber freuen könnte.
Allerdings geht es mir dabei nicht um den Wert, sondern um das Design und die Nostalgie hinter den Karten. Dank meiner MeinMMO-Kollegen bekam ich zuletzt erschreckende Trends und Videos mit, bei denen ich noch trauriger werde, als ich es beim Gedanken an meine alten Pokémon-Karten bin.
Auch Pokémon TCG Pocket hilft mir, den Verlust zu kompensieren:
Pokémon-Karten sind nur für den Profit da
In den Videos, von denen ich spreche, werden vor allem Booster geöffnet, um besonders seltene Pokémon-Karten zu ziehen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Pokémon auf den Karten abgebildet sind – es geht alleine um den Profit.
- Die Booster werden für absurde Challenges genutzt, um Aufmerksamkeit und „unterhaltsame Videos“ zu generieren. Das Öffnen der Booster wirkt dabei mehr wie Glücksspiel als eine Freude am Öffnen (via TikTok).
- Viele Scalper schnappen Karten massenweise vor der Nase der Spieler weg, die einfach nur Spaß am Sammeln und Tauschen haben. Die Pokémon-Karten sind deshalb so begehrt, dass ein Laden sich sogar weigerte, die neue Edition zu verkaufen, weil er Angst vor dem Ansturm hatte.
- In vielen Fällen zählt einfach nur der Wert der Karten. Content Creator auf TikTok kaufen ältere Packs und blenden bei jeder Karte den aktuellen Marktpreis ein, um durchzurechnen, ob sich das Öffnen finanziell gelohnt hat.
- Die Aktion eines bekannten deutschen Influencers fällt in eine ähnliche Kategorie. Er kaufte sich Booster im Wert von 15.000 €, die andere Personen kaufen und von ihm öffnen lassen konnten. Die Atmosphäre wirkte wie im Casino. Andere Streamer regten sich beispielsweise auf, sie hätten 800 € ausgegeben, aber „keine verfickte Holo“ gezogen.
Die Jagd nach den Boostern führt sogar so weit, dass die Booster zu „Prismatische Entwicklungen“ nahezu überall ausverkauft waren. Die Macher des Pokémon-Sammelkartenspiels verrieten auf X, dass neue Drucke unterwegs sind.
Dass die Kapazitäten bei der alten Erweiterung so hoch sind, führt dazu, dass auch die neue Edition „Karmesin & Purpur – Reisegefährten“ kaum noch zu bekommen ist. Bei Shops wie Smyths oder Card Corner sind die neuen Booster schon jetzt ausverkauft. Selbst auf idealo werden mir aktuell keine Angebote angezeigt (Stand: 18. März 2025).
Dabei sind die Karten weit mehr als das. Es gibt so schöne Designs, so tolle Motive und wirklich spannende Effekte, die man bei Turnieren oder Kämpfen mit Freunden nutzen kann. Mir selbst ist es egal, wie wertvoll die Karten sind – für mich zählen nur das Motiv und die Kartentexte.
Wie weit einige Menschen gehen, um an besondere Pokémon-Karten zu kommen, zeigt eine Aktion des Van-Gogh-Museums. Hier musste das Verteilen von exklusiven Karten beendet werden, weil sich Erwachsene um diese Karten prügelten: Gierige Spieler prügelten sich in einem Museum, um exklusive Pokemon-Karten teuer zu verkaufen – Jetzt stoppt das Museum die Aktion
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