Der Online-Shooter Destiny 2 hat im Laufe der Jahre seine Aufs und Abs mitgemacht, aber ein Streit um den deutschen Twitch-Streamer Luis zeigt jetzt eine Seite der Community, die indiskutabel ist, glaubt unser Autor Schuhmann. Morddrohungen und schwerste Beleidigungen werden normalisiert und als Teil des Gamings und Destiny 2 verteidigt.
Das ist der Anlass:
- Der deutsche Twitch-Streamer Luis, bekannt als Lachegga, wurde von Bungie im Juli 2023 permanent aus Destiny 2 gebannt. Laut Bungie wegen „anhaltender Verstöße gegen den Verhaltenskodex, insbesondere bezüglich Belästigung von Spielern, anderen Creatorn und Bungie-Mitarbeitern.“ (via twitter)
- Der Streamer selbst gesteht zwar ein, wiederholt Leute beleidigt und gegen die Regeln verstoßen zu haben und den Bann auch zu verdienen. Er glaubt aber, solche Regelverstöße und “Ingame-Toxizität” fänden ständig im PvP des Spiels statt und seien nicht der eigentliche Grund für seinen Bann. Er glaubt, er wurde nur gebannt, weil er Bungie zu kritisch war und man ihn dort „nicht leiden konnte.“
- Statt die Fehler einzugestehen und mit Würde abzutreten, wird also das große Verschwörungs-Fass aufgemacht: Ein Content-Creator, mit im Schnitt 123 Zuschauern auf Twitch und 20.000 Abos auf YouTube, ist eine weltweit so relevante und kritische Stimme, dass ihn Bungie unter einem Vorwand mundtot machen muss.
Die deutsche Community zeigt in den YouTube-Kommentaren ihr hässlichstes Gesicht
Der Hass und die Toxizität in der Community von Lachegga und wie selbstverständlich es ist, dass man Leuten „im Spiel“ den Tod wünscht, ist einfach nicht okay:
- In den Kommentaren auf YouTube wird menschenverachtend und aufs Übelste beleidigt: Die Rede ist von „Hurensöhnen“ und „Schwanzlutschern“.
- Wer gegen Luis ist, sei ein „NoName“, „Schmutz“, ein „Pisser“ und ein Arschlecker.
- Bungie sei ein Hampelmann-Verein, eine Lachnummer, andere Spieler dann „Halbzeitrentner“.
- Und wenn US-Streamer das kommentieren und sagen: “Da hat Bungie sicher richtig gehandelt, so Leute wollen wir nicht im Spiel”; dann kennen die sicher nicht “die ganze Wahrheit” und müssen aufgeklärt werden, welches Unrecht da passiert.
Und solche Beleidigungen in den Kommentaren sind keine Einzelfälle, das sind nicht einzelne, wenige Kommentare – das ist der Grundton der ganzen Kommentar-Sektion (via youtube).
Das alles bleibt so völlig unmoderiert und unwidersprochen auf YouTube stehen, wird vom Content-Creator noch als Bestätigung in seinem Kampf “gegen das Unrecht” gesehen.
Der YouTuber wird als Ehrenmann bezeichnet, für sein „konstruktives Video” gelobt.
Als Begründung dafür, dass der Bann von Luis unberechtigt sei, sagt ein Nutzer stolz: Er sagte ja jedem Titanen, den er trifft “Go die”, sei aber noch nicht gebannt. Ein lupenreiner Beweis, dass da was im Busch sein muss.
Zwar bestätigen selbst unter dem Video einige in ihren Kommentaren, auch sie seien von Luis beleidigt worden, aber das gehöre ja zu Destiny dazu.
Selbst Leute, die mitbekommen haben, wie Luis anderen den Tod wünscht, applaudieren
Ja, Luis würde den Leuten schon mal den Tod wünschen, liest man da. Aber das rechtfertige den Perma-Bann doch nicht.
Doch das tut es.
Der Gipfel ist, dass tatsächlich jemand, um Luis zu unterstützen, Martin Luther King zitiert: Unrecht irgendwo ist eine Bedrohung für Gerechtigkeit überall.
Der Dauer-Flamer, der Leute aufs Schlimmste beleidigt und ihnen den Tod wünscht, als Streiter für die Gerechtigkeit.
Bungie hat wegen Morddrohungen die Kommunikation in Destiny 2 eingeschränkt
Und, ja, solche Kommentare sind leider keine einzigartige Anomalie, die sich nur in Deutschland finden lässt:
- In der englischsprachigen Community von Destiny 2 ist das Community-Management, wie man es über Jahre kannte, zusammengebrochen, nachdem persönliche Todesdrohungen gegen einen Mitarbeiter ausgesprochen wurden. Seitdem kommuniziert Bungie kaum noch und wenn dann über einen gesichtslosenTwitter-Account.
- Einer Aktivistin wie Anita Sarkeesian wurde während GamerGate so viel Hass entgegengebracht, dass sie sich kaum noch öffentlich zeigen konnte (via polygon).
- Die Entwickler von Battlefield 2042 bekamen zu negativem Feedback auch Morddrohungen ins Haus.
All das ist passiert. Aber hier, bei Destiny 2 in Deutschland, passiert eben all das auch und genau vor unserer Haustür.
Neben Bungie müssen auch YouTube und Twitch gegen so ein Verhalten vorgehen
Mit diesem Teil von Destiny, der sich so benimmt und dieses Verhalten tatsächlich gutheißt und normalisiert, will ich nichts zu tun haben.
Es ist dringend notwendig, dass nicht nur Bungie gegen solche Teile der Community vorgeht, sondern auch Twitch und YouTube. Wer das normalisiert und gutheißt, wer sagt: “Wenn ich geflamet werde, dann meld’ ich das nicht, sondern flame doppelt so hart zurück”, derjenige trägt dazu bei, dass Destiny 2, das Gaming überhaupt und das gemeinsame Miteinander schlechter werden.
Ja, man kann wütend und enttäuscht auf Bungie sein. Man kann Kritik üben. Man kann mit dem Spiel aufhören. Das alles ist völlig okay.
Aber man kann andere Menschen nicht so behandeln.
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