Das MMORPG Everquest Next soll nicht nur von den Entwicklern von SOE, sondern auch von den Spielern geschaffen werden.
Es ist wohl der Trend der Stunde in MMOs. Wobei MMOs spät dran sind. Denn es ist eigentlich das Markenzeichen des Internet 2.0, in dem wir seit 10 Jahren oder länger alle leben: „User-generated Content.“
Jeder ist Künstler, jeder kann ein Video hochladen, ein Bild malen, einen Text schreiben und dann können es die anderen User, die Nachbarn, Freunde und Kollegen, die Fremden, Feinde und Konkurrenten, Mama, Papa und die scharfe Traumfrau sehen, darüber reden, es teilen, liken, ignorieren oder kritisieren. Und vielleicht sogar kaufen.
Die Grenze zwischen Konsument und Fabrikant verschwimmt.
Jeder kann ein Youtube-Video hochladen, warum sollte das mit einem MMO-Abenteuer nicht auch gehen?
Der Anbieter, die Industrie, lehnt sich zurück. Man hat das Umfeld geschaffen, die Parameter festgelegt, nun schaut man zu, wie sich die Umgebung entwickelt. Das kann ziemlich spannend sein. Zwar kann jeder Konsument kreativ werden, aber nicht jeder will es und von denen, die es wollen, hat auch nicht jeder das Zeug dazu.
Die Beliebteren treten hervor, die Unbeliebteren zurück und verschwinden. Der Anbieter stellt nur das Umfeld, legt die Parameter fest, in dem sich die User bewegen, er greift nicht mehr selbst ins Geschehen ein.
Das nennt man User-generated Content. Das ist zum Beispiel das Prinzip hinter Youtube.
Und ist es, aus Sicht eines Gaming-Studios, nicht auch eine fantastische Idee für ein MMO? Man gibt den Spielern die Werkzeuge an die Hand, damit die ihre eigenen Geschichten und Abenteuer erfinden können, diese an andere Spieler verkaufen und man selbst muss zu diesen Spielinhalten nichts mehr beitragen, nachdem man einmal die Werkzeuge geschaffen hat?
Das zarte Pfänzchen Sandbox
In klassischen „Themepark“-MMOs wäre das undenkbar. Ein Spieler kann in World of Warcraft nichts erschaffen, was andere genießen könnten. Gut, mit der eigenen Leiche und denen der Freunde kann man eine mysteriöse Botschaft legen, aber das war’s dann auch schon.
In modernen Games wie WildStar gibt’s dann zumindest Ansätze: Komm doch vorbei und schau dir an, wie ich mein Haus eingerichtet habe. Ich hab hier aus tausend Sachen ausgewählt und meine eigene Villa gebaut. Dafür hab ich alle Möglichkeiten, die ich zur Auswahl hatte, auf einzigartige Art kombiniert.
Nischengames wie Star Trek Online oder Neverwinter erlauben den Spielern gar, eigene Missionen zu entwerfen, freilich oft mit nur relativ groben, primitiven Tools und in engen Bahnen. Die Idee hat bisher in MMOs noch nicht so richtig abgehoben.
SOE verdient an der Idee bereits in anderem Rahmen
An die Vorfront dieser Entwicklung hat sich Sony Online Entertainment, SOE, gesetzt. Und das schon relativ lange. In Planetside 2 können Spieler selbst kosmetische Items und Skins entwerfen. Diese Entwürfe gehen in einen Player-Shop und andere Spieler können sie für echtes Geld kaufen.
SOE kassiert und gibt den Erfindern 40%. Das System erwies sich als lukrativ und brachte das Studio von SOE auf eine durchschlagende Idee: Offenbar wissen Spieler am besten, was andere Spieler wollen. Warum sollte man sich das Talent nicht zunutze machen?
Everquest Next soll von Spielern und Entwicklern gemeinsam gestaltet werden
Mit Everquest Next geht man einen Schritt weiter und lässt die Spieler nicht nur kosmetische Items für den Shop designen, sondern Teile der Welt. Mittlerweile sogar nicht nur Teile der Welt von Everquest Next, sondern auch von anderen Szenarien, die in dieser Engine funktionieren würden: Es muss ja nicht immer Fantasy sein, mit den Tools wäre auch eine Space-Opera möglich.
In einem Interview mit VentureBeat erklärt Dave Georgeson, einer der Köpfe hinter Everquest Next, die Idee. Es fing, lang bevor man an Landmark dachte, schon damit an, dass man in EQNext auf Voxel setzte, damit die Welt veränder- und zerstörbar sein würde. Mit dieser Idee wollte man eine neue Ära der MMOs einläuten.
Dann warf jemand in den Raum: „Wäre es nicht toll, wenn wir 2 Monate vorm Release von Everquest Next den Spielern schon die Tools geben würden, mit denen auch wir das Spiel erschaffen?“ Dann könnten die sich schon im Vorfeld, bevor EQN erscheint, ihre eigenen Gildenhallen bauen.
Motto von Everquest Next: Alles, was wir können, sollen die Spieler auch können

Rasch spann man dies weiter: Warum solange damit warten? Nun wollte man allen Everquest-Next-Spielern fast zeitgleich dieselben Tools geben, die man selbst verwenden würde, um die Welt zu erschaffen. Bei SOE glaube man daran, so Gregson, dass es besser sei, wenn ein Spiel von Entwicklern und Spielern, statt nur vom Studio alleine entwickelt würde. Man erhob das sogar zum Motto: „Alles, was wir können, sollen die Spieler auch können.“
Von diesem Punkt an nahm „Landmark“ Gestalt an, das Schwesterprojekt von Everquest Next, in dem Spieler dieselben Tools wie die Entwickler erhalten würden.
Landmark: Noch seelenlos in der Sandbox
Im Moment ist es in der Closed Beta von Landmark noch so, dass den Spielern einige Tools fehlen, die der Welt Leben einhauchen. Bislang bauten die Spieler in Landmark vor allem mit Voxeln. Und sie buddelten mit ihrer Schaufel Voxel weg. Zurzeit wirkt es, als errichteten die Spieler dort nur Stätten ohne die Geschichten und Menschen, die diese erst beseelen. Doch das soll sich demnächst ändern, wenn die Spieler auch die „Gamemaster Tools“ erhalten.

Wenn das geschieht, wird man langsam sehen, ob die Zukunft der MMOs wirklich im User-generated Content liegt. Im Moment sind das ambitionierte Theorien, die erst in den Praxistest müssen.
Ein interessanter Nebenaspekt kristallisiert sich aus diesem Trend ebenfalls heraus auch bei Offline-Games: Diese Art von „user-generated“ Content dient den Software-Schmieden mehr und mehr als Rekrutierungstool. Warum sollte man jemanden, der mit den Tools der Entwicklern, bessere Geschichten, fantastischere Gebäude und spannendere Abenteuer als die Entwickler selbst hinbekommt, nicht einstellen? So mancher talentierter Modder oder Level-Designer befindet sich mittlerweile auf den Gehaltslisten der Unternehmen.
Vielleicht arbeitet ja der ein oder andere Entwickler gerade daran, sich selbst arbeitslos zu machen oder er zieht sich zumindest talentierte Konkurrenz heran.
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