Der Status quo der MMORPGs und die Zukunft der Online-Rollenspiele

Der Status quo der MMORPGs und die Zukunft der Online-Rollenspiele

Das Genre der MMORPGs fasziniert und begeistert seit Dekaden Millionen von Spielern. In einem mehrteiligen Report beleuchtet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz die Wurzeln, den Werdegang sowie die Zukunft der Online-Rollenspiele. Teil 6 dreht sich um den Status quo und die Zukunft der Online-Rollenspiele.

Im fünften Teil des MMORPG-Reports ging es um eine recht schwierige Phase für alle Fans von Online-Rollenspielen, in der sich die Neuerscheinungen vor allem aus Portierungen asiatischer Online-RPGs, kleinerer Crowdfunding-Projekte und Mobile-MMORPGs zusammensetzten.

Im sechsten und letzten Teil der Reihe steigen wir 2021 ein, um die vergangenen Jahre sowie den Status quo des Genres zu analysieren und einen Blick auf die Zukunft der MMORPGs zu werfen. Wer eine Folge des Reports zu unserer MMORPG-Themenwoche verpasst hat, wird hier fündig:

Eine neue Welt, eine neue Hoffnung

Nach dem Launch von Wildstar im Juni 2014 dauerte es mehr als sieben Jahre, bis ein neues, ambitioniertes Online-Rollenspiel eines westlichen Publishers und Entwicklers erschien. New World lockte mit einem spannenden Setting, Buy2Play-Modell und toll inszenierten Trailern.

Gleichzeitig wussten auch Außenstehende, dass die Entwicklung schwierig war. Der Fokus wechselte aufgrund des Feedbacks der Tester von Survival und PvP auf ein Themenpark-Gerüst mit Quests, PvE-Herausforderungen und mehr Story-Inhalten. Skepsis war außerdem angebracht, weil Amazon Games bis zu diesem Zeitpunkt kein einziges erfolgreiches Spiel veröffentlicht hatte.

Entsprechend durchwachsen war New World dann auch zum Launch. Während das audiovisuelle Design der Spielwelt begeisterte und Crafting sowie Kämpfe Spaß machten, nervten die in kürzester Zeit entworfenen und daher furchtbar generischen Quests. Dazu kamen zahlreiche Probleme zum Launch, wie Warteschlangen und Gold-Dupe-Exploits.

Im Oktober 2023 erschien die erste Erweiterung für New World – hier der Trailer:

Der enorme Hype zum Start (unterfüttert von Amazons Streaming-Plattform Twitch) zeigte jedoch eindrucksvoll, wie groß der Bedarf für ein neues, ambitioniertes MMORPG ausfiel. 913.634 Spieler waren zeitweise auf Steam gleichzeitig in New World online – das reicht bis heute für Platz 8 der All-Time-Charts (via SteamDB).

Hype-MMORPG aus Asien

Noch mehr Hype konnte ein Jahr später Lost Ark generieren, das im Westen ebenfalls von Amazon Games betreut, aber vom koreanischen Entwickler Smilegate entwickelt wird. Das Ausmaß an Vorfreude war durchaus ungewöhnlich, da asiatische MMORPGs oft Eigenheiten mitbringen, die viele westliche Spieler abschrecken.

Man denke hier etwa an das eigenwillige Design von Figuren, Klamotten und Völkern, aber auch an Einschränkungen wie Klassen, die an feste Geschlechter gebunden sind (Genderlock), ein oft hoher Grind-Faktor oder die Masse an Währungen, mit der die Monetarisierung verschleiert werden soll.

Bei Lost Ark findet sich all das. Dazu kommt, dass man den Helden aus einer isometrischen Perspektive steuert, die eher an Hack&Slay-Titel wie Diablo oder Path of Exile erinnert. Dass dennoch unfassbar viele Genre-Fans das MMORPG von Smilegate ausprobieren wollten, lag vor allem an den folgenden Gründen:

  • Bereits 2014 gab’s einen ersten, 19 Minuten langen Gameplay-Trailer zu Lost Ark, der alles in den Schatten stellte, was bis dato bei Spielen mit Iso-Perspektive zu sehen war (via Youtube). Über die folgenden Jahre hinweg gab’s immer neue Gameplay-Präsentationen, die die Vorfreude nur noch steigerten.
  • Ab 2019 war Lost Ark in Korea und Russland spielbar. Die Bewertungen fielen positiv aus, die Spielerzahlen hoch. Diverse westliche Streamer zockten bereits diese Versionen mit großer Begeisterung, und das färbte sich auf ihre Communitys ab.
  • Ähnlich wie bei New World nutzte Amazon Games auch bei Lost Ark die Synergie mit Twitch, um den Hype stärker anzufeuern.
  • Weil New World die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte, waren viele Genre-Fans im Februar 2022 bereit für die Reise nach Arkesia.

Da Lost Ark beim Launch im Westen ebenfalls nur auf Steam erschien, lässt sich das Hack&Slay-MMORPG leicht mit New World vergleichen. Der Spieler-Peak zum Launch lag noch einmal deutlich höher (1.325.305 gleichzeitig aktive Spieler, Platz 4 der All-Time-Charts). In den kommenden Wochen und Monaten fielen dann auch bei Lost Ark die Zahlen, aber nicht so stark und schnell wie bei New World.

Statt an Launch-Problemen, fehlendem Feinschliff und mangelndem Inhaltsnachschub leidet Lost Ark bis heute am grindigen Endgame, in dem Zufall bei der Charakteraufwertung eine viel zu große Rolle spielt, sowie an der Schwemme von Bots, die sich dank Free2Play-Zugang nicht in den Griff bekommen lässt, ohne normale Spieler zu stark zu peinigen.

Neue MMORPGs, alte Erkenntnisse

Die enorm erfolgreichen Launch-Phasen von New World und Lost Ark zeigen, dass es auch jetzt – etwa zehn Jahre nach der Hochphase des Genres – einen großen Markt für ambitionierte MMORPGs gibt. Gleichzeitig demonstrieren beide Titel, wie schwer es weiterhin ist, sich neben den etablierten Genre-Größen zu behaupten und Spieler langfristig auf die Server zu locken.

Das Genre bleibt ein Biest, das sich nur schwer zähmen lässt. Mit Problemen haben derzeit nämlich auch diverse MMORPGs zu kämpfen, die 2024 oder später erscheinen sollen:

Das Licht am Ende des Tunnels

Auch wenn die vergangenen beiden Spielejahre nur wenige Highlights für MMORPG-Fans im Gepäck hatten und viele der kommenden Projekte mit Schwierigkeiten kämpfen, könnt ihr optimistisch in die Zukunft des Genres blicken. Es ist lange her, dass sich derart viele spannende Titel in der Entwicklung befunden haben.

Das namhafteste Projekt ist sicherlich das neue MMORPG für Herr der Ringe, das derzeit bei Amazon Games entsteht. Den besten Eindruck hinterlässt derzeit wohl Ashes of Creation, für das es jeden Monat spannende Updates aus der Entwicklung gibt. Dieses Jahr soll der große „Alpha 2“-Test starten.

Ashes of Creation entwickelt sich blendend, die Fortschritte sind spürbar:

Beim Projekt „Ghost“ wird die Community von Greg „Ghostcrawler“ Street und seinem Team von Anfang an mit in die Entwicklung einbezogen. Wer auf die Fortsetzungen bekannter Marken hofft, sollte ArcheAge 2 (die große Vorstellung soll es auf der Gamescom geben), Aion 2, das Warhammer-MMORPG von Jack Emmert und Guild Wars 3 im Auge behalten.

Außerdem gab’s bereits mehrfach Gerüchte über ein MMORPG im Universum von Horizon Zero Dawn, das Studio von Elder Scrolls Online soll schon seit 2019 an einem neuen Online-Rollenspiel arbeiten und dann gibt’s da ja auch noch spannende Projekte wie Chrono Odyssey, The Quinfall, Pantheon: Rise of the Fallen, Camelot Unchained und viele mehr.

Alt, aber quicklebendig

Diese große Zahl potenzieller Neuerscheinungen trifft auf eine ganze Reihe von MMORPGs, die seit vielen Jahren den Markt unter sich aufteilen und weiterhin regelmäßig Updates und kostenpflichtige Inhaltspakete erhalten. Der Schatten von World of Warcraft ist dabei schon lange nicht mehr so groß und alles dominierend wie noch vor 15 Jahren.

Dennoch bleibt das Blizzard-MMORPG ein Thema. Noch nie gab es so viele unterschiedliche Versionen von WoW. Noch nie arbeiteten so viele Entwickler an der World of Warcraft. In den kommenden Jahren erwarten uns die dreiteilige Weltenseele-Saga sowie verschiedene Classic-Versionen (Classic Ära, Hardcore, neue Phasen für die Saison der Entdeckungen, die Patches von Cataclysm Classic).

Die Weltenseele-Saga von WoW startet mit der Erweiterung The War Within in diesem Jahr:

Richtig gut geht es auch den beiden anderen MMORPGs, die sich auf Augenhöhe mit WoW positionieren konnten. Elder Scrolls Online soll in den bisherigen zehn Jahren mehr als 2 Milliarden US-Dollar eingespielt haben. Einen Tag nach unserer Themenwoche, am 3. Juni, startet das neue Kapitel Gold Road auf dem PC.

Nur wenig länger müsst ihr auf die neue Erweiterung für Final Fantasy XIV warten, Dawntrail erscheint am 2. Juli 2024. Da es schon jetzt auf einigen Servern zur Prime-Time Warteschlangen gibt, solltet ihr euch auf einen turbulenten Launch einstellen.

Erfolgsgeschichten finden sich aber auch bei anderen MMORPGs. Herr der Ringe Online durfte sich nach der Free2Play-Umstellung im April 2022 über einen regelrechten Spieleransturm freuen und Albion Online verzeichnete sieben Jahre nach Launch einen Spielerrekord.

Ein besonderes Genre

Auch wenn sich Elemente aus Online-Rollenspielen und riesige Welten mittlerweile in fast allen Service-Games und Genres finden lassen, bieten MMORPGs auch heute noch das Fundament für eine einzigartige, soziale Spielerfahrung, die es in der Form nirgendwo sonst gibt.

Es ist daher schön zu sehen, dass wieder mehr Publisher und Entwickler aus dem Westen bereit sind, mit der Entwicklung eines ambitionierten MMORPGs ein gewisses Risiko einzugehen. Und vielleicht ist da ja auch mal wieder ein Spiel dabei, das auf den Schulhöfen, bei der Arbeit und im Freundeskreis DAS Gesprächsthema sein wird.

Ein Spiel, das Fans des Genres für Monate und Jahre in eine faszinierende Spielwelt lockt, um dort Communitys aufzubauen, in denen sich jede Gilde und jeder Spieler mit der Zeit einen Namen machen kann. Eine Welt, in der Freundschaften und Rivalitäten entstehen. Eine Gemeinschaft, mit der man gemeinsam Erfolge feiert und Niederlagen verarbeitet.

Mit täglichen Farmrunden und nächtlichen Telefonketten. Mit feuchtfröhlichen Ingame-Hochzeiten und noch feuchtfröhlicheren Gildentreffen im echten Leben. Ein virtueller Sandkasten, der die faszinierendsten, forderndsten, emotional bewegendsten und erinnerungswürdigsten Momente schaffen kann, die das Hobby Games zu bieten hat. Auch wenn ein Teil der Faszination über die Jahre verloren gegangen ist.

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Marrurka

Ich verstehe nicht warum es immer neue MMORPGs sein müssen. Die haben ja häufig zum Launch ein arges content problem und die Leute kehren zu wow etc zurück.

Man könnte doch den aktuellen top MMORPGs wie wow, eso und ff14 ein ordentliches Grafikupdate geben, so behält man den alten content und hat n schönes Spiel. Es hat ja n Grund warum die MMORPGs so erfolgreich sind

Nook

und was ist mit “Dune” ? vergessen ? am 4. juni lord nine (lost ark machern)

Huehuehue

Ich weiß beim besten Willen nicht, was du meinst

Ich kenne nur das Survival MMO, das von Funcom in Arbeit ist, “Dune: Awakening”

Lork Ark ist von Smilegate/Tripod Studio

Hast du da irgendwelche genaueren Angaben, was genau du meinst?

Zuletzt bearbeitet vor 13 Tagen von Huehuehue
Nook

genau dune awakening ist doch ein mmo jedenfalls auf steam so beschrieben

Huehuehue

Es wird in etwa so MMO, wie Funcoms anderes aktuell “große” Spiel, also “Conan Exiles”

Nook

soweit ich weiss wird es fraktionen geben die sich um ein gebiet kloppen, das klingt für mich doch nicht nach standart survial.

Huehuehue

Auch Conan Exiles ist kein “Standard Survival” aber es halt auch kein richtiges MMO-RPG. Und die bisherigen Beschreibung weisen große Ähnlichkeit mit Conan Exiles auf – jetzt mal von den Spielerservern abgesehen (da hab ich von Dune Awakening noch nix gehört). Und auch Conan Exiles hat “Fraktionen” (die sich um Gebiete und anderen Kram kloppen)

Zuletzt bearbeitet vor 12 Tagen von Huehuehue
Myuu79

Auch wenn ein neues MMORPG immer erstmal für einen Hype sorgt, verebbt dieser auch sehr schnell wieder. Klar am Anfang alles neu , neue Quests, neue Welt etc.!

ABER, jetzt kommt das ABER, früher oder später stellen die meisten Spieler fest, es ist eh wieder nur dasselbe, vielleicht ein wenig anders verpackt, aber Schlussendlich wieder am Ende dasselbe und viele denken sich, wieso sollte ich mein MMORPG was ich schon seit Jahren spiele, für etwas aufgeben, was im Grunde nichts neues bietet.

Da müsste schon eine echte Revolution her in diesem Genre. Ich denke dabei an sowas wie Full – Dive MMORPGs wie man sie zum Beispiel aus Sword Art Online kennt. Ich denke sowas, würde definitiv wirklich ein neues Spielgefühl geben.

Leider ist da die Technik da noch nicht so weit, zumindest ist mir da nichts bekannt. Und zum anderen müsste diese Technik für jeden erschwinglich sein. Aber da selbst VR – Brillen noch so viel kosten wie ein neuer PC ( natürlich nicht das Beste drin ), sind wir auch davon vermutlich noch viele viele Jahre von entfernt 🙂

Marrurka

Das ist es eben, man steckt womöglich Jahre in ein MMORPG hat dort viel erlebt etc. Das bindet ein an dieses Spiel. Neue Games haben es dann schwer, da es in der Natur der Sache liegt, das neue MMORPGs Recht wenig content haben. Wow etc hatten zum Launch auch nicht den Umfang wie heute. Die Spiele wachsen halt mit der Zeit. Wenn dann aber schnell die Spieler zahlen sinken, lohnt es sich nicht mehr das Game weiter zu entwickeln bzw nur sehr langsam. Das ist gerade bei kleineren Studios ein problem

Solo

Albion ist wenn man den Werdegang sieht schon ein Erfolg. Es ist zwar kein grosses Story MMORPG aber bietet ziemlich viel wenn man sich darauf einlässt. Es ist wichtig, dass man sich einer Gilde anschließt und am besten noch einer Allianz. Man wird dort Freundschaft, Freude aber auch Wut und Intrigen erleben. Das was ein Rollenspiel eben ausmacht. Wichtig ist , dass man es aber in einer Gemeinschaft erlebt und jeder Erfolg zu einem tollen Erlebnis wird. Bei Albion ist es halt faszinierend wie kreativ Leute in ihrer Spielweise sind. Ob Wirtschaftssimulator, Farm, Massenschlacht oder Crafter jeder kann damit Erfolg haben und kann essentiell in einer Gilde sein.

Oneo

und dann kommt man ins offenen PVP gebiet und schon hat man noch mehr Spaß…und so.

Solo

Ist natürlich ein Teil des Spiels. Genau da kann man in Gruppen gut agieren. Selbst solo kann man es gut schaffen. Habe ich jahrelang gemacht. Man muss sich nur die nötigen Infos und Training erarbeiten bevor man sich in den Kampf stürzt. Ab einem gewissen Punkt zieht man nur noch Gear an das man einfach auch Mal verlieren kann, da deine trainierten Waffen in der Regel schon einen guten GS bringen. Es kommt halt immer darauf an was man aus einem Spiel macht und wie viel Interesse man dafür investiert.

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