Bei Destiny 2 geht ein lang gehegter Spielerwunsch in Erfüllung: Automatisches Matchmaking auch für die richtig harten Sachen, ein Raidfinder. Aber das funktioniert nur zu Bungies Bedingungen. Ist die Lösung Bungies besser als die von WoW mit den abgeschwächten LFR-Raids?
Wir haben schon einmal darüber berichtet, dass Destiny 2 einige der großen Wünsche der Spieler erfüllt, aber nicht so, wie die sich das ausgemalt haben.
Der Wunsch, „Fixt doch endlich mal das Balancing“ bringt in Destiny 2 etwa keine Prozentänderungen, sondern ein neues „Waffen-System.“

Auf ähnliche Weise erfüllt Bungie einen weiteren alten Spielerwunsch: den nach Matchmaking – auch für Raids.
Wie WoW vor einigen Jahren will auch Destiny möglichst viele Spieler dazu bringen, zu raiden, geht aber andere Wege als WoW.
Der Wunsch
In Destiny 1 funktioniert automatisches Matchmaking für fast alles, außer für die wirklich schwierigen Dinge wie den 3-Mann-Dämmerungsstrike (PvE/Nightfall), die 3-Mann-Prüfungen von Osiris (PvP) oder den 6-Mann-Raid (PvE).
Die Spieler wünschen sich auch für diese harten Aktivitäten ein automatisches Matchmaking.
In Destiny 1 halfen sich spieler noch selbst
Die Spieler haben das Problem des fehlenden Matchmakings für diese Aktivitäten in Destiny 1 selbst gelöst:
- Spieler haben sich in festen Gruppen über die Freundschaft-Funktion ihrer Konsolen-Netzwerke organisiert
- Andere haben sich über Facebook-Seiten oder eigens dafür erstellte Webseiten eine Gruppe für diese Aktivitäten zusammengesucht
- Streamer haben für die Prüfungen von Osiris angeboten, Fans mitzunehmen und sie zu einem makellosen Ticket zu führen – dadurch haben sie Views und Fans gewonnen
Das Matchmaking wurde aus Destiny 1 ausgelagert auf andere Webseiten oder Services.

Nur 50% der Spieler haben den Raid gesehen – Hürde für soziale Kontakte zu hoch
Allerdings: So richtig „super“ hat das nicht funktioniert – vor allem im PvE nicht.
Wie Bungie bekannt gab, haben nur 50% aller Spieler in Destiny 1 einen Raid gesehen. Und auf die Raids ist Bungie ja so stolz. Es muss also eine Lösung her, mehr Leute sollen die Raids und das Endgame von Destiny zumindest versuchen.
Das Problem ist: Die Hürde ist zu hoch, über Facebook-Gruppen mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und fremde Leute anzusprechen. Immer wieder liest man von Spielern, die das nicht wollen. Sie erwarten, innerhalb von Destiny eine Gruppe zu finden – nicht außerhalb davon.

Das wollten die Spieler
Die Forderung der Spieler war: Automatisches Matchmaking für alles – ich will einen Knopf drücken und dann in einer Gruppe sein und loslegen.
Bungie war aber gegen diese Forderung, weil man sagt: Wenn sechs völlig Fremde in einen Raid gehen und nicht miteinander kommunizieren, dann sterben sie häufig, sind frustriert und haben eine schlechte Spielerfahrung. Das wollen wir auf keinen Fall.
Laut Bungie sind diese “harten Aktivitäten” für Gruppen geplant, bei denen die Hüter untereinander in Verbindung stehen – also einen Voice-Chat nutzen und auch so eng miteinander verbandelt sind, dass Rückschläge nicht dazu führen, dass sich die Gruppe sofort auflöst.

So löst es Bungie nun in Destiny 2 – Guided Games
Bungies Lösung: Bestehende Gruppen können sich „einzelne Spieler“ über ein Matchmaking-System dazunehmen. Die Idee ist, dass die bestehende Gruppe dann das Gros der Arbeit macht und die Einzelspieler sich schon irgendwie nach ihnen richten und klar kommen. Nach dem Motto: Vier Leute wissen, was sie tun – die anderen zwei machen einfach das, was alle machen, und dann wird es schon passen.
Die Absicht von Bungie ist klar: Man will Einzelspieler so dazu bringen, sich Gruppen anzuschließen. Aus „zusammengewürfelten Team mit 4+2“ sollen feste Teams werden.
Es ist ein interessantes Konzept – die Spieler „zärtlich“ dahin zu kriegen, wo man sie haben will. Die Idee ist: Sobald Einzelgänger einmal die Hürde überwunden haben, mit anderen in Raids zusammenzuspielen, dann werden sie sehen, wie toll und einfach das ist – die Hürde sinkt und die Sache ist gegessen.

Interessantes soziales Experiment, aber hoffentlich werden die Raids nun nicht zu leicht
Allerdings: Es zeichen sich beim neuen System diese Probleme und Fragen ab:
- Die Frage ist, ob Bungie damit auch den Schwierigkeitsgrad des Raids anpassen wird. Schon in Destiny 1 hätten sich Vielspieler gewünscht, den Nightfall und die Raids etwas knackiger zu gestalten. Vor allem die „Hard-Modes“ des Raids hätten etwas herausfordernder sein sollen. Wenn die Raids nun darauf angelegt sind, von „4+2“ gelegt zu werden, könnte Raids noch einfacher designt werden.
- Eine weitere Gefahr ist ebenso klar: Wenn ein Raid dann doch mal schief geht, sind die “anderen” schuld: Die sogenannten “Randoms”, die zufällig mitgenommenen Spieler, sind zu schwach und werden zu den Sündenböcken – das könnte auch in den Prüfungen von Osiris zu Schwierigkeiten führen.
- Nehmen genug feste Gruppen neue Spieler auf, damit die Wartezeit im Rahmen bleibt?
- Wird es möglich sein, gezielt deutsche Gruppen zu suchen?
Das sind die Risiken und noch offenen Fragen des neuen Systems der Guided Games.

LFR-Variante mit “Kindergarten-Raids” wie in WoW wäre auch eine Option gewesen
Bei dem MMORPG WoW hatte man dasselbe Problem wie Destiny 1: Zu wenige Leute haben die Raids gesehen. Dabei stecken gerade in den Raids viele Entwickler-Stunden und auch wichtige Story-Schritte. Es ist blöd, wenn Spieler in den Quests ständig von einem Bösewicht hören, den aber nie zu Gesicht bekommen, weil er eben Endboss in einem Raid ist, den sie nie betreten werden.
Bei WoW hat Blizzard Ende 2011 eine Kindergarten-Ausgabe des Raids erfunden, die auch von einer Gruppe ohne jede Kommunikation oder Koordination bewältigt werden kann: die LFR-Raids. Die kamen am Ende der 3. WoW-Erweiterung “Cataclysm.”

Spieler hat man über ein automatisiertes Matchmaking in diese “LFR-Raids” gelassen. Das hat dazu geführt, dass jeder WoW-Spieler problemlos die Raids sehen kann.
Allerdings: Die Beute in dieser Ausgabe des Raids war deutlich schwächer als die Beute im “richtigen Raid.”
Das wäre auch eine möglich Lösung für Destiny 2 gewesen. Aber: Bei WoW hat man mit den “LFR”-Raids nur so mittel-gute Erfahrungen gemacht. Einige WoW-Spieler glauben, diese Lösung hätte die Gesamtheit des Raidens in WoW deutlich entwertet, die Raids trivialisiert. Der Reiz des “richtigen Raidens” sei verschwunden, es sei nichts Besonderes mehr.
Verständlich, dass sich Bungie hier anders entschieden hat.
Die “Guided Games”-Gruppen, mit der 4+2 Zusammensetzung, werden in denselben Raid unterwegs sein wie die 6er-Gruppen.
Es ist in jedem Fall ein interessantes Experiment. Man darf gespannt sein, ob Bungies Lösung funktioniert. Dann könnte sie Schule machen und ein verbreitetes MMORPG-Problem lösen: zu wenige Spieler sehen den Endcontent.
Mit Destiny 2 werden sicher auch die Entwickler anderer Online-Spiele mit starken PvE-Aspekten Destiny 2 und deren Guided Games genau unter die Lupe nehmen. Vielleicht ist Bungie hier eine innovative Lösung gelungen.
Was meint Ihr? Würdet Ihr Euch als Einzelspieler einer Raid-Gruppe so anschließen? Oder würdet Ihr als Teil einer bestehenden Gruppen Euren Raid so ergänzen?
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