The Elder Scrolls Online Morrowind Test: Mehr Story-DLC als Erweiterung

Wir haben die Erweiterung Morrowind von The Elder Scrolls Online (TESO) gespielt. Im Test zu ESO Morrowind stellen wir fest: Die Erweiterung will auf eine ganz bestimmte Art gespielt werden. MMORPG-Fans könnte das schwer fallen.

Morrowind, die neue Erweiterung zu The Elder Scrolls Online, ist nicht mit Erweiterungen von MMORPGs zu vergleichen, die man normalerweise kennt. Denn es fehlen neue Features.

  • Heavensward brachte für Final Fantasy XIV das Fliegen
  • Legion ergänzte World of Warcraft um Artefaktwaffen
  • „Heart of Thorns“ führte Elite-Spezialisierung in Guild Wars 2 ein
  • Morrowind bringt kein derartiges Feature zu ESO. Nichts, das direkte Auswirkungen aufs Gameplay hat

Solche Features in Erweiterungen sind wichtig, weil sie MMORPGs modernisieren. Sie entwickeln die MMORPGs, passen sie der veränderten Zeit an.

Etwas Vergleichbares bringt Morrowind nicht und das ist ein Problem. The Elder Scrolls Online hat sich in den letzten drei Jahren spielmechanisch im Gameplay kaum weiterentwickelt.

Morrowind-ScreenMorrowind ändert nicht das Spielprinzip

Morrowind bringt eine neue Klasse, den Hüter, und strukturiertes PvP zu The Elder Scrolls Online. Aber sonst fühlt sich die Erweiterung wie ein Story-DLC an. Und hier liegt der Fokus von The Elder Scrolls Online mittlerweile: ESO ist im Hauptteil immer mehr zu einem Solo-RPG geworden – bei dem die MMO-Teile ergänzend gespielt werden können, abgekoppelt in einem Endgame.

Die normale Spiel-Erfahrung ändert sich mit Morrowind nicht. Das ist nicht der Anspruch, den die Erweiterung hat. Der Fokus liegt klar auf dem neuen Gebiet und der Geschichte in Vvardenfell.

Ich hab keinen Nostalgie-Bonus für Morrowind

Morrowind ist ein Fan-Service, der die RPG-Welt von TES III, Vvardenfell, aus 2002 noch mal für eine neue Generation lebendig machen möchte. Das gelingt Morrowind wahrscheinlich auch.

Die Bewertung von Morrowind hängt davon ab, wie sehr man sich als Spieler gewünscht hat, in diese Welt zurückzukehren. Ich weiß, dass einige ESO-Fans und auch Spiele-Tester ganz heiß auf so ein „Morrowind“-Remake sind, um noch mal 15 Jahre in die Vergangenheit zu reisen.

Ich hab das erste Morrowind nie richtig gespielt. Deshalb hätte ich mir für die Erweiterung zu The Elder Scrolls Online etwas anderes gewünscht: eine Auffrischung des Gameplays.

Spielmechanisch wirkt ESO mittlerweile alt

Morrowind will in vielerlei Hinsicht als ein „neues Spiel“ gesehen werden – es ist nicht notwendig, das alte The Elder Scrolls zu kennen, um einzusteigen. Aber als neues Spiel merkt man The Elder Scrolls Online sein Alter an.

Spielmechanisch hat ESO im Laufe der Jahre wenig neue Features erhalten, obwohl eine Menge passiert ist und das Spiel umgekrempelt wurde.

Es wurde viel an bestehenden Spielsystemen herumgedoktert:

  • ein Justiz-System kam so halb
  • in der Welt skaliert nun vieles
  • es stießen viel Content aus den Singleplayer-Spielen hinzu: wie die Diebesgilde oder die Dunkle Bruderschaft
  • ein anderes Progress-System nach Level 50 kam: das Champion-System hat das Veteranen-System ersetzt.

Doch das Gameplay ließ Zenimax seit dem Release ziemlich unverändert, dabei hätte gerade das Gameplay einiges an Liebe gebraucht.

ESO Morrowind Trailerscreen09Dadurch, dass solche Modernisierungen ausbleiben, fühlt sich ESO „alt“ an – es fühlt sich an, wie ein MMORPG aus 2014. Da war vieles an ESO gut und zeigte Potential. Aber wir haben nicht mehr 2014 und das Potential liegt in vielen Bereichen brach, gerade in drei entscheidenden Punkten:

  • Wie kämpfe ich?
  • Wie bewege ich mich durch die Welt?
  • Was gibt’s abseits von Quests noch? Wie interagiere ich mit Objekten im MMORPG?

In der Zwischenzeit sind Spiele wie Black Desert erschienen, die genau in diesen 3 Bereichen ihre Stärken aufweisen. In Black Desert klettert man auf Gebäude, der Kampf ist flüssig und dynamisch, es gibt in der Welt viel zu tun und zu erleben abseits von Quests und Kämpfen – The Elder Scrolls Online ist in diesen Aspekten zurück.

Skyrimisierung bringt technische Nachteile

Das ist der Nachteil der Skyrimisierung, die ESO in den letzten Jahren so viel Erfolg gebracht hat: ESO ist ist in diesen Gameplay-Kernaspekten technisch auf dem Stand von Skyrim – und Skyrim ist 6 Jahre alt.

Dabei hat ESO ähnliche Ansätze wie ein modernes MMORPG. Sie verfolgen dieselben Ziele wie Black Desert:

  • ESO will auch ein dynamisches Kampfsystem bringen
  • es will die Welt erlebbar und erkundbar machen
  • es will den Spieler craften und werkeln lassen. Er soll ja sein Pferd aufpäppeln können.

Doch ESO wirkt im Vergleich zu Black Desert angestaubt.

Das Kampfsystem ist weder Fisch noch Fleisch. Es fühlt sich schwammig an, die Wucht hinter den Fähigkeiten fehlt. Man spammt Tasten, statt Combos aneinanderzureihen. Freilich, es gibt die mittlerweile üblichen Telegraphen und roten Zonen, aus denen man raus muss, aber erstklassig fühlt sich das Kampfsystem nicht an.

ESO Morrowind Trailerscreen10Wo ich in Black Desert auf ein Dach klettern kann, spielt sich ESO wie ein Rollenspiel aus dem letzten Jahrzehnt. Ich bin darauf angewiesen den Pfaden zu folgen – sonst bleib ich hängen. Ich kann nicht aus dem Wasser auf ein Pier hüpfen und mich am Holz hochziehen – sondern ich muss den vorgesehenen Einstiegsort finden.

In 2014 war das Handwerks-System von The Elder Scrolls Online interessant. Es gab erlernbaren Eigenschaften und Seits – allein dadurch war es komplexer und spannender als etwa das Craften in WoW. Aber seit dem Release hat sich das Craften in The Elder Scrolls Online nicht entscheidend weiter verändert und wirkt jetzt im Vergleich zu neueren Spielen altbacken.

Aber dafür hat The Elder Scrolls Online Morrowind andere Stärken.

Vorteile liegen im Story-Telling – Komplett auf Deutsch, vollvertont

Der Fokus von Morrowind liegt auf der Welt und den Quests. Morrowind ist dem Klassiker „The Elder Scrolls III“ nachempfunden, lässt die Welt von einst wieder auferstehen, spielt aber deutlich früher.

Die Zone ist liebevoll gestaltet. Die Quests sind herausragend präsentiert. Sie sind voll vertont und von erstklassigen Schauspielern gesprochen. Die Hauptfigur Vivec wird von dem Synchronsprecher gespielt, der Kevin Spacey auf Deutsch seine Stimme leiht.

ESO Morrowind Trailerscreen13 Zenimax möchte, dass The Elder Scrolls Online Morrowind wie ein „Singleplayer-RPG“ erlebt wird. Die Spieler sollen jeder Quest folgen – nicht nur den Questtext lesen, sondern ihn hören, sich auf die Welt einlassen, sich für die Probleme der NPCs interessieren. Die Spieler sollen in der Welt aufgehen, die man ihnen präsentiert.

Das ist die Stärke, auf die Black Desert, komplett verzichtet. Da gehen die Entwickler davon aus, dass Story-Elemente ohnehin übersprungen werden. In Black Desert ist die Story ein Alibi, um Spieler mit den Spielmechaniken vertraut zu machen.

Das ist in The Elder Scrolls Online Morrowind um Längen besser und deutlich wertiger.

The Elder Scrolls Online muss wie ein Event erlebt werden – nicht wie ein MMORPG

Wenn Spieler sich auf diese Story und die Quests einlassen können, funktionieren Morrowind und The Elder Scrolls Online. Deshalb hat ESO seinen Erfolgsweg erst antreten können, als es auf PS4 und Xbox One erschienen war und „auf der Couch“ erlebt wurde – wie ein Event, wie ein Film.

Konsolen-Rollenspieler, Fans von Skyrim, konzentrieren sich vielmehr auf ein Spiel und dessen Geschichte, als es die meisten MMORPG-Spieler normalerweise tun, bei denen im Hintergrund der Fernseher läuft oder Gilden-Kameraden im Voice-Chat quatschen.

ESO Morrowind The Elder Scrolls OnlineMMORPG-Veteranen müssen sich bei Morrowind umstellen

MMORPG-Veteranen auf dem PC neigen dazu, Quest-Texte zu überfliegen und sich auf die Spielmechaniken zu konzentrieren. Denn die Quests sind es häufig nicht wert, gelesen zu werden:

  1. Gehe dahin
  2. sprich mit X, töte B oder sammle C
  3. komm wieder
  4. ich sag dir, wie es weitergeht.

Morrowind bringt genau diese Quests – präsentiert sie aber mit vollvertonten Schauspielern und gibt sich eine Menge Mühe.

Morrowind will unbedingt, dass sich der Spieler Zeit lässt. Es will, dass sich der Spieler für seine Story und die Geschichte interessiert. Das Spiel geht fest davon aus, dass sich der Spieler jeden Dialog von der ersten bis zur letzten Silbe anhört, dann auf die nächste Frage klickt und der nächsten Antwort geduldig lauscht.

Morrowind lohnt sich nur, wenn Spieler sich diese Zeit nehmen. Wer keine Lust hat, den NPCs zuzuhören, sollte die Finger vom Spiel lassen.

Man wünscht sich, man könnte andere Spieler ausblenden

Morrowind verlangt dem Spieler einiges ab, damit es genossen werden kann.

MMORPG-Fans müssen sich umstellen und Morrowind wie ein „Adventure-RPG“ begreifen. Zusätzlich müssen sie lernen, die anderen Spieler in der Welt geistig auszublenden.

Wenn man einer dramatischen Quest folgt, am Höhepunkt der Story über der Leiche des NPCs steht, dessen Lebensgeschichte man die letzten 20 Minuten erlebt hat – und andere Spieler hängen daneben rum, weil sie in der linearen Questreihe am genau selben Punkt angekommen sind, stört das die Immersion immens. Man kann so nicht in das Spiel eintauchen.

Ich erlebe zwar eine Heldenreise – aber tausend andere erleben sie auch – und zwar nicht mit mir zusammen, sondern parallel zu mir.

Ich hab mir noch nie so sehr gewünscht, andere Spieler ausblenden zu können, wie in Morrowind.

ESO Morrowind Trailerscreen12The Elder Scrolls Online Test: Wie funktioniert Morrowind für neue Spieler?

Morrowind ist eine Erweiterung, will aber auch als „neues Spiel“ gespielt werden können, als Einstieg für ESO dienen. Ehemalige Veteranen sollen zurückkommen und sich mit dem Hüter einen neuen Helden erschaffen können. Neue Spieler sollen mit Morrowind ihren Weg ins MMORPG finden.

Als so ein „neues Spiel“ funktioniert Morrowind leider nicht so richtig. Wer als Level-1-Hüter loszieht, um Abenteuer zu erleben, wird sich wie ein Zwerg in einer Welt von Riesen fühlen. Denn die Veteranen erleben dieselben Quests wie man selbst in Morrowind, machen aber um ein Vielfaches mehr Schaden und halten mehr aus.

Wer Mitspieler nicht geistig ausblenden kann, erlebt Morrowind als Single-Player-Spiel aktuell durchwaschen. Wenn die „abenteuerliche Reise“ in einen Dungeon damit endet, dass vier hochgerüstete Spieler schon am Endpunkt auf den Spawn des Bosses warten, um den wieder und wieder zu besiegen, schwindet doch einiges an der Magie, die ein RPG sonst ausstrahlt.

ESO Morrowind Trailerscreen15The Elder Scrolls Online Morrowind Test: Für wen lohnt sich das Spiel?

Fazit: Morrowind liefert Fans von The Elder Scrolls Online einen schönen und liebevollen Story-DLC. Das Spiel lohnt sich, wenn man bereit ist, sich auf diese Quests und Geschichten einzulassen. Fans der Welt von „The Elder Scrolls“ können hier zugreifen.

Wer The Elder Scrolls mag und mehr vom geliebten Stoff erleben will, der wird auf seine Kosten kommen.

Morrowind eignet sich vor allem für Freunde der Story, die sich in einer Geschichte verlieren wollen. Wer The Elder Scrolls Online mag, wird es nach Morrowind vielleicht sogar lieben.

Wer bisher mit dem Spiel nichts anfangen konnte, weil ihn die Mechaniken oder das Gameplay störten, der kann Morrowind überspringen – vielleicht irgendwann mal mit einem Free-Wochenende hineinschauen.

ESO Morrowind Trailerscreen14Spieltechnisch bringt Morrowind ESO nicht voran: Es ist ein MMORPG, das viel Wert auf die Singleplayer-Aspekte legt, hier aber Schwierigkeiten mit der Immersion hat – dadurch, dass andere Spieler durchs Bild hüpfen.

Mit den MMORPG-Aspekten beschäftigt sich ESO erst im Endgame richtig. Da erfolgt ein Bruch zwischen „gemütlichem Questen und Story-Hören“ hin zu PvP mit Theory-Crafting und Endgame-Aktivitäten.

Anmerkung: Morrowind ist seit dem 22. Mai in einem Early Access auf dem PC spielbar. Für PS4 und Xbox One erscheint das Spiel am 6. Juni. Unser Test bezieht sich auf die PC-Version.


Mehr Infos zu Morrowind und wie andere die Erweiterung sehen:

The Elder Scrolls Online: Lohnt sich Morrowind? – Gut, aber zu kurz

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