Beim MMO-Shooter Destiny schauen Spieler ohne die Erweiterung „König der Besessenen“ in die Röhre.
„Stellt Euch mal vor, Ihr kauft ein Sofa für 100$. Nach einem Jahr kommt die Sofa-Firma zu Euch nach Hause. Sie sagt, Ihr sollt 40$ bezahlen, dann kriegt Ihr ein tolles Kissen. Und wenn Ihr die nicht bezahlt, sägen sie die Couch in der Mitte durch und nehmen eine Hälfte mit.“ Mit diesem Beispiel beschreibt ein Spieler auf bungie.net seine letzte Woche in Destiny. Er hat sich die Erweiterung „König der Besessenen“ nicht gekauft.
Am 14. September konnte man viel mehr machen als am 15. September
Mit dem 15. September kamen für Käufer viele Sachen dazu. Für Nicht-Käufer verschwanden andere. So fehlt denen jetzt der Zugriff auf bestimmte Playlisten, den Dämmerungs-Strike, auf Händler, bestimmte Missionen, Schmelztiegel-Modi und vielem mehr. Oder sie haben zwar Zugang, der ist aber entweder für ein viel zu niedriges oder ein zu hohes Level. Zwar könnten sie noch die alten Raids oder Das Gefängnis der Alten spielen – doch dafür gibt es kaum noch Mitspieler.
Für sie ist klar: Am 14. September konnte man noch eine Menge in Destiny machen, hatte noch ein vollwertiges Spiel, für das man voll bezahlt hat. Am 15. September nicht mehr.
Die Enttäuschung ist groß.
Die Erweiterung erweitert nicht, sie ersetzt
Das Problem, analysiert ein Spieler auf reddit: „Destiny ist ein getarntes Abo-MMO.“ Wer aktiv spielen möchte, braucht die neueste Erweiterung, sonst guckt er in die Röhre. Denn der Zusatz-Content kommt nicht, wie etwa in „The Elder Scrolls Online“, wie ein neuer Baustein dazu, setzt sich oben auf die Pyramide drauf, sondern er ersetzt bestehende Spielinhalte. Wer diese Erweiterung nicht kauft, der verliert was, bekommt aber keinen Ersatz.
Die Haupt-Kritik der Spieler: So wurde das aber nicht angekündigt. Wenn ich das gewusst hätte, hätte das meine Kaufentscheidung beeinflusst.
Bungie hat sich bislang zu dem Thema noch nicht geäußert.
Probleme hätten mit viel Aufwand verhindert werden können
Mein MMO meint: Das sind sehr ernste Probleme, die auch aus der Design-Philosophie von Destiny entstehen. Es wäre wahrscheinlich für Bungie möglich gewesen, die zu lindern, allerdings mit einem wohl hohen Aufwand. Den war man nicht bereit zu erbringen.
Das Problem: Normalerweise gehen MMOs mit einer neuen Erweiterung in eine „neue Zone.“ Da wäre im Turm alles beim Alten geblieben und man hätte etwa einen Turm 2 erschaffen, wo dann die neuen Händler drin sind.
Bei Destiny bleibt man ja eigentlich in der bestehenden Welt, verändert sie eben. Händler bekommen neues Inventar, hier geht eine Tür auf, hier führt ein Portal plötzlich irgendwohin.
Die „beste Lösung“ wäre, wenn man unbedingt in einer Welt bleiben will, diese Welt zu spalten, zwei Versionen kreieren. Jetzt die bestehenden Aktivitäten auf Stufe 34 zu beschränken, dann gäbe es eben 2 Dämmerungs-Strikes, einen für 34, einen für 35+ und höher. Es gäbe einen Turm bis Stufe 34, einen für die Spieler, die drüber sind.
Klar: Da hätte man bei Bungie einige Ressourcen in Spielinhalte für die Spieler stecken müssen, die „nicht weiter zahlen möchten“ und das hat man wohl verpasst oder vermieden.
Allerdings: Auch MMOs tun das nicht. Spiele wie WoW, die mit jeder Erweiterung zu neuen Gebieten aufbrechen, vernachlässigen “Nicht-Käufer” auch, sie balancen und patchen für das aktuelle Höchst-Level und trivialisieren dadurch häufig frühere Spielinhalte. Auch World of Warcraft lässt sich ohne die neueste Erweiterung nicht so spielen wie die Version ohne Erweiterung mal gedacht war.
Omnigul-Problem dreimal größer wieder da
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht hier nicht darum, dass man “Nicht-Käufern” neue Spielinhalte gibt. Es geht darum, dass man ihnen Spielinhalte wegnimmt. Bei den ersten DLCs gab es schon Ärger, da Nicht-Käufer von Aktivititäten wie dem Dämmerungs-Strike regelmäßig ausgeschlossen waren, immer wenn Omnigul oder Taniks dran waren.
Zum ersten DLC riefen Fans bereits: Dann macht halt für Nicht-Käufer einen eigenen Dämmerungsstrike. Doch schon damals zeigte sich Bungie auf diesem Ohr taub. Jetzt ist das Problem wieder da und um ein vielfaches größer als damals.
Keine Kommunikation
Dem Thema „Wie wird es für Spieler ohne König der Besessenen in Destiny sein?“ hat man im Vorfeld der Erweiterung kaum ein Wort gewidmet hat. Jetzt kennt man die Antwort: Ziemlich scheiße.
Da das ganze einen “Entweder du bezahlst uns oder …”-Charakter hat, trägt es nicht dazu bei, die ohnehin schon extrem belastete Stimmung von Spielern gegenüber der Spiele-Industrie zu bessern.
Allerdings: Die meisten Destiny-Spieler dürften sich König der Besessenen gekauft haben und das Problem nun schlicht nicht haben. Bungie könnte die Beschwerden, wie die letzten Male, einfach aussitzen.
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