Bungie hat den Schmelztiegel von Destiny 2 im Vergleich zum Vorgänger komplett überarbeitet. Im Interview geben vier Top-Streamer Einblicke in die Vor- und Nachteile des neuen Systems.
Destiny 2 macht bezogen auf den Schmelztiegel einiges anders als noch der Vorgänger. So prügeln sich nur noch vier Spieler in einem Team, in Destiny 1 konnten noch sechs Spieler gemeinsam in die Schlacht ziehen. Gleichzeitig kippen eure Gegner nicht mehr so schnell aus den Latschen wie noch im Vorgänger, was zu einer eher team-orientierten Spielweise führt.
Auch das Waffensystem hat umfangreiche Änderungen erfahren. Es gibt nicht mehr den einen „God-Roll“, alle Waffen kommen mit den immer gleichen Perks. Darüber hinaus hat Bungie die Art geändert, wo welche Waffen ausgerüstet werden können. Munition für Waffen mit „One Hit Kill“- Potential wie Scharfschützengewehre und Schrotflinten ist nun nicht mehr unbegrenzt verfügbar, sondern während eines Matches stark limitiert.

Die US-Seite Kotaku hat die Änderungen am Schmelztiegel zum Anlass genommen, vier prominente Streamer einzuladen, um sie zu ihren Erfahrungen im PvP-Modus zu befragen.
Konkret bat Kotaku folgende Streamer zum gemütlichen Plausch:
- Stefan „Datto“ Jonke, hauptsächlich PvE-Spieler, der sich aber auch im Schmelztiegel gut zurecht findet,
- Ari „TripleWreck“ Smith, ein Streamer mit Hauptfokus auf dem PvP-Content,
- „SirDimetrious“, ein erfahrener PvP Spieler mit Schwerpunkt auf Reviews zu Waffen, Ausrüstung und Subklassen und
- Christian „Mr. Fruit“ Miller, der sich nicht scheut, auch mal eine schwache Waffenkombination im Schmelztiegel auszuprobieren.
Fokus auf Primärwaffen und 4vs4 sorgen für mehr Balance
Bezogen auf das Waffen-System und dem Fokus auf den Kinetik- und Energie-Slot sind sich TripleWreck und Mr. Fruit einig: Es sorgt für eine bessere Balance im Schmelztiegel und einen besseren Fluss im Spiel.
Auch die Verkleinerung der Teams wird einstimmig als überwiegend positive Änderung gewertet. So ist laut Datto in Destiny 2 niemand mehr als Lone Wolf unterwegs, sondern als Team. Teambasiertes Spiel ist deutlich fokussierter und zielgerichteter, als wenn jeder für sich allein über die Map läuft.

Durch die gesteigerte TTK und dem verringerten Fokus auf Fähigkeiten (die deutlich weniger Schaden anrichten) besinnt sich Destiny 2 auf seine Stärken als Shooter, es ist ein „bodenständigeres Spiel“, wie Mr. Fruit ergänzt.
Laut SirDimetrious begünstigt ein teambasiertes 4vs4 ein eher kompetitives Spiel, Casual-Spieler, die einfach nur Spaß haben wollen, haben es ungleich schwerer.
„Das 4vs4 macht Spaß! Ich hoffe aber, dass Bungie neue Modi wie 6vs6 ergänzt, einfach um eine Alternative zum aktuellen Spiel zu haben“ – TripleWreck
Weniger Spielraum für Helden
Durch die gesteigerte TTK und den schwächeren Fähigkeiten ist es in Destiny 2 schwerer geworden, als Individuum zu glänzen. 1vs3-Situationen sind deutlich härter und Unterzahl-Situationen speziell in den Prüfungen der Neun sehr schwer zu kompensieren.

Dies kann laut TripleWreck zu einem eindimensionalen Spiel führen, „wo eine festgelegte Strategie (als Team agieren) praktisch immer zum Erfolg führt, und der individuelle Einfluss eines Spielers, ein Match zu entscheiden, negiert wird.“
Die zwei Shooter-Extreme und wo sich Destiny 2 einordnet
Grundsätzlich lassen sich Shooter in zwei Kategorien einteilen. Solche mit einer geringen TTK und mit einer hohen TTK. Als Beispiel für einen Shooter mit einer geringen TTK nennt TripleWreck Call of Duty, während Spiele wie Halo eher einer höheren TTK zugeordnet werden können.
Weder das eine noch das andere ist schlecht, extreme Ausschläge sind jedoch schädlich für das Spiel. Wenn es nur einen Schuss benötigt, einen Gegner zu töten, geht es schlicht nur darum, wer wen zuerst sieht. Braucht es hingegen 100 Schüsse, ist koordiniertes Teamplay eine unabdingliche Notwendigkeit, um die Chancen auf den Sieg zu erhöhen.
„Wenn das Spektrum der TTK Destiny 1 und Destiny 2 darstellt, dann wünsche ich mir ein Spiel in der goldenen Mitte“ – TripleWreck
Laut TripleWreck ist Bungie mit Destiny 2 zu weit in Richtung hohe TTK gegangen, 1v1 sind selten und Möglichkeiten, als Einzelspieler zu glänzen, beschränken sich auf die Superfähigkeit und die Power-Munition. Wenn das Spektrum der TTK Destiny 1 und Destiny 2 darstellt, dann wünscht sich TripleWreck ein Spiel in der goldenen Mitte.
Brandneue Meta, dieselbe alte MIDA
Jedes kompetitive Multiplayer-Spiel hat eine „Meta“, die sich auf die bestimmte Waffen, Klassen und Fähigkeiten bezieht. Die Meta wird gemeinhin als effektivstes Load-Out im Mehrspieler-Modus angesehen.

Destiny 1 hatte über die Jahre mehrere dieser „Meta“-Kombinationen. Angefangen bei Automatikgewehren, hin zu Schrotflintten, Impulsgewehren sowie den glorreichen Zeiten der Handfeuerwaffen Dorn und dem letzten Wort.
Laut SirDimetrious besteht die aktuelle Meta in Destiny 2 aus einer Kombination aus Scout-Gewehren, Automatikgewehren sowie Maschinenpistolen. Auch die Pistolen mit Feuersalven besitzen eine sehr geringe TTK.
„Es ist deutlich schwerer eine definitive Meta in Destiny 2 zu benennen – dafür sind die Waffen und Fähigkeiten zu gut ausbalanciert“ – SirDimetrious
TripleWreck beschreibt die Meta ähnlich, sieht aber vor allem bei Handfeuerwaffen und Impulsgewehren Nachholbedarf bei Bungie: „Speziell Handfeuerwaffen sollten eine ruhige Hand belohnen, verlieren jedoch häufig gegen Automatikgewehre in dieser Reichweiten-Klasse.“
Datto hebt hervor, „dass das gute Waffen-Balancing den Fokus auf die eigene Positionierung auf den Karten verlagert. Wer die Karten gut kennt, und sich strategisch platzieren kann, hat einen Vorteil.“

Und doch überragt eine Waffe alle anderen. Das MIDA Multi-Werkzeug wurde am ersten Wochenende der Prüfungen der Neun in 98% aller Matches von mindestens einem Spieler genutzt. Auch in den Wochen danach büßte die Waffe wenig von ihrer Popularität ein.
Für Kotaku ist das Grund genug, die Streamer nach ihrer Meinung bezüglich der MIDA zu fragen. Alle sind sich einig, dass es falsch wäre, das MIDA Multi-Werkzeug überpowert zu nennen. Gleichzeitig ärgern sich die vier, wenn sie von der MIDA besiegt werden.
„Es gibt eine feine Linie zwischen ärgerlich und überpowert – und die MIDA reitet auf dieser Linie entlang“ – SirDimetrious
Der Grund dafür sind die Großkalibergeschosse. Das MIDA Multi-Werkzeug gleicht viele Schwächen aus: Erhöhte Sprintgeschwindigkeit ist ein toller Bonus für die Mobilität der Hüter, der permanente Radar ist nützlich – gravierend wirken sich aber nur Großkalibergeschosse aus. Diese sind das wahre „Problem“ der Waffe.

Perks wie Großkalibergeschosse oder Explosive Geschosse sorgen für „Flinch“ beim Gegner, also dem Verreißen des Visiers unter Beschuss. Dies macht es deutlich schwieriger, einen Kampf für sich zu entscheiden, wenn der Gegner den Vorteil des ersten Schusses hat.
„Ich hasse es! Es raubt mir den Spaß am Spiel.“ – Mr. Fruit zum Thema Zufall bei Großkalibergeschossen
Die Streamer ärgert vor allem der Zufall, der in puncto Großkalibergeschosse mitspielt. Denn die Geschosse sorgen nicht immer für Flinch beim Gegner, sondern zufällig. Dies macht es unmöglich, auf Gegner mit derlei Waffen zu reagieren. Selbst wenn beide Kontrahenten den gleichen Skill und die gleiche Waffe benutzen. Siegreich geht aus diesem Kampf hervor, wer das Glück und die Großkalibergeschosse auf seiner Seite hatte.
Besonders frustrierend ist der Umstand, dass das Thema Großkalibergeschosse bereits in Destiny 1 sehr dominant aufgetreten ist. Bungie entfernte diese beim MIDA Multi-Werkzeug. Warum sie in Destiny 2 ihr Comeback feiern, ist allen Streamern unklar.

Konsens herrscht jedoch darüber, dass die Entfernung oder die Verringerung der Effekte der Großkalibergeschosse auf allen Waffen die Situation um das MIDA Multi-Werkzeug deutlich entspannen würde.
Für eine Handvoll Waffen
Auch wenn die Entfernung der Zufalls-Rolls bei Waffen grundsätzlich positiv zu bewerten sei, so sei es laut TripleWreck doch enttäuschend, wie wenig Anpassungspotential es bei den Waffen in Destiny 2 gäbe.
„Nicht die festen Rolls auf den Waffen sind das Problem, sondern die geringe Anzahl der verfügbaren Waffen.“ – TripleWreck
Lösen könnte Bungie dieses Problem durch
- A) Tonnenweise neue Waffen oder
- B) eine grundlegende Überarbeitung des Mod-Systems
Ist Destiny 2 fit für eSports?
Bungies ultimative Marschroute für den Schmelztiegel von Destiny 2 bleibt weiterhin im Dunkeln, die vorgenommenen Änderungen in Sachen Teamgröße und dem Fokus auf team-orientiertes Gameplay suggerieren aber zumindest Ambitionen für einen zukünftigen Anlauf auf das Thema eSports.
„Noch nie hat mich ein Spiele-Entwickler hinsichtlich seiner Entscheidungen zum Thema eSports so verwirrt wie Bungie“ – SirDimetrious
Der Streamer SirDimetrious steht dem Thema ablehnend gegenüber. So hat Bungie „eines der Kernelemente aus dem Schmelztiegel von Destiny 1 entfernt: Überpowerte Waffen und Fähigkeiten, die für grandiose Momente im Vorgänger sorgten und nun einem strikten Balancing weichen müssen.“

Und doch scheint Bungie auf halber Strecke aufgegeben zu haben. Denn es gibt weder Custom Games noch ein Ranking im kompetitiven Modus. Auch festgelegte Loadouts sind kein Thema.
„Es ist merkwürdig, dass außer den Änderungen am PvP und der kompetitiven Playlist keine Hinweise darauf zu finden sind, ob Destiny 2 sich tatsächlich in Richtung eSports entwickeln will oder nicht“, ergänzt Mr. Fruit.
Darunter leidet auch die Langzeitmotivation. So fügt TripleWreck hinzu, dass es sehr schade sei, dass Bungie den Spielern keine Anreize setze, Zeit im Schmelztiegel von Destiny 2 zu verbringen. Es gibt keine Turniere, keine privaten Matches. Nichts, um die Spieler lange bei der Stange zu halten.
„Ranglisten, private Matches, Map Voting – Bitte Bungie, wir gehen hier ein!“ – SirDimetrious
Die Zukunft von Destiny 2 liegt auf dem PC – Oder?
Viele der gewünschten Features könnte Bungie in den kommenden Wochen und Monaten ergänzen, auch Luke Smith hat bereits anklingen lassen, dass es Änderungen geben wird. In der Zwischenzeit wird Destiny 2 auch auf dem PC veröffentlicht.
Bereits die Beta lieferte einen ersten Vorgeschmack, worauf sich Computerspieler freuen können. Eine nach oben offene Frame Rate sowie präzises Zielen mit Maus und Tastatur begünstigen eine deutlich aggressivere Spielweise auf dem PC.
„Destiny 2 auf dem PC ist die ultimative Erfahrung“ – TripleWreck
Für TripleWreck fühlt sich Destiny 2 auf dem PC wie ein komplett anderes Spiel an. Die Steuerung mit Maus und Keyboard sowie die nach oben offene Frame Rate beschleunigen den PvP-Modus signifkant. Für eine zukunftsgerichtete Fokussierung auf das Thema eSports wird Destiny 2 auf dem PC die „Speerspitze“ darstellen.
Mr. Fruit geht sogar so weit, dass er aufgrund des anstehenden PC-Launch keine Motivation mehr verspüre, Destiny 2 auf einer Konsole zu spielen. Viele Spieler, die die Beta auf der Konsole verschmähten, verliebten sich in das präzise Gunplay auf dem PC.

Spannend zu beobachten wird die Entwicklung der Meta auf dem PC sein, die sich laut den Streamern ganz anders entwickeln kann als auf den Konsolen.
In der Zwischenzeit bleibt es abzuwarten, wie Bungie mit dem großen Potential umgehen wird, das Destiny 2 bietet und welche Lösungen in der nahen Zukunft angeboten werden, um die Spieler bei der Stange zu halten.
Was haltet Ihr davon? Stimmt Ihr den Aussagen der Streamer zu? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!
Schon gesehen? Alle Infos zum PC-Start von Destiny 2!
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!












































