Beim Sandpark MMO ArcheAge hat der Betreiber Trion Worlds die Spielregeln für den Cash-Shop geändert und das Spiel in Richtung Pay-to-win gelenkt. Das erzürnt die Fans.
Cash-Shop bei ArcheAge war vor den Änderungen okay
Der Cash-Shop bei Free2Play-Spielen wird von den Fans mit Argus-Augen beobachtet. Was gibt’s zu kaufen? Wie mächtig ist das? Welchen Einfluss haben die Items auf das Gameplay?
Beim Sandpark MMO ArcheAge wurde der Cash-Shop im Vorfeld ausgiebig beschnuppert und letztlich für gut befunden. Es gab nur wenige Items, die wirklich Einfluss auf das Spielgeschehen nahmen. Die meisten davon erleichterten zwar den Beginn, viel mehr aber nicht. Und so konnten sich die Fans damit abfinden.
Zwar handelte es sich auch bei ArcheAge um ein Spiel, für das man ein Quasi-Abo brauchte (den Patron-Status) und das trotzdem über einen Cash-Shop verfügte, da der Patron-Status aber ingame zu erwerben und der Cash-Shop nicht allzu ausgeprägt war, konnten die meisten Spieler damit leben. Trion Worlds würde mit dem Spiel Geld verdienen, ohne sie allzu hart auszupressen und ohne zu große Vorteile direkt für Euros zu verticken.
Ein wenig misstrauisch wurden die Labor-Point-Potions betrachtet, doch da die handelbar und nur alle 12 Stunden zu nutzen waren, segnete man auch sie mehr oder weniger einhellig ab. Bisschen missmutig stimmten nur über den Cash-Shop zu bekommende Lagerhaus-Erweiterungen, aber im Free2Play-Himmel gab’s nur wenige Pay2Win-Wolken am Horizont.
Trion Worlds ändert die Spielregeln vorm Start
Das änderte sich mit dem Start der Open-Beta. Zwar wurden die Änderungen zum Teil so verkauft, als hätten die Fans nur darauf gewartet. Die Reaktion fällt aber anders aus. Spieler fühlen sich getäuscht und haben das Gefühl:
„Jetzt, nachdem Trion Worlds meine Kohle für das Gründerpaket hat, ziehen sie beim Cash-Shop die Schrauben an.“
Die Änderungen alleine wären schon Grund zur Aufregung, der Zeitpunkt kommt hinzu: Solche Änderungen kurz vorm Release sind heikel. Die Spieler bekommen nicht das, wofür sie unterschrieben haben.
Die Änderungen im Cash-Shop
Zuerst die guten Nachrichten: Einige craftbare Items wurden aus dem Shop entfernt. Damit will man Handwerksberufe attraktiv halten.
Jetzt die (je nach Sichtweise) eher schlechten: Die kaufbaren 1000-Labor-Points-Potions haben statt einem 12-Stunden-Cooldown nun nur noch einen 4-stündigen. Das heißt, Spieler können sich damit pro Tag und Char 6 Stück reinpfeifen, das sind 4000 Punkte mehr pro Tag.
Da diese Labor-Points für das Handwerk extrem wichtig sind und bis jetzt so eine Art „harte Progress“-Grenze bildeten; darüber bestimmten, wie weit die Spieler ihre Handwerksfähigkeiten pro Tag steigern konnten, befürchten die Kritiker, mit 4 Tränken mehr am Tag würde man die Spieldauer des Games extrem verringern. Die eigentlich nur schwer zu erreichende Meisterschaft in Berufen zu entwerten. Da verkaufe man bei Trion Worlds sozusagen die Integrität des Spiels.
Außerdem sei es jetzt weniger wichtig, in einer Gemeinschaft zusammen zu arbeiten, wo der eine dies, der andere jenes mache. Als Beispiel: Wenn nur begrenzte Arbeitskraft da ist (und dafür stehen die Labor-Punkte letztlich), braucht man mehrere Spielfiguren, um bestimmte Produkte herzustellen. Wenn die Arbeitskraft sich vervielfältigt, schwächt das diese Notwendigkeit. Ein Eingriff in die Balance.
Allerdings gilt: Die Labor-Potions sind handelbar und dürften auch nicht allzu teuer sein. Trion Worlds sagt, man habe Umfragen ausgewertet, bei denen 85% der Befragten mehr dieser Tränke im Auktionshaus sehen wollten. Die Kritiker bezweifeln diese Aussage.
Besonders heikel: Es gibt im Cash-Shop für einen relativ hohen Preis zwei neu eingeführte „Truhen“, aus denen für höhere Crafting-Tiers wichtige Zutaten fallen. Diese Archeum-Partikel, so war die Kritik in der Beta, droppten bisher zu selten im Spiel. Die Spieler der Closed-Beta forderten Trion Worlds auf, doch die Drop-Rate zu erhöhen. Dass diese Items sich jetzt im Cash-Shop wiederfinden, ist eine schwierige Geschichte.
Fairerweise sei gesagt: Auch diese Truhen sind im Spiel handelbar – können also auch “theoretisch” ingame erworben werden, ohne dass man dafür echtes Geld ausgeben muss …

Bei Trion World spürt man mittlerweile den Gegenwind. Man spricht davon, dass die „Archeum“-Truhen ungünstig benannt worden seien. Natürlich sollten sie nicht die „Haupt-Bezugsquelle“ für Archeum darstellen. An den Drop-Raten habe man schon gedreht und werde noch weiter drehen, da stehe man in Kontakt mit dem koreanischen Entwickler. XL-Games sei bei der Änderung von Drop-Raten aber extrem vorsichtig, da sie die Ökonomie als Lebensader des Spiel begriffen.
Pay2Win-Krise: Frustration auslösen und dann den Frustlöser verkaufen
Mein MMO meint: Das Schwierige an Pay2Win ist es, dass der Betreiber frustrierende Elemente „künstlich“ herbeiführt und dem Spieler anbietet, diesen Frust zu lindern, wenn er denn dafür bezahlt. Beim Pay2Play-Modell, dem klassischen Abo-Modell, hat der Betreiber langfristig nur den Spaß und die Motivation des Spielers im Auge zu behalten. Denn er möchte ja, dass der Spieler sein Abo beibehält. Bei Pay2Win-Modellen kommen noch andere Komponenten hinzu und es kann lohnend sein, absichtlich „falsche“ Design-Entscheidungen zu treffen, damit der Spieler dazu verleitet wird, sich diesen Frust zu sparen.
Dass diese Änderung ausgerechnet jetzt eingeführt werden, wenn die Gründer-Pakete nicht mehr die Haupteinnahmequellen sind, sondern der Cash-Shop zur dominanten Einkommensquelle geworden ist, hat einen äußerst schalen Beigeschmack. ArcheAge baut – wie viele Free2Play-Games – im Prinzip darauf, dass Spieler ein Quasi-Abo abschließen, mit dem Patron-Status. Also ihre 13 Euro im Spiel entrichten. Wenn dazu noch Frustrationen kommen, die sich mit dem Cash-Shop umgehen lassen – oder wenn man die Balance des Ur-Spiels durch Eingriffe in Gefahr bringt, hat das richtig Sprengkraft. Und die geht gerade auf allen Kanälen hoch.

Für einen Cash-Shop typisch sind die größeren Änderungen so gestaltet, dass sie erst Spieler im hohen Level betreffen, die bis dahin viel Zeit und Energie ins Spiel investiert haben. Durch die ungerade Umrechnung in eine „Fantasie-Währung“, hier die Kristalle, wird es Spielern schwer gemacht, genau zu erkennen, wie viel eine „Archeum“-Truhe in Euro und Cent eigentlich kostet.
[quote_right]Nun doch kritisches Pay2Win?[/quote_right]
Wir haben in der Closed-Beta zweimal den Cash-Shop von ArcheAge beleuchtet und sind zum Entschluss gekommen, dass das Spiel nicht Pay2Win ist, jedenfalls nicht in kritischem Maße.
Mit diesen Änderungen, nachdem Spieler in ArcheAge zum Teil schon dreistellige Summen in ein Gründerpaket investiert haben, müssen wir diese Einschätzung ändern.
Wenn Trion Worlds mit dem heutigen Cash-Shop schon von Beginn an gestartet wäre, hätte man das Spiel wohl von Anfang an deutlich kritischer betrachten müssen. So mancher Gründer hätte vielleicht zweimal überlegt, das Spiel zu unterstützen. Bei Trion Worlds kommt hinzu, dass man mehrfach damit geworben hat, fair zu spielen, keine Fallen aufzustellen, keine Tricks einzubauen. Dieser Grundsatz hat seit gestern an Glaubwürdigkeit verloren.
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