Wir haben World of Warcraft: Legion ordentlich gezockt und geben eine erste Bewertung ab. Erfahrt in unserem Test, was wir von der neusten WoW-Erweiterung halten.
Das lange Warten hat ein Ende
Viel zu lange mussten Fans nach neuem Content gieren, denn die Dürreperiode von “Warlords of Draenor” traf World of Warcraft und seine Spielerschaft hart. Jetzt wurde endlich “Legion” veröffentlicht und die Spieler strömen in die neuen Gebiete, um Artefaktwaffen zu leveln, die neuen Stories zu erleben und anschließend wieder die bestmögliche Ausrüstung zu farmen. Cortyn hat sich schon während der Beta in die Schlacht gestürzt und jetzt im Turbomodus in der Liveversion überprüft, ob das alles noch so passt. Es wird Zeit für einen Test!
Vorab jedoch eine kleine Spoilerwarnung vom Hausdämon: Ich habe in den Test einige Cinematics aus den Spielgebieten eingebaut. Diese Cinematics enthalten grundlegende Spoiler zur Handlung. Startet die Videos einfach nicht, wenn Ihr Euch von der Story lieber überraschen lassen wollt. Ansonsten ist der Test von Spoilern frei gehalten.
Neue Questgebiete – Die Qual der Wahl
Mit insgesamt fünf neuen Zonen, von denen eine für das Maximallevel 110 vorbehalten ist, sieht Legion ein wenig dünn auf der Brust aus, was frische Gebiete anbelangt. Die Vielfältigkeit kommt aber daher, dass wir zu jedem Zeitpunkt zwischen allen Gebieten wechseln können. Alle Feinde skalieren mit unserem Level, sodass jede Zone anspruchsvoll bleibt. Besonders für Freunde, die unterschiedlich viel Zeit in das Spiel stecken können, bietet sich das System an. So habe ich erst mit einem Freund bis Level 102 in Azsuna gequestet, nachdem er ins Bett ging, zog ich einfach nach Sturmheim und Val’sharah, bis ich Level 106 erreicht hatte. Im Anschluss konnten wir – trotz Leveldifferenz – zusammen in Azsuna weiterspielen.
An den Gebieten selbst gibt es wenig auszusetzen. Auch wenn man WoW (wie seit fast einem Jahrzehnt) sein Alter durchaus ansieht, holen die Entwickler alles aus der Grafik raus.
Einen kleinen Minuspunkt gibt es hier aber doch: Die Questgebiete sind (zumindest gefühlt) relativ kurz. Dafür mangelt es aber an belanglosen Nebenmissionen, sodass man fast immer einer spannenden Geschichte auf der Spur ist. Kurz, knackig und niemals langweilig.
Artefaktwaffen – Motivierendes Ziel mit coolen Effekten
Das Herzstück der Charakteraufwerung in Legion findet in Form der Artefaktwaffe statt. Jede Spezialisierung bekommt eine eigene, die jeweils durch eine coole Questreihe vorgestellt wird. Mit dem Erhalt der Waffe ist diese aber noch lange nicht vollständig. Durch Artefaktmacht wird die Waffe immer weiter aufgewertet, erhält neue passive und Aktive Talente, die uns im Kampf stärken. Eine Auflistung aller Artefaktwaffen mit ihren Effekten findet Ihr in diesem Beitrag.
Die notwendige Artefaktmacht gibt es durch Quests, seltene Feinde und Schätze, die überall in der Spielwelt versteckt sind. Selbst auf der Maximalstufe wird das vollständige Ausbauen der Waffe mehrere Wochen (wenn nicht gar Monate) in Anspruch nehmen, sodass es noch dauern wird, bis die Spieler “vollkommen” zufrieden mit den Waffen sind.
Neben dem “legendären” Aussehen der Waffe kommen diese aber auch mit anderen Effekten daher. Zum Beispiel sorgt Felo’melorn, die Waffe der Feuermagier, dafür, dass Gegner gelegentlich nach dem Tod zu Asche zerfallen. Als Schattenpriester spricht Xal’atath immer wieder zu mir und flüstert mir mysteriöse Dinge ein, während Gegner gelegentlich von der Waffe “verzehrt” und unter Schmerzensschreien aus der Dimensionsebene gerissen werden. Das ist unheimlich cool und vermittelt das Gefühl von “Macht” – und ein bisschen auch von “Gefahr”, aber wer würde Xal’atath schon misstrauen?
Klassenquests und Ordenshallen
In den Ordenshallen, dem Sammelpunkt für unsere Klasse, treffen sich alle Spieler (also etwa alle Priester in der Priesterhalle). Hier wird die Artefaktwaffe aufgewertet, Ausbauarten der Halle gewählt und Rekruten auf Missionen geschickt – vergleichbar mit der Garnison in WoD, aber deutlich weniger darauf fokussiert.
Eines der besten Features ist aber die Wiedereinführung der Klassenquests. Jede Klasse hat eine eigene Kampagne, in der sie ihre Probleme im Kampf gegen die Legion bewältigen muss. Diese Questreihe beginnt bereits früh (um Stufe 102 herum) und zieht sich bis zum Maximallevel durch. Kleine “Fragmente” lassen sich davon auch in der Spielwelt finden, wo wir immer mal wieder individuell auf unseren Charakter angesprochen werden. Eine Feuermagierin an meiner Seite wurde etwa mehrfach darauf angesprochen, dass sie ja die Klinge Felo’melorn von Kael’thas Sonnenwanderer trägt. Das geschieht nicht nur in versteckten Dialogoptionen, sondern die NPCs fangen an zu reden, wenn man in ihre Nähe kommt. Das wird manchmal sogar mit Artefaktmacht belohnt.
Dabei schaute ich als Priesterin mit meiner finsteren Klinge Xal’atath immer in die Röhre. Keiner weiß meine Waffe der Alten Götter zu schätzen! Dafür spricht meine Klinge eben mit mir. Ha!
Instanzen – Interessant, auf “normal” aber zu leicht
Für fast alle Gebiete ist es notwendig, am Ende eine Instanz aufzusuchen, um das Gebiet abzuschließen. Folglich habe ich für die Komplettierung der Story jeweils einen Blick in die Dungeons geworfen. Diese sind stimmig designt und haben genau die richtige Länge, meistens mit 4-5 Bossen. Einzig und allein die Bosskämpfe selbst waren auf dem normalen Schwierigkeitsgrad etwas unterwältigend, weil zu einfach.
Zwar haben alle Feinde coolen Fähigkeiten mit beeindruckenden, optischen Effekten – so wirklich zu stören schien es meine Heiler aber nicht, ob ich jetzt aus dem Feuer gehe oder mich gemütlich ins Säurebad lege. Hier kann ich nur hoffen, dass die heroischen und mythischen Dungeons etwas mehr Anspruch bedeuten, aber dafür benötige ich erst noch ein paar Mitspieler auf der Maximalstufe.
Level 110 schon nach 16 Stunden? Kein Content!?
Unter einer kleinen News gab es viele Kommentare, die meinten, dass WoW: Legion nichts zu bieten habe, weil der “Content” ja schon nach 16 Stunden augebraucht sei. Dazu sollte ich sagen, dass ich:
1.) Die Beta bereits gespielt habe und alle Quests schon kannte
2.) Nicht alle Quests ein weiteres Mal gelesen habe
Ich habe mir schlicht nicht noch einmal die Zeit genommen, um die Spielwelt genau zu erforschen, denn das habe ich bereits vorab getan.
Außerdem sei gesagt: Legion ist mit 110 nicht vorbei. Erst dann öffnet sich das letzte Gebiet Suramar, das noch einmal unzählige Stunden verschlingt und kurz darauf werden Weltquests zugänglich. Wer “Content” lediglich mit der “Zeit des Levelns” gleichsetzt, der wird an der neuen Spielwelt keinen langfristigen Spaß haben. Doch es gibt mehr, so viel mehr zu entdecken. Bis ich alle Schätze, Rarespawns, Pet-Battles, Weltquests, Events, Berufsquest, Klassenkampagnen und weiß-der-Nether-was-noch erforscht habe, vergeht sicher noch viel, viel Zeit.
Achja, erwähnte ich schon Suramar?
Was nicht getestet wurde
Es gibt noch einige Punkte, zu denen ich keine großen Aussagen treffen kann. Das PvP-System wurde zwar mit Ehrentalenten und einer Angleichung der Charakterwerte überarbeitet, allerdings mangelt es gerade noch an vielen Spielern auf Stufe 110, um wirklich ausdauernd PvP zu zocken (und ehrlich: Ich hab’ noch so viel anderes in WoW zu tun). Auch Raids konnte man noch nicht testen, denn die werden erst in den kommenden Wochen freigeschaltet, in der Spieler sich die erste Ausrüstung zusammensuchen können.
Fazit
WoW meldet sich mit einem Paukenschlag zurück. Das Spiel läuft flüssig, die Questgebiete machen Spaß, die Artefaktwaffe motiviert und die Stories sind mitreißend. Der Start ist – wie so oft – vielversprechend und Langeweile ist noch nicht in Sicht. Die Erweiterung lohnt sich, für alle, die sich mit den erwähnten Punkten anfreunden können. Wer jedoch nur eine Art Content mag (“Ich will nur mythische Inis mit exakt 5 Bossen und genau 52 Trashpacks!”), der könnte schon bald den Kauf bereuen.
Eines wird aber auch Legion nicht ändern: Die Hälfte der Menschen wird weiter rufen, dass WoW tot ist und die andere Hälfte das Addon als das Beste feiern, was dem Spiel passieren konnte. Und ich tendiere stark zur zweiten Gruppe, denn ich fühle mich bestens unterhalten.
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