Forsaken ist die letzte Chance für Destiny 2

Das letzte Glanzlicht bei Destiny ist drei Jahre her, glaubt unser Autor Schuhmann. Für Bungie und Destiny 2 geht es bei Forsaken um alles. Das Spiel wirkt wie ein taumelnder Preisboxer. Die Frage ist: Geht er KO?

Im Trubel um die neue Erweiterung lässt es sich leicht vergessen, wie kritisch die Situation von Bungie und ihrem glorreichen 10-Jahre-Projekt Destiny eigentlich ist. Im letzten Jahr musste Destiny viele Schläge einstecken, obwohl das Spiel nie wirklich in einer finanziellen Krise steckte. Die droht aber jetzt.

Forsaken könnte nicht nur für Cayde-6 das letzte Gefecht werden, sondern auch für Bungie.

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Bungie segelt seit 4 Jahren mit viel Rückenwind

Die Situation: Destiny ist auf dem Papier eine Erfolgsgeschichte. Der Shooter hat seit 4 Jahren seinem Studio Bungie und dem Publisher Activision einen Haufen Geld eingebracht:

  • Destiny 1 verkaufte sich 2014 wie irre – da surfte Bungie noch auf der Welle des Ruhms um „Halo“
  • Als das Spiel draußen war, setzte allerdings bei vielen Ernüchterung ein
  • Erst „The Taken King“ im September 2015 verlieh Destiny neuen Schub

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  • Destiny verdiente mit Mikrotransaktionen und DLCs von 2014 bis 2016 eine Menge Geld
  • Sogar 2016, als in Destiny kaum etwas passierte, nahm das Spiel über digitale Verkäufe fast so viel ein wie The Division in deren Launch-Jahr – Destiny setzte digital 214,1 Millionen US-Dollar in einem echt schwachen Jahr um
  • 2017 kauften Spieler dann in Massen die Deluxe-Edition von Destiny 2 mit den DLCs 1 und 2 darin – Kunden gewährten Destiny und Bungie einen gewaltigen Vertrauensvorschuss für das erste Jahr „Destiny 2“Destiny-Taken

Kredit ist nun weg

Das Problem: Dieser konstante Geldstrom droht jetzt erstmals zu versiegen. Das letzte Mal, dass Destiny so richtig gut war, liegt drei Jahre zurück mit The Taken King. Seitdem lebt Destiny auf „Pump“ der alten Zeiten.

Destiny 2 hat sich vor allem so gut verkauft, weil Bungie 2017 noch mit dem Kredit von The Taken King spielen konnte. Doch so mancher bereut den Kauf von Destiny 2 mittlerweile seit fast einem Jahr.

Die Stimmung nach dem Launch von Destiny 2 war katastrophal. In Zeiten der sozialen Medien verschwindet sowas nicht, sondern bleibt haften.Destiny-Taken-King-Dame

Viel Unmut hat sich aufgebaut

Veteranen sagen „Nie wieder“: Auch jetzt liest man in den sozialen Netzwerken Posts von ehemaligen Spielern, die das Gefühl haben, Bungie hätte sie mit Destiny 2 betrogen. Sie sind nicht mehr bereit, den Versprechen von Bungie zu glauben und erneut Geld für die Erweiterung auszugeben.

Auch Beobachter haben das Gefühl, als wiederholten sich bei Destiny dieselben Abläufe: Versprechungen und Enttäuschungen wechseln sich ab.

So manches Versprechen vor „Forsaken“ hat man schon einmal gehört.

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2015 klingt wie 2018: Die Situation vor Forsaken kommt den Kritikern wie ein Deja-Vu vor.

2015 sollten Spieler eine Erweiterung kaufen, die ihnen das Erlebnis bescheren würde, das ihnen ein Jahr zuvor versprochen worden war. Dieses „Doppelt-Zahlen“ nervt einige:

  • Erst für das Grundspiel mit zwei Erweiterungen – 2014 und 2017
  • und danach noch einmal für die „richtige Erweiterung“, die dann „auch wirklich gut ist“ – 2015 und 2018

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Destiny 2 wirkt 2018 wie ein Flop, obwohl es ein Hit war

Alles weg an gutem Willen: Die Situation von Destiny 2 hat sich im Verlauf von 2017 zu 2018 enorm verschlechtert. Obwohl das Spiel so erfolgreich war, fühlt es sich nach der konstanten Kritik der Spieler wie ein Flop an.

Auch in sonst so jubilierenden Finanzberichten von Activision wirkte Destiny 2 wie ein schwarzes Schaf, für das man sich entschuldigen musste. Zwar lobte Activision die guten Zahlen, sprach aber immer davon, dass man auf das negative Feedback reagiere.

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Klar ist: Der Kredit von einst ist fast vollständig verspielt. Sinkende Spielerzahlen zeigen das deutlich.

Das merken Activision und Bungie auch am Kontostand: Trotz des aggressiveren Cash-Shops ist von Destiny 2 in den Top-10-Hitlisten der digitalen Einnahmen schon lange keine Spur mehr. Seit März 2018 ist Destiny rausgeflogen, während ein Spiel wie Fortnite zur selben Zeit von Rekord zu Rekord eilt.

Anthem-Quartett

Der Markt wird voll: Außerdem stehen mit The Division 2 und Anthem gleich zwei potentielle Konkurrenten in den Startlöchern. Die werden im Februar 2019 erscheinen.

Mit Call of Duty 4, Red Dead Redemption 2, Battlefield V und Fallout 76 ist 2018 noch dicht gefüllt mit Shootern, die um eine ähnliche Zielgruppe werben.

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Die Lage ist ernst

Forsaken als letzte Chance: Destiny 2 hat die letzten 3 Jahre auf Pump gelebt. Mit Forsaken wird das Studio liefern müssen. Wenn „Forsaken“ enttäuscht, könnte es das Ende der Spieleserie Destiny bedeuten.

Das Ironische an der Situation ist, dass Destiny 2 sich herausragend verkauft hat und die DLCs ebenfalls gut liefen. Bungie hat in den letzten 4 Jahren finanziell nie eine Durststrecke mitgemacht.

Aber die letzten Jahre liefen so durchwachsen, dass Bungie jetzt vor einer enorm schwierigen Aufgabe steht. Aller Schwung ist verbraucht. Forsaken muss Destiny jetzt wieder nachhaltig einen neuen Antrieb verleihen, damit das Franchise in die nächsten Jahre kommt.

Es ist kaum vorstellbar, dass es ein Destiny 3 geben wird, sollte Forsaken scheitern.

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Wird Forsaken die Wende bringen? Das ist aktuell schwer zu sagen. Es gibt fast keine neuen Features oder Innovationen in der Erweiterung.

Forsaken besinnt sich hingegen auf alte Stärken. Forsaken will

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Die Hoffnung der Fans ist es letztlich, dass die Umstrukturierungen hinter den Kulissen Bungies, die man seit 2016 beobachten kann, nun endlich die Wende bringen.

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Für eine solche Wende wird es notwendig sein:

  • schneller auf Wünsche der Fans zu reagieren,
  • rascher Spielinhalte nachzuschieben
  • Innovationen voranzutreiben
  • und eine Design-Richtung zu finden, bei der man bleibt und das Spiel weiterentwickelt

All das verspricht Bungie seit Jahren. Fans haben ihnen Jahre lang geglaubt. Zuletzt vor Destiny 2.

Aber man merkt deutlich: Noch nie war die Stimmung vor einem „großen Release“ so skeptisch wie vor Destiny 2 Forsaken.

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Schicksals-Woche für Destiny

Die nächste Woche mit Forsaken ist vielleicht die entscheidende Woche in der Geschichte des Franchise bisher.

Destiny wirkt aktuell wie ein preisgekrönter Boxer, der ins Wanken gekommen ist. Nächste Woche werden wir sehen, ob der Champion mit Forsaken in sein letztes Gefecht geht oder ob die Geschichte von Destiny 2 jetzt erst richtig beginnt.

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