Weshalb killt Destiny 2 schon 3 Monate vor Release seinen Star?

Bei Destiny 2 wird Cayde-6 sterben. Das wissen Fans jetzt schon seit einigen Wochen. Denn dessen Tod ist der Schlüssel zur PR von Forsaken. Aber wieso kennen Spieler die wichtigste Plot-Wendung schon Monate vor Release? Das hängt damit zusammen, dass Destiny 2 sein erstes PR-Versprechen gebrochen hat, glaubt unser Autor Schuhmann.

Zombie im Turm: Das Komische an der Sache ist, dass Cayde-6 ja noch im Turm steht. Wie immer hängt er da rum als Chef der Jäger-Vorhut. Wenn man fleißig den Flashpoint einer Woche abgefarmt hat, fliegt man kurz in den Turm zu Cayde und holt sich die Items ab. Aber jeder Spieler, der sich da sein Engramm holt, weiß schon: „Du bist fällig. Ich hab dich sterben sehen.“

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Destiny-Uldren

Caydes Tod etabliert Uldren als neuen „Big Bad“

Von der Nebenrolle zum Mega-Bösewicht: In Destiny 1 spielte Uldren Sov nach dem Reboot nur eine Nebenrolle. Jetzt, vier Jahre später, macht Bungie ihn zum Bösewicht und Cayde-6 zu seinem Opfer. D2_Forsaken_Uldren_01

Spieler sollen Uldren hassen: Die Idee von Bungie ist klar: Indem man Uldren den vermeintlichen Fanliebling, Cayde-6, umlegen lässt, entsteht sofort eine Emotion in den Spielern: Rache. Diesmal ist es persönlich. Der hat unseren Freund umgelegt. Hier geht es um etwas.

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Fehlende Tradition: Die Aktion löst zudem ein Grundproblem von Destiny: Man hat keine lebendige Geschichte, aus der man ewig schöpfen kann. Wenn WoW einen neuen Feind braucht, dann kann man dafür auf 24 Jahre Spielegeschichte zurückgreifen. Blizzard zaubert einen etablierten Schurken aus dem Hut. Bei Destiny muss Bungie zu Tricks greifen, um ein unbeschriebenes Blatt emotional aufzuladen, damit sich Spieler für den Schurken interessieren.Destiny-Bruder-Schwester

Bei Destiny 2 entpuppte sich das PR-Versprechen als schal

Selbe Strategie bei Ghaul: Exakt dieselbe Idee hat Bungie schon vor Destiny 2 versucht. Auch da führte man einen neuen Feind ein und gab den Spielern sofort Gründe, ihn zu hassen:

  • Ghaul hatte den Turm zerstört
  • Dann hatte er den Spielern ihre Macht weggenommen
  • Er hatte ihnen den Loot weggeschnappt
  • Und auch noch die Welpen!

Destiny-2-Puppies

Auch Ghauls Taten schon vorher bekannt: Wie bei Cayde-6 waren die Schandtaten von Ghaul schon lange bekannt, bevor er sie begehen würde.

Letzter Schurke: Garry, die Lachnummer

Hat nicht funktioniert: Allerdings hat das bei Gaul damals kaum funktioniert. Schon im Vorfeld machten sich Spieler über „Garry“ lustig. Denn ausgerechnet Cayde-6, der Spötter, nahm Ghaul den Mythos des Bösewichts, indem er ihn lächerlich machte.

Bei Bungie merkte man rasch den Fehler des eigenen Trailers. Von DeeJ kam dann: „Hört auf mit den Witzen. Der ist wirklich böse!“, aber da war es schon zu spät.

In der Kampagne wurde Gaul als tragische Figur dargestellt, die vom „Reisenden“ irgendwie geliebt werden will. Letztlich war Ghaul jedoch nur ein Spielball seines Ziehvaters und nicht die „unaufhaltsame Macht“, als die Bungies PR ihn dargestellt hatte. Ghaul wurde seinem Image nicht gerecht.

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Destiny 2 brach sein Versprechen

Keine Konsequenzen: Aber Ghaul und die Bedrohung funktionierten auch aus einem anderen Grund nicht. Dadurch dass die Spieler fast sofort alles zurückbekamen, was Ghaul ihnen nahm, verpuffte der Effekt. Die „Welt ohne Licht“ entpuppte sich als „Welt ohne Licht für fünf Minuten.“

Destiny 2 konnte sein Versprechen nicht erfüllen: Die PR des Spiels versprach den Hütern: „Ihr werdet machtlos sein. Ihr werdet alles verlieren.“ In der Wirklichkeit des Spiels aber, war das ein Versprechen, dass man nicht halten konnte. Man wollte es nicht mal halten: Denn Destiny 2 lebt davon, den Spielern ihre Machtphantasie zu erfüllen und sie mächtig werden zu lassen. Deshalb gab man den Spielern alles zurück, was man ihnen an Macht wegnahm.

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Durch diese Dissonanz zwischen dem, was Spielern versprochen wurde, und dem, was sie wirklich im Spiel erlebten, fiel Destiny 2 bei der Story in ein Motivations-Loch.

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Neues Versprechen von Forsaken

Das neue Versprechen: Bei Forsaken nun heißt es von Beginn an, „das wird eine düstere Erweiterung“ – daher entfernt man zu Beginn Cayde-6, das Humor-Element von Destiny, und setzt auf den dramatischen Effekt.

Botschaft klar: Dass man Spielern schon Monate vorm Start den wichtigsten Plotpunkt präsentiert, hat diesmal zwei Effekte:

  • Wie bei Destiny 2 zeigt man den großen Bösewicht und gibt den Spielern eine Motivation, ihn zu Strecke zu bringen
  • Aber anders als bei Destiny 2 sendet man mit dem Tod von Cayde-6 auch das Signal: Diesmal meinen wir es ernst, wir sind bereit, uns zu ändern. Destiny 2: Forsaken will das Versprechen einlösen, das die PR-Kampagne gibt.

Auch bei der Story lernt Bungie aus Fehlern: Letztlich ist der frühe Tod von Cayde-6 also ein Resultat aus den PR- und Story-Fehlern, die Bungie bei Destiny 2 gemacht hat.

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