Nach einer gefühlten Ewigkeit, wende ich mich heute mal wieder in einer Kolumne an euch. Den letzten Anstoß dazu hat mir diese Hearthstone-News von Schuhmann gegeben, denn inzwischen bin ich es ein wenig Leid, mich über dieses Thema wieder und wieder aufzuregen: Also therapiere ich mich mal eben selber und lasse all meinen Frust in diesen Artikel hier fließen, um damit ein für alle Mal abzuschließen (und beim zweiten Lesen merke ich sogar, dass es sich reimt)!
Thematik 1: Spielausschluss aufgrund des Geschlechts
Wir brauchen nicht darüber streiten, dass eine Trennung von Männern und Frauen im physischen Real-Sportbereich sinnvoll ist, aber genau deswegen lassen wir diesen nun auch außen vor.
Da dies der Tropfen war, der “das Fass zum überlaufen” brachte, fange ich damit auch gleich an. Zuerst einmal finde ich, dass es eine gute Entscheidung von Blizzard war, sich klar zu positionieren: Wer Turniere mit ihren Spielen veranstaltet der soll niemanden ausgrenzen, erst recht nicht wegen seines Geschlechts.
Wenn wir aber mal für einen kurzen Augenblick ehrlich sind: Was für eine Wahl hatten sie denn auch?
Hätten sie sich nicht klar dazu geäußert, wären keine zwei Tage später Schlagzeilen aufgetaucht, die etwa dem Tenor entsprochen hätten “Blizzard unterstützt sexistische Wettbewerbe” oder “Blizzard ist kontra Gleichberechtigung”. Das man so ein Risiko nicht eingehen kann, ist natürlich jedem klar.
Schleierhaft ist mir allerdings, wie die Anti-Sexismus-Front das als großen Sieg verbucht, wenn man im gleichen Atemzug sagt, dass es weiterhin Turniere geben wird, in denen ausschließlich Frauen antreten dürfen. Ich sage es ja nicht gerne, aber Sexismus funktioniert in beide Richtungen. Hätte man ein wenig deutlicher gesprochen und gesagt, dass eine Geschlechtertrennung generell absurd ist und nicht stattfinden soll, wäre das weitaus effektiver gewesen.
[quote_right]Es entsteht der Eindruck, dass Frauen nicht die gleichen Leistungen bringen können wie Männer.[/quote_right]Aus meiner Betrachtungsweise hat man sich damit nämlich nun in das eigene Fleisch geschnitten, denn was für ein Eindruck wird vermittelt? Frauen dürfen nun an einem der großen (Männer-)Turniere mitspielen (was gut ist!), haben aber auch noch ihre Turniere, in denen keine Männer mitmachen dürfen (was restlos bescheuert ist).
Die Aussage, die dadurch nun vermittelt wird, ist relativ klar: Frauen brauchen noch ihre eigenen Turniere, damit sie ihre eigenen Erfolge feiern können, was scheinbar nicht ginge, wenn Männer mitmachen würden. Durch solche halb garen Vorgehensweisen entsteht nun der Eindruck, dass Frauen eben nicht die gleiche Leistung in einem Spiel bringen können – und genau das ist Sexismus, den man doch eigentlich verhindern wollte.
Thematik 2: Große Oberweiten und pralle Muskeln

Der zweite Punkt, der mich nun seit Jahren endlos aufregt, ist die Beschwerde über die Darstellung von Charakteren in MMOs und auch hier kommt die Kritik überwiegend von der weiblichen Seite. Mal sind die Brüste zu groß und wackeln zu sehr beim Gehen, mal das Becken zu ausladend, dann sind wieder die Kleidungsstücke zu aufreizend. Einige Spiele überzeichnen diese Charakteristika sogar bewusst, mit “Scarlet Blade” und “TERA” will ich nur zwei Beispiele nennen.
Doch bevor ich darauf eingehe, drehe ich den Spieß mal eiskalt um. Hat sich jemand von den Nörglern schon mal die männlichen Charaktermodelle angesehen? Die lassen sich nämlich genau so oft auf genau zwei Stereotype herunterbrechen: Entweder sind es starke, muskelbepackte Krieger, die aussehen, als würden sie selbst im Schlaf noch Liegestütze machen und Anabolika statt Müsli essen oder aber es sind androgyne Hungerhaken, die direkt aus einem japanischen Yaoi-Manga entsprungen sind (und wer nicht weiß, was das ist, sollte es dringend mit der Bildersuche googlen – auf eigene Gefahr).
Erstaunlicherweise sind die Entsetzensschreie bei den männlichen Models eher gering, obwohl man da genau so gut eine Debatte vom Zaun brechen könnte, wenn man es denn wollen würde.
Aber zurück zu den Frauen: Ich gestehe, auch ich weiß noch nicht, wie die Aurin mit den größtmöglichen Brüsten noch aufrecht gehen können oder warum die Menschenfrauen beim Gehen so sehr mit den Hüften wackeln, dass sie sich bei jedem Schritt die Gelenke auskugeln.
Aber wisst ihr was? Es ist mir egal! Ich finde es absolut in Ordnung, denn diese Überzeichnung passt perfekt zur Welt von WildStar, in der man alles nicht so ernst sieht. Das gleiche gilt für andere Spiele, wie TERA: Die Castanic strahlen förmlich vor Sex-Appeal und diese Erotik ist sogar Teil ihrer Hintergrundgeschichte – beiderlei Geschlechts. Auch bei den Elfen dieses Spiels lassen sich wieder Stereotypen feststellen: Alle sehen sie in gewisser Weise edel aus, entsprechen aber doch überdurchschnittlich stark einem Schönheitsideal, das sich in der Realität nur sehr schwer finden lässt. Bevor jemand aufschreit: Die männlichen Vertreter des Volkes sind übrigens wieder die Yaoi/Hentai-Variante.
Thematik 3: Reduzierung der Frau auf Äußerlichkeiten
Oft muss man sich auch anhören, dass Frauen in Videospielen nur als das “begehrenswerte Püppchen” dargestellt werden, dass es zu retten gibt und ganz nebenbei natürlich mit optischen Reizen überbeladen ist, die man dann als starker Held retten kann. Doch haben sich Leute mit solchen Anschuldigungen in den letzten zehn Jahren mal Spiele angesehen? Nur die allerwenigsten Spiele funktionieren noch nach dem Super Mario-Prinzip: “Ich Held, du Prinzessin, ich rette dich, du bist dankbar.”

Weibliche Charaktere stehen den männlichen, zumindest in einer Vielzahl von MMOs, in nichts mehr nach, sind meistens interessante und durchdachte Persönlichkeiten, die eigenständige Entscheidungen fällen und sich nicht herumschubsen lassen. Einige Beispiele wären Jaina Proudmoore (WoW) und Myala Everstar (WildStar) – Letztere hat sogar einen eigenen ‘Harem’ aus Gefolgsleuten. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn das ein männlicher Charakter gewesen wäre …
Es steht vollkommen außer Frage, dass in den meisten MMOs Kleidung existiert, die Charaktere auf bestimmte Weise in Szene setzen. Ob das nun eine “Robe der Einsicht” in WoW oder das “Sklavinnenoutfit” aus SWTOR ist, einen großen Unterschied macht das nicht. Störe ich mich daran? Absolut nicht; warum denn auch?
Abschließende Meinung
Ich kann nicht nachvollziehen, wie sich Leute permanent über große Brüste, tiefe Ausschnitte und Plattenbikinis aufregen, denn im Ernst: Man muss so einen Charakter nicht spielen, wenn man das nicht will.
Die Einstellungsvielfalt nimmt in den meisten Spielen eher zu, und wenn sie doch mal gering ist (wie etwa in TERA – da sieht einfach alles heiß oder knuffig aus), dann kann man sich ja im vornherein über das Spiel informieren. Fakt ist einfach, dass solche Stereotypen gut ankommen, auch bei mir. Ich mag schöne Frauen, die sich in interessante Kleider hüllen können und mich sprechen auch die muskulösen Krieger an, die auf jedem Arm drei Aurin gleichzeitig heben könnten. Werden Frauen dadurch auf ihr Aussehen begrenzt? Nein.
Männer betrachten im Regelfall einfach gerne gut aussehende Frauen und Frauen sehen einfach gerne attraktive Männer – zumindest in der Masse. Kann man nicht einfach auf dem Boden der Tatsachen bleiben und akzeptieren, dass diese Welten Spiele sind, die uns Spaß machen sollen? Wo ist das riesengroße Problem, wenn Charaktere überzeichnet werden? Spiele sind eine Freizeitbeschäftigung und wir reden hier über virtuelle Personen.
Und auch, wenn ich nun Gegenwind bekomme: Eine Fantasiewelt wird durch einen Hauch Sexismus manchmal erst so richtig spannend und lässt eine Welt härter und ungerechter erscheinen – da es nur ein Spiel ist, habe ich meinen Spaß daran. Seht ihr das anders?
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