Ja, ich mache gelegentlich Fehler. Ab und an sind es kleine Fehler in Rechtschreibung oder Grammatik, hin und wieder aber auch größere Fehler in Bezug auf die Recherche. Darüber ärgere ich mich ziemlich, das könnt Ihr mir glauben. Trotzdem habe ich zumindest ein paar Prinzipien, die ich streng einzuhalten versuche.
Ich mag beispielsweise keine super-reißerischen Überschriften und ich mag keine Versuche, aus einer kleinen Mücke keinen Elefanten zu machen. Aber vielleicht muss ich auch einfach nur mehr Zeit in meine Arbeit stecken? (Ja, da kommen noch ein paar Wortspiele auf Euch zu…)
Gute Zeiten, schlechte Zeiten…
Ihr erinnert Euch bestimmt an unsere kleine News über ArenaNets Vorgehen gegen einen bekannten Cheater. Der entsprechende Charakter wurde seiner Ausrüstung beraubt, sprang anschließend durch die Hand der Betreiber in den virtuellen Fallschaden-Tod und schlussendlich wurde der Account gesperrt. Ein sehr löbliches Verhalten, wie ich finde. Denn zum einen wurde ein Exempel statuiert und zum anderen haben die ehrlichen Spieler endlich den Eindruck gewonnen, dass gegen Betrüger vorgegangen wird.
Aber wir wären ja nicht Deutschland, wenn wir Videospiele nicht immer wieder irgendwie an den Pranger stellen müssten, nicht wahr? Lassen wir also einen lieben Herren von der “Zeit” mal auf dieses Thema los und siehe da: Plötzlich haben Entwickler einen Charakter zum Suizid gezwungen (zeit.de)! Nicht nur das, durch das “Beweisvideo” könnte der sog. Werther-Effekt auftreten und reale Menschen dadurch ermutigt werden, im wahren Leben den Freitod zu wählen. Mal abgesehen davon, dass Spielercharaktere in Guild Wars 2 gar nicht “sterben” können, sondern nur besiegt am nächsten Reisepunkt wieder aufstehen.
Die Spielfigur des Nutzers DarkSide wurde im Spiel “Guild Wars 2” zum Selbstmord gezwungen. – Zeit.de
Die Zeit nochmal zurückdrehen
Ich war eigentlich zu der Überzeugung gelangt, dass Gaming inzwischen mehr oder weniger in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und diese Gesellschaft Spiele nicht mehr als zu verteufelndes Medium ansieht. Genau das wurde aber auch dieses Mal wieder getan, indem man mit dem bösen Zeigefinger den Pseudo-Moralapostel spielt und fragt: Könnte die öffentliche Zurschaustellung eines “Selbstmordes” in einem Computerspiel nicht zu realen Nachahmern führen?
Ganz abgesehen davon, dass die Sensationsgeilheit dramatische Ausdrücke wie “das Todesröcheln der Figur” hervorbrachte, die es schlicht und ergreifend nicht in Guild Wars 2 gibt.
Ein zeitloses Thema
Besonders heuchlerisch finde ich aber diese Passage:
“Aber Medien sind angehalten, sich bei der Berichterstattung über Selbsttötungen an einen Leitfaden zu halten, um keinen sogenannten Werther-Effekt auszulösen – sprich: niemanden durch reißerische und vereinfachende Berichte zur Nachahmung zu animieren. Ob sich auch ein Spielestudio daran halten sollte, darüber ließe sich zumindest diskutieren.”
Ehrlich gesagt: Nein, darüber lässt sich nicht diskutieren. Niemand hat hier einen “Selbstmord” gesehen, außer der Zeit. Und warum? Weil sich damit eine wunderbare Schlagzeile machen lässt. Bisher war es nur die Bestrafung eines Betrügers in einem Online-Spiel. Der ganze Selbstmord-Anteil wurde dazugedichtet. Wenn man den Werther-Effekt vermeiden will, sollte man, wie so schön geschrieben wird, sensibel über das Thema Selbstmord berichten. Ein erster Schritt wäre vielleicht, auch nur dann über Selbsttötungen zu schreiben, wenn es denn welche gab und das war hier nicht der Fall. Da hilft es auch wenig, knapp ein Drittel des Artikels mit Selbsthilfeadressen und Ursachenforschung von Suiziden vollzukleistern, um sich selbst als sensibel darzustellen.
Ein Nachtrag vom Autor
Inzwischen hat sich der Verfasser des ursprünglichen Textes noch mal zu Wort gemeldet, wohl ausgelöst durch die zahllosen negativen Kommentare, die der Artikel gesammelt hat. Wer sich diesen Nachtrag durchliest, erkennt recht schnell die Absicht: Dämpfen. Reaktionen abmildern und die eigenen Überlegungen ausformulieren, ohne sich einen Fehler einzugestehen. Denn immerhin waren es die dummen Leser, die eine Überschrift für reißerisch hielten.
Dass die Autoren der Zeit Computerspiele inzwischen als Kulturgut ansehen, halte ich für löblich, leider aber auch für dreist gelogen. Denn warum handelt man dann nicht auch entsprechend? Warum lese ich nicht bei jeder neuen Buchveröffentlichung einen Artikel, wenn sich Charaktere umbringen? Weil Videospiele für einige Menschen eben noch kein gleichwertiges Kulturgut sind. Ich würde mich freuen, wenn manche Leute endlich mit der Zeit gehen würden.
Wie seht Ihr das Ganze? Wurde hier ein Thema übertrieben ausgeschlachtet und umgebaut? Oder hat der ursprüngliche Autor sogar Recht? Wie auch immer, ich packe mich in den dämonischen Sommerschlaf und bin am Wochenende auf der RPC in Köln – wo Ihr übrigens auch alle sein solltet. Bis nächsten Mittwoch!
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