Darum fällt es Bungie so schwer, sich für Destiny 2 zu entschuldigen

Warum kann sich Bungie nicht einfach für Destiny 2 entschuldigen? In der letzten Zeit wirkt Bungie deutlich demütiger, aber auf eine Entschuldigung werden Fans wohl vergeblich warten, glaubt unser Autor Schuhmann.

Destiny 2 vor dem Release: Zu Beginn, als Bungie Destiny 2 ankündigte, waren Entwickler und Community noch ziemlich auf einer Wellenlänge:

  • Bungie redete und stellte Destiny 2 vor
  • Die Hüter hörten zu und wollten mehr über Destiny 2 wissen

Rasch stellte sich heraus, dass Destiny 2 nicht den hohen Erwartungen gerecht werden würde.

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Die 3 großen PR-Fails von Destiny 2 zum Hard-Reset

Warum gibt’s noch mal Destiny 2? Bei der PR für Destiny 2 hatte sich Bungie in einigen Punkten böse verhauen.So wurde „in der Logik des Spiels“ ein Destiny 2 mit einem Neuanfang für alle Spieler notwendig, weil

  • Hüter ihr Licht verlieren – das kriegen sie innerhalb einer Stunde zurück
  • Der Turm, die Heimat der Hüter, zerstört wird – da stellt ihnen Destiny 2 am Ende der Kampagne einen neuen Turm
  • und die Hüter all ihren Besitz verlieren – den erhalten sie im Laufe von Destiny 2 zurück, weil Bungie ständig Items aus Destiny 1 recyclet

Dazu kamen einige andere Schwierigkeiten, über die wir schon häufig berichtet haben: PvP wurde auf eSport getrimmt, der Grind wurde entfernt, das System der Waffenslots geändert.

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Mit den Monaten klaffte eine Schere auf:

  • Auf der einen Seite frustrierte Fans, die eine Erklärung haben wollten
  • Auf der anderen Seite ein Entwickler und Publisher, für den alles weiterhin „awesome“ – also super – lief.

Bungie ließ erste Möglichkeiten verstreichen, Probleme einzugestehen

September, November 2017 – alles läuft nach Plan: Schon bei der ersten Möglichkeit von Bungie, sich nach dem Launch zu den Schwierigkeiten zu äußern, rieben sich Fans die Augen. Statt irgendwelche Zugeständnisse zu machen „Ja, das lief nicht so gut, tut uns leid“ – spulte Bungies PR-Team auf der Twitchcon ihr Programm ab und stellte die Seasons vor, die vor allem aus Kosmetika für den Cash-Shop bestanden.

Es wurde klar: Bevor der PC-Port nicht draußen ist, wird hier gar nichts passieren.

Das verschärfte den Konflikt mit den Fans immer weiter. Auf die Spitze getrieben wurde das Ganze, als Bungie den ersten DLC in drei Live-Streams vorstellen wollte. Da lief für Bungie alles weiter nach Plan, während die Fans auf die Barrikaden gingen.

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Im November sagte man so fast „Sorry“

November, Dezember 2017: Bei Bungie begann die große „Beinahe, aber dann doch nicht“-Entschuldung-Tournee.

Die Taktik war es, nun 2 Fehler zuzugeben:

  • Ja, wir haben viel Kritik gelesen und wir stimmen zu, dass wir besser kommunizieren könnten – Übersetzt: Wir machen also das Richtige, wir sagen es Euch nur nicht
  • Wir stimmen zu, dass Destiny 2 mehr ein Hobby sein sollte – Übersetzt: Eigentlich haben wir ja ein tolles Spiel, nur gerade nicht für die, die sich hier beschweren

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Die beiden Aussagen zogen sich durch die nächsten Monate der Kommunikation. Eigentlich lief alles von November bis April auf eine der beiden Aussagen hinaus. Im Laufe der Monate ergänzte man noch:

  • Wir brauchen mehr Helden-Momente im PvP. Destiny ist besser, wenn Sachen außer Kontrolle sind
  • Und „Exotische Waffen sollen sich wieder exotisch“ anfühlen

Von Publisher Activision gab es ähnliche Signale. Allgemein wahnsinnige Erfolgsmeldungen mit dem Haken: „Es kommt schon viel Feedback, aber wir arbeiten dran.“

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Fans wollen Entschuldigung

Wo ist die Entschuldigung? Was die Fans aber über all die Monate vermisst haben, ist ein klares Bekenntnis: „Das war nichts.“

Weil sowas fehlt, war die Stimmung monatelang gereizt. Vor allem Game Director Luke Smith bekam das zu spüren. Denn er war der Frontmann der Destiny 2 PR-Kampagne und genau von ihm erwarten die Fans eine Entschuldigung.

Als Smith dann einen Tweet über Destiny-2-Feedback mit „Don’t be jerks“ schloss, spürte er den Zorn des Volks.

Einer der netteren Antworten eines Fans: „Du hast Destiny getötet. Warum hast du noch einen Job? Geh Burger wenden.“

„Sagt doch einfach, dass es doof ist“

Bungie, macht’s doch wie The Division: Immer wieder fordern Spieler einen „The Division“-Moment. Im August 2016 hatte das Team von Ubisofts-Shooter eingestanden: „Unser Spiel macht keinen Spaß.

Danach hatte The Division eine Neuausrichtung versucht, die offensichtlich ganz gut gelungen ist.

Bei Bungie versucht man es auch mit einer solchen Neuordnung, aber nach Fan-Empfinden drückt man sich immer noch um eine Entschuldigung. Trotzdem findet ein sichtbarer Wandel statt.

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Bungie nun demütiger

April 2018 – man spürt den Wandel: Wenn man den Destiny-Stream zum neuen DLC Kriegsgeist verfolgt hat, wirkt Bungie deutlich demütiger als früher noch. Statt drei gedehnten Streams zum neuen DLC gab es nur einen Steam – der war dafür aber vollgepackt mit Informationen.

Die Superlative verkneift man sich nun. Im November hatte sich Community-Manager DeeJ noch bei den Destiny-Veteranen lächerlich gemacht, als er wahnsinnige Belohnungen versprach – die besten aller Zeiten. Was dann kam, wird wohl in die Geschichtsbücher eingehen. Statt einer Truhe erschienen ganze zwei Truhen, in denen „zwei Token und ein Blaues“ lagen. Das wurde zum Hash-Tag auf Twitter. Der Stream damals markierte den Tiefpunkt bei Destiny.

Heute hält man den Ball flach. Vor allem betont man immer wieder: „Da haben wir auf Feedback der Spieler gehört“.

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So sucht man jetzt auch die Nähe der Community, hat sich Streamer zu einem Gipfel eingeladen – so wie es einst die kriselnden Spiele The Division und The Elder Scrolls Online gemacht haben.

Es sieht also so aus, als findet tatsächlich ein Umdenken bei Bungie statt. Zu einer Entschuldigung wird es aber wohl nicht kommen.

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„Niemand ist Schuld“

Wer soll sich denn entschuldigen? Wenn man sich mit dem Hintergrund der Entwicklung von Destiny 2 beschäftigt, kommt man zum Schluss, dass sich wohl niemand schuldig dafür fühlt, was man den Spielern da vorgesetzt hat:

Als ein Fan mit den Bungie-Mitarbeitern sprach, erzählt er, viele von den Entwicklern seien auch unzufrieden mit dem Spiel, aber immer wieder war als Begründung zu hören „Es war zu wenig Zeit, wir sind einfach nicht fertig geworden“.

Der Chef des Spiels, Luke Smith, den die Fans gern nach Canossa kriechen sehen würden, ist wohl erst spät nach einem Reboot auf seinen Posten gerückt. Smith konnte dann seine Visionen nicht mehr durchsetzen. Außerdem hat sich Smith wieder turnusgemäß aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – das jedoch nicht aus Feigheit. Das Gleiche tat er auch nach The Taken King, als ihn die Fans noch geliebt haben.

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Warum gibt’s keine Entschuldigung? Wenn man nach Schuldigen sucht, findet man bei Bungie also niemanden, außer zwei leeren Chef-Sesseln. Es gibt 2 Weggänge von wichtigen Personen, die bekannt wurden:

Es gibt keinerlei Hintergründe, warum die beiden Bungie verlassen haben. Von denen ist auch kein Statement zu erwarten.

Die Studio-Disziplin von Bungie ist bekannt: Nur wenig dringt nach außen. Die letzten „Leaks“ zu Studio-Interna sind Jahre her.

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Wenn man nach dem eigentlich Schuldigen suchen will, wird man wohl bei dem übertriebenen Zeitplan für das Destiny-Franchise landen, den Activision und Bungie 2010 aufgestellt haben: Jedes ungerade Jahr zwei DLCs und eine große Erweiterung. Jedes gerade Jahr zwei DLCs und ein neues Spiel. Und das pausenlos über einen Zeitraum von 10 Jahre.

Wenn Bungie diesen Masterplan als Entschuldigung anführen will, müssten die Finger wohl zwangsläufig auf den eigenen Chefs und den Bossen von Activision landen.

Daher wird es wohl auch in Zukunft keine Entschuldigung geben, dafür aber hoffentlich einen Wandel.

Destiny 2 und der größenwahnsinnige Masterplan von Activision

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