Einen schönen Mittwoch alle miteinander. Auch diese Woche lasse ich Euch nicht ohne ein wenig Gemeckere davonkommen, auch wenn das Thema deutlich ernster ist. Zur Abwechslung dreht es sich dabei heute nicht um ein bestimmtes Game, sondern um das Internet im Allgemeinen. Denn für viele Dinge schäme ich mich, stellvertretend für die Leute, die es eigentlich sollten. Derbe Sprache gibt es übrigens auch. Ihr wurdet gewarnt.

Der Alltag in Twitch-Chats
In den letzten Tagen habe ich mich relativ viel auf Twitch rumgetrieben. Normalerweise schaue ich mir die Streams immer gemütlich in Vollbild vom Bett aus an, aber irgendwie hielt ich es für eine gute Idee, die Chats mitzubeobachten. Und das hat mir doch den Atem verschlagen. Während ich natürlich weiß, dass das hier das Internet ist und Idioten da traditionell besonders einfach hervorstechen können, hat mich die pure Anzahl der primitiven Kommentare doch überrascht. Sobald eine Frau zwischen 16 und 30 Jahren im Stream auftaucht, häufen sich Kommentare wie diese hier:
“Titten or Riot!”
“Die würde ich ordentlich rapen”
“Fick die Bitch an die Wand”
Ich muss etwas verpasst haben. Deppen gab es immer, doch früher hat man die isoliert. Wer randaliert, der wird ausgeschlossen. Wer sich nicht an Regeln halten kann, muss woanders spielen. Aber seit wann werden diese Leute in so großer Zahl geduldet, dass sie alles andere im Keim ersticken? Selbst die Streamer scheinen sich zum Teil damit abgefunden zu haben – welche Wahl haben sie auch?
Facebook und der Rechtsradikalismus
Ich wollte eigentlich nicht zu politisch werden, aber um Facebook und den Rechtsradikalismus komme ich bei diesem Thema leider auch nicht herum. Ich liebe Profile wie Katzen gegen Glatzen, deren Betreiber es sich zur Aufgabe gemacht haben, Nazis und deren “Argumente” anhand ihrer eigenen Beiträge zu demontieren. Während ich über die ersten 10 Postings noch breit grinsen kann und über die nächsten 20 noch schmunzele, macht mich jedes weitere Bild trauriger.
Jeder Klick zeigt mir einen weiteren Menschen, dessen Hass so stark ist, dass er dem Anschein nach jede Menschlichkeit vergisst. Jeder einzelne Like einer Nachricht wie “Hoffentlich waren die Türen von außen verschlossen, als das Flüchtlingsheim brannte” (natürlich im Original mit vielen Rechtschreibfehlern) lässt meinen Glauben an die Menschheit ein bisschen weiter bröckeln.
Das Internet ist eine Plattform geworden, ein Werkzeug, das sich perfekt für den Aufbau von Hass eignet. Deswegen danke ich jedem, der dagegen irgendwie vorgeht – auch wenn ich nicht jeden einzelnen Post gut finde und manche dieser Gruppen zu weit gehen.
“Unser” glorreiches Internet?
Keine Sorge, ich will hier nicht noch politischer werden. Aber während die ältere Generation so langsam mit dem “Neuland” Internet dann doch stärker in Berührung kommt, führen sich die Menschen auf wie wilde Tiere. Egal ob Hetzparolen auf Facebook oder vermeintlich “lustige” Vergewaltigungsaufforderungen auf Twitch, all das nimmt so schnell und in einem Ausmaß zu, dass es nur noch erschreckend ist.
Wie erklären wir den Leuten, die erst in diesen und den nächsten Jahren das Internet wirklich kennenlernen, sowas? Wie wollen wir mit solchen Schattenseiten rechtfertigen, dass die Freiheit des Internets etwas ist, das geschützt werden muss? Natürlich würden die Idioten nicht verschwinden, wenn man ihnen die Plattformen entzieht. Aber was sich im Augenblick zu virtuellen Massenbewegungen des primitiven Hasses formt, sprengt jeden Rahmen der Toleranz.
Keine Lösung
Ja, ich weiß, was einige sagen werden. Große Töne spucken, die ganze Zeit rummeckern und keine Lösung anbieten können. Aber ich sehe sie einfach nicht. Ich mag die Freiheiten des Internets, die Anonymität und all die wunderbaren Dinge, die eine vernetzte Welt mit sich bringt. Aber die Anzahl der Deppen steigt und ich befürchte, dass der Tag kommen wird, an dem die Kosten den Nutzen überwiegen. Dann wird jemand dagegen vorgehen und wir können es nicht verhindern – und haben es vermutlich auch nicht anders verdient, weil wir versäumt haben, das Internet zu beschützen, als es noch beschützenswert war. Und dieser Grenze kommen wir gerade in sehr vielen Bereichen immer näher.
Wie seht Ihr das? Wie sollte man mit dieser Problematik umgehen? Was könnten wir tun, um den Hass zu schmälern?
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