Die Woche erklimmt mühsam ihren Zenit und damit wird es wieder Zeit sich ein bisschen über die Absurditäten des Internets aufzuregen. Diese Woche machte eine geplante App jede Menge Schlagzeilen, die sich durch alle Medien zogen: Peeple. Denn was könnte schöner sein, als Menschen eine Bewertung zu verpassen, damit auch jeder gleich weiß, wie “gut” oder “schlecht” er eben ist?
Kopfnoten im Internet
Als feministisch-linksorientierter Gutmensch habe ich schon von Natur aus etwas gegen Bewertungssysteme, die Menschen nach ihren Qualitäten einordnen wollen. Während ich so was für Dienstleistungen oder Produkte in einigen Fällen sehr schätze, ist bei Privatpersonen doch eine Grenze für mich erreicht. Peeple will diese Grenzen aber bewusst überschreiten und dafür sorgen, dass jeder Mensch jeden anderen bewerten kann, zum Beispiel in Kategorien wie Berufliches, Persönliches und Romantisches.
- Cortyn kocht nur veganes Essen? 1 von 5 Sternen in Persönliches.
- Schuhmann meckert wieder über Wörter wie “natürlich” rum? 2/5 Sternen in Berufliches.
- Dawid holt die siebzehnte Praktikantin ins Haus? 4/5 in Romantisches.

Jetzt könnte man sich denken: Nun gut, wer sich da anmeldet, ist schließlich selber schuld. Ist aber leider nicht so. Die ersten Entwürfe sahen vor, dass jede Person jede andere in die App einspeisen kann, solange sie ihre Handynummer hat. Das steht selbstverständlich mit einigen Gesetzen in Konflikt – aber hey, einfach mal planen, wird schon gut gehen. Auch die beiden Entwicklerinnen zeigten zuerst keinerlei Einsicht: “Wenn jemand immer lügt oder unpünktlich ist, dann dürfen das ruhig alle wissen. Denn der Charakter ist schließlich dein Schicksal.” Löschen sollte man negative Beiträge in der ursprünglichen Version übrigens auch nicht können – denn das würde die App nutzlos machen.
Das Zeug was die haben, würde ich auch gerne nehmen.
Alles nur ein Scherz?
Doch vielleicht ist Peeple gar nicht so schrecklich, wie man aus Medienberichten glauben mag. Inzwischen weisen viele Punkte darauf hin, dass es sich bei der App nur um einen Scherz handelt. Zum einen gab es in der Comedy-Serie “Community” in einer Folge ein sehr ähnliches System, welches die Welt vollkommen ins Chaos gestürzt hat – auch dort konnten Menschen sich gegenseitig mit 1-5 Sterne bewerten. Viele Nachrichten von Peeple, einschließlich ihrer Youtube-Videos, sind inzwischen gelöscht worden. Die Liste der widersprüchlichen Aussagen ist lang – dennoch weichen die beiden Entwicklerinnen nicht von ihren Plänen ab.
Wenn es wirklich ein Scherz sein sollte, haben die Entwicklerinnen den besten Zeitpunkt längst verpasst, um es als diesen zu offenbaren. Viel zu oft ruderten sie bereits zurück und schwächten die Pläne von Peeple ab. Inzwischen soll niemand mehr ohne explizite Zustimmung in den Dienst aufgenommen werden und negative Bewertungen gar vollkommen ausgeschlossen sein. Peeple soll eine Plattform des Positiven sein. Oder um es mit einem guten, vulgären deutschen Ausdruck zu sagen: Am Arsch die Waldfee.
Was haltet Ihr von der ganzen Sache? Ist die App eine gute Idee und der nächste, logische Schritt oder kompletter Schwachsinn? Oder ist das Ganze nur ein Streich um uns den Spiegel vorzuhalten, wie viel wir eigentlich bereits jetzt mit uns machen lassen und freiwillig preisgeben?
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