Das Fantasy-MMORPG Guild Wars 2 setzt auf kleinere Events im Zwei-Wochen-Rhythmus, doch kann das die Fans noch länger bei der Stange halten? Gerüchte um eine Änderung in der Strategie verdichten sich.
Der Reiz des Neuen schwindet
Der Finanzreport von NCSoft vor einer guten Woche machte es deutlich: Guild Wars 2 hat in den ersten drei Monaten in 2014 ein Drittel weniger eingenommen als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr.
[quote_right]Erweiterungen bringen frischen Wind[/quote_right]
Und das ist auch nur natürlich. Jedes Spiel und jedes MMO verliert nach einer Weile einen Teil seiner Spielerschaft. Nur wenigen MMOs ist es gelungen, diesen Abwärts-Trend mit Erweiterungen und neuen Inhalten, dem sogenannten Content, zu stoppen – darunter World of Warcraft, für eine Weile zumindest, und einem Nischen-Titel wie EVE Online.
Gerade World of Warcraft profitiert enorm von der Ankündigung, der Beta und dem Release einer neuen Erweiterung – und mit jedem größeren Content-Patch, der dann folgt. Zu diesen Zeiten zieht das Interesse der Fans, die Abonnentenzahl und die Berichterstattung in den Medien an.
Living Story: Konstanter Content-Strom oder nur Fast-Food?
Guild Wars 2 hingegen muss auf diese Schübe in der Popularität verzichten. Stattdessen setzt man auf kleinere Content-Häppchen, die eine größere Geschichte erzählen sollen: die living Story, die Lebendige Welt.
Das Problem dabei: Viel von diesem Content besteht aus kleinen Events, die rasch wieder aus dem Spiel verschwinden. Das spaltet die Spielerschaft.
Während ein Teil der Fan-Basis, oft Gelegenheitsspieler, der Hintergrundgeschichte aufmerksam lauscht und sich alle 2 Wochen darauf freut, was man sich bei ArenaNet ausgedacht hat, sind andere doch recht skeptisch. In zwei Jahren sei einfach zu wenig passiert. Es gäbe immer noch dieselben Trains, die durch die Landschaften ziehen, um bestimmte Eventfolge abzuarbeiten. Und abgesehen von den Fraktalen und einigen Goodies sei sonst auch wenig passiert. Die Living Story gebe immer nur Content für ein paar Stunden und sei dann abgefrühstückt und uninteressant.

Erwarten die Spieler einfach das Falsche?
Hier stellt sich auch die Frage, welche Anforderung die Spieler an ein MMO stellen können. Soll es das einzige Spiel sein, das sie überhaupt zocken? Oder ein Titel, zu dem man in regelmäßigen Abständen zurückkehrt, den man aber auch mal einen Monat gar nicht anrührt? Aber hätte man dann in Guild Wars 2 nicht schon wieder zwei kleinere Events verpasst?
Aber vielleicht hat Guild Wars 2 ohnehin eher Gelegenheitsspieler im Visier: Durch die täglichen und monatlichen Aufgaben, die man bei GW2 erledigen kann, richtet sich das Spiel stark an Leute, die jeden Tag nur eine homöopathische Dosis des Spiels konsumieren. In 15 Minuten rasch 5 der wechselnden Aufgaben erledigen, eine Lorbeere als täglichen Reward einstecken, die muss man für besonders starke Gegenstände sammeln, und dann ausloggen. Am nächsten Tag dasselbe Programm.
Ein Verhalten, das eher an ein Browsergame erinnert – oder an ein Spiel in der Content-Flaute.
Die China-Erweiterung hat Vorrang
Wie ArenaNet selbst das sieht, ist immer noch ein Rätsel. Vor einer Weile hat man deutlich gemacht, dass man eine Erweiterung keinesfalls ausschließe. Dann hieß es, das müsse erstmal warten, bis die Erweiterung in China abgeschlossen sei. Danach werde man sich vielleicht dazu äußern, vielleicht auch nicht.
Neulich tauchte bei reddit ein dubioser Mitschnitt eines Gesprächs zwischen einem Spieler und einem angeblichen Developer auf. Der äußerte sich eher skeptisch gegenüber einer Erweiterung. Den ganzen Content, den ArenaNet als Patches veröffentlicht habe, hätten anderen Publisher als kostenpflichtige Erweiterung verkauft.
In dem Gespräch macht der angebliche Dev aber Andeutungen, dass man sich für die zweite Staffel der Living World, die bald ansteht, einiges vorgenommen habe. So sollen die Events noch größer werden und auch bleibende Änderungen hinterlassen.
Gelten für ein Buy-to-Play-Spiel andere Gesetze?
Wenn man sich die Zahlen anschaut und die Reaktionen der Fans betrachtet, muss man feststellen, dass das Modell der Living World mit nur kleinen Änderungen, die rasch wieder verblassen, zumindest teilweise gescheitert ist. Es reichte nicht, um alle Spieler langfristig an das Spiel zu binden. Gerade für Gamer, die mit nur einem MMO verheiratet sein wollen, erwies sich der scheinbar stete Content-Strom als zu dünn. Dabei wären diese Spieler wahrscheinlich die Kundschaft, die dann auch im Ingame-Shop investiert.
Wenn es ArenaNet gelingt, mit der zweiten Staffel nun neuen Content zu bringen, der auch diesen Spielern etwas bietet, dann könnte Guild Wars 2 den jetzigen Abwärtstrend aufhalten. Dabei ist es sicher wichtig, nicht nur „more of the same“ oder kosmetische Änderungen einzubringen, sondern auch das Spiel-Erleben ein wenig zu wandeln.
Der Status eines „Buy-to-play“-Games, bei dem Spieler einmalig zahlen und dann immer wieder in die Welt zurückkehren können, zeigt in letzter Zeit auch Schattenseiten. So regen sich einige Spieler über eine unfreundliche Behandlung des Supports im Falle von Bans auf. In den Köpfen der Spieler taucht sofort auf: „Die haben ja schon mein Geld, die müssen nicht mehr nett zu mir sein.“
Es ist fraglich, ob es sich ein „Pay-to-play“-Spiel leisten könnte, relativ deutlich zu implizieren, dass man Europa und die Weiterentwicklung des Spiels nun zugunsten einer Expansion nach China einfach hintenanstellt. Andererseits ist World of Warcraft das mit Abstand größte „Pay-to-play“-Game und erlaubt sich regelmäßig Content-Pausen von bis zu einem Jahr. Dagegen nimmt sich die kleine China-Flaute von Guild Wars 2 eher gering aus.
Man rechnet in den nächsten Tagen bereits mit einer Ankündigung, wohin die Reise mit der zweiten Staffel der Living Story geht. Wir halten Euch darüber auf dem Laufenden.
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!













