WildStar: World of Warcraft 2.0

WildStar, das quietschige Science-Fiction-MMORPG aus dem Hause Carbine, überzeugt mit Hardcore-Gameplay und ausgeklügelter Spielmechanik. Der Release steht am 3. Juni an. Wir haben die Closed Beta für Euch gespielt und dürfen nun darüber berichten.

Was auf den ersten Blick wie eine knallbunte Wundertüte erscheint, ist für unseren Tester Schuhmann ein Geniestreich, der nur ein Ziel hat: Ehemalige World of Warcraft Spieler zu begeistern.

Außen süß, innen mit Biss

WildStar ist irgendwie anders und überhaupt nicht so, wie es auf den ersten Blick erscheint.

In den Trailern wird das Spiel als eine skurrile Science-Fiction-Geschichte verkauft, irgendwo zwischen Futuruma und Borderlands mit einer zeitlosen Comic-Ästhetik, die an das wilde Geballere von Team Fortress 2 erinnert.
Aber nach ein paar Stunden war mir klar: Das ist nicht Angry Birds oder irgendein poppiger Drei-Euro-Japano-Titel, sondern WildStar ist mit Sinn und Verstand von Profis gemacht worden. Die freakige Darstellung und der Comedy-Stil dienen, wie jeder andere Teil des Spiels, einem Ziel:

Man will in WildStar genau den Weg einschlagen, den World of Warcraft verlassen hat.

WildStar HoverboardEs ist so eine Art Bizarro-Experiment: Was wäre, wenn Blizzard die blaue statt der roten Pille genommen hätte? Was wäre passiert, wenn es tiefer in die Matrix gestiegen wäre, wenn es heute noch 40-Mann-Raids gäbe? Wenn man sich für ein Action-Gameplay entschieden hätte und dafür, die Spieler zu fordern?

Und was wäre, wenn man heute alle starken Teile von bekannten MMORPGs nehmen und die Schwächen – so gut es eben geht – beseitigen würde: Was käme dann für ein Spiel heraus?

Keine Ahnung. Aber ich denke: Es sähe verdammt nach WildStar aus.

Zielgruppe sind EX-MMORPGler

Die Zielgruppe des Titels sind nicht Neulinge oder Fans von Einzelspieler-Titeln, die es jetzt mal mit diesem MMORPG-Ding probieren wollen, von denen die Kids auf der Straße alle reden. WildStar will MMORPG-Veteranen. Vorzugsweise Ex-WoWler, von denen gibt es ja auch die meisten.

Aber WildStar nimmt auch gerne Everquester oder Ex-Spieler von Warhammer Online. Die Leute, die von The Elder Scrolls Online enttäuscht sind, können auch vorbei kommen. Star Wars Spieler sind ohnehin willkommen.

Hype, Hyper, Hyper-Hyper – WildStar!

WildStar ist ein bisschen wie Skynet, dieses Computer-Monster aus Terminator. Das hat ja irgendwann auch aufgehört, Killermaschinen loszuschicken, die so aussehen wie Schwarzenegger, weil es rausgefunden hat, dass eine richtig heiße Zwanzigjährige, die unter der sonnengebräunten Haut eine Killermaschine ist, viel besser funktioniert.

Was sich als poppiges Spielchen tarnt, ist ein MMORPG-Titan. Ein durchkalkuliertes Monster und ein Geniestreich.

Ich habe jetzt irgendwo gelesen: Man soll den Hype nicht so schüren, WildStar koche auch nur mit Wasser und auch hier gäbe es ja Quests, die bisschen langweilig sind und so. Dazu möchte ich an dieser Stelle sagen: HA! Ihr Ahnungslosen!

WildStar ist durchkalkuliert: Das Kampfsystem

Im Kampfsystem unterscheidet sich WildStar am gravierendsten von World of Warcraft. Denn WildStar verwendet kein klassischen Kampfsystem wie World of Warcraft, sondern ein Action-Kampfsystem mit sogenannten Telegraphen: Gegnerische Mobs kündigen ihre Angriffe mit einem roten Kreis oder Pfeil oder irgendeinem anderen geometrischen Muster an, das auf dem Boden erscheint. Diese geometrische Form füllt sich langsam auf und macht entweder währenddessen schon Schaden oder erst, wenn die Form voll ausgefüllt ist.

WildStar KampfsystemEbenfalls passend zum Thema:

Die Fähigkeitsmechaniken in WildStar

Das Kampfsystem kennt man aus The Secret World, Guild Wars 2 oder Tera. Aber WildStar hat das bis zum Ende durchdacht und findet immer neue Arten, es anzuwenden.

Eine weitere Besonderheit sind die verschiedenen Crowd-Control-Fähigkeiten. Bekommt man in einem anderen Spiel Dreck ins Auge, verringert sich die Trefferwahrscheinlichkeit um ein Drittel. In WildStar wird der Bildschirm schwarz. Und genau in dem Moment fangen die Mobs mit irgendwelchen besonders fiesen Kombinationen an. Als Spieler muss man ahnen, welcher Teil des Bodens gleich zu Lava wird.

Noch nie war der Rat „Nicht im Feuer stehen!“ so passend wie im Kampfsystem von WildStar.

Knackiger Schwierigkeitsgrad

Während bei World of Warcraft und anderen Titeln solche Kampfsequenzen nur für die schwersten Raidbosse reserviert sind, ist es bei WildStar ab einem gewissen Level ein Abenteuer, überhaupt vor die Tür zu gehen. Quest-Mobs verfügen über ausgeklügelte Kombinationen von Fähigkeiten. In Instanzen und Abenteuer drehen die Mobs dann richtig auf.

Das Spiel ist hart getunt, der Endboss der ersten 5er-Instanz hat ungefähr die Schwierigkeitsgrad eines mittleren Raidbosses in World of Warcraft!

Apropos Raids.

WildStar startet mit Endcontent!

Man merkt WildStar an, auf welche Zielgruppe sie scharf sind: Es sind ehemalige Stamm-WoW-Spieler, die von den Entscheidungen Blizzards enttäuscht sind, das Spiel immer zugänglicher für Gelegenheitsspieler zu machen.

Daher wird es in WildStar wieder 40-Mann-Raids geben. Und 20-Mann-Raids zum Warmwerden.

Carbine hat dabei eine einleuchtende Philosophie: Wer in einem MMORPG raidet, ist ohnehin ein „Hardcore“-Spieler. Für Gelegenheitsspieler gibt es andere Bereiche im Spiel, wie das Craften, die Einrichtung des Hauses oder einfach die verschiedenen Erfolge in der Welt. Aber das Raiden soll nicht aufgeweicht werden, wie es in World of Warcraft die letzten Jahre geschehen ist.

WildStar Raid

Die 20er-Raids werden in den Gen-Archiven stattfinden. Der Schwierigkeitsgrad soll knackig sein und die Items funkelnd. Aus dem 20er geht es dann direkt in einen 40er-Raid hinein.

Im 40er-Raid wird ein Eldan-Computer Amok laufen und immer schwierigere digitale Monster beschwören, bis der Großrechner endlich von seinem Virus befreit ist (*hust* Skynet, ich sag es doch! *hust*). In dem 40er-Raid Datascape werden 6 Bosse, 16 Mini-Bosse und 2 Raum-Events auf die Spieler warten.

Man verfolgt auch hier eine Design-Idee Blizzards: Schon die vermeintlichen Trashmobs sollen Fähigkeiten vorweg nehmen, die später auch die Bosse einsetzen. Carbine möchte jeden einzelnen Pull als Herausforderung gestalten, die eine spezielle Taktik erfordert.

Auch hier sieht man die Cleverness von Carbine: Während es bei World of Warcraft nicht möglich ist und nie möglich war, aus zwei oder drei 10er Raids einen funktionierenden 25er Raid zu formen, weil zu viele Tanks übrig bleiben und Damage-Dealer fehlen, soll das in WildStar genau aufgehen. Zwei 20er-Raids können gemeinsam den 40er bewerkstelligen. Der ist auch schon im Spiel.

Wandelbarer Content … so wie in Cube

Raids in Spielen leiden bisher vor allem darunter, dass sie mit der Zeit langweilig werden. WildStar will dagegen angehen, indem sie den Raid wandelbar gestalten. In jeder Woche wird es eine andere Kombination von Bossen geben, andere Muster und andere Möglichkeiten. Die Kombination der einzelnen Räume soll sich mit jeder Umdrehung etwas verändern, so ähnlich wie Skynet …, Verzeihung, so wie der Todeswürfel in den Cube-Filmen.

WildStar Raid

Hier zeigt sich die Natur von WildStar: Mit der Entscheidung zu 20er- und 40er-Raids spricht man eindeutig ein Publikum an, das vor Jahren World of Warcraft gespielt hat und sich nach diesen Zeiten zurücksehnt. Aber es würde nichts bringen, einfach ein Encounter wie Ragnaros vor 10 Jahren zu designen oder die Vier Reiter aus Naxxramas wieder zum Leben zu erwecken, auch wenn Blizzard diese Strategie des aufgewärmten Contents bevorzugt.

MMORPGs sind viel weiter als damals. Also sorgt WildStar mit den veränderbaren Raids wieder für ein neues Spielerlebnis. Durch den aktiven Kampfstil mit dem Telegraphen-System ist ohnehin dafür gesorgt, dass ein anderes Spielgefühl aufkommt.

Klassen und Rassen und so

Viele Spieler schreckt ein Science-Fiction-Szenario schon deshalb ab, weil sie zu viel Fernkampf befürchten und nicht genug Action, die Zehe an Zehe stattfindet. Für die sei hier gleich Entwarnung gegeben:

Zwar spielt WildStar in einem Science-Fiction-Universum, es fühlt sich aber nach Fantasy an.

Auch bei den Klassen geht man keine wahnsinnigen Risiken ein. Es gibt einen Krieger, der auch wie ein Krieger funktioniert. Dann haben wir da einen Schurken mit Wolverine-Krallen. Statt einem Bogenschützer mit einem Wolf als Begleiter gibt es eben einen Techniker mit einer Drone … aber das Spiel fühlt sich in den Klassen und in den Kombinationen der Fähigkeiten schon sehr klassisch an.

Die einzelnen Rassen bieten nur optische Vorteile und decken ein Spektrum von knuffig, vierschrötig und verschlagen bis hin zu heldenhaft, zuckersüß und standhaft ab.

In den Skills und in den Ausrichtungen der Klassen gibt es allerdings feine Unterschiede im Vergleich zu starren Rollen wie in der Anfangszeit der MMORPGs.

Wildstar: Völker und Klassen

Hier bleibt WildStar dicht am etablierten Erfolgsrezept. Wenn was nicht kaputt ist, warum sollte man es auch reparieren?

WildStar pickt sich das Beste aus aktuellen Titeln heraus

WildStar ist ganz weit vorne, was Features angeht, die Spieler in anderen Spielen verzweifelt fordern. Und sie bringen das, was andere Spiele gut machen, voll ins eigene Game ein.

WildStar Warplot

Warplots sind für koordinierte PvP-Gruppen gedacht, die gemeinsam in die Schlacht ziehen wollen – in ihrer eigenen fliegenden Festung.

Fürs PvP wird es Battlegrounds und Arenen mit einem besonderen Twist geben. Nicht nur lahmes Capture the Flag, sondern ein Capture the Flag mit drei verschiedenen Flaggen. Außerdem borgt man sich von WoW das Konzept der Rated BG’s aus, treibt es aber auf die Spitze und lässt 40 Spieler gegen 40 andere in ihren eigenen Warplots, ihren fliegenden Festungen, antreten.

Ein relativ freies Skill-System, in dem die Klasse je nach Skillung unterschiedliche Rollen einnehmen können, sieht nach einer Weiterentwicklung von WoW aus. Von Guild Wars 2 inspiriert erscheint es hingegen, dass man aus zahlreichen Skills und Fähigkeiten nur recht wenige auf die Quickbar ziehen kann. Das Skillen des Charakters läuft in WildStar wieder auf schwierige Entscheidungen des Spielers hinaus.

Dann hat WildStar noch ein wahnsinnig gutes Housing-System wie in Herr der Ringe Online und ein cleveres Craft-System! Von EVE Online hat man die Möglichkeit übernommen für Spielzeit mit Ingame-Geld zu bezahlen. Halblegaler Online-Handel Adé!

Natürlich bedient man sich beim Genre-Primus World of Warcraft reichhaltig, was die Jagd nach Items angeht. Der Spieler hat immer eine Aufgabe vor Augen, es gibt immer etwas zu tun und zu verbessern in der Welt.

Aber man täte WildStar auch unrecht, wenn man ihm keine Kreativität zubilligt. Mit den Pfaden zum Beispiel geht das Spiel einen eigenen Weg. Jeder Spieler kann sich als Zweitberuf für einen von vier Pfaden entscheiden und so genau vermehrt die Art von Quest spielen, auf die er Lust hat.

Die angeblich an Twitter-Nachrichten erinnernden kurzen Quest-Texte folgen auch einem bestimmten Plan. Dadurch ist es möglich, rasch qualitativ hochwertigen Content nachzuliefern. Man ist nicht dazu gezwungen, auf nur schwer verfügbare Synchronsprecher zu warten.

Weitere empfehlenswerte Artikel zu WildStar:

Mein-mmo.de und WildStar

Wir werden in Zukunft sicher noch genauer auf einzelne Bereiche von WildStar eingehen, bereits in einigen Tagen wird Euch Cortyn umfassend vom Housing erzählen (bereits geschehen und hier zu sehen).

Ich bin für den Moment restlos begeistert von WildStar. Für mich ist das Spiel viel besser, als ich es erwartet habe. Und was mich besonders freut: Hinter jeder Design-Entscheidung blitzt ein wirklich cleverer Geist auf. Alles in WildStar hat Hand und Fuß. Es ist zeitgemäß, es ist clever und es macht absolut süchtig.

Es wird jetzt noch vier Möglichkeiten geben, an einer Closed Beta an den Wochenenden teilzunehmen. Und wahrscheinlich wird es auf eine offene Beta kurz vor Launch hinauslaufen. Oder ihr greift einfach jetzt schon zu und sichert euch das Game in der Vorbestellung.

Ich werd’s auf jeden Fall machen. Mich hat Carbine in der Closed Beta schon bekehrt. Nicht weil ich die Ohren der Aurins süß finde oder mich in den augenzwinkernden Humor des Spiels verliebt habe, sondern weil mich die Design-Entscheidungen hinter dem Spiel und das Gameplay wirklich überzeugt haben.

WildStar ist ein Spiel für MMORPG-Veteranen, es ist ein Spiel für mich.

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Wenn Du WildStar vorbestellt, erhältst Du diverse Zusatzinhalte zum Launch, wie zum Beispiel eine exklusive Unterkunft, und die Möglichkeit, an den 4 kommenden Beta-Wochenenden teilzunehmen.

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