WoW, CoD: Bundesbehörde untersucht Activision Blizzard, lädt die Bosse vor

Die Börsen-Aufsicht der USA, die Securities and Exchange Commission (SEC), hat eine Untersuchung gegen Activision Blizzard eingeleitet. Man will feststellen, ob die Firma die schwierigen, internen Zustände rasch und gründlich an Investoren kommuniziert hat. Dazu werden hochrangige Bosse von Activision Blizzard (WoW, Call of Duty, Diablo 3) vorgeladen, sogar der CEO der Firma Bobby Kotick.

Was geht da vor sich?

  • Eine Behörde des Bundesstaates Kalifornien hat im Juli eine Klage gegen Activision Blizzard eingereicht, nachdem sie 2 Jahre gegen die Firma ermittelt hat. Die Behörde warf Blizzard vor, dort herrsche eine Kultur des Sexismus, Frauen würden schlechter bezahlt als Männer und wären sexuell belästigt worden.
  • Die Klage wuchs sich zu einem Skandal aus, der dem Börsenwert und dem Ansehen der Firma geschadet hat.
  • Jetzt hat die Börsen-Aufsicht eine Ermittlung eingeleitet: Man will der Sache offenbar auf der Grund gehen. Für die Börsen-Aufsicht ist entscheidend, ob die internen Probleme rasch und komplett an Investoren kommuniziert wurden. Als börsennotiertes Unternehmen ist es die Pflicht, von Activision Blizzard, hier transparent zu sein: Jeder der Geld in die Firma investiert, muss über Dinge aufgeklärt werden, die den Wert der Firma beeinflussen können.
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In einem Video diskutieren Experten über die Situation bei Blizzard, auch MeinMMO-Chefredakteurin Leya Jankowski.

Vorladungen gegen hochrangige Bosse bei Activision Blizzard

Das weiß man über den Vorgang jetzt: Das Wall Street Journal berichtet, dass die SEC eine weitreichende Untersuchung gegen Activision Blizzard eingeleitet hat. Sie habe einige hochrangige Bosse von Activision Blizzard vorgeladen, darunter CEO Bobby Kotick.

Es heißt, die SEC verlange zudem die Aushändigung verschiedener Dokumente, darunter sechs Personal-Akten von früheren Angestellten und Aufzeichnungen darüber, wie Kotick mit verschiedenen Beschwerden über sexuelle Belästigung und Diskriminierung bei Activision Blizzard umgegangen ist.

Offenbar geht es bei der Ermittlung vor allem darum, zu ergründen, ob Activision Blizzard die Beschwerden gegen

  • Diskriminierung
  • die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen
  • Belästigung am Arbeitsplatz

korrekt und rechtzeitig an Investoren und andere beteiligte Personen weitergegeben hat.

„Kokain auf der Toilette, Sex in der Lounge“ – Skandal um WoW-Entwickler Blizzard eskaliert

Hätte Blizzard schon früher die Öffentlichkeit informieren müssen?

Wie hat Blizzard die Informationen denn weitergegeben? Im Quartals-Bericht von Activision Blizzard zum Q2/2021 findet sich im „Firmen-Ausblick“ eine Passage, dass es zu Schwierigkeiten in den nächsten Monaten kommen könnte. Hier wird die Klage dann erwähnt. Denn es heißt, wenn Activision Blizzard eine längere Periode negativer Aufmerksamkeit erleidet, könnte das signifikant die Produktivität verringern und weitere negative Auswirkungen haben. Man beobachte alle Aspekts des Geschäfts nach solchen Auswirkungen.

Der Quartals-Bericht erschien am 3. August.

Die Frage könnte aber sein, ob Activision Blizzard den Investoren nicht schon früher hätte berichten müssen, dass eine Untersuchung der Behörde gegen die Firma läuft und wie ernst einige der Anklagen sind. Denn aufgrund dieser Ermittlung hat die Führungs-Etage von Activision Blizzard offenbar bereits gehandelt.

So hat Blizzard schon 2020 auf Vorwürfe sexueller Belästigung reagiert und einen wichtigen Entwickler bei WoW gefeuert. Der Game Director von WoW wurde offenbar für einen Vorfall, der viele Jahre zurück lag, entlassen. Die Gründe für die Entlassung blieben 2020 aber unter Verschluss und wurden jetzt erst in den Nachwehen der Klage deutlich.

Das scheint der Knackpunkt der Ermittlung zu sein: Hätte Activision Blizzard die Investoren schon weit vorher informieren sollen, dass intern einige Beschwerden laufen und sogar eine Ermittlung im Gange ist – und nicht erst, als der Skandal bereits in der Welt war?

JAllenBrack-Entschuldigung
Blizzard-Chef, J. Allen Brack verließ die Firma in den Nachwehen des Skandals.

Welche Konsequenzen können Blizzard drohen? Die SEC hat eine Reihe von Möglichkeiten gegen eine Firma vorzugehen, wenn bei der Untersuchungen auffällt, dass wirklich “missbräuchliches Verhalten vorliegt.” Die Kommission kann den Fall vor ein Bundesgericht bringen oder vor ein Verwaltungs-Gericht.

Mögliche Konsequenzen sind:

  • Es kann eine einstweilige Verfügung ergehen, die verhindert, dass weiterhin Gesetze oder Richtlinien verletzt werden
  • es können Geldstrafen verhängt werden
  • es kann verlangt werden, dass illegal erzielte Profite zurückgezahlt werden
  • eine Person kann davon ausgeschlossen werden, in einer Firma als Führungskraft zu arbeiten
  • einzelne Personen könnten Geldstrafen oder Freiheits-Strafen erhalten

Im Jahr 2013 hat die SEC der Bank “JP Morgan Chase” etwa eine Strafzahlung in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar auferlegt. Der Bank wurde vorgeworfen, in illegale Aktivitäten während der Finanzkrise verstrickt gewesen zu sein.

Blizzard sagt: Man hat schon wichtige Änderungen vorgenommen

Das sagen die Beteiligten: Von Blizzard heißt es, man habe bereits einige wichtige Änderungen vorgenommen, um die internen Abläufe und Verhaltensrichtlinien zu verändern, damit sichergestellt ist, dass es keinen Platz bei Activision Blizzard für Diskriminierung, Belästigung oder Ungleichbehandlung jedweder Art gibt.

Activision Blizzard hatte unter anderem den Chef von Blizzard, J. Allen Brack, durch ein neues “Mann/Frau”-Führungs-Duo ersetzt. Zudem hat der Chef der Personal-Abteilung Blizzard verlassen.

Die SEC bestätigt gegenüber dem Wall Street Journal, dass sie Untersuchungen eingeleitet hat. Activision Blizzard kooperiere mit der SEC, heißt es. Der Vorgang konzentriere sich darauf, inwieweit die Firma Dinge enthüllt, die Angestellte und andere verwandte Themen angehen.

Wir haben uns auf MeinMMO intensiv mit dem Thema beschäftigt und die Hintergründe und Auswirkungen des Sexismus-Skandals beleuchtet:

Sexismus-Skandal erfasst WoW-Entwickler Blizzard – Was nun?

Quelle(n): kotaku, Wall Street Journal, Activision Blizzard Quartalsbericht, sec
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Keragi

Die Gaming Industrie spielt jetzt langsam mit den großen Jungs, es ist auch kein anderer Skandal als VWs Diesel oder Bayers Glyphosat. Der Welpenschutz schwindet, es ist keine kleine Spiele Schmiede mehr sondern ein Wirtschafts Unternehmen aber da man sieht das es um Sexismus geht scheinen einige bei Blizzard noch in ihrer verträumten Welt zu leben, ich hoffe die machens in Zukunft professioneller, denn ihre Spiele mochte und mag ich teils noch heute.

Max Mustermann

Ich will Bayer nicht in Schutz nehmen, nur fairerweise sollte man erwähnen, dass Bayer sich dieses Problem mit dem Kauf von Monsanto ins Haus geholt hat. Und zu sagen, die Gaming Industrie spiele „langsam“ mit den Großen, drückt nicht im Ansatz die Realität aus. Die Großen Publisher sind seit langer Zeit Milliarden Unternehmen. Zum Vergleich: BMW Umsatz 2020 90 Milliarden. EA: 5,5 Milliarden. BMW verkauft Autos mit Preisen ab 35000€, EA verkauft Games für 60€ Stck.
Zum eigentlichen Thema: Activision kann getrost von der Bildfläche verschwinden, denn mit dieser Führungsspitze ändert sich dort null. Da werden Millionen investiert um das Image zu polieren und auf der anderen Seite entlassen sie Leute, um das Defizit wieder auszugleichen.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Max Mustermann
Zid

Die Mehrheitsverhältnisse bei Blizzard wären in dem Artikel noch interessant gewesen.

Soweit ich weiß (Kann mich auch irren) hält Bobby Kotick immer noch (Seit der Abspaltung von Vivendi) zusammen mit einer Investorengruppe den größten Anteil von Activision/Blizzard selbst.

Kann er sich dann ggfs. anfallende Entschädigungen auf sein eigenes Bankkonto überweisen? 😀

Keragi

So wie ich das gesehen habe befinden sich über 60%in Streubesitz also kleine private Investoren. Sein Name müsste direkt dort auftauchen andere Großinvestoren haben lediglich 3-6 % Anteile.

Chitanda

Interessant wäre ja mal zu wissen welche Konsequenzen der Firma drohen können seitens der SEC

Brezel

Hab mich grad auch gefragt ob sie den Laden theoretisch dicht machen könnten 😀

Chitanda

Denke finanziell kann es schon hart weh tun

Chitanda

Super danke dir

Chafaris

Diese können sehr unterschiedlich ausfallen. Insbesondere da die USA, im Gegensatz zu Deutschland, nicht nur ein Individual- sondern auch ein Unternehmensstrafrecht haben. D.h. wir reden hier zum einen von sehr empfindlichen Strafzahlungen, sowie damit verbundenen weiteren Einschränkungen (z.B. im Rahmen von Ausschreibungen etc. – was Blizz aber nicht betrifft). Im Endeffekt gilt Blizz, bzw. deren Bosse dann als “debarred” und “excluded”.

Und das will keiner.

Am härtesten trifft einen jedoch die empfindliche Geldstrafe.

Chitanda

Also kurz gesagt geht es denen jetzt nicht nur imagetechnisch an den Kragen sondern an das wichtigste den Geldbeutel… Na das wird viele Anleger freuen.

Irina Moritz

Rechtlich gesehen kann ich dir da leider keine Antwort geben, aber zumindest auf der Börse sehen die letzten 6 Monate so aus:
comment image

Chitanda

Klarer Kurs zu erkennen auch ohne das die sec noch ermittelt

Irina Moritz

Joa, ich denke, dass der neueste Absturz eher mit dem lauwarmen Empfang von CoD Vanguard zusammenhängen wird. Die Reihe ist ja das große Zugpferd von Activision. Ich finde, man merkt schon, dass sie das Spiel unbedingt noch zum Weihnachtsgeschäft raushauen wollten wie jedes Jahr. Aber das klappt unter aktuellen Bedingungen wohl eher weniger.

Mal schauen, wie der Release (und BF 2042) wird 🤔

Chitanda

Das kommt auch mit sicherheit dazu aber der Große Knacks ist ja im Diagramm zu erkennen war als der Skandal losging…dann nochmal kurz bergauf und nun wieder runter. Bei Activison Blizzard läuft vieles nicht rund. WoW ist aus meiner Sicht derzeit nicht spielbar aus vielen Gründen. D2 Resu weiß nicht ob das nochmal was reißen kann da gibt es ja auch einige Kritikpunkte. Blizzard hat es halt einfach nicht leicht. Ist aber vielleicht gut so den langen König im MMO-Genre endlich mal runterzuhauen. Was shooter angeht hab ich keinen Plan da ich sowas nicht spiele wegen meinen Kids.

Ooupz

Die Gründer, also die “Guten” sind ja alle schon längst weg, also trifft es ja jetzt eigentlich nur noch die Richtigen die es verdient haben, die weggesehen haben.

Chitanda

Ist nur die frage ob die “guten” wirklich so gut waren

Ectheltawar

Die Gründer, welche Du hier als die “Guten” bezeichnest, sind der eigentliche Kern des Problems, den diese und sonst keine haben das System, unter dem das aktuelle Blizzard leidet überhaupt erst aufgebaut und ermöglicht. Entsprechend kann ich deiner Argumentation nur bedingt folgen, natürlich ist wegsehen immer ein Problem, aber einen Täter zu entschuldigen, weil die “Wegseher” die wahren Verbrecher sind, ist mir bisher noch nie untergekommen.

luriup

Also die Chefs von Blizzard North was für Diablo1+2 verantwortlich war,
sind lange vor WoW Release schon von Blizzard weg.
Die haben wohl wenig mit den abgehobenen Gestalten die für WoW verantwortlich waren gemeinsam.
Denen bei WoW ist der Erfolg sicherlich zu Kopf gestiegen.
Also nicht alle alten Hasen sind darin verwickelt.

Ectheltawar

Nur geht es hier gar nicht um Blizzard North und auch niemand hat behauptet das alle darin gleichermaßen involviert sind. Aber der ganze Vorgang zeugt davon, das vor allem viele Fehler in der Vergangenheit liegen und eben durch jene begangen und gefördert wurden, die viele bis heute als die besagten “Guten” bezeichnen.

Asator

Läuft bei Blizzard.

Kaum halbwegs von etwas erhohlt kommt der nächste Tritt.

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