Amazon will seit 10 Jahren ein Big Player für Games sein, jetzt muss es Herr der Ringe richten

Amazon will seit 10 Jahren ein Big Player für Games sein, jetzt muss es Herr der Ringe richten

Enttäuschende Bilanz

Seit der großen Ankündigung 2016 sind mittlerweile fast 9 Jahre vergangen. Abseits des Versuchs, New World zu retten, ist bei Amazon Games aber wenig Zählbares entstanden: eine Games-Adaption für die Serie „The Grand Tour Game“ und eine Twitch-Extension für Dragon’s Lair.

Spoiler: Die Liste der neben Breakaway vorzeitig eingestellten Projekte fällt länger aus. Auf der stehen auch noch Nova, Intensity und das Herr-der-Ringe-MMO, das in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner Leyou Technologies entstehen sollte. Wenn man die Größe und die Ambitionen von Amazon bedenkt, muss das als enttäuschende Bilanz gewertet werden.

Der Launch-Trailer von Lost Ark:

Flucht in die Rolle des Publishers

Wenn es mit den eigenen Spielen nicht funktioniert, dann vielleicht mit den Produkten anderer Studios. Seit den 2020ern nutzt Amazon Games die mit New World gemachten Erfahrungen, um asiatische MMORPGs für den Westen vorzubereiten und sie hier zu vertreiben, zu bewerben und zu betreuen.

Mit Lost Ark konnte man dabei sofort ein Ausrufezeichen setzen, da das isometrische MMORPG von Smilegate auf Steam sogar noch mehr einschlagen konnte als New World. 2 Jahre später folgte mit Throne and Liberty das nächste Spiel, dieses Mal von NCsoft. Dort fiel der Hype zum Start deutlich schwächer aus, dafür gibt’s auf Steam aktuell kein anderes MMORPG mit so vielen aktiven Spielern.

Eine dritte Zusammenarbeit mit Bandai Namco versandete indes, weil das Anime-MMORPG Blue Protocol mit zu vielen Problemen im Heimatmarkt Japan erschienen ist und daher frühzeitig eingestellt wurde. Die 3 Partnerschaften zeigen aber: Amazon Games genießt auf der globalen Bühne offensichtlich den Ruf, ein starker Partner für die gemeinsame Veröffentlichung eines Online-Rollenspiels zu sein.

Man darf dabei nicht vergessen: Es braucht ein großes Team, um den globalen Launch eines MMORPGs – inklusive Lokalisierung in zig Sprachen – und den weiteren Service zu stemmen. Zudem profitieren natürlich auch diese externen Spiele von der starken Synergie mit Twitch. Vor allem Lost Ark konnte durch die Begleitung vieler Streamer einen enormen Hype aufbauen.

Der Launch-Trailer von Throne and Liberty:

Das harte Los des Publishers

In Teilen der MMORPG-Community genießt „Publisher Amazon Games“ jedoch einen ähnlich durchwachsenen Ruf wie „Entwickler Amazon Games“. Ein Grund dafür sind die Eigenheiten, die asiatische MMORPGs wie Lost Ark und Throne and Liberty mitbringen, und die sich auch durch den Einfluss eines westlichen Publishers nicht ausmerzen lassen.

Eigenheiten wie Free2Play-Modelle mit Echtgeld-Währungen, die mit dem jeweiligen Auktionshaus verknüpft sind. Egal, welche Anpassungen man für die westliche Version auch vornimmt: Solange das die tragende Säule des Bezahlmodells ist, wird es immer Kritik an Pay2Win-Elementen und am hohen Bot-Aufkommen geben.

Und an wen richtet sich die Kritik der westlichen Community? An Amazon Games. Dabei dürfte dem Publisher, was solche essenziellen Dinge angeht, die Hände gebunden sein. Beim Kampf gegen Bots kommt noch dazu: Je restriktiver die Regeln und je drastischer die Maßnahmen, desto mehr Bots erwischt man zwar, aber desto mehr unschuldige Spieler leiden auch darunter.

Bots in Lost Ark:

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Dazu kamen in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder Fehler, die Publisher Amazon Games tatsächlich selbst zu verantworten hatte. Erinnert ihr euch etwa noch, als man bei einer Gamescom-Präsentation von New World im Jahr 2021 auf Twitch einen Timeout kassierte, wenn man „Lost Ark“ in den Chat schrieb? Offenbar wollte da jemand, dass sich alle auf New World fokussieren.

Nett war es auch, als Ankündigungen für New World aus Versehen auf den Lost-Ark-Kanälen landeten, und umgekehrt (via Reddit)? Zeitweise fehlten vernünftige Patch Notes für die Updates von Lost Ark, es gab Ärger rund um eine zurückgehaltene Roadmap, die in Russland bereits live war, und weitere Kommunikations-Fails, mit denen der Publisher die Spieler regelmäßig auf die Palme brachte.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Amazon Games auf Mitarbeiter setzen kann, die für die Spiele brennen, die sie betreuen. Ein gutes Beispiel dafür ist Globalization Design Manager Daniel Lafuente der unter seinen monatlichen Ausgaben von „Tico Talks“ sehr regelmäßig für die klare Kommunikation gefeiert wird, und das auch dann, wenn er mal nicht die erhofften Infos im Gepäck hat.

Woran scheitert Amazon Games also bisher?

Diese Frage spiegelt sicherlich vor allem die Perspektive vieler Spieler wider. Spieler, die sich über das ungenutzte Potenzial von New World ärgern. Genre-Fans, die unzufrieden mit Amazon Games als Publisher von Lost Ark und Throne and Liberty sind. Spieler vielleicht auch, die sich fragen, ob Amazon Games etwas mit der Einstellung von Blue Protocol zu tun haben könnte.

Aus reiner Branchen-Sicht gibt es nämlich durchaus Erfolge zu feiern. Starke Launch-Phasen beispielsweise, die sicherlich von hohen Umsätzen begleitet worden sind. Die Bereitschaft von anderen Big Playern der Industrie, mit Amazon Games bei wichtigen Projekten zusammenzuarbeiten. Auch das man jetzt an Marken wie Tomb Raider und Herr der Ringe arbeiten darf (dazu gleich mehr), sind Erfolge.

Es fehlen bislang jedoch Hits, die von der breiten Masse der Gamer als nachhaltige Erfolge wahrgenommen werden. Teils hat man selbst klare Fehler gemacht, etwa bei der Entwicklung von New World oder bei der Kommunikation mit den Spielern.

Teils hat man sich zu sehr auf asiatische MMORPGs konzentriert, die es im Westen seit jeher aufgrund ihrer Eigenheiten eher schwer haben. Und dann gab’s natürlich noch eine Reihe von Projekten, die letztlich vorzeitig eingestellt werden mussten – was letztlich aber auch bei den Big Playern der Branche Normalität ist, denkt nur an Blizzard: Das geheime Survival-Game von Blizzard ist gecancelt

Amazon Games: Spiele
Die beiden aktuell sicherlich größten, angekündigten Projekte von Amazon Games.

Was bringt die Zukunft?

Lost Ark, Throne and Liberty und New World stehen im Betreuungsmodus. Langweilig dürfte es den Mitarbeitern von Amazon Games derzeit aber nicht sein. Laut Vice President Christoph Hartmann sollen sich im August 2024 zehn Spiele in der Entwicklung befunden haben. Dazu gehörten seinerzeit auch noch Throne and Liberty und New World Aeternum. Bleiben acht weitere Projekte. Bekannt sind:

  • Publisher für das Hack-and-Slash-Koop-Spiel King of Meat
  • Publisher für ein Story-basiertes Open-World-Rennspiel von Maverick Games
  • Publisher für das neue Tomb-Raider-Spiel von Crystal Dynamics
  • Entwickler des neuen MMORPGs für das Herr-der-Ringe-Universum

Was hier auffällt: Amazon Games scheint sich auch in Zukunft eher in der Rolle des Publishers und Co-Entwicklers zu sehen – wobei man sich aber breit aufstellen und nicht nur auf MMOs fokussieren möchte. Ein möglicher Grund für die wenigen Eigenentwicklungen: Die vielen Rückschläge haben ihre Spuren hinterlassen. Ein anderer: Man möchte sich fokussieren und das, was man macht, möglichst gut machen.

Dabei traut man sich erneut an ein großes MMO. Ein MMO, das aufgrund der beliebten „Herr der Ringe“-Franchise eine enorme Erwartungshaltung mitbringen dürfte. Dagegen war der Hype rund um New World wahrscheinlich nur ein laues Sommerlüftchen. Das dürfte noch richtig spannend werden.

Wenn die Entwickler aus New World die richtigen Lektionen ziehen und eine starke Herr-der-Ringe-Erfahrung abliefern können, dann dürfte der Hit garantiert sein. Das Fundament dafür bringt Amazon auf jeden Fall mit. Sollte genau das aber nicht gelingen, untermauert Amazon Games das bisherige Bild des glück- beziehungsweise erfolglosen Entwicklers.

Bis es zum finalen Launch kommt, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen. Im Sommer 2024 befand man sich noch in einer Art Konzeptionsphase, um herauszufinden, welchen besonderen Dreh man dem MMORPG verpassen kann, damit man nicht einfach Herr der Ringe Online oder andere, bereits vorhandene Spiele der Franchise kopiert. Mehr dazu hier: Es gibt ein Lebenszeichen vom neuen MMORPG für Herr der Ringe von Amazon Games.

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Gaminathor

Ich habe ja schon oft erwähnt, dass der größte Fehler die Arbeit am Konsolenport war und die Hauptstory neu zu gestalten. Bis zu dem Zeitpunkt war die Hauptstory für die Hauptspielerschaft wumpe. Anstatt, dass man sich erstmal so richtig um ein lohnendes Endgame und eine sinnvolle Itemization gekümmert hat, hat man die Manpower sinnlos vergeudet. Also man hat den Karren mit größtem Erfolg gegen die Wand gefahren, was bedauerlich ist, da in diesem Spiel so viel Spielspaß hätte stecken können, leider hat man zumindest die schlechtmöglichsten Entscheidungsträger auf die Entwickler losgelassen.

Naja, vielleicht sind die ja lernfähig und der HdR MMO wird was.

TangoDelta99

Mittlerweile steht wohl auch Lost Ark am Abgrund.Französische und deutsche Lokalisierungen wurden ab dem 21.Mai eingestellt.
Kein Support mehr in den beiden Sprachen,auf der HP wurden diese 2 Sprachen auch entfernt.
Amazon und seine Transparents gegenüber der Com ist gar nicht vorhanden.Es wurden Entscheidungen getroffen,die die Spieler vor die Wand laufen ließen.
Selbst auf dem offiziellen Lost Ark-Discord-Server hat man am Donnerstag morgen den deutschen Channel geschlossen,weil es angeblich an der Moderation gefehlt hat.
Die kontrollieren ihren eigenen Server nicht und wer muß es am Ende ausbaden?Richtig,wiedermal die Com.
Es gab ganze 2 Moderatoren in diesem Channel,die sich kaum bemerkbar gemacht haben.
Mein Fazit.Keine Amazon-Games mehr.

AcidPhreak

Wenn die Entwickler aus New World die richtigen Lektionen ziehen 

Also wenn ich dran denke wie sie damals New World nach Release kaputt gemacht haben, hab ich so meine Zweifel. Da wurde wirklich mit jedem Patch irgendwas zerstört oder Exploids ins Spiel gebracht.

Gaminathor

Wir waren jedes Mal gespannt, was der nächste Patch kaputt machen wird. 🙂

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