Die Saison des Vagabunden bei Destiny 2 ist mutig, aber funktioniert für mich null

Bei Destiny 2 läuft noch die Saison des Vagabunden, der aktuelle DLC. Unser Autor Schuhmann sagt: Hinter der aktuellen Season stehen mutige und nachvollziehbare Entscheidungen, aber für mich ist das absolut nichts.

Das war die Situation: Bungie hat sich entschieden nach der „Wir bringen für alle was“-Erweiterung Forsaken eine andere Richtung einzuschlagen.

Mit dem „Annual Pass“ wollte Bungie die Vielspieler unterhalten, indem man ihnen mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu tun gibt. Dafür sind drei Premium-DLCs vorgesehen, um die Zeit zwischen Dezember 2018 und September 2019 zu überbrücken. Die kosten etwa 10€ pro DLC.

Bislang gab es in dieser „toten Zeit“ bei Destiny sonst entweder kostenpflichtige DLCs (2015 und 2018), die häufig enttäuschten, oder kostenlose Updates, die nur wenig änderten (2016/2017).

Diesmal, 2019, also ein Annual Pass. Wir sind aktuell im mittleren DLC „Joker’s Wild.“

d2 annual pass blizzard shop

Das ist der Gag der neuen DLCs: Die beiden bisherigen DLCs nach Forsaken setzen auf klare Ideen:

  • Sie bieten den Spielern eine „Kern-Aktivität“, die diese dann möglichst oft wiederholen sollen, um Loot zu farmen und im Power-Level aufzusteigen. Im 1. DLC bis 650, diesmal bis 700.
  • Quests und Meilensteine sollen dafür sorgen, dass Spieler jede Woche etwas Zeit mit Destiny 2 verbringen
  • dazu gibt es einige Time-Gates und einen langwierigen Gear-Fortschritt, die Spieler bei der Stange halten sollen (manche Mega-Spieler sind damit trotzdem nach 2 Wochen durch und rümpfen die Nasen über jeden, der sich über zu viel Grind beschwert)

Die 10€-Erweiterungen des Annual Pass sind klassische Grind-DLCs, die nur von punktuellen, einzelnen Quests oder Events aufgelockert werden. Eine größere Erweiterung der Welt oder eine richtige Story-Line sind nicht vorgesehen.

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Ihm gehört die laufende Saison, dem Drifter.

So schwierig war die Lage für den aktuellen DLC: Der jetzige DLC konnte eigentlich nur verlieren.

„Die Saison des Vagabunden“ kam am 4. März. Es war von vorneherein klar, dass es ein schwieriger DLC werden würde, eingeklemmt zwischen dem Release der Konkurrenz-Spiele Anthem und The Division 2.

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Außerdem waren die Spieler nach dem ersten DLC mit den Schmieden offenbar langsam wieder Destiny-müde und suchten nach Abwechslung und was Neuem. Zudem hatte der „Annual Pass“ die Community ohnehin schon auseinander gerissen, denn viele lehnten es zu dem Zeitpunkt ab, Bungie erneut einen „Blankoscheck“ für die Zukunft auszustellen.

Bei einer Umfrage von MeinMMO im Dezember 2018 sagten von 5365 befragten Nutzern lediglich 2900, dass sie sich den Annual Pass schon geholt haben. Die übrigen waren skeptisch bis ablehnend.

Auch wenn der DLC hervorragend gewesen wäre, hätte es die Saison richtig schwer gehabt. Und hervorragend fand ich die Saison des Vagabunden nun nicht.

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Da sah Gambit Prime noch richtig cool aus.

Das bietet die Saison des Vagabunden: Der aktuelle DLC fokussiert sich auf zwei Modi, die direkt miteinander in Verbindung stehen:

  • Gambit Prime, ist eine „zugespitzte“ Variante des normalen Gambits, eines PvE/PvP-Modus, auf den Bungie irre stolz ist
  • und die Abrechnung ist ein 3-stufiges PvE-Event, eine Art Horde-Modus, bei der man sich den Zugang zu den höheren Modi über besseres Gear ergrinden soll

Als Anreiz, um die beiden Aktivitäten zu spielen, können die Hüter spezielle Set-Rüstungen verdienen, die in Gambit Prime besondere Vorteile geben. In Prime gewinnen Hüter die Partikel, um sich in Abrechnung die Rüstungs-Teile zu holen.

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So klang das auf dem Papier: Grundsätzlich fand ich es mutig, dass Bungie sich zu so einer Idee entschloss mit den ineinander greifenden Spiel-Modi. Das würde den Spielern viel zu tun geben, dachte ich vorher.

Die Idee mit den Sets, die zu mehr Spezialisierung führen würden, fand ich spannend.

Ich dachte im März noch: „Bei Destiny 2 wartet diesmal der Content auf die Spieler – es gibt so viel zu tun.“

Destiny 2 Black Armory gear 1

So fand ich es in der Praxis: Für mich hat dieser Ansatz bei Destiny leider überhaupt nicht funktioniert und meine Spielzeit in Destiny 2 ist seit der Saison des Vagabunden enorm gesunken.

Das liegt an 4 Gründen:

  • Mir macht Gambit Prime deutlich weniger Spaß als der normale Gambit-Modus. Ich hab versucht mit diesem Modus warm zu werden, aber für mich und meine Spielweise ist das nichts. Ich hab viel mehr das Gefühl, dass man ein eingespieltes Team braucht,  um hier zu glänzen
  • Dazu finde ich „Abrechnung“ als Modus schwierig und der macht mir wenig Freude. Schon, dass es 3 Tiers und die ersten eigentlich unwichtig sind, gefällt mir nicht. Jedes Mal hab ich nach einem Run genug von Destiny 2. Die Idee, da noch mal reinzugehen und exakt dasselbe zu machen, finde ich lahm.
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Kein guter Ort für mich: Die Abrechnung
  • Den Grind für die Rüstungen find ich umständlich, denn damit richtig beginnen kann ich offenbar erst, wenn ich schon einige Wochen in den DLC investiert habe und da vorangekommen bin
  • dazu soll ich dieselben Meilensteine spielen wie schon die ganze Zeit im 1. DLC mit den Schmieden, um mein Licht-Level zu steigern
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Dieses Problem zeigt sich: Für mich zeigt der DLC, wie unheimlich wichtig es bei dem neuen Ansatz von Bungie ist, die wenigen Kern-Aktivitäten, die Spieler dann wieder und wieder spielen sollen, richtig hinzukriegen, so dass sie von Anfang an begeistern.

Es ist zudem wichtig, Spielern eine Karotte vor die Nase zu halten, die schmackhaft aussieht.

Ich hab zwar versucht, meinen Spaß in Gambit Prime und Abrechnung zu suchen, aber hab ihn einfach nicht gefunden.

Mir wäre es lieber gewesen, Bungie hätte alle Zeit in einen Modus gesteckt, der dann auch richtig fetzt, statt in zwei.

Ich denke, wie viel Spaß man im aktuellen Destiny haben kann, hängt erheblich davon ab, wie man diese beiden Modi beim ersten Mal empfunden hat:

  • Mir haben sie keine Freude gemacht.
  • Ich kann mir aber vorstellen, dass andere, die Gambit Prime und Abrechnung mögen, total begeistert von dem DLC sind und meine Kritik überhaupt nicht nachvollziehen können.
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Es gibt sicher auch große Fans von Gambit Prime.

Das steckt dahinter: Den generellen Ansatz von Bungie mit dem Annual Pass die Welt so präzise zu erweitern, kann ich nachvollziehen und finde ihn mutig. Klar wäre es noch toller, wenn alle 3 Monate eine „Rundum“-Erweiterung wie Forsaken käme, aber das ist einfach Wunschdenken.

Unter den aktuellen Umständen fährt Bungie wahrscheinlich den deutlich besseren und klügeren Ansatz und setzt seine Ressourcen bestmöglich ein.

ich hoffe nur, dass die Kernaktivitäten der nächsten Saison wieder mehr meinen Geschmack treffen.

Im Vergleich zur Gambit-Prime-Routine erstaunt es mich, wie viel Leben ein einzelnes Event wie die neue exotische Waffe in Destiny bringen kann, die abseits solcher Kernaktivitäten steht. Davon wünsche ich mir mehr in Destiny 2.

Denn ohne solche Dinge halte ich den Ansatz von Bungie für stark polarisierend: Entweder man mag die Kern-Aktivität und findet den DLC und das Grinden gut – oder eben nicht und es gibt kaum Gründe, einzuloggen. Und ich würde gerne wieder mehr Destiny 2 in meinem Leben haben.

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