Final Fantasy XIV: Zelda ist schuld, dass in Stormblood alles anders wird

Das Fantasy-MMORPG Final Fantasy XIV (PC, PS4) führt mit seiner neuen Erweiterung Stormblood zwei Items ein, mit denen Spieler eine Abkürzung nehmen können. Gegen Echtgeld wird sofort die Hauptstory abgeschlossen und der Held wird auf eine hohe Stufe gesetzt. Unsere Autorin Leya traf den Chefentwickler Naoki Yoshida auf einem Preview-Event zu Stormblood. Sie erfuhr mehr über das umstrittene Feature und die Vereinfachung des Games.

Der heutige MMO-Spieler ist anders als früher. Er ist viel beschäftigt, hat immer zu tun und dürstet nach schneller Unterhaltung. Wir leben in einer brausenden Zeit, in der man neben Verpflichtungen wie dem Job, Haushalt oder Kindern lieber keine zusätzlichen mehr eingeht. Casual Gaming – das zwangslose Spielen – passt für viele besser zum Lebenstil als die innige Verbindung mit einem MMORPG.

Dieser Gruppe von Gamern kann das komplexe MMO Final Fantasy XIV nicht mehr gerecht werden.

Naoki Yoshida ist der Chefentwickler von FFXIV und beschrieb diese Wandlung seiner Spieler. Auf dem Preview-Event zu Stormblood gab er an, dass es zu schwierig für neue Spieler sei, einen Einstieg in Final Fantasy XIV zu finden.

Unser Chefredakteur Schuhmann hat mehr als 300 Stunden in FFXIV und kann das bestätigen: Er fühlt sich immer noch wie ein Noob. Casual Gamer haben Schwierigkeiten bei dem hochkomplexen MMO mitzuhalten. Die Entwickler wussten, dass sich sich etwas verändern musste und das wird jetzt mit Stormblood passieren.

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Unsere Leya war im Gespräch mit FFXIV-Chefentwickler Naoki Yoshida

Spiel-Mechaniken werden verschlankt und Gampeplay simpler gestaltet

In Final Fantasy XIV steht das neue Addon Stormblood kurz bevor und wird am 20. Juni für den PC und die PS4 erscheinen. Die Erweiterung ist vollgepackt mit neuem Content, wie den zwei langersehnten Klassen Samurai und Rotmagier oder der Asia-Stadt Kugane.

Neben den neuen Inhalten wird es mit Stormblood viele Anpassungen geben, die das MMORPG vereinfachen. Es werden außerdem zwei Items in den Shop gebracht, mit denen Spieler das MMORPG erheblich verkürzen und direkt zum Endspiel springen können. Die Items werden auch Jumping-Potions genannt.

  • Anpassung der Job-Actions und Skills sollen für mehr Übersicht sorgen: Die Anpassung der Job-Actions und Skills macht einen großen Teil dieser Vereinfachung aus. Die Aktionsleiste war den Entwicklern zu überladen und sie entschieden sich, einige Aktionen zu entfernen oder zu ersetzen. Das System wird so angepasst, dass die Aktionen jetzt auf die Rollen der Charaktere zugeschnitten sind. – Tank, Heiler, Schadensausteiler oder Zauberer. Dadurch verschwinden Aktionen aus der überladenen Leiste. Das soll die Übersicht verbessern.
  • Jumping-Potions als Abkürzung gedacht – sie sind kostspielig: Jumping-Potions sind zwei Boost-Items, die mit Stormblood in den Shop kommen. Gegen Echtgeld können Spieler die Hauptstory überspringen und einmalig einen Job direkt auf Maximal-Stufe setzen. Jobs sind in FFXIV die Klassen, die ein Charakter erlernen kann. Dieses Feature ist umstritten und wird in der Community diskutiert. Die einen finden, dass es doch zu einem echten MMO gehöre, sich durch die Story und das Spiel zu grinden. Andere haben ein Problem mit dem hohen Preis, denn die Potions sind kostspielig. Ein Job-Boost kostet 21,75 Euro. Der Story-Shortcut des Grundspiels kostet 15,75 Euro und 21,75 Euro, wenn man noch die Erweiterung Heavensward oben drauf haben möchte. Zusätzlich bezahlt man noch die monatlichen Gebühren von 12,99 Euro.

Hätten wir die Potions umsonst gegeben, wären Spieler erst recht sauer

Die Entwickler möchten nicht, dass jeder diese Items benutzt. Der hohe Preis soll eine Hürde darstellen und Spieler animieren, sich gut zu überlegen den Weg der Abkürzung zu wählen.

Kauft man den Story- und den Job-Boost zusammen, ergibt das den Wert eines neuen Spiels – 43,50 Euro. Dadurch soll eine gute Balance des Spiels gewährleistet werden. 

Würde auf einmal jeder Neu-Einsteiger diese Potions benutzen, könnte das die Balance des Endgames stören und die Veteranen-Spieler wären erst recht sauer. Endgame-Content, der beladen mit unerfahrenen Spielern ist, kann für Frustration sorgen.

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Spieler, die sich durch den kompletten Content geschlagen haben, könnten das Gefühl bekommen, dass ihre Errungenschaften nicht gewürdigt werden. Zeit ist kostbar und die Potions sollen diesen Wert widerspiegeln. Yoshida betonte, dass die Potions ein Limit besitzen. Jeder Account kann den Job-Boost nur einmal freischalten. Hätte man an den Boosts viel Geld verdienen wollen, hätten die Entwickler kein Limit gesetzt.

Es ginge ihnen darum, Spielern, die keine Zeit investieren können oder möchten, eine Option zu geben, doch mitzuspielen.

Yoshida verglich FFXIV mit einem Berg. Steht man als Neu-Einsteiger ganz unten und schaut hinauf, erscheint es unmöglich und abschreckend mit dem Klettern zu starten. Setzt man Spieler aber auf die Hälfte oder auf das Dreiviertel des Berges, sieht es schon nicht mehr unmöglich aus.

FFXIV_40_Mediakit_20170531_023_1496154091Die Daten und Erfahrung zeigen, Spieler haben keine Zeit mehr für die MMORPGs

Die Jumping-Potions und die Verschlankung von Final Fantasy XIV passen sich an den heutigen Gamer an. Die Entwickler beobachten ihre Spieler genau und werten ihre Daten aus.

In der Database war festzustellen, dass Spieler immer weniger Zeit im Game verbringen. Sie schauten nach, wie oft sich ein Account einloggte, wie lange dieser eingeloggt war und wann er sich wieder ausloggte.

Die Entwickler erstellten Fragebögen und wollten wissen, was der Grund sei, FFXIV nicht mehr oder nur noch wenig zu spielen.

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Zeit. Die mangelnde Zeit stand bei vielen im Vordergrund. Yoshida erzählte von den Daten-Analysen und seiner eigenen Erfahrung. Denn auch er hatte früher eine große Gruppe von Freunden, mit denen er viel Zeit in MMOs verbrachte. Die meisten sind aber mittlerweile dazu übergegangen, lockere Games und MOBAs zu spielen.

Yoshida sieht diesen Trend und ist sich bewusst, dass viele Gamer mittlerweile lieber zur schnellen und kurzweiligen Unterhaltung greifen. Sie wollen sich nicht mehr mit einem Spiel verheiraten.

Zelda ist schuld, dass sich Final Fantasy XIV jetzt wandelt

Yoshida bezeichnet sich selber als absoluten MMO-Junkie und spielt begeistert sein eigenes Spiel – Final Fantasy XIV. Trotzdem schaut er auch mal bei anderen Titeln vorbei. Ein Meisterwerk ist für den Entwickler Zelda – Breath of the WildEr genießt das Game als Spieler, aber stellt sich auch Fragen wie „Warum gefällt mir das Spiel so gut? Wie machen die das?“

Als Entwickler versucht Yoshida, von anderen Games zu lernen.

Zelda Breath of the Wind

Wer hätte gedacht, dass Zelda einen Einfluss auf Final Fantasy XIV haben würde?

Beim Spielen fiel ihm etwas auf: Zelda brach seine eigenen Regeln. In der Zelda-Reihe benutzt der Hauptcharakter Link normalerweise ein Schild, ein Schwert und einen Bogen. In Breath of the Wild wird diese Regel gebrochen. Link benutzt beispielsweise eine Axt oder einen Speer. Die Waffen können zudem brechen, ebenfalls eine neue Mechanik.

Das empfand Yoshida als mutig und hat gelernt, dass Final Fantasy XIV sich weiterentwickeln muss, um das Spiel langfristig spannend und erfolgreich zu halten.

Als Hardcore-MMO-Spieler würde Yoshida sein Game niemals zu einfach gestalten wollen. Trotz der Verschlankungen und Anpassungen verspricht er noch viele Endgame-Herausforderungen. Sein letzter Live-Letter zeigt ebenfalls, dass etwas simpler gestalten nicht heißt, es einfacher zu machen. 

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Werden die Veränderungen neue Plätze in Final Fantasy XIV besetzen können?

Stammspieler und „Anfänger, die sich hochgekauft haben“ – Kann das klappen?

Leya meint: Ob die Spieler die Veränderungen so annehmen, wie Yoshida es sich wünscht, bleibt abzuwarten. Die Veteranen-Spieler zeigen sich skeptisch und finden, dass es einfach zu einem MMO gehört, sich da durchzubeißen. Neu-Einsteiger könnten den Preis der Potions doch zu hoch finden.

Viele bezweifeln auch, ob es tatsächlich funktionieren kann, dass Neulingen mit den Veteranen mitlaufen und zusammen spielen. Denn trotz der Verschlankungen bleibt Final Fantasy XIV ein komplexes Spiel.

Ich selber habe zur Vorbereitung des Events einen Account erstellt und fühlte mich direkt von der Komplexität erschlagen. Ich gab schnell wieder auf.

Auf dem Presse-Event machte ich mit den bereits implementierten Vereinfachungen den Test. Ich begab mich mit 3 Veteranen-Spielern in einen Dungeon. Da unsere Gruppe – wie immer – keinen Heiler hatte und spielen wollte, übernahm ich die Rolle. Meine Veteranen-Mitstreiter empfahlen mir für den Anfang einen Weißmagier.

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Mit Geduld und Humor kann es gelingen

Beim ersten Lauf schaffte ich es nicht, mein Team am leben zu halten und unser Tank starb direkt beim ersten Mini-Boss. Mit Humor stürzten wir uns erneut ins Getümmel und mit (viel) Hilfe meiner Gruppe klappte es beim zweiten Anlauf schon besser. Es brauchte noch einen dritten Versuch und wertvolle Tipps eines Main-Heilers. Aber dann schafften wir den Endboss und den kompletten Dungeon.

Wenn man zusammen mit erfahrenen Spielern unterwegs sein möchte und keine Zeit hat, sich hochzuleveln, können diese Potions nach meinem ersten Eindruck durchaus funktionieren. Veteranen können einen ein bisschen an die Hand nehmen und begleiten, bis man den Dreh selber raus hat. Dazu müssen sie allerdings auch Geduld mit dem Neuling haben. Im Alleingang und ohne Erfahrung die Potions benutzen und den End-Content erfolgreich spielen – das halte ich für schwierig.


Mehr zu den Jumping-Potions, die mit Final Fantasy XIV Stormblood kommen, lest Ihr hier.

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