GameStar.de
› So doof stärkt PUBG gerade die Konkurrenz von Fortnite
Fotnite vs PUBG

So doof stärkt PUBG gerade die Konkurrenz von Fortnite

Das Drama um den Battle-Royale-Modus könnte für Fortnite der PR-Coup des Jahres werden. Dabei macht die Arbeit jemand anderes.

Die Ausgangssituation

  • Fortnite ist ein interessanter Genremix, der vor Mitte Juli einen Hype auslösen konnte. Fortnite verbindet Bauelemente mit Shooter-Mechaniken. Im Sommer, als sonst nichts los war, kam Fortnite praktisch aus dem Nichts und war 2-3 Wochen ein großes Thema in der Gaming-Welt. Der Hype ist aber relativ schnell wieder abgeflacht.
  • PlayerUnknown’s Battlegrounds hingegen ist das Spiel des Jahres. Der Battle-Royale-Modus hat das Spiel zu ungeahnten Höhen geführt. Das Spiel bricht einen Rekord nach dem anderen, läuft auf Twitch hervorragend.

Die erste Aktion: Fortnite bringt den Ball ins Rollen

Jetzt hat Fortnite beschlossen, selbst einen “Battle-Royale-Modus” zu entwickeln, der an PlayerUnknown’s Battlegrounds angelehnt ist. Dieser Modus soll vollkommen kostenlos erscheinen und das auf PC, PS4 und Xbox One. PlayerUnknown’s Battlegrounds ist noch nicht auf den Konsolen zu spielen.

PUBGNITE

Dieser Entschluss von Fortnite hat einige “interessante Reaktionen” von Bluehole hervorgerufen.

Die zweite Aktion: Bluehole meckert

Bluehole, die Firma hinter PUBG, echauffiert sich in einer Pressemitteilung, dass Epic Games mit Fortnite ein nahezu identisches Konkurrenzprodukt rausbringt und dafür sogar mit PUBG wirbt. Quasi ein „Fortnite PUBG für lau“. Bluehole kündigt an, darüber nachzudenken, Maßnahmen gegen Epic einzuleiten, da das Gameplay zu viele Ähnlichkeiten aufweise.

PUBG verschnupft wegen Kopie in Fortnite – Denkt über Maßnahmen nach


Die Folgen:

  • Für viele Leser wirke die erste Pressemitteilung so, als würde die Firma hinter PUBG das alleinige Sorgerecht für ein Genre oder den Deathmatch-Modus beanspruchen wollen.
  • In den Kommentaren macht sich bei den Fans Unverständnis breit, es zeichnet sich ein „weinerliches, unsouveränes Bild“ von PUBG ab.
  • Der Streisand-Effekt zeigt Wirkung: Der Versuch, etwas “unten” zu halten, sorgt erst dafür, dass es richtig nach oben kommt. Das Interesse an Fortnite steigt, auch bei jenen, die bisher noch nie Fortnite gespielt haben.

Die dritte Aktion: Bluehole streut sich selbst Salz in die Wunde

In einem Interview mit der PCGamer setzt Bluehole mit Vice-President C. H. King zu einem weiteren Rundumschlag an. Das Gameplay rückt in den Hintergrund und die Geschäftsbeziehung zwischen Epic und Bluehole werden zum Schauplatz, zum eigentlichen Aufreger.

Bluehole fühle sich missverstanden und wolle nun einiges klarstellen. Zusammengefasst: Bluehole befürchtet, Epic Games könnte jetzt das Knowhow von PUBG nutzen, um die Engine und ihren eigenen Modus zu verbessern. Dazu kommt, dass Bluehole eine Menge Geld an Epic für Unreal Engine 4 zahlen würde und sich eine bessere Kommunikation gewünscht hätte. Und es kommt wieder das Argument mit der “Lizenz für Battle-Royale”.  Andere Spiele hätten das ja getan, nur Fortnite nicht.

Wir zahlen denen einen Haufen Geld und dann das – PUBG zu Fortnite


Die Folgen:

  • Diese Meldung erreicht immer mehr Menschen, verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
  • Vereinzelt zeigen Spieler Verständnis, aber der Tenor bleibt der gleiche oder bestärkt die Kritiker sogar in ihrer Meinung, was viele sarkastische Äußerungen wie “Kann ich auch Luft lizenzieren?” hervorbringt.
  • Zwischen den Zeilen des PC-Gamer-Interviews wirkt es so, als wäre Bluehole eingeschnappt und fürchte, dass „eine große Firma“ wie Epic einem Indie-Unternehmen den Erfolg nicht gönnen würde. Bluehole vermittelt das Bild des Opfers, des Underdogs, was bei der Größe von PUBG so mittel-gut ankommt.

Die neue Situation

PlayerUnknown’s Battlegrounds kommt grade irgendwie arschig und sehr “Business-gesteuert” rüber und hat viele Sympathien eingebüßt.

Fortnite hingegen, eigentlich ein Spiel auf dem absteigenden Ast, hat mehr Aufmerksamkeit als je zuvor. Die PUBG-Fans, gerade auf PS4 und XBox One, haben jetzt von Fortnite gehört und durchaus Lust, den Shooter-Modus auszuprobieren. Das ganze Drama hat viele erst auf Fortnite neugierig gemacht. Und das kurz vor dem Free2Play-Launch von Battle Royale Fortnite am 26.09.

Wie konnte das aus Sicht von PUBG so furchtbar schiefgehen?

Bluehole hat die Stimmung völlig falsch eingeschätzt.

Es sind Bluehole drei gravierende Fehler unterlaufen:

  • Einmal hat sich da ein koreanischer “Vice President” an die Medien gewandt, der offenbar nicht abschätzen konnte, wie die westliche Öffentlichkeit auf seine Aussagen reagieren würde. Er hat seine Probleme aus “Business”-Sicht geschildert. Die sind den Spielern aber herzlich egal. Die Spieler wollen Spiele – wo die Ideen dafür herkommen, ist ihnen gleichgültig: Je mehr Konkurrenz, je mehr Angebot, desto besser ist das für den Spieler. Der Vice President hat sich komplett verzockt. Überlegungen, irgendwelche Maßnahmen einzuleiten, sind kein Material für eine Pressemitteilung, die Spieler erreicht – sondern etwas, was Bluehole im ersten Schritt intern mit Epic hätte klären müssen.
  • Dann hat PUBG eine offene Flanke: Das Spiel gibt’s nur für den PC. Spieler auf PS4 und Xbox One sind ungeduldig und wollen endlich spielen. Der Tanz von PUBG mit Microsoft stieß vielen Spielern auf PS4 schon sauer auf. Kommt PlayerUnknown’s Battlegrounds für die PS4 oder kommt es nicht? Viele sind diese “Business-Seite” des Gamings ohnehin leid – da ist nicht viel Sympathie zu erwarten.
  • Bluehole wollte sich selbst als “Opfer” oder “David” inszenieren, der als kleine Firma gegen den Riesen “Epic Games” antritt – das hat aber überhaupt nicht geklappt. Denn Spieler sehen nicht die Firma “Bluehole”, sondern sehen das Riesen-Game “PlayerUnknown’s Battlegrounds” das einen kleineren Konkurrenten unten halten will. Das kommt nicht gut an.

Wie man “als großer Favorit” besser mit Konkurrenz umgeht, zeigt übrigens Twitch. Dort ging man mit der vermeintlichen Konkurrenz durch YouTube einmal deutlich souveräner um:


Das weist den “kleinen” humorvoll auf seinen Platz, zeigt eigene Stärke und Souveränität. Das hätte Bluehole und PlayerUnknown’s Battlegrounds in diesem Fall besser gestanden. Zumal Fortnite jetzt nicht für seine überragende Shooter-Mechaniken bekannt ist und auch in der Grafik eine komplett andere Zielgruppe anspricht.

Hätte man humorvoll oder einfach gar nicht reagiert, wäre es deutlich besser gewesen.

Dawid Hallmann

Head of Mein MMO.

Fotnite vs PUBG

PlayerUnknown’s Battlegrounds

PC