WoW, LoL: „Abo kündigen, um Änderungen herbeizuführen? Bringt nichts“

Abo kündigen um ein Signal zu setzen! Das bringt nichts, meint einer der führenden Entwickler von World of Warcraft und League of Legends.

Vielen Spielern dürfte Greg Street, besser bekannt als „Ghostcrawler“, noch ein Begriff sein. In seinen Anfängen hat er an Age of Empires mitgearbeitet, später verschlug es ihn nach World of Warcraft als Lead Systems Designer. Inzwischen arbeitet er an League of Legends als Lead Designer, spricht auf seinem Blog aber noch oft über Warcraft oder die Spieleindustrie im Allgemeinen. In einem seiner neusten Beiträge redete er ausführlich darüber, warum „Abo kündigen als Protest gegen Designentscheidungen“ kaum etwas bringt.

Die Fragestellung eines Nutzers lautete:

„Das Abo zu kündigen erscheint oft der einzige „richtige“ Weg der Spieler zu sein, ihre Unzufriedenheit in einer Art auszudrücken, dass es die Entwickler betrifft. Aber ich habe nie verstanden, wie genau die Entwickler darauf reagieren. Verstärkt Ihr Eure Bemühungen? Verwerft Ihr Pläne? Lasst das Spiel verkommen?“

League of legends Ahri

Wir haben einige Passagen des Blogs übersetzt und die spannendsten Stellen herausgearbeitet:

„Entwickler interessiert es, warum du mit dem Spiel aufhörst und sie wollen wissen, warum du es tust. Aber für Spiele wie League of Legends oder World of Warcraft, ist die Antwort fast immer „Ich habe weniger Zeit zu spielen (Job, Schule, Familie)“ oder „Meine Freunde spielen nicht mehr.“ (Das basiert darauf, dass ich sehr viele Daten gesehen habe – und steht nicht wirklich offen zur Debatte.)“

WoW Legion Sylvanas Valkyr

Dass Leute sich von einem Spiel abwenden, weil ihnen eine spezifische Designentscheidung nicht gefällt (entgegen dem, was man in Foren und auf Reddit liest) ist tatsächlich sehr selten. Ich weiß, dass es passiert, aber wenn man ein Ranking der Gründe fürs Aufhören machen würde, dann wäre dieser Punkt so weit unten in der Liste [dass es kaum eine Bedeutung hat]. Es ist sehr selten, dass man sieht „Wow, diese Änderung hat uns 10.000 Spieler gekostet. Lasst sie uns rückgängig machen!“ Grundsätzlich würde ich also nicht befürworten, ein Spiel zu boykottieren um den eigenen Standpunkt klar zu machen, besonders dann, wenn man das Spiel eigentlich liebt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass daraus eine Änderung entsteht.“

Für die beste Möglichkeit hält Ghostcrawler es noch immer, Kritik und Feedback in sachlicher Form im Forum des jeweiligen Spiels anzubringen. Er weiß, dass das oft frustrierend ist, weil es keine Antwort für alle Beiträge gibt und niemals eine Garantie gibt, dass das Gewünschte auch eintritt.

In den meisten großen Spielen gibt es verschiedene Trends über ihre Lebensdauer hinweg. Mal verliert man über Monate anhaltend Spieler, dann steigt die Zahl wieder über ein Quartal hinweg.

„Und das ist interessant. Wenn man viele Spieler über, sagen wir, die Dauer eines halben Jahres verliert, dann löst das im Entwicklerteam fast immer zwei komplett gegensätzliche Reaktionen aus. Die eine Seite meint „Spieler langweilen sich – wir müssen mutiger und innovativer sein!“ und die andere „Wir verändern so viel am Spiel, dass wir unsere Seele verlieren. Wir müssen zurück zu den Anfängen!“

League of Legends Header

Eine klare Antwort auf diese Problematik gibt es nur selten. Es sei häufig ein Mischmasch aus beiden Richtungen, den man anstreben muss, um den Bedürfnissen der meisten (niemals allen) gerecht zu werden.

„Meiner Wahrnehmung nach sind die Spieler und Entwickler im „Wir haben zu viel geändert“-Team meistens jene, die aktuell weniger Zeit mit dem Spiel verbringen, als sie es früher getan haben. Den Anschluss an Änderungen zu verlieren passiert meistens Spielern, die früher jeden Tag und heute nur noch einmal pro Woche oder gar Monat spielen. Sie erinnern sich daran, wie sie früher alles wussten, was im Spiel vor sich geht. Dass das nicht mehr der Fall ist, bedrückt sie und entfremdet sie vom Spiel. Auf der anderen Seite brauchen Spieler, die viel Zeit im Spiel verbringen, vermutlich etwas neues und frisches, sodass sie auch weiterhin Dinge im Spiel zu erledigen haben.“

WoW Fanart Druid

Den kompletten Blog im englischen Original findet Ihr wie gewohnt in unseren Quellen.

Cortyn meint: Es allen Spielern recht zu machen wird niemals gelingen, aber es ist durchaus spannend, das Ganze mal aus der Sicht eines Entwicklers zu sehen, der an einigen der größten Spieletitel überhaupt mitgearbeitet hat. Persönlich gehen mir die ganzen „Wenn X kommt, dann kündige ich“-Schreier ohnehin auf den Keks, genau wie die „Das Spiel ist tot, wenn Ihr Y macht“-Leute ebenfalls. In den allermeisten Fällen ist die Mehrheit der Spieler am Ende doch zufrieden und wenn man es selbst mal nicht ist – dann gehört man wohl schlicht nicht zur Mehrheit.


Abo kündigen lohnt auch nicht, denn in WoW gibt es bald neue Konflikte – etwa zwischen Genn und Anduin.

Quelle(n): askghostcrawler.tumblr.com
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Psyclon

Als mit Heavensward angekündigt wurde, dass Nicht-Spieler kostenlose i120-Ausrüstung bekommen, während ich mein Abend- und Tagsternset in Brüllvolx-Hardmode über (kann man nachrechnen) knapp 5 Monate gefarmt habe, und Yoshida der wohl unfähigste „Game Designer“ ist, den ich in meiner Spielerkarriere erleben durfte.. nunja, NEXON, aber die sind sich wenigstens bewusst, dass die kacke sind… habe ich einfach meine Subscription ablaufen lassen und statt Heavensward einfach mal Heart of Thorns vorbestellt. Die beste Entscheidung meiner Videospiel“karriere“ bis jetzt, abgesehen vom Kauf einer XBOX anstelle der Mainstream-Konsole PS2.

Als Square Eenix weiter abgebucht hatte, trotz gekündigtem Abo, musste ich die SEPA-Erlaubnis entziehen. Geld wegen Unzufriedenheit zu verlieren ist wichtig. Kritik wurde kundgetan und steht immer noch in meinem Lalafell-Blog im Lodestone – aber Squeenix kümmert sich einen Scheißdreck um die Community, wenn es nicht die Japsen sind.

Ectheltawar

Es ist durchaus eine gewagte Aussage das Abo-Kündigungen nichts bewirken. Das mag bis zu einem gewissen Rahmen sogar korrekt sein. Eventuell ist jemand wie Greg Street da auch ein eher schlechter Gesprächspartner, da er im Grunde an Titeln gearbeitet hat, die man eher als „erfolgsverwöhnt“ bezeichnen darf. Wenn ein Spiel an etwas rumschraubt und daraufhin einen Abo-Schwund von über 50% feststellt, dann werden solche Kündigungen durchaus etwas bewirken. Solange sich die Kündigungen in einem gesunden Rahmen bewegen, mag es schon zutreffend sein was er sagt.

Gerd Schuhmann

Ja, das kann gut sein.

Ich denke aber, was er sagt: „Ich hab jetzt weniger Zeit“ oder „Meine Freunde spielen es nicht mehr“, sind aber schon gute Gründe. Ich hab auch mit Sachen aufgehört, die ich früher wahnsinnig viel gemacht haben, nicht weil die sich verändert haben, sondern weil ich mich unabhängig davon verändert habe.

Und wenn dann die soziale Bindungen wegbrechen, weil die auch was anderes machen, dann ist das halt so.

Wenn ich an WOW denke, da haben viele aufgehört, weil a) Job fängt an, muss ich ernst nehmen, b) Ich heirate jetzt, nicht mehr so viel Zeit oder c) irgendeine andere große Änderung. Aber es war nie so, wie das in Foren rüberkommt: Woah, wenn ihr den und den Skill um 2% schlechter macht, dann hör ich sofort auf und alle, die ich kenne, auch!

Diese „Spieler-Drohungen“, die man oft in Foren liest. Ich glaub die sind echt nix wert. Ich seh das ja hier auch, wie häufig das irgendwo steht. Da ist doch nix dran. Da macht man sich in dem Moment mal Luft, aber ohne Konsequenzen.

Ectheltawar

Bitte nicht falsch verstehen, ich denke schon das was er sagt soweit wahr ist, aber eben nur bis zu einer gewissen „Schmerzgrenze“.

Was die Forenheuler angeht, so hab ich da noch nie viel drauf gegeben und kann nur jeden Entwickler unterstützen, der diese ignoriert. Die „Unzufriedenen“ sind oftmals eine eher kleine Spielergruppe, die lediglich dadurch auffallen, weil sie halt die lauteste ist. Das liegt aber simpel daran das jemand der mit Spiel XY zufrieden ist, das nicht ständig kund tun muß.

Auch kenne ich selbst genug Spieler, die am Ende doch eher aufgehört haben wegen Job, Familie und Co. Daher ist die Aussage gewiss nicht falsch das es oftmals ein Großteil ist der aus diesem Grund kündigt. Jedoch eben nur in einem bestimmten Rahmen und das wäre dann die von mir angesprochene Schmerzgrenze.

Was die besonders schlimmen Heuler angeht, so finden sich diese in fast jedem Spiel. Das lustigste an diesen ist aber das sie nie müde werden mit Kündigung zu drohen, oftmals aber die langjährigsten Kunden sind, da es in vielen Fällen eben beim Androhen der Kündigung bleibt. Der Großteil an Spielern, die wegbrechen aus Unzufriedenheit, werden das ohne große Worte tun.

Nomad

Sehe ich ähnlich, und sogar noch viel extremer. Im Grunde interessiert niemanden das ganze Feedback, keine Kündigung und kein Forumsgeschrei.
Die Entscheidungen werden meiner Erfahrung nach von Finanz-Managern getroffen, die selbstherrlich glauben, am besten zu wissen, wie man am meisten Kohle aus einem Spiel holt. Der Entwickler/Designer entscheidet wenig, er darf umsetzen, was die Manager ihm diktieren. Er mag sich zwar das Feedback anhören, und versuchen es in Details in seine Entwicklung einfliessen zu lassen, Aber die wirklich großen Punkte werden von anderen gesetzt.
Natürlich haben sinkende Abo-Zahlen und die Unzufriedenheit der Kunden einen gewaltigen Einfluß, aber eben nicht derart, dass der Manager seine eigenen Entscheidungen hinterfragt. Er wird neue (Bauch-)Entscheidungen treffen, die seiner Meinung nach das Spiel wieder attraktiver machen. Was der gemeine Foren-Schreihals von sich gibt – mähhh, was die eigenen Entwickler einbringen – mähhh – Cheffe hat die Raffe, nicht die kleine Programmiererin, nicht der Grafik-Junkie.
Man muss sich doch nur Diskussionsrunden ansehen, wie leitende Figuren auf kritische Anmerkungen reagieren. „Ja, man nimmt natürlich alles ernst … aber man hat da jetzt ganz neue, tolle Sachen in Arbeit … die alle Kritiken obsolet machen werden …. eine ganz neue Spielerfahrung … bla….“ (übersetzt: was interessiert mich euer Gequatsche)

Psyclon

„Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich spiel.“

Leider ist es paradoxerweise nicht das Brot der Spieler, sonder das Brot der Share Holders – welche eigentlich nur unser Brot recyclen…

Alzucard

Jede Veränderung hat Liebhaber und Hater. Ich persönlich kenn das sehr gut. Ich fand zum Beispiel die Änderungen an League of Legends, die mit der Zeit vorgenommen worden nicht so schön udn habe nach langer Spielzeit aufgehört, aber bei LoL spricht der Erfolg wahrlich für sich.

Ein gutes Beispiel dafür, dass es Liebhaber und Hater gibt ist für mich Paragon oder Skyforge.
Die Veränderungen, die an beiden Spielen vorgenommen wurden waren seehr drastisch udn haben das komplette Spiel umgekrempelt. Ich denke ich kann mittlerweile offen über die ersten Alphaphasen bei Paragon reden. In der technischen Alpha ging es ja um das ganze System und ich fand die neuen Ideen, die die Entwickler hatten sehr gut. Ich habe ihnen immer fleißig Feedback gegeben und versucht das Spiel in eine Richtung zu führen, die hoffentlich mehr Leute anspricht. Das Spiel war in gewissen Teilen zu langsam, aber einige Veränderungen, die vorgenommen wurden haben mich doch ziemlich schockiert und verwundert, da das Spiel einfach von Taktisch Komplex eher in Richtung LoL einfachheit abgedriftet ist.. Es vielen einfach sehr viele Dinge weg.
Ich habe mich mittlerweile damit arrangiert, aber ich vermisse doch die alten Systeme.

Die Änderungen an Skyforge wiederum noch extremer. Mittlerweile ist es ja ein ganz neues Spiel und es wurde noch verwirrender.

Numen

Ich glaub bei einem Spiel wie RuneScape kann mann sehen das so ein Boykott nichts bringt, Jagex hat sich trotzdem durchgesetzt mit EoC.

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