Nach 25 Stunden in Anthem bin ich ziemlich begeistert und finde die Tests zu hart

Unser Autor Schuhmann hat mittlerweile 25 Stunden in Anthem verbracht und ist mit der Kampagne durch. Er ist von Anthem ziemlich begeistert. Er versteht zwar die Kritik etwa am Loot-System – die Verisse in den Tests hat Anthem aber nicht verdient, glaubt er.

Hier stehe ich in Anthem: Ich hab gestern Abend die Kampagne abgeschlossen und alle Nebenmissionen erledigt, die es bis dahin gab. Damit hab ich gut 25 Stunden verbracht und bin auf Level 29 angekommen, bin also nur noch wenige Nebenmissionen vom Endgame entfernt. Ich hab in der Zeit nur den Storm gespielt, den Magier-Javelin.

Mit 25 Stunden bin ich bei der Spiellänge von Anthem im Vergleich zu anderen wohl eher langsam unterwegs. Ich hab seit dem 15.2. jeden Abend zwischen ein oder zwei Stunden gespielt.

Anthem-javelin-front-storm
Das ist mein Javelin auf Stufe 29 in Anthem – ist doch hübsch, oder?

So hat’s mir gefallen: Von den ersten 25 Stunden bin ich angetan. Ich weiß, dass viele Probleme mit Ladescreens und Bugs hatten – davon habe ich auf meinem PC nichts mitbekommen. Anthem liegt bei mir komplett auf einer SSD von Samsung. Offenbar behebt diese 70€-Lösung die ewig langen Ladescreens, über die sich viele beschweren.

Mich hat nur Origin, die tolle Plattform von EA, zwei oder dreimal geärgert. Nach Patches habe ich da schon öfter ganz Origin neuinstallieren dürfen.

Die Art, wie ich Anthem spiele, hat hervorragend funktioniert: Ich spiele solo, nutze aber immer das Matchmaking, um die Missionen mit drei zufälligen Leuten anzugehen. Nach der „Grind-Quest“ lief’s super durch, ich hatte eigentlich keinen Stolperstein mehr.

Ich hab immer alle verfügbaren Nebenquests erledigt, bevor ich mit der Hauptquest weitergemacht habe und brav die Dialoge gehört, ab und zu hab ich da aber mal vorgespult: Nicht jede Story-Line im Fort hat mich interessiert. Und manchmal wollte ich einfach zu gerne wieder zurück in die Action.

Anthem Owen Corley Daumen hoch
Owen, eine meiner Lieblingsfiguren in Anthem.

Das sind die großen Stärken von Anthem:

  • Mich beeindruckt vor allem das „Instant Matchmaking“, das mir immer sofort eine Gruppe für die Aktivität sucht. Bisher hatte ich mit den Random-Gruppen auch meist Glück. Sogar durch die Festungen hatte ich schon einige coole und glatte Runs. Dieses „Matchmaking für alles“ gefällt mir ausgesprochen gut.
  • Auch den „Macht-Anstieg“ spüre ich mit zunehmendem Level – für mich eine wichtige Sache in RPGs.
  • Die Kämpfe und die Art, wie ich durch die Welt fliege, finde ich auch nach 25 Stunden noch richtig super – ich freue mich auf jede neue Mission.
Anthem Haluk angry
Haluk und Faye sind mir beide in den 25 Stunden ans Herz gewachsen
  • Die Dialoge im Fort und den bunten Cast an Nebenfiguren empfinde ich als gelungen. Nicht jede Storyline ist fantastisch, aber ich verfolge sie interessiert und muss häufig schmunzeln. Figuren wie Dax oder Sentinel Brin sind super gemacht, auch toll synchronisiert auf Deutsch. Die Hauptstory und die Figuren darin mit Owen, Haluk und Faye finde ich richtig gut.
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Anthem im Test – Was sagen Reviews auf Metacritic?

Diese Kritikpunkte an Anthem kann ich nicht teilen: Schon kurz nach dem Frühstart von Anthem ist viel Kritik auf Anthem eingeprasselt. Das Spiel steht aktuell bei 60% auf Metacritic.

Die großen Kritikpunkte, die Missionen seien „repetitiv“ und die Story nicht „BioWare-würdig“, kann ich beide aus meiner Warte zwar nachvollziehen, aber ich teile sie nicht:

  • Ich hatte nicht die Erwartung an Anthem, da eine Story zu erleben, wie vor 20 Jahren in RPG-Klassikern. Die Story, die ich erlebt habe, fand ich unterhaltsam und absolut okay. Die Dialog-Optionen sind zwar nur Schauwerk und tragen nicht wirklich was zur Story bei. Das kenne ich aus Online-RPGs aber nicht anders.
  • Die Missionen machen mir nach 25 Stunden immer noch gute Laune und ich freu mich drauf, weil ich das Gameplay hier extrem stark und gelungen finde.
  • Bugs und Probleme, die andere mit dem Spiel haben, hab ich nicht erlebt.
  • Die Welt kommt mir interessant und spannend vor. Allein das Fliegen von Punkt zu Punkt in einer Mission finde ich großartig.
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Einem Kritikpunkt an Anthem stimme ich überhaupt nicht zu

Diesen Punkten in der Kritik stimme ich zu: Dennoch gibt es zwei Probleme, die ich ansprechen möchte. Das sind Kritikpunkte, die ich häufig zu Anthem gelesen habe und die ich nachvollziehen und teilen kann.

Untätiges Warten auf die Hilfe

Das ist ein Problem im Gameplay: Wenn man tot ist, ist man in Anthem in den meisten Situationen zur Untätigkeit verdammt. Denn in den harschen Kämpfen herrscht häufig Respawn-Verbot.

Man kann nicht mal richtig anderen Spielern zusehen oder irgendwas machen, sondern muss warten, bis einer wen aufhebt.

Das ist eine frustrierende Erfahrung. Zwar war es in den „heftigeren Kämpfen“ dann so, dass man Teammitgliedern hatte, die einen reparierten, aber die Situation fühlt sich einfach nicht gut an. Das macht keinen Spaß.

Anthem-Javelin-Reparatur
Ein Javelin in Anthem wartet auf die Reparatur. Bildquelle: Kotaku

Das wäre eine Lösung: Anthem sollte einen wenigstens krabbeln lassen. Der Anzug ist kaputt und man kann sich nicht mehr „kraftvoll“ darin bewegen, okay. Aber wenigstens in eine bessere Position kriechen, sollte doch drin sein.

Zu wenige Entscheidungen beim Loot

Das ist ein Problem mit der Motivation: Der Loot ist in Anthem im Early-, Mid- und Lategame einfach zu langweilig für so ein Spiel – egal, ob man es als Lootshooter oder als MMORPG light sieht.

Was für Loot man findet, hängt in Anthem am Level und da wird man die ersten zig Stunden arg eingeschränkt.

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Ich hab nach 25 Stunden in Anthem fast keine Entscheidung zum Loot treffen müssen. Denn die Items, die ich fand, waren im Prinzip immer die gleichen nur mit einem höheren Level und anderen Inschriften, auf die ich nicht sonderlich geachtet habe.

Meisterwerkwaffen mit coolen Boni habe ich noch nie gefunden – die gibt’s offenbar erst regelmäßig ab Level 29 oder 30.

Anthem-Storm-Skills-Sprengsiegel
Es gibt 5 Skills als Sprengsiegel für den Storm – relativ schnell hat man alle gefunden und sich für einen entschieden.

Ich hab mich irgendwann mit Level 10 für zwei Skills für den Storm entschieden (Eissturm/Feuerball) und nehme dann einfach die Waffen mit der höchsten Stufe dazu.

Dadurch dass man bis Level 29 praktisch keine „besonderen Items“ findet, sondern nur Standard-Sachen, ist das Loot einfach langweilig, weil es kaum Entscheidungen von mir abverlangt.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, mit welcher Waffe ich genau spiele oder welche Inschriften da draufliegen.

Anthem-Storm-Waffen
Welche Waffe ich da nutze? Die mit dem höchsten Level.

Nachdem ich die Komponenten und Skills einigermaßen hinbekommen hatte und mich für ein Setup entschied, war der Teil des Spiels schon früh fertig und ich hab dann einfach nur ein Item durch das gleiche mit höherer Stufe ausgetauscht und bei Waffen das genommen, was da war.

Hier drängt sich der Vergleich zu Spielen wie Destiny oder Diablo auf, wo man früh besondere Items mit außergewöhnlichen Boni bekommt, die Entscheidungen abverlangen:

  • Will ich eine Waffe mit höherem Level nutzen?
  • oder behalte ich meine exotische oder legendäre Waffe mit der tollen Bonus-Fähigkeit?

Solche Entscheidungen über mein Setup und meinen Loot hätte ich mir von Anthem gewünscht. Offenbar geht das erst ab Stufe 30 los.

25 Stunden in einem Loot-Shooter, ohne solche Entscheidungen treffen zu müssen, sind mir zu lang.

Anthem-Storm-Komponenten
Hat man sich bei den Komponenten auf ein Setup geeinigt, wechselt man nur zum nächsthöheren.

Das wäre eine Lösung: Einfach niedrigstufige Meisterwerk-Waffen mit besonderem Bonus erlauben. Hoffentlich kommt das noch mit weiteren Änderungen am Loot-System.

Anthem aus Sicht eines Online-Spielers

Darum sehe ich Anthem anders als viele Tester: Ich hab das Gefühl, dass ich mich deutlich anders an Anthem herangegangen bin als viele Tester, die das Spiel schon nach wenigen Tagen werten mussten.

Häufig bekam ich von diesen Tests einen „Früher war alles besser“-Vibe.

Ich sehne mich nicht danach, dass BioWare wieder die RPGs von vor 20 Jahren entwickelt. Die hab ich damals zwar auch gespielt, aber mittlerweile bin ich überzeugter Online-Gamer.

Ich sehne mich nach interessanten neuen Spielerfahrungen in Online-Games. Die bot mir Anthem in den ersten 25 Stunden.

Anthem-Colossus
Kollege Albrecht hat schon alle 4 Javelins auf „episch“, wie er mir sagt – auch den Colossus.

Als Fan von Online-Spielen lege ich viel Wert auf Core-Gameplay und eine angenehme Spielerfahrung. Hier glänzt Anthem für mich.

Das Spiel hat noch viel Verbesserungspotential, gerade beim Loot und in der Politur, sicher. Aber das ist für mich kein „unfertiges Spiel“, sondern das ist ein Zyklus, den ich mit Online-Game seit fast 20 Jahren durchmache: Die Spiele beginnen mit einem soliden Kern, wachsen dann und werden hoffentlich besser. Und es macht Spaß, sie dabei zu beobachten und begleiten.

Bisher hab ich die ersten 25 Stunden in Anthem nicht bereut. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Im Endgame soll es ja Schwierigkeiten geben und viele werfen Anthem vor, „zu kurz zu sein.“

Ich werde Euch dann hier auf MeinMMO mitteilen, ob sich meine Einschätzung von Anthem nach dem Endgame entscheidend ändert.

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