Warum das 17 Jahre alte MMORPG RuneScape immer noch begeistert

Das MMORPG RuneScape wurde im Jahr 2001 erstmalig veröffentlicht. Die spezielle Retro-Version „Old School“, die dem RuneScape vor 17 Jahren nachempfunden ist, wächst beständig weiter. Unsere Leya hat sich gefragt, warum das eigentlich so ist und sich auf die Spuren des MMORPGs begeben.

RuneScape ist eins der ältesten MMORPGs der Welt und stammt vom britischen Entwickler Jagex. Für viele Spieler im Alter von 25 bis 35 Jahren war das heitere Game der erste Berührungspunkt mit einem MMORPG. Es kam damals 2001 als kostenloses Browsergame heraus und spielt sich seither in der pseudo-mittelalterlichen Fantasywelt Gielinor ab.

Seit der Schließung von Classic RuneScape existieren nun zwei Versionen des Spiels: 

  • RuneScape 3: Das ist die „normale“ Version, die regelmäßig grafische Überarbeitungen erhält und auch mit Gameplay-Änderungen erweitert wird.
  • Old School RuneScape: Diese Version ist dem 17 Jahre alten RuneScape aus den Anfängen nachempfunden und wurde auf Wunsch der Fans 2013 veröffentlicht. Das Game besitzt noch die alten Grafiken, die wir aus heutiger Sicht wohl als hässlich abstempeln würden. Auch die alten, sperrigen Mechaniken des MMORPG-Klassikers lassen sich hier finden.
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    Old School RuneScape sieht noch genauso aus wie das kostenlose Browsergame aus dem Jahr 2001.

Old School RuneScape hat noch erstaunlich viele Spieler und es werden mehr

Retro-Version hat mehr Spieler: Seit Jahren schon tauchen immer wieder Foren-Beiträge mit der Frage auf, wieso Old School RuneScape immer noch so aktiv bespielt wird. Es geht sogar soweit, dass viele Anhänger die alte Version gegenüber dem „normalen“ RuneScape 3 bevorzugen.

Etwa 60.000 gleichzeitige Spieler in 2018: Old School Runescape schafft es im Schnitt täglich um die 50.000 bis 60.000 Spieler gleichzeitig zu versammeln. Seit seinem Release in 2013 ist hier sogar eine starke Tendenz nach oben zu beobachten, wie die blaue Linie in der unteren Grafik zeigt.

Auf Twitch beliebt: Sogar auf Twitch scheinen niemanden die verpixelten Grafiken und altes Gameplay zu stören. Die Twitch-Seite zu Oldschool RuneScape verzeichnet immerhin 179.304 Follower mit 9.707 Zuschauern (9. September, 18:00 Uhr). Besonders gerne wird hier der eSports-PvP-Modus „Deadman“ geschaut, der in Seasons stattfindet.

Die Grafik stammt von misplaceditems.com. Die Webseite holt alle 5 Minuten von RuneScapes Webseite die Zahl der Spieler, die gerade online sind. Das Script dazu läuft seit 2013 bis heute. Stand: 9. September, 17:00 Uhr

Warum? Wer Old School RuneScape von außen betrachtet, muss sich zwangsläufig die Frage nach dem Warum stellen. Warum sollten so viele Spieler dieses alte MMORPG bevorzugen, wenn es doch andere, modernere, hübsche Alternativen wie World of Warcraft, The Elder Scrolls Online oder sogar ein RuneScape der Neuzeit gibt.

Genau dieser Frage ging ich auf den Grund und besuchte dafür das Runefest 2018, ein großes Fan-Festival, bei dem Spieler und Entwickler zusammen ihr Spiel feiern. Das Runefest musste dieses Jahr erstmalig umziehen und fand in einer größeren Event-Halle als bisher statt, da so viele Fans teilnahmen – ebenfalls ein Zeichen des Wachstums.

Für Veteranen spielt Nostalgie eine Rolle

Interview, um eine Antwort zu finden: Auf dem Runefest 2018 hatte ich die Gelegenheit mich mit Mathew Kemp zu unterhalten, der Senior-Product-Manager für Old School RuneScape. Ich bat ihn mir einen tieferen Einblick in das Phänomen zu geben.

Besonders interessierte mich, wieso so viele Spieler die Retro- gegenüber der modernen Version bevorzogen würden.

Senior-Product-Manager Mathew Kemp glaubt an Nostalgie:Ich kann Dir auf jeden Fall erzählen, warum von so vielen Leuten gespielt wird. Ich kann Dir nicht sicher sagen, warum einige Spieler lieber das eine als das andere spielen. Ich habe es immer so betrachtet: Früher, war Old School RuneScape das relevante Spiel seiner Zeit (2005-2007), das ist jetzt 12 bis 14 Jahre her. Die Spieler waren damals 12 bis 14 Jahre alt und sind jetzt in ihren späten Zwanzigern bis frühen Dreißigern.“

Matthew-Kemp

Matthew Kemp ist den Spielern auch als Mod Mat K bekannt und Senior Product Manager bei Jagex.

„Diese Spieler haben […] die Erinnerungen, die sie damals hatten, als sie RuneScape spielten. Sie möchten es einfach wieder spielen und diese Erinnerungen zurück bekommen.

Dieser Punkt an dem Du zum ersten mal ein MMORPG spielst, ist ein spezieller Moment für die Person. Diesen Moment bekommst Du nie wieder zurück. Du hast nur diese eine Chance das erste Mal zu erleben. Das ist für viele ein Grund, immer noch bei [Old School] RuneScape zu bleiben.“

Spieler fühlen sich laut Kemp einfach wohl in ihrem ersten MMORPG. Das geht auch anderen so: Darum wird nie wieder ein MMORPG so toll wie World of Warcraft

Es gibt auch neue Spieler: Es ist also nicht nur Nostalgie

Aussterbende Spieler ein Problem: Wenn der Großteil der Spieler aus Veteranen besteht, könnte man meinen, dass dies eines Tages zum Problem würde. Ein Spiel braucht „frisches Blut“, um auch auf lange Sicht laufen zu können.

RuneScape-Old-School

Offizielles Artwork von Old School RuneScape zeigt den mystischen Ton des Spiels.

Junge Spieler rücken nach: Kemp versicherte mir jedoch, dass Old School RuneScape einen stetigen Fluss an neuen Spielern jeder Altersklasse besitzt. Es gibt Teenager und auch Spieler, die schon lange die 60 überschritten haben. Dieses Bild spiegelte sich mir auch auf dem Runefest wieder, auf dem alle Altersklassen vertreten waren. Die meisten Besucher waren jedoch in ihren Zwanzigern.

Old School RuneScape ist so simpel, dass es Stress abbaut

Diese Aussage, dass es auch noch genug neue Spieler gibt, deckte sich nicht vollkommen mit Kemps Begründung, dass Spieler aus purer Nostalgie ihren Weg zu Old School RuneScape fanden. Das machte mich stutzig und ich hakte nach.

MeinMMO: Warum glaubst Du, dass neue Spieler Old School RuneScape überhaupt starten? Man sieht die Grafiken und denkt, dass es einfach ein altes Spiel ist. Wieso starten sie nicht etwas Modernes wie WoW oder Elder Scrolls Online?

Mathew Kemp: Das finde ich ebenfalls faszinierend. Wenn wir unsere Spieler fragen, warum sie unser Spiel überhaupt spielen, was wir ziemlich oft tun, bekommen wir immer eine Schlüssel-Antwort. Die ist, dass es simpel zu spielen ist.

Man versteht [Old School RuneScape] direkt und es ist nicht so überflutet wie andere Spiele mit High-End-Grafiken. Wenn ich ein Schwert in der Hand halte, ist es ein Schwert. Es gibt keine protzigen und funkelnden Effekte. Genau diese Einfachheit schätzen unsere Spieler.“

RuneScape-Schwert

Ein Sicherheitsnetz der Entspannung

Spieler nutzen Old School RuneScape zum Entspannen: Kemp führte weiter an, dass Jagex häufig intensive Gespräche mit Spielern hält: „Diese haben wir gefragt, was sie für ein Gefühl haben, wenn sie Old School RuneScape spielen und das Wort Entspannung kam immer und immer wieder nach oben.“, so Kemp, „Diese Spieler haben etwa gesagt, wenn sie League of Legends spielen und dadurch gestresst werden, kehren sie einfach zurück zu Old School RuneScape, weil es sie beruhigt.“

Mit einem nachdenklichen Blick führte Kemp weiterhin an: „Es es ist für sie Teil ihres Lebens mit Old School RuneScape zu relaxen. Es ist schon nahezu so, als wäre es ihr Sicherheitsnetz. Mit Old School RuneScape haben sie etwas, […] mit dem sie sich nicht unter Druck gesetzt fühlen.“

Alte Grafiken als Unterstützung: Kemp ist davon überzeugt, dass auch die pixeligen Grafiken genau dieses Simple, das die Spieler sich ersehnen, unterstützt. In mehreren Umfragen von Jagex sei herausgekommen, dass die Spieler sich auf keinen Fall eine Überarbeitung der Grafiken wünschen würden.

RuneScape soll simpel und vertraut bleiben: Die meisten möchten, dass Old School RuneScape einfach so bleibt wie es ist. Das gelte sowohl für die alten als auch für die neuen Old School RuneScape-Spieler. Kemp betonte, dass Jagex deshalb auch viel Wert darauf lege, das Spiel genauso zu vermarkten wie es ist. So wird für Old School RuneScape etwa auch das Artwork zu Werbezwecken simpel gehalten, wie das Spiel selbst eben.

Old-School-RuneScape

Jagex hält sogar bewusst das Artwork zu Old School RuneScape simpel, so dass Spieler direkt wissen, woran sie sind.

Old School RuneScape wird nicht für sein Aussehen gespielt

Auf dem RuneFest 2018 fand ich zu dem, was Senior-Product-Manager Mathew Kemp mir erzählte, Bestätigung. Ich schlenderte über das Festival und sprach mit den Spielern selbst. Es gab nur wenige Old-School-Spieler, die dort anzutreffen waren. Die meisten dort waren „moderne“ RuneScape-Spieler.

Ich fand jedoch einen Old-School-Spieler, der sich zu einem Plausch mit mir niederließ.

Spieler werden durch Mechaniken angezogen: Der Festival-Besucher, der lieber anonym bleiben wollte, scherzte direkt zu Beginn darüber, dass es wohl kaum Old-School-Spieler zum Fest geschafft haben, weil sie zu sehr mit spielen beschäftigt sind. Denn Old School RuneScape bedeutet auch Old-School-Grind.

Spieler investieren hier massig Zeit und Ressourcen, um bestimmte Ziele im Spiel zu erreichen. Im „modernen“ RuneScape 3 gibt es doch ein paar Funktionen, die einem den Grind erleichtern und etwas abkürzen. Genau diese alten Systeme werden aber von den Old-School-Spielern geschätzt.

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Beim RuneFest ist es Tradition die In-Game-Welt von Gielinor nachzubauen. Hier können Spieler dann auf Quests gehen, die sie zu den Entwicklern, mit kleinen spaßigen Aufgaben, führen.

Festival-Besucher erklärte, warum er Old School RuneScape gegenüber dem modernen bevorzugt: Weißt Du, diese Frage wird mir ziemlich häufig gestellt. Ich habe keine richtige Antwort darauf. Vielleicht ist es Nostalgie, aber ich glaube nicht, dass es nur das ist.

Old School RuneScape lässt einfach mehr Spielraum für Phantasie. Kennst Du das Phänomen des “Uncanny Valley”? Wenn Dinge wie real erscheinen wollen, es aber nicht sind und Dir das irgendwie ein schlechtes Gefühl gibt?

Das “moderne” RuneScape gibt mir dieses Gefühl. Wenn ich es mir ansehe, versucht es wirklich gut auszusehen, aber es ist eigentlich nicht so toll. Deshalb mag ich Old School. Ich spiele das Spiel eigentlich nur wegen dem System, die Art wie es funktioniert, und nicht wirklich für das Aussehen.“

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Old School RuneScape: Die liebe Nachbarin von Nebenan

Auf die Frage, warum Old School RuneScape immer noch so relevant ist und wieso es immer noch wächst und gedeiht, gibt es wohl nicht die eine wahre Antwort. Nach meinen Gesprächen auf dem RuneFest, fällt mir nur die Entsprechung der lieben Nachbarin ein.

Keine aufregende Schönheit, aber liebenswürdig charmant: Sie ist vielleicht nicht so verrucht und sexy wie das junge Ding, das einem verschmitzt von der Bar aus angesehen hat. Old School RuneScape ist diese eine Freundin von nebenan, bei der wir uns gleich geborgen fühlen. Beide haben ihren Reiz. Unsere liebe Nachbarin jedoch öffnet uns die Tür in ihrem gammeligen Pyjama mit zersaustem Haar und streckt uns dabei bereits einen heißen Kaffee entgegen.

Hier schmeißen wir uns auf die alte Couch, auf der wir schon so oft gesessen haben und lassen uns einfach fallen. Wir akzeptieren sie mit ihren Schrullen, wie sie uns mit unseren akzeptiert. Genau deshalb lieben wir sie, genau deshalb ist sie besonders charmant und auf ihre Weise eine echte Schönheit.

Old School RuneScape für Mobile: Am 30. Oktober wird Old School RuneScape für iOS und Android erscheinen. Die moderne Version lässt noch etwas auf sich warten. Die Beta-Tests hierfür sind allerdings schon gestartet.

Laut Senior-Product-Manager Kemp sei übrigens gerade das Erweitern der Plattformen für Old School RuneScape ein wichtiges Mittel, um weiter wachsen zu können. Das möchte Jagex künftig noch über Mobile hinaus weiter ausbreiten.

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