CoD Modern Warfare 2 muss alleine das Shooter-Jahr 2022 retten

CoD Modern Warfare 2 muss alleine das Shooter-Jahr 2022 retten

CoD: Modern Warfare 2 erscheint voraussichtlich am 28. Oktober 2022. Es kommt in einem Jahr, das Shooter-Fans immer wieder enttäuscht hat. Jetzt soll es der Retter des Genres im Gaming-Jahr 2022 sein, muss dafür aber einen seltsamen Spagat einlegen zwischen Aufbruchstimmung und alten Strukturen. Das kann nur schiefgehen, findet MeinMMO-Autor Marko Jevtic.

Über das Gaming-Jahr 2022 wurde schon viel gesprochen. Insbesondere Shooter-Fans können nicht zufrieden sein. Normalerweise sind die Spiele, die zur Winterzeit des Vorjahres erscheinen, über Monate die größten Hits.

Doch CoD Vanguard, Battlefield 2042 und Halo Infinite haben alle enttäuscht. Auch ‚frisches Blut‘ wie The Cycle: Frontier schlägt nicht so ein, wie erhofft.

CoD Modern Warfare 2 ist also fast schon automatisch die große Hoffnung für Shooter-Fans, endlich mal wieder etwas richtig Gutes und Großes zu zocken. Keinen „Geheimtipp“ oder eine „etablierte Größe“, die man seit Jahren zockt. Sondern den einen Shooter des Jahres – den Blockbuster, den Kassenschlager, das Popkultur-Phänomen. Sich diese Beschreibungen zu verdienen kann Call of Duty historisch gesehen immerhin ganz gut.

Doch ich habe große Zweifel daran, dass Modern Warfare 2 diesen Ansprüchen auch langfristig gerecht wird. Denn das Spiel wirkt aufgrund der Umstände gefangen zwischen Aufbruchsstimmung und alljährlichem Hype. Und das ist eine Mischung, die nur enttäuschen kann.

CoD macht große Versprechen, die sich widersprechen

Das beste Beispiel hierfür ist die Präsentation des Spiels beim Summer Game Fest. Der Moderator von Geoff Keighley stellt Johanna Faries vor, den „Kopf von Call of Duty“. Dann steht sie an einer Schiffswerft vor überdimensionierten Ausdrucken der Charaktere in Modern Warfare 2 und erzählt stolz, was uns erwartet:

Im Jahr 2019 hat Modern Warfare alles verändert. Und am 28. Oktober läuten wir mit dem Start von Modern Warfare 2 eine neue Ära von Call of Duty ein. Wir sind zurück, wir sind größer und wir bringen das gesamte Team mit: Price, Gas, Soap, Alejandro und – natürlich – Ghost.

Wir brauchten eine Bühne, die groß genug ist, um Call of Duty auf eine ganz neue Art und Weise zu inszenieren, inspiriert von der Welt, die wir gleich betreten werden. Ölplattformen, Frachtschiffe und andere [Schauplätze] sind nur der Anfang. Hier ist Modern Warfare 2.

Johanna Faries (via YouTube)

Unterlegt ist diese Ansprache von epischer Musik, und dann startet der ausführliche Gameplay-Trailer. Den könnt ihr hier sehen:

CoD: Modern Warfare 2 zeigt Gameplay zu einem vollen Level – Sieht noch realistischer aus als je zuvor

Das Ganze ging zusammen weniger als 10 Minuten. Doch das hat gereicht, um mir alle Hoffnung zu nehmen, dass CoD Modern Warfare 2 mehr sein kann, als ‚nur‘ ein guter Shooter. Denn alles, was Johanna Faries mitsamt dem Gameplay hier präsentiert hat, zeugt von einem höchst seltsamen und schwierigen Spagat, der nur enttäuschen kann.

Das Spiel wirkt wie gefangen zwischen zwei Extremen. Faries spricht von einer „neuen Ära von Call of Duty“, erwähnt aber im selben Atemzug, dass alle bekannten Gesichter dabei sind. „Natürlich“ auch Ghost, wie soll es auch anders sein?

Wie passt das zusammen? Wie „neu“ kann eine Ära sein, wenn man wie selbstverständlich auf alte Mittel zurückgreift und ein Team von Elite-Killern aus einem Spiel von 2009 wie die Superhelden aus Avengers präsentiert. Damit meine ich ‚natürlich‘ die Protagonisten aus dem originalen Modern Warfare 2 von 2009, nicht das neue Modern Warfare 2 mit altem Titel.

Die zweite Hälfte des Zitats von Faries gibt wohl die Antwort auf diese Frage: Sie sagt nämlich, Modern Warfare 2 möchte sich „auf eine ganz neue Art und Weise inszenieren“. Das klingt nicht nur nach ‚Mehr Schein als Sein‘ – bislang sieht es auch ganz danach aus.

CoD MW2 will neue Wege einschlagen – Mit altbekannten Mitteln?

Als Content Creator und Influencer vor dem großen Publikum einen exklusiven Blick auf Modern Warfare 2 werfen konnten, waren alle hellauf begeistert. Es sei unglaublich, würde das Internet kaputt machen und sei jetzt schon ein „Top 5 CoD.“

Als dann das Level-Gameplay beim Summer Game Fest gezeigt wurde, war die Stimmung aber eine ganz andere. Der Spieler im Trailer bewegten sich nervig langsam durch das Level und in meinem Kopf dominiert ein Gedanke: „Das kenn ich doch alles schon“.

Regen, böse Terroristen, eine Rakete, Molotov Cocktails und explodierende rote Fässer. Ein Team, denen man langsam hinterher trabt, die langsamsten Tür-Öffnungsanimationen seit Resident Evil 1… das kennt man alles schon.

Nicht nur habe ich kein neues Gameplay gesehen, ich habe noch nicht einmal die große, neue Inszenierung erkannt. Es wirkte auf mich wie ein belangloser Mischmasch aus 4 Spielen, die offiziell genau diese Namen haben: Modern Warfare, Modern Warfare, Modern Warfare 2, Modern Warfare II.

Das hab aber nicht nur ich so gesehen. Die Redaktion der PC Gamer etwa schrieb, dass „Modern Warfare 2 wirkt, als hätte es keine neuen Ideen mehr“ und sagte in einer Unterhaltung:

Call of Duty als Singleplayer-Erlebnis fühlt sich an diesem Punkt völlig ausgelutscht an. […]

CoD hat die Angewohnheit, sich zu wiederholen, aber diese Mission auf der Ölplattform war einer der generischsten Dinge, die ich seit Langem gesehen habe. Mir fällt keine einzige Sache ein, die in diesen sieben Minuten passiert ist, die ich nicht schon eine Milliarde Mal in den letzten 20 Calls of Duty gemacht habe. […]

Es kommt es so rüber, als ob Infinity Ward einige Kästchen abhaken muss, die verhindern, dass sich das Spiel neu anfühlt. Warum sieht es so sehr nach der Einführungsmission von Call of Duty 4 aus? Vielleicht geht es darum, ein Gefühl der Nostalgie für Spiele zu erzeugen, die bereits 15 Jahre alt sind, aber was ich stattdessen bekam, war „ach, wir machen das schon wieder“.

Die Redaktion der PC Gamer in ihrem Artikel

Mit Modern Warfare 2 möchte man eine „neue Ära“ einläuten, aber gleichzeitig auch jede Fan-Erwartung erfüllen, die jeder mit entferntestem Interesse an das Spiel hat.

Der Name vom Spiel ist auch ein alter, genauso wie die Namen der Protagonisten – Ghost muss natürlich dabei sein. Eine Öl-Raffinerie mit Sicherheit auch, das ist eben CoD. Die Waffen sind modern und bekannt, klaro. Wo Modern Warfare 2 draufsteht, muss sicherlich auch Modern Warfare 2 drin sein. Aber ich frage mich: Wo bleibt das Neue, das Besondere, das Interessante?

Die 5 wichtigsten Neuerungen in CoD MW2 und warum ich dabei nur an Warzone 2 denken kann

Wir haben bisher nur den Singleplayer wirklich gesehen. Die meisten Leute interessiert aber der Multiplayer. Aber nichts von dem, was wir bisher von MW2 wissen, vermittelt den Eindruck, dass hier etwas Revolutionäres passieren wird. Es gibt halt wieder Killstreaks, Waffen-Aufsätze und Perks. „Natürlich“.

Die typische CoD-Routine kann keine 2 Jahre lang unterhalten

Einer der größten Kritikpunkte an CoD Vanguard ist das Setting. Der Zweite Weltkrieg als Schlachtfeld ist schon seit Jahrzehnten ausgelutscht. CoD war mit seinen ersten Spielen selbst dafür verantwortlich, Modern Warfare war 2007 schon die Kurskorrektur. Als Kompromiss hat man dann das Gameplay so Old School gehalten wie möglich. Geklappt hat das nicht: Vanguard war für Spieler und für Activision Blizzard eine große Enttäuschung.

Um eine Sache klarzustellen: Damit sage ich nicht schon Monate im Voraus, dass das Spiel schlecht wird oder keinen Spaß machen wird – dazu kann ich noch keine Aussage treffen und das möchte ich auch mit diesem Text nicht tun. Aber ich sehe, dass CoD wohl dieselben Fehler wiederholt, diesmal halt mit breiterer Brust und mehr Selbstbewusstsein als noch mit Vanguard.

Selbst die Verantwortlichen bei Activision meinten über Vanguard: Es brachte zu wenige Neuerungen. Wieso also wird zielgerichtet wieder auf ein ähnliches Konzept für CoD MW2 hingearbeitet?

CoD Vanguard nennt 2 Gründe, warum sich der Shooter so schlecht verkauft hat

Die CoD-Formel ist mindestens seit Modern Warfare aus 2007 jedes Jahr erfolgreich. Spaß bringen die Spiele eigentlich auch immer. Zu oft ist es aber wie ein 08/15-Hamburger einer Fast-Food-Kette: Manchmal hat man Lust drauf und es weckt altbekannte Gefühle von Genuss. Aber sättigend oder zufriedenstellend ist das Ganze nicht.

Modern Warfare 2 ist dazu möglicherweise das erste Spiel in der CoD-Geschiche, das gleich 2 Jahre lang leben muss. Denn 2023 soll wohl kein neues CoD erscheinen. MW2 muss also mehr denn je auch langfristig satt machen können, denn es gibt so schnell keine zweite Portion mehr. Und so schlecht wie die Shooter-Konkurrenz performt, gibt es so schnell auch keine gute Alternative.

CoD Modern Warfare 2 ist also gefangen in einer ganz miesen Situation. Es muss 2 Jahre lang CoD-Fans zufriedenstellen, gleichzeitig muss es aber ein Shooter-Jahr voller Flops, Enttäuschungen und Routine retten. Das ist ein Spagat, den das Spiel einfach nicht erfolgreich schaffen kann – selbst wenn es alles richtig macht.

Immerhin: ein neuer Spielmodus könnte richtig gut werden. „DMZ“ orientiert sich wohl an Escape from Tarkov und könnte als Standalone-Titel erscheinen. Alles Wichtige darüber erfahrt ihr hier:

CoD soll mit Modern Warfare 2 einen komplett neuen Modus bekommen – Kopiert dafür wohl das Erfolgsrezept von Warzone

Jetzt möchte ich eure Meinung zum Thema hören. Stimmt ihr zu, seid ihr dagegen? Wie sehen eure Erwartungen gegenüber CoD MW2 2022 aus? Lasst einen Kommentar da.

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Lieblingsleguan

Vanguard ist nicht deshalb doof, weil es zu wenig neues gebracht hat, sondern weil es Bekanntes zu schlecht macht. Doofe Killstreaks, doofe Lethals, komisches Waffendesign mit grottigem Sound.
Man muss MW II nicht als den Heiland betrachten, wenn es einfach ungefähr ist wie MW2019 mit weniger zum Campen animierendem Mapdesign und gleichzeitig Warzone 2 sich wieder ungefähr so anfühlt wie Warzone 1 vor der Cold War Integration, dann werden viele Leute zufrieden sein.

Zur Kampagne sag ich nichts, die interessiert mich nicht.

K-ax85

Für Singeplayer kommt am Ende des Jahres noch mal Freude auf: Atomic Heart soll dann erscheinen, mit Callisto Protocol kommt dann außerdem noch ein spannender Third-Person Shooter, ansonsten sieht es tatsächlich eher mau aus.

Aber es gibt viele gute Shooter die bereits auf dem Markt sind und für die dieses Jahr sicherlich noch viel neuer Inhalt geliefert wird – Squads, Hell let loose oder Escape from Tarkov z.B. – da kann man durchaus mal reingucken. Gerade in EfT wo nun am Mittwoch wipe war.

Ich bin da guter Dinge – gerade weil nicht wie jedes Jahr der Shooter-Einheitsbrei rauskommt. Battlefield 2042 kann mit ganz viel Enthusiasmus beim Aufpolieren seitens DICE sicherlich noch ein vernünftiger Shooter werden, Modern Warfare 2 ist jetzt kein Titel auf den ich mich unbedingt freue, wenn er was taugt kann man den sicherlich aber auch gut spielen – Hirn aus, durchladen, losfeuern.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von K-ax85
Slix

Das Franchise kann schon seit mw3 nichts mehr retten. Ich hab mir die letzten Jahre immer rein geschaut und war jedesmal der selbe shit. Crossplay nervt extremst. Nein danke keine CoD dieses Jahr. Mmn muss auch nichts gerettet werden. Apex cs oder eft läuft alles wunderbar.

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