Fortnite: Gibt es wirklich einen Battle-Royale-Hype da draußen?
Der Fortnite-Hypetrain hat den Bahnhof verlassen.

Das Ende von Radical Heights zeigt für unseren Autor Schuhmann: Ja, der Battle-Royale-Zug ist in voller Fahrt. Aber jetzt noch aufzuspringen, könnte verdammt schwer werden. Denn Fortnite wird mit jedem Tag stärker.

Knallbunt statt knallhart: Das Studio Boss Key Productions hat ein mieses Timing. Erst wollte man einen harten Skill-basierten Shooter entwickeln für Leute, die Unreal Tournament mochten – da aber kam man zu spät und Overwatch hatte mit einem knallbunten Look schon den Markt an sich gerissen. Lawbreakers scheiterte.

Dann wollte man noch irgendwie auf den Battle-Royale-Zug aufzuspringen, hat selbst einen trashigen 80er-Jahre Shooter zusammengeschustert. Doch auch diesen Hype-Train hat man nicht mehr erwischt. Da blieb nur noch die Schließung des Studios. Aber warum konnte man nicht mehr auf den Battle-Royale-Zug aufspringen?

Radical Heights Titel

Ist es schon zu spät für neue Battle-Royale-Spiele?

Lieber der eigenen Vision folgen? Jetzt könnte man als Gaming-Purist, der an das Gute glaubt, sagen: „Es bringt nie was, einem Trend nachzurennen. Man muss innovativ sein, seine eigene Vision entwickeln und die verfolgen – mit allem, was man hat. Nur so kann man erfolgreich sein.“

Aber das wäre rundheraus falsch.

Denn Fortnite hat seine eigene Vision in die Mülltonne gekippt, als sie gefloppt ist. Dann hat man den Koffer in die Hand genommen und ist wie irre dem Battle-Royale-Zug hinterher gerannt. Den hat man nicht nur erwischt, sondern ihn gleich gekapert. Jetzt wird man schweinereich damit – und zwar mit der Idee und der Vision eines anderen.

fortnite-vs-pubg

PUBG hat damals entsetzt aufgeschrien: Hey, Ihr klaut unsere Idee.

Das fanden damals aber alle nicht so interessant. Es wirkte irgendwie unkapitalistisch, sich darüber zu beschweren. Warum ärgerte sich denn das riesige PUBG darüber, dass so ein unbedeutendes Spiel wie Fortnite sich an den Hype-Train dranhängen will. Das würde doch eh niemanden interessieren, dachte man damals.

Jetzt, ein halbes Jahr später, weiß man, wie es ausgegangen ist. Fortnite ist wahrscheinlich das größte Spiel der Welt.

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Das Überleben des Stärksten: Als Fortnite entschieden hat: „Wir machen jetzt Battle Royale“, gab es nur eine qualitativ ansprechende Alternative. Das war PUBG. Die hatten die bisherigen Battle-Royale-Spiele, wie The Culling und H1Z1, abgehängt und verdrängt.

Es ist schon ironisch, dass bei einem Survival-Game selbst nur der Stärkste überlebt und der Schwächere gefressen wird. Denn es ist nicht so wie bei Singleplayer-Spielen, dass es gar nicht genug Games geben kann.

Hat man die Story des Rollenspiels einmal durch, spielt man das nächste. Nein, in einem Genre wie Battle-Royale scheint es nur Platz für wenige Titel zu geben. Kommt ein neues hinzu, muss ein anderes weichen.PUBG Charakter

Doch PUBG, das die Vorgänger verdrängen konnte, hatte selbst Schwächen. Es lief nicht sonderlich gut, war unpoliert, kostete Geld und war nur auf dem PC. Diese Schwächen nutzte Fortnite.

Fortnite ist durch die Lücke geschlüpft, die PUBG geboten hat. Denn Fortnite ist kostenlos, läuft flüssig und kommt für alle Plattformen.Fortnite-Explosion

Keine Lizenz zum Gelddrucken: Aber heißt das jetzt, dass es so einfach geht, Geld zu verdienen? Muss man nur ein Battle-Royale-Spiel entwickeln, dann kommen schon alle? Sind alle nur heiß auf neue Games? Nein. Denn Fortnite hat die Lücke hinter sich zugemacht, durch die man sich selbst noch gequetscht hatte.

Das sieht man am Scheitern von Games wie Radical Heights. Dabei hatte das noch einen Start-Bonus. Denn zum Release gab’s einen langen Server-Down bei Fortnite und einen riesigen Popularitäts-Schub für den Underdog. Hat aber nichts genutzt.

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Es wird immer schwerer, ein neues Battle-Royale-Spiel zu etablieren

Geschichte wiederholt sich: Das Battle-Royale-Genre wird genauso laufen wie das MOBA-Genre vor einigen Jahren. Spieler finden ihr MOBA und bleiben dabei. Denn es gibt keinen Grund, das Spiel zu wechseln und ein anderes auszuprobieren. Es gibt keinen Content, der leerläuft, wie bei einem Singleplayer-Spiel oder bei Online-Spielen mit PvE-Inhalten.

Mit jedem Tag, in dem Spieler Fortnite (oder auch PUBG) spielen, werden sie weiter an das Spiel gebunden:

  • Denn sie investieren Zeit in das Spiel, lernen die Mechanik und werden besser
  • Und sie investieren Geld in das Spiel, kaufen neue Skins
  • Außerdem schließen sie Freundschaften, das bindet sie weiter an das Game

Je mehr jemand Fortnite spielt, desto enger bindet er sich an das Spiel durch die Mechaniken.

Raven-Skin

Damit neue Spiele, diese Bindung wieder lösen können, müssen sie überzeugen und ein neues Spiel-Erlebnis bieten. Bei den MOBAs ist es nach Jahren keinem Entwickler, auch nicht Riesen wie Blizzard, gelungen, in die Phalanx aus League of Legends und Dota 2 einzudringen. Die Marktanteile von Dota 2 und besonders von LoL sind riesig.

Vor einigen Jahren sprossen zig MOBAs aus dem Boden. Fast alle sind gescheitert. Damals lernte die Industrie: „Es gibt keinen MOBA-Hype da draußen – es gibt einen LoL-Hype.“

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Es ist zu bezweifeln, dass es bei den Battle-Royale-Spielen anders wird. In den nächsten Monaten werden wir wohl einige enttäuschte Entwickler erleben, die mit ihrer Idee eines Battle-Royale-Spiels Schiffbruch erleiden.

Die Frage ist: Wollen die Spieler wirklich andere Battle-Royale-Spiele? 

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