Anthem steckt in der Krise und das ist total normal

Beim Online-Shooter Anthem hat der Launch für einige Probleme gesorgt. Unser Autor Schuhmann sagt: Das war zu erwarten. Wichtig ist es, wie BioWare darauf reagiert hat.

Das hat mich nicht überrascht: Die Launch-Phase von Anthem war genauso, wie ich sie erwartet habe.

Jedes neue Online-Spiel leidet unter denselben Problemen zum Launch:

Anthem-Titan

Darum ist das normal: Egal, wie gut ein Team vorbereitet ist, beim Start eines neuen Live-Games mit PvE-Fokus kommt es unweigerlich zur Katastrophe und es heißt dann hinterher: „Hätten Sie mal noch ein halbes Jahr mit dem Launch gewartet.“

Diese Stolper-Starts haben wir bei The Division 1, bei The Elder Scrolls Online und vielen weiteren Spielen in den letzten Jahren erlebt. Immer sahen die Spiele da furchtbar aus und die Entwickler wurden aufs Härteste als Vollpfosten beschimpft und dargestellt.

Nur in wenigen Fällen bleibt der Shitstorm aus:

Aber dass Anthem durch einige Turbulenzen fliegen würde, war wirklich zu erwarten. Die Hoffnung, BioWare hätte das aus SWTOR oder den Fehlern von The Division und Destiny gelernt, war echt dünn.

Die Erfahrung zeigt: Die Entwickler werden betriebsblind und sehen die Fehler erst im Live-Betrieb, wenn hunderttausende Spieler sie auf reddit in die Welt schreien.

Den Launch-Verlauf von Anthem habe ich in einem Artikel im November auf MeinMMO so schon prognostiziert. Musste man jetzt auch kein Hellseher sein.

Anthem Interceptor mit einer Pose

Das hat mich überrascht: Was tatsächlich heftiger war als sonst, war der Shitstorm und der Ärger, der über BioWare hereinbrach.

Das lag an der besonderen Situation des Spiels:

  • Anthem erschien isoliert im Februar, war da für Wochen das „einzige große Thema“ im Gaming – Apex startete zwar stark, flaute dann aber rasch ab
  • BioWare hat einen großen Ruf als RPG-Lieferant und steht unter besonderer Beobachtung, gerade der Fachpresse
  • offenbar haben sich viele Singleplayer-Fans das Spiel angesehen
Anthem im Test – Was sagen Reviews auf Metacritic?
  • Anthem hat generell eine so starke „Macht-Fantasie“ und eine gute PR gehabt, dass der Hype um den Titel groß war
  • und irgendwie sollte wohl an Anthem auch ein Exempel statuiert werden über den aktuellen Stand der Videospiel-Industrie und wie doof Games-as-a-service sind. Anthem bekam da noch einiges an Frust über EA und Fallout 76 ab.

Die meisten Probleme, die Spiele sonst so haben, wuchsen bei Anthem irgendwie auf das Dreifache an.

anthem-rot-javelin

Deshalb sieht Anthem gerade so schlecht aus: Nach so einer Launch-Phase kochen die Emotionen hoch und oft wirkt es dann so, als taumelt ein Spiel von einem Schlag in den nächsten.

Profunde Probleme wie mit dem Loot-System lassen sich nicht über Nacht lösen und vieles braucht einfach Zeit, während enttäuschte Spieler immer lauter nach sofortiger Lösung rufen.

Den Tenor bei einigen ist aktuell: „Ich hab 70€ bezahlt, ich will jetzt eine Lösung und nicht erst in einem Jahr.“

Ein verständlicher Wunsch, der unmöglich umzusetzen ist.

Anthem im Test: So werten die Leser von MeinMMO

Das ist jetzt wichtig: Im November habe ich in dem Artikel gesagt, das Wichtigste in der Phase ist es jetzt, wie BioWare mit den Problemen umgeht.

Denn das wird letztlich über die Zukunft von Anthem entscheiden.

Bislang haben sie gezeigt, dass sie bereit sind, schnell und entschieden zu reagieren:

Während sich einfache Sachen wie „Von überall Missionen starten“ leicht lösen lassen, funktioniert das bei den tiefen Probleme eben nicht über Nacht – auch wenn Fans das erzwingen möchten.

anthem-colossus-flight

Aber generell scheint BioWare die Kommunikation gut hinzubekommen und auf das Feedback der Spieler zu reagieren. Sie sind nicht untergetaucht wie andere Studios zum Launch, sondern haben sich dem Ärger gestellt.

Deshalb bin ich guter Hoffnung: Der „Kern“ von Anthem ist wirklich stark. Das Gameplay und das Szenario von Anthem werden auch in einem halben Jahr oder in einem Jahr noch gut sein.

Die Grafik und die Qualität der Präsentation werden halten.

Und die ersten 30, 40 Stunden im Spiel sind für die meisten ja auch durchaus okay, wie man so liest. Danach zeigen sich Probleme im Endgame: Grind, Glitches und generell zu wenig Loot und Content.

Wobei Anthem auch begeisterte Fans hat, die jetzt schon das Spiel fantastisch finden und sich die Augen reiben, warum sie so oft Negatives über ihr Spiel lesen.

anthem-ranger-wallpaper

So geht’s mit Anthem weiter: Anthem braucht jetzt Zeit, um Probleme zu lösen und an Content zu arbeiten. Es werden jetzt viele das Spiel erstmal verlassen – auch das ist normal für einen solchen Titel.

Doch ein harter Kern wird bleiben und Spieler werden wieder zurückkehren, wenn der Vibe um Anthem besser wird. Und das wird er sicher werden.

Viele Spiele, die so holprig gestartet sind wie Anthem, haben eine gute Wende hinbekommen.

Ich bin mir sicher, wir werden noch viel Freude an Anthem habe.

Das ist auch das Schöne an solchen Live-Spielen:

So sicher wie man die Katastrophe zum Launch vorhersehen kann, weiß man auch, dass es mit der Zeit besser wird.

Anthem: Alle Infos zum Live Service und zur Roadmap für die nächsten 90 Tage

Autor(in)
Deine Meinung?
Level Up (40) Kommentieren (228)
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.